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Vor dem UEFA-Cup-Finale

Alle wünschen sich ein gutes Hinspielergebnis

Notizen von der Pressekonferenz

Von Marko Schiller

20.5.2006   Anlässlich des UEFA-Cup-Hinspiels fand am Freitag nachmittag die offizielle Pressekonferenz statt. Von den Gästen aus Frankfurt standen Trainer Dr. Tritschoks und Spielerin Renate Lingor der Presse Rede und Antwort, auf Potsdamer Seite konnten Trainer Bernd Schröder und Spielführerin Ariane Hingst befragt werden. Schon vor Beginn des offiziellen Teils konnte man das entspannte und respektvolle Miteinander der Spielerinnen und Trainer beobachten. Dies sollte auch für die kommenden Spiele auf und neben dem Platz gelten.

Zunächst sollten die Trainer das Wort ergreifen:

Hans-Jürgen Tritschoks

Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks und seine Mannschaft stehen heute unter Druck, wenn sie noch einen Titel gewinnen wollen.

Foto: Volker Lieberum

Tritschoks: „Zunächst gratuliere ich Bernd Schröder und seiner Mannschaft zur Meisterschaft. Sie ist als verdient anzusehen, da man nicht nur zwei Spieltage vor Schluss den Titel schon gesichert hat, sondern weil diese Mannschaft über die gesamte Saison einfach die beste war.

Das erste Endspiel wollen natürlich beide Mannschaften gewinnen. Wir werden den Kopf wegen der bisherigen Ergebnisse nicht in den Sand stecken. Die Mannschaft darf nicht die selben Fehler machen, dann kann man sich eine günstige Ausgangssituation schaffen.“

Ariane Hingst DFB-Pokal

Wird Ariane Hingst (hier mit dem DFB-Pokal) noch einen dritten Pokal stemmen dürfen?

Foto: Jan Kuppert

Schröder: „Die Favoritenrolle wird uns nur aufgesetzt, weil man in Frankfurt 6:2 gewonnen hat. Dass man sich mit dieser Bürde schwer getan hat, zeigten die letzten zwei Spiele gegen Frankfurt. Diese Endspiele haben einen eigenen Charakter und die Karten werden neu gemischt. Niemand hat am Saisonanfang geglaubt, dass Potsdam die Meisterschaft schon so früh sichert. Dennoch ist es ein schmaler Grat, auf dem man gerade wandelt. Man geht mit Respekt vor der Mannschaft und den einzelnen Topspielerinnen in Frankfurt ins Spiel. Potsdam hat nicht die Favoritenrolle, denn jedes Spiel beginnt von Neuem.“

Anschließend wurden Renate Lingor und Ariane Hingst zur momentanen Stimmungslage befragt:

Lingor: „Die Stimmung ist nicht gedrückt. Zwei wichtige Endspiele stehen an. Wir sind verdient in diese Finals eingezogen. Unsere Leistungen der letzten Wochen waren ansteigend. Die Motivation ist da, und vielleicht kommt auch das Glück wieder zurück.“

Hingst: "Trotz der Titel schwebt man nicht auf Wolke sieben. Das Team sieht sich nicht als die Größten an. Schließlich zählen diese zwei Spiele, in denen viel passieren kann. Das Spiel wird mit Sicherheit kein Selbstläufer, und trotzdem ist das Team gewillt, die gute Serie gegen Frankfurt in dieser Saison fortzuführen.“


Bernd Schröder, Hans-Jürgen Tritschoks

Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks (r.) musste Potsdams Coach Bernd Schröder in dieser Saison bereits dreimal zum Sieg gratulieren, so auch letzten Sonntag in Potsdam.

Foto: Jan Kuppert

Als nächstes stand die Personalsituation zur Diskussion:

Schröder: "Ariane Hingst ist weiterhin angeschlagen und hat in Hamburg nur 30% ihres Leistungsvermögens abrufen können. Inken Becher spielt und trainiert derzeit nicht wegen Patellasehnenproblemen. Nadine Angerer konnte wegen einer Angina in Hamburg nicht spielen. Genaueres wird das heutige Training ergeben.“

Tritschoks: "Es gibt keine neuen Nachrichten aus dem Krankenlager. Pia Wunderlich fehlt weiterhin. Renate Lingor ist auf dem Weg zu 100% Leistungsfähigkeit.“

Ariane Hingst, Renate Lingor, Engelbert Nelle

Ariane Hingst (l. mit Pokal) und Renate Lingor sind in der Nationalmannschaft seit Jahren Führungsspielerinnen. Nach der Rückkehr vom Algarve-Cup im letzten Jahr wurden sie vor dem Heimspiel gegen Kanada in Osnabrück von DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle (Mitte) für ihr jeweils 100. Länderspiel geehrt.

Foto: Nora Kruse

An Dr. Tritschoks ging die Frage, welches Resultat die Chancen für das Rückspiel und den Titelgewinn erhält? Ob dies auch bei einem erneuten 2:0 gegen seine Mannschