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Regionalliga Nord, 5. Spieltag

Hassduell

SV Lurup - Mellendorfer TV 0:0

Text und Fotos von Fuxi

27.9.2006   Ich tue dieses Mal etwas, was ich normalerweise in einer Einleitung nicht mache: Ich nehme das Fazit vorweg. Denn was die Zuschauer dieses Regionalligaspieles zwischen Aufsteiger SV Lurup und dem letztjährigen Spitzenclub Mellendorfer TV zu sehen und zu hören bekamen, hatte nichts mit Fußball zu tun. Es war ein - für Frauenfußball-Verhältnisse - derart unfaires Schauspiel, das es schwer fällt, druckbare Worte darüber auf das Papier zu bringen. Als Hauptschuldige hierbei waren zum einen die Gäste zu nennen, die Hektik, Härte und Unfairness hereinbrachten, aber zweifelsohne ebenso eine von Beginn an mit der Spielleitung überforderte Schiedsrichterin, (Annika Hobst vom niedersächsischen TuS Fleestedt), die ihre Berechtigung zur Leitung von Fußballspielen eigentlich verwirkt haben müsste, denn ihre gezeigte "Leistung" lässt sich nicht mehr mit einem "schlechten Tag" erklären. Über weite Strecken der Partie rückte der Sport in den Hintergrund, und einen Sieger hatte dieses Spiel wahrlich nicht verdient.

Lurups Coach setzte auf ein 4-4-2 mit Libera und Mittelfeldraute. Vor Torhüterin Vanessa Karlsdorf sollte Tammy Hentze abräumen. Davor eine Dreierreihe mit Mareike Cevic, Susann Kunkel und Julia Hoffmann. Das Mittelfeld besetzten Juliane Reimann, Valentina Netzlaw und Almut Kästner, davor Susanne Ebel. Im Sturm wie zuletzt Johanna Wetsch und Anne Mander. Auf der Bank fanden sich die Stammkräfte Bianca Naleppa (Trainingsrückstand) und Katharina Höffgen (disziplinarische Maßnahme) wieder. Mellendorfs Trainer Harms vertraute einem konservativen 3-5-2 mit der Dreierreihe Jessica Kaiser, Manuela Steffens und Natascha Rose vor Torfrau Nina Hall. Im Mittelfeld unterstützte eine Viererkette aus Malia Seybusch, Filiz Heilmann, Janine Schneider und Syrina Kokott die Spielmacherin Jana Kieras, einstmals U17-Nationalspielerin. Im Sturm: Besarta Shabani und Danaila Navarro.

Jana Kieras

Mellendorfs Regisseurin Jana Kieras sah schon nach zwei Minuten nicht sonderlich zufrieden und geduldig aus. Sie leistete sich aber keinen Ausraster

Zunächst sah es nach einem normalen, wenn auch umkämpften Fußballspiel aus. Beide suchten lange nach ihrer Linie und wurden in viele Zweikämpfe verwickelt. Die erste Luruper Chance hatte Mander mit einem deutlich neben das Tor getretenen Freistoß aus 24 Metern (2.). Auf der Gegenseite brachte Shabani nur einen schwachen Schuss zustande, den Karlsdorf problemlos aufnehmen konnte (9.). In der 20. Minute schloss Schneider ein Solo aus dem zentralen Mittelfeld mit einem Schuss aus 22 Metern ab, den sich Karlsdorf schnappte. Der Mellendorfer TV verstärkte jetzt seine Angriffsbemühungen. Shabani holte eine Heilmann-Flanke von rechts aus der Luft und setzte den Abschluss aus der Drehung drüber. Lurup hielt dagegen und hatte seine bis dahin beste Szene, als Mander einen Steilpass von Ebel erlief und den Ball mit links knapp neben den Pfosten setzte (24.). Mellendorf legte jetzt eine Schippe drauf. Ein Mellendorfer Freistoß wurde zu kurz geklärt, Heilmann ließ einen Pass von Schneider durchrutschen, dahinter stand Shabani frei, zog den Ball auf das lange Eck - knapp vorbei (29.).

Besarta Shabani und Valentina Netzlaw

Mellendorfs Auffälligste, Besarta Shabani, ist hier vor Valentina Netzlaw am Ball

Jetzt kam erstmals Hektik auf. Bis dato hatte die Schiedsrichterin viel laufen lassen und ein paar Szenen falsch erkannt. Mit einer Entscheidung war MTV-Abwehrspielerin Kaiser nicht einverstanden, kickte den Ball weg und sah dafür den gelben Karton. Aber ihr Team erspielte sich weiter Möglichkeiten. So holte sich Karlsdorf einen 20-Meter-Schuss von Kieras. Mellendorf zeigte die reifere Spielanlage, aber es fehlte noch Zündendes. Lurup lief häufig gegen eine gut abgestimmte Abwehr mit langen Bällen ins Abseits. Die Atmosphäre auf dem Platz schaukelte sich langsam auf, geschuldet vornehmlich der Härte der Niedersachsen, die die Schiedsrichterin durchgehen ließ. Das erboste Lurups Coach Burmeister, der sich daraufhin Wortgefechte mit seinem Mellendorfer Kollegen Harms lieferte. Der holte sich nach einer gehaltenen Torchance von Heilmann eine Ermahnung von der Schiedsrichterin ab, die wohl in einem Sonderbericht münden wird. Der Überlieferung nach soll Harms auf eine erneute, lautstarke


Schiedsrichterin Annika Probst

Für die Regionalliga ungeeignet: Schiedsrichterin Annika Hobst. Hier zieht sie Gelb gegen Mellendorfs Jessica Kaiser wegen Ballwegschlagens. Es sollte nicht die einzige Karte bleiben. Auch nicht für Kaiser...

Burmeister-Beschwerde seine Spielerinnen aufgefordert haben, die Luruperinnen "umzuhauen". Sollte das so stimmen, wäre das unterste Schublade.

Kopfball Schneider

Luftnummer: So frei kam Janine Schneider (Nr. 9) nicht oft zum Kopfball, aber auch dieser hier brachte nichts ein

In die zweite Halbzeit startete Lurup mit zwei Neuen. Ebel und Cevic blieben draußen, und es kamen Bianca Naleppa und Katharina Höffgen in die Partie, die nun endgültig zum Hassduell verkam. Auch auf der Tribüne nahmen die Wortgefechte und vor allem deren Giftigkeit zwischen den mitgereisten Mellendorfer Rentnern und den Luruper Zuschauern zu. Auf dem Platz durfte man zwischen den Fouls vermehrt Chancen wahrnehmen. Zunächst setzte Shabani einen Schuss neben den Kasten. Auf der Gegenseite zog Mander solo durch die MTV-Hälfte und schoss aus 18 Metern, scheiterte aber an Hall. Nach einen Steilpass von Netzlaw kamen Mander und Wetsch gegen Hall zu spät. Mellendorf antwortete. Kieras kam über links und spielte an den Strafraum, Navarro ließ den Ball prallen, und Shabani setzte den Versuch knapp rechts daneben (58.). Kurz darauf nochmal die Niedersachsen. Heilmanns Steilpass wollte Karlsdorf den Ball abfangen, aber Shabani legte ihn an ihr vorbei - und traf den Außenpfosten. Lurup traf ebenfalls das Gehäuse. Wetsch nahm den Ball aus der Luft, ging an ihrer Gegenspielerin vorbei, marschierte in den Strafraum, wurde dann aber eingeholt und musste gegen Kaiser einen Haken schlagen. Der Schlenzer aufs kurze Eck prallte gegen den Pfosten. Als Höffgen nachsetzte, um den Ball einzuschieben, traf sie die Torfrau, die sich auf den Ball fallen ließ, und es gab wieder hektische Szenen auf dem Platz. Für Höffgen gab es Gelb. Und die nächste Szene war nicht weniger umstritten. Höffgen kam über links und passte diagonal in den Strafraum. Hall rannte raus, fällte Wetsch, aber der Elfmeterpfiff erfolgte nicht. Ob berechtigt oder nicht, war schwer zu entscheiden. Es war nicht zu erkennen, ob der Ball gespielt worden war und ob dies vor dem Fall von Wetsch passierte. Wieder hitzige Diskussionen.

Trainer Harms

Schiedsrichterin Probst nahm sich Mellendorfs Trainer Harms vor. Der soll sich mit der Aufforderung an seine Spielerinnen, die Luruperinnen "umzuhauen", einen Sonderbericht verdient haben!

Nach einer weiteren Gelben Karte gegen Rose bekam Lurup, das jetzt seine stärkste Phase hatte, eine Großchance: Manders Freistoßflanke aus dem linken Mittelfeld beförderte Wetsch völlig alleingelassen per Flugkopfball aufs lange Eck, aber Hall reagierte glänzend und bog den Versuch um den Pfosten (64.). Andere Seite: Nach Fehlpass von Reimann kam Shabani zum Schuss, den Karlsdorf unsicher zur Ecke ablenkte. (70.). Den brachte Kieras herein, und Seybusch schoss volley genau auf Karlsdorf. Die Hektik hatte sich inzwischen gelegt, und es gab weniger Härte. Das tat dem Spielfluss gut, und es entwickelten sich auf beiden Seiten gute Chancen. Netzlaws hohes Anspiel in den Strafraum verlängerte Wetsch gegen Rose mit der Fußspitze, aber wieder zeigte Hall eine großartige Reaktion und wehrte ab (74.). Es schien so, als gingen Mellendorf die Kräfte aus. Lurup war hinten heraus stärker. Wieder prüfte Wetsch die Keeperin mit einem Schuss von der Strafraumgrenze, nachdem sie Manders langen Pass mitgenommen und an Schneider und Kaiser vorbei spaziert war.

