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Vor dem UEFA-Cup-Halbfinale
Wer schafft den Einzug ins Finale?
Vorbericht zu den Halbfinalhinspielen | ||
| Von Katja Öhlschläger Während die nun auch auf Vereinsebene durchschlagende deutsche Dominanz im europäischen Frauenfußball aus gesamteuropäischer Sicht mit gewisser Sorge betrachtet wird, betonen die deutschen Vertreter die sich daraus ergebende Vorbildfunktion für andere Länder, die am Beispiel Deutschlands sehen können, wie schnell sich die Strukturen auch in kurzer Zeit weiterentwickeln können. „Vor fünf Jahren hätte ich einen solchen Rahmen im Frauenfußball noch nicht für möglich gehalten“, zeigte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger als bekennender Frauenfußballfan auf der Pressekonferenz in Frankfurt am Mittwoch dieser Woche hochzufrieden vom Fortschritt in den letzten Jahren. Zwanziger, der sich im Viertelfinale das Heimspiel des FFC Frankfurt gegen Arsenal London im Stadion anschaute, wird morgen in Potsdam zugegen sein. „Im Finale sehe ich dann beide deutschen Mannschaften“, gibt sich das Turbine-Mitglied betont optimistisch.
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Elodie Thomis im Zweikampf gegen Elisabetta Tona beim EM-Vorrundenspiel gegen Italien Doch bevor über mögliche Finalpaarungen nachgedacht werden kann, steht erst einmal morgen noch ein weiteres Novum auf dem Plan. Zum ersten Mal in der Geschichte des Frauenfußballs werden zwei Regionalsender parallel zwei unterschiedliche Spiele übertragen. Sicherlich ärgerlich für alle Fans, die beide Spiele live sehen möchten, doch die Partie des SV Babelsberg 03 gegen Union Berlin im Karl-Liebknecht-Stadion und das Rhein-Main-Derby FSV Mainz 05 gegen Eintracht Frankfurt, das alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, am heutigen Samstag ließen den Verantwortlichen keine andere Wahl. Eine halbe Stunde vor der Begegnung in Potsdam, um 14.30 Uhr (live im HR), wird in Frankfurt der Anpfiff zur Partie des 1. FFC Frankfurt gegen Montpellier HSC ertönen. Im Vorfeld der Partie warben großflächige Plakate für das Halbfinalduell gegen den französischen Meister der letzten beiden Jahre, der in der 2. Qualifikationsrunde vor eigenem Publikum Turbine Potsdam ein 0:0 abtrotzte, sodass Frankfurts Manager Siegfried Dietrich je nach Wetter auf mindestens 4.000 Zuschauer hofft. Die Sitzplatzkarten sind bereits ausverkauft, Stehplatzkarten sind morgen noch ab 12 Uhr an den Stadionkassen zu erhalten. Unter den zahlreichen Zuschauern werden auch 22 glückliche Gewinner zu finden sein, die gestern zur richtigen Zeit am richtigen Platz – in diesem Fall einer dm-Filiale – waren. Von 15 bis 16 Uhr saß in elf Frankfurter Filialen eine FFC-Spielerin an der Kasse und verschenkte an den jeweils ersten Kunden jeweils zwei Eintrittskarten für den morgigen Showdown im „Stadion am Brentanobad“. Alle Einnahmen, die in dieser Stunde gemacht wurden (12765 Euro, von dm auf 15.000 Euro aufgestockt), fließen in die Nachwuchsabteilung des FFC Frankfurt.
