UEFA-Cup Viertelfinale

Frankfurt will sich im Fight gegen Arsenal durchsetzen - wer zieht ins Halbfinale ein?

Die Rückspiele stehen an

Von Jochen Ditschler und Katja Öhlschläger

14.10.2005

Am kommenden Samstag geht der UEFA-Cup der Frauen für den 1. FFC Frankfurt in die heiße Phase. Im Rückspiel des Viertelfinales gegen Arsenal London (15. Oktober, ab 14:30 Uhr) wollen sich die amtierenden deutschen Meisterinnen nach dem 1:1-Remis im Londoner Underhill-Stadion am letzten Wochenende nunmehr vor Rekordkulisse im heimischen Stadion am Brentanobad für die Runde der letzten Vier qualifizieren. Während Titelverteidiger vor dem Rückspiel gegen Valur Reykjavik schon fast „durch“ ist, kämpfen Montpellier HSC, Bröndby Kopenhagen, Djurgarden/Alvsjö und Sparta Prag um zwei weitere Halbfinalplätze.

Mit dem 1:1-Unentschieden in London hatte sich der 1. FFC Frankfurt dank des Auswärtstreffers von Sandra Smisek eine gute Ausgangsposition für das mit Spannung erwartete Rückspiel am kommenden Samstag gesichert. Rein rechnerisch genügt dem FFC bereits ein 0:0, um das Halbfinale zu erreichen. Aber von "Ergebnis halten" ist bei den Frankfurterinnen nicht die Rede. "Wir wollen in keinem Fall auf 0:0 spielen, das können wir gar nicht, sondern vor der tollen Heimkulisse natürlich auch gewinnen", bestätigt FFC-Kapitänin Pia Wunderlich. Die in dieser Woche 30 Jahre alt gewordene Mittelfeldregisseurin Renate Lingor hat ihre Geburtstagsfeier konsequenter Weise auf das Wochenende verschoben. "Es ist schön, dass das Rückspiel nur eine Woche nach dem Hinspiel stattfindet, da ist die Spannung noch voll da", zeigt sich Lingor nicht zuletzt aufgrund des harten Körpereinsatzes der Britinnen und der schwachen Schiedsrichterinnenleistung im Hinspiel bis unter die Haarspitzen motiviert.

Motiviert bis unter die Haarspitzen: Sandra Smisek (l.) und Renate Lingor

Foto: Jochen Ditschler

Auch Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks weiß um die besondere Bedeutung dieses Viertelfinalspiels für die Saisonziele der erfolgsverwöhnten Frankfurterinnen: "Schon das äußerst kampfbetonte Hinspiel hat gezeigt, dass hier zwei europäische Spitzenteams aufeinander treffen, die alles geben, um in das Halbfinale der fünften Womens Cup-Saison einzuziehen. Mit Arsenal London haben wir eine zweikampfstarke, aggressive und kompakte Mannschaft kennen gelernt, die den offenen Schlagabtausch angenommen hat und die bis zum Abpfiff um jeden Zentimeter Rasen fighten. Es liegt nun an uns, wie wir vor heimischer Kulisse auf die harte Gangart der "Gunner-Ladies" reagieren und die richtige Antwort mit unseren spielerischen und kämpferischen Möglichkeiten geben. Dabei müssen wir unsere besondere Aufmerksamkeit auf die läuferisch sehr starken Offensivkräfte Kelly Smith und Lianne Sanderson sowie die Mittelfeldregisseurin Rachel Yankey richten. Doch ich bin mir sicher, dass wir uns der anstehenden Herausforderung mit großem Kämpferherz stellen und diese Aufgabe erfolgreich lösen werden."

Grund zur Sorge bereitet Tritschoks allenfalls der Blick auf die Verletztenliste. Nia Künzer war im Hinspiel gegen Arsenal bereits nach 15 Minuten verletzt ausgeschieden. Der Arzt der Deutschen Nationalmannschaft, Dr. Bernd Lasarzewski, hatte am vergangen Montag eine Außenmeniskus-Verletzung am rechten Knie festgestellt, die am Folgetag gleich operiert wurde. "Die Operation ist zwar gut verlaufen, aber wir werden auf Nia im Rückspiel leider verzichten müssen", teilte Tritschoks am Mittwochabend der Presse mit. Auch hinter dem Einsatz von Sarah Günther


Spielführerin Pia Wunderlich, Renate Lingor, Sandra Smisek, Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes (v.l.n.r.) sehen dem Rückspiel gegen Arsenal optimistisch entgegen

Foto: Jochen Ditschler

(Zerrung) stehen derzeit dicke Fragezeichen, die ebenfalls in London verletzte Katrin Kliehm (Leistenzerrung) wird hingegen aller Voraussicht nach spielen können.

Turbine hat den Halbfinal-Einzug so gut wie sicher - wie oft werden sie am Sonntag jubeln dürfen? Hier Britta Carlson, Ariane Hingst und Anja Mittag (v.l.n.r.)