Grätsche

Eine typische Spielszene: Harte Zweikämpfe am Rande der Legalität schadeten Gesundheit und Rasen. Dennoch: Der Krankenwagen musste nicht bemüht werden

Mellendorf kam aber auch noch zu einer Großchance. Kieras' Freistoß landete bei Shabani. Die schlug den Ball hoch in den Strafraum, wo sich Navarro mit einem wohl


unabsichtlichen Schlag gegen den Hals Reimann entledigte und das Leder köpfte - es hoppelte um Zentimeter links daneben, während sich Reimann hinlegen musste. Aber für sie ging es weiter. Danach hielt Karlsdorf einen Shabani-Abschluss im Nachfassen. Aber in der Schlussphase kehrten auch Hektik und Aggression zurück. Zuvor war es die Ruhe vor dem Sturm gewesen, der in den folgenden Minuten eskalieren sollte. Denn die katastrophale Unparteiische ahndete selbst offensichtlichste Regelwidrigkeiten nicht und fachte so das Feuer wieder an.

Nach zwei Chancen für Mellendorf, als Karlsdorf einen Schuss von Kieras parierte (88.) und einen Fernschuss ebenfalls fing (89.), passierte das, was sich abgezeichnet hatte. An der Mittellinie spitzelte Heilmann den Ball gegen Wetsch weg. Die war mit der Zweikampfführung nicht einverstanden und schubste die Mellendorferin mit der Hand vor der Brust weg. Der brannten nun endgültig die Sicherungen durch und knallte der Hamburgerin die Faust ins Gesicht. Das zumindest hatte die Schiedsrichterin gesehen und zeigte ihr Rot. Wetsch, die an der Seitenlinie im Gesicht behandelt werden musste, ging für ihre auslösende Tätlichkeit straffrei aus, hätte aber meiner Meinung nach ebenfalls Rot sehen müssen. Aber diese Szene sorgte keineswegs für Ruhe, weder auf dem Platz noch auf der Tribüne.

Foul Johanna Wetsch

Für ein solches Foul hat es schon mal Rot gegeben: Hier geht Lurup-Stürmerin Johanna Wetsch mit dem Unterarm böse gegen Mellendorfs Natascha Rose vor. Folgenlos für beide.

Die letzte Möglichkeit in der 2. Minute der Nachspielzeit hatte Höffgen, die einen Freistoß von Mander mitnahm, doch Hall war vor ihr da und klärte. Danach pfiff Frau Probst die Partie ab - musste aber doch nochmal durchgreifen. Denn direkt nach dem Pfiff wurde sie von Spielerinnen aus Mellendorf bestürmt. Scheinbar vergriff sich dabei Kaiser im Ton - und sah nachträglich nochmal Gelb. Dumm nur: Verwarnt war sie schon. Es gab die Ampelkarte. Es war unfassbar, wie die Nerven der Niedersachsen so blank liegen konnten. Sie waren auch dann noch kaum zu bändigen. Eines ist aber sicher: Mit Spielen wie diesen wird die Regionalliga Nord ihren schlechten Ruf als "Klopperliga" nicht los. Es bleibt zu hoffen, dass sich - im Interesse des Sports - solche Szenen nicht wiederholen werden, und dass der Norddeutsche Fußballverband von weiteren Ansetzungen dieser Schiedsrichterin absieht. Und Werbung für Mellendorf hat der MTV auch nicht betrieben. Die MTV-Führung und die Mannschaft wären gut beraten, sich darüber Gedanken zu machen, ob sie so weiterhin auftreten wollen...

Kopfball Navarro

Der Kopfball von Navarro (re.) verfehlte das Tor ganz knapp. Gegenspielerin Juliane Reimann hält sich die Kehle, wo Navarro sie hoffentlich ungewollt getroffen und sich dadurch die Chance erarbeitet hatte. Hentze (Nr. 5), Kästner (Nr. 7) und Torfrau Karlsdorf sehen erleichtert dem Ball hinterher

SV Lurup:

Karlsdorf - Hentze - Cevic (46. Naleppa), Kunkel, Hoffmann - Reimann (90. Zivkovic), Netzlaw, Kästner - Ebel (46. Höffgen) - Wetsch, Mander

Mellendorfer TV:

Hall - Kaiser, Steffens, Rose - Seybusch, Heilmann, Schneider, Kokott - Kieras - Shabani, Navarro

Tore: Keine

Gelbe Karten: Hoffmann, Höffgen / Rose

Gelb-Rote Karte: Kaiser (Mellendorf, erst Ballwegschlagen und dann Meckern nach Spielende)

Rote Karte: Heilmann (Mellendorf, Tätlichkeit, 90. Minute)

Schiedsrichterin: Annika Hobst (Fleestedt)

Zuschauer: ca. 60


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