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Saskia Bartusiak und Sandra Smisek saßen bei der dm-Verkaufsaktion in der Dreieichstraße hinter der Kasse
Auch wenn der FFC Frankfurt auch dadurch Geschichte schreibt, als erster Verein zum vierten Mal im UEFA-Cup-Halbfinale zu stehen, und Manager Dietrich bereits von einem möglichen Finale in der Commerzbank-Arena träumt, ist der Gegner aus Frankreich auf keinen Fall zu unterschätzen, denn er hat im Viertelfinale Bröndby Kopenhagen – gespickt mit dänischen Nationalspielerinnen – zweimal klar geschlagen und insgesamt ein 6:1 zu verbuchen. Zudem hat der Club, der 1990 aus einer Fusion von RC Paillade Montpellier und Entente Cressoie zu Entente Montpellier Le Crés hervorging und 2001 in Montpellier HSC integriert wurde, sieben derzeitige A-Natio- und U19-Spielerinnen in seinen Reihen. Ein Verdienst des umtriebigen Managers Sydney Biton, der in den letzten Jahren französische Topspielerinnen wie Hoda Lattaf, Elodie Thomis, Camille Abily und Sonia Bompastor – in der Natio wie im Verein Kapitän – in die französische Weinregion holte. Mit Elodie Ramos hat der Verein zudem eine sehr hoffnungsvolle
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Sehen sich im Halbfinale wieder: Anja Mittag (l.) und Sara Thunebro bei ihrem Aufeinandertreffen im Vorjahresfinale in Potsdam | |
Nachwuchsspielerin im Team. Diese Arbeit machte sich bezahlt. 2004 wurde man erstmals französischer Meister und qualifizierte sich zum ersten Mal für den UEFA-Cup. Wie auch in dieser Saison traf man dort auf Turbine Potsdam. Doch während die Französinnen im vergangenen Jahr als Gruppenletzter beim Vorrundenturnier in Potsdam noch nicht mit der europäischen Spitze mithalten konnten, haben sie in dieser Saison in ihren Spielen gegen Potsdam und Bröndby Kopenhagen Duftmarken gesetzt, die auch in der Mainmetropole angekommen sein dürften. Mit dem Halbfinaleinzug, der als französischem Vertreter zuletzt dem FC Toulouse im Jahr 2002 gelang, hat die Mannschaft von Trainer Patrice Lair ihr Soll bereits übererfüllt. Und auch in der französischen Liga haben sie nach fünf absolvierten Spielen fünf Siege auf ihrem Konto und belegen nur wegen der aufgrund des UEFA-Pokals im Vergleich zu Tabellenführer FCF Juvisy drei weniger ausgetragenen Spiele Tabellenplatz 4. Einen dieser Siege konnten am vergangenen Sonntag FFC-Manager Dietrich und Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks miterleben, als sie den Gegner im Ligaspiel gegen Lyon (2:1) beobachteten. Was der Sportdozent dort gesehen hat, hat ihn durchaus beeindruckt, wie er am Mittwoch in der Pressekonferenz kundtat: „Sie spielen viele lange Bälle aus der Abwehr, haben mit Elodie Thomis und Hoda Lattaf zwei schnelle Spitzen, bestechen durch gutes Kurzpassspiel und sind auch bei Standards sehr gefährlich“, fasste Tritschoks die Stärken des Gegners zusammen. Seine gesammelten Informationen wollte er der Mannschaft, die sich bereits gestern im Hotel traf, in genauen Videoanalysen überbringen. Informationen übrigens, die er zu Teilen auch von Potsdams Trainer Bernd Schröder bekam, der die Französinnen nun bereits zweifach kennen lernen durfte.
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Nationalspielerin Hoda Lattaf (r.) bei der EM 2005 im Zweikampf mit der Norwegerin Gunhild Folstad Bei den Frankfurterinnen, die mit offensivem Spiel vorlegen, aber gleichzeitig auch gegen die schnellen Konter auf der Hut sein müssen, sind personell alle Spielerinnen an Bord. Nia Künzer hat nach ihrer Knieverletzung in der letzten Woche bei der 2. Mannschaft Spielpraxis gesammelt und könnte zum Einsatz kommen. Nur Nationalspielerin Sarah Günther plagt sich noch mit Muskelproblemen und wird erst kurzfristig entscheiden können, ob sie auflaufen kann. Montpellier, ebenfalls personell voll auf dem Damm, hat sich zum Ziel gesetzt, die Partie für das Rückspiel auf jeden Fall offen zu halten, und hofft insgeheim auf die beiden pfeilschnellen Stürmerinnen Thomis und Lattaf, die im Viertelfinale gegen Kopenhagen fünf der sechs Treffer erzielten. Zweifelsohne wäre ein Weiterkommen Montpelliers eine große Sensation, denn nicht nur bei der Abstimmung auf der FIFA-Homepage geht eine große Mehrheit von einem Frankfurter Sieg aus. Doch es wäre auch ein Highlight für den französischen Frauenfußball, der – gerade im Vergleich mit Deutschland – noch ein Schattendasein fristet, weshalb das Medieninteresse am Rückspiel auch so gering ist, dass der Hessische Rundfunk keine Möglichkeit hat, Fernsehbilder aus Montpellier – wie etwa der Rundfunk Berlin-Brandenburg aus Stockholm – zu übernehmen. Alle Spielerinnen sind reine Amateure und müssen ihre Spiele vor durchschnittlich 300 Zuschauern austragen. Bei Topspielen sind es auch mal 1.000 Zuschauer. Gegen die Konkurrenz aus Männerfußball und Rugby kommt der Frauenfußball (noch) nicht an. Ein Sieg gegen die erfolgreichste europäische Vereinsmannschaft könnte da natürlich wie eine Initialzündung wirken.