Foto: Nadine Bieneck

Dennoch schaut FFC-Manager Siegfried Dietrich optimistisch dem Viertelfinal-Rückspiel entgegen, bei dem der bisherige Stadionrekord von 4.600 Zuschauern am Brentanobad geknackt werden soll. "Wir haben die Chance, vor einer tollen Kulisse die UEFA-Pokal-Erfolgsstory des 1. FFC Frankfurt gegen einen großen Namen im europäischen Fußball fortzuschreiben. Nicht nur für das sportliche Weiterkommen, sondern auch für die zukünftige wirtschaftliche Etablierung unseres noch jungen Vereins ist es wichtig, dass wir das Viertelfinal-Highlight gegen die Arsenal Ladies am kommenden Samstag für uns entscheiden", freut sich Dietrich auf das Wochenende.

Doch auch die Gäste aus England sind optimistisch nach Deutschland gereist. Trainer Vic Akers, der selber nicht mitgereist ist, weil er bei den männlichen Profis als Zeugwart im Einsatz ist, hat seinem Team mit auf den Weg gegeben, vor allem an die zweite Halbzeit des Hinspiels anzuknüpfen. „Da haben wir richtig guten Fußball gespielt und hatten in den letzten Minuten auch die Chance, das Spiel für uns zu entscheiden.“ Sein Team, das morgen von Fred Donnelly betreut werden wird, sieht er nicht unter Druck. „Frankfurt muss gewinnen, aber wir werde es ihnen so schwer wie möglich machen“, verkündete Akers auf der Homepage der Gunner-Ladies. „Natürlich wäre ein Vorsprung ein enormer Auftrieb gewesen, aber noch ist nichts verloren und wir werden alles geben. Vor allem die ersten 15-20 Minuten müssen wir überstehen, sicher in der Abwehr stehen – dann werden sich auch für uns Möglichkeiten ergeben.“

Laura Kalmari (l.) und Victoria Svensson wollen Djurgarden/Alvsjö mit ihren Toren ins Halbfinale schießen

Foto: Volker Lieberum

Neben Cheftrainer Akers mussten auch Julie Fleeting, Anita Asante, Hayley Kemp, Yvonne Tracy und Leanne Champ verletzungsbedingt auf die Reise nach „Mainhattan“ verzichten. Für Akers kein Grund zu zaudern, auch der wahrscheinlich großen Kulisse gewinnt er Positives ab: „Das kann uns auch zusätzlich anspornen!“


Für reichlich Spannung ist also gesorgt. Und wegen des von HR-Moderator Carsten Schellhorn moderierten großen Rahmenprogramms, bei dem die Sängerin Marjana Lind vor dem Spiel und in der Halbzeitpause den tausenden Fans einheizen wird, lohnt sich der Weg ins Stadion am Brentanobad gleich doppelt.

Für alle, die nicht ins Stadion kommen können: Der Hessische Rundfunk überträgt das Viertelfinalspiel live ab 14:30 Uhr im Hessenfernsehen. In der HR-Sportsendung „Sport am Samstag“ (17.30 Uhr) und im ZDF Sport-Studio (Samstag, 22 Uhr) werden ebenfalls Ausschnitte des Spiels zu sehen sein.

Anne Dot Eggers Nielsen und Bröndby Kopenhagen müssen zu Hause gegen Montpellier einen 0:3-Rückstand aufholen

Foto: Anne Dot Eggers Nielsen

Der zweite deutsche UEFA-Cup-Teilnehmer, der 1. FFC Turbine Potsdam, tritt am Sonntag um 15 Uhr im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion gegen den isländischen Meister Valur Reykjavik an. Nach dem deutlichen 8:1-Sieg im Hinspiel scheint ein Ausscheiden mehr als unwahrscheinlich, sodass Turbine den möglichen Ausfall von Kapitänin Ariane Hingst (Grippe), Karolin Thomas (Hörsturz) und Juliane Höfler (Zerrung) verkraften können sollte. Bilder vom Potsdamer Spiel wird es am Sonntagabend in der RBB-Sportsendung „SPORTPLATZ“ (22 Uhr) geben.

Das Team des HSC Montpellier fährt mit einem komfortablen 3:0-Vorsprung nach Kopenhagen

Foto: Jan Kuppert

Möglicher Gegner Potsdams im Halbfinale könnte der schwedische Meister Djurgarden/Alvsjö sein. Die Schwedinnen gewannen am Dienstag mit 2:0 bei Sparta Prag und können am kommenden Mittwoch zu Hause den Halbfinaleinzug und damit die Wiederholung des Vorjahresfinales perfekt machen, wenn es ihnen gelingt, die 0:7-Klatsche in der schwedischen Liga gegen den Meisterschaftsanwärter Umea IK aus den Köpfen zu bekommen.

Der Sieger der in Frankfurt ausgetragenen Partie bekommt es aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem französischen Meister Montpellier HSC zu tun. Die Französinnen konnten den dänischen Titelträger Bröndby Kopenhagen zu Hause mit 3:0 besiegen und haben sich so für das Rückspiel in Dänemarks Hauptstadt (Sonntag, 16 Uhr) eine glänzende Ausgangsposition verschafft.

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