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Steffi Jones, Renate Lingor, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Pia Wunderlich und Kerstin Garefrekes bei der UEFA-Cup-Pressekonferenz am Mittwoch
Sorgen, mit denen sich der Potsdamer Gegner Djurgården/ Älvsjö nicht mehr herumschlagen muss. Frauenfußball genießt im in |
Fragen der Emanzipation ohnehin sehr fortschrittlichen Skandinavien hohe Anerkennung. Eine Anerkennung, die sich der Stockholmer Verein auf Vereinsebene hart erarbeitet hat. Im Jahr 2003 fusionierten die beiden Vereine Älvsjö AIK und Djurgårdens IF (Verhältnis 49:51) zu Djurgården/ Älvsjö und setzten sich zum Ziel, um die schwedische Meisterschaft mitzuspielen, was gleich im ersten Jahr gelang. In der darauffolgenden Saison 2004 konnte der Triumph gleich wiederholt werden, was „DIF“ in den UEFA-Cup und letztendlich in die Endspiele gegen Turbine Potsdam brachte, die man mit 0:2 zu Hause und 1:3 in Potsdam recht klar verlor.
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Spielführerin Jane Törnqvist (l.), hier im Zweikampf mit Petra Wimbersky, wird wegen eines Zehenbruchs fehlen Die Schwedinnen, die mit den Potsdamer Spielerinnen seit den Finalspielen in der Vorsaison ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, haben auf sportlicher Ebene also noch eine Rechnung offen mit dem Deutschen Pokalsieger. Und sie sehen ihre Chancen in diesem Jahr besser als im vergangenen, denn sowohl Laura Kalmari als auch Victoria Svensson, die in den Vorjahresfinals nicht spielberechtigt bzw. angeschlagen waren, sind an Bord. Allerdings fehlt neben Linda Lekander auch die Abwehrchefin Jane Törnqvist, die im Sommer beinahe bei Turbine Potsdam gelandet wäre, wegen eine Zehenbruchs, den sie sich im Viertelfinalspiel gegen Sparta Prag zuzog. Das Abschneiden in der schwedischen Liga ist es sicher nicht, das Stockholm so optimistisch stimmt, denn hinter Umeå IK und Malmö FF belegte man nur den dritten Tabellenplatz und ist nun im UEFA-Cup zum Erfolg verdammt, will man im nächsten Jahr wieder international mitmischen. Auch die 0:7-Klatsche in der Liga gegen Umeå IK sorgte sicher nicht für Sicherheit. Doch im Pokalfinale gelang es den Frauen aus der schwedischen Hauptstadt, gegen Umeå IK den Spieß umzudrehen. Mit einem 3:1-Sieg, zu dem Victoria Svensson ein Traumtor beisteuerte, gewann die Mannschaft des neuen Trainers Benny Persson zum zweiten Mal in der kurzen Vereinsgeschichte den schwedischen Pokal. Diesen Auftrieb will das Team, aus dem Svensson, Kalmari und die schwedische FF-Legende Kristin „Kiki“ Bengtsson herausragen, nun mit in das Halbfinale gegen Potsdam nehmen. „Ich denke, wir haben sehr gute Karten“, so Svensson. Gute Karten hat aber auch Titelverteidiger Turbine Potsdam, der in dieser Saison in allen drei Wettbewerben noch ungeschlagen ist und im Viertelfinale gegen den isländischer Vertreter Valur Reykjavik das Toreschießen schon kräftig für das Halbfinale üben konnte. Wie auch Frankfurt muss Potsdam, das in Topbesetzung antreten kann, im Hinspiel vorlegen und wird daher offensiv agieren. Ein Gegentor möchte aber auch Bernd Schröder tunlichst vermeiden, als Wunschresultat nennt er ein 2:0. Voraussetzung hierfür, dies unterstrich Schröder, ist, dass seine Spielerinnen den Gegner trotz der vergleichsweise klaren Resultate im Vorjahresfinale nicht unterschätzen. „Die Situation ist eine ganz andere als im letzten Jahr“, warnt Schröder, der Stockholms Top-Torschützin Victoria Svensson von der Frau für diese Fälle, Jennifer Zietz, nicht sonderbewachen lassen will. Begleitet werden die beiden Teams beim Einmarsch auf den Rasen des Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadions morgen von Mädchenteams des Steglitzer Fußball Club Stern 1900 (SFC Stern 1900) und des SV Knudde 88 Giekau Selent e.V. Diese beiden Vereine wurden in dieser Woche von Turbine-Stürmerin Petra Wimbersky aus dem Lostopf gezogen, in dem sich die Namen von über einem Dutzend Vereinen befanden, die sich bei der Aktion „Eskortmädchen“ (wir berichteten) gemeldet hatten, um vor großer Kulisse händchenhaltend mit den Spielerinnen einlaufen zu dürfen. Da das schwedische Fernsehen das Rückspiel aus dem Rasundastadion zu Stockholm live übertragen wird, kommen die Potsdamer Fans am kommenden Sonntag um 12 Uhr in den Genuss von Live-Bildern vom Rückspiel. Der RBB wird ab 11.55 Uhr auf Sendung gehen.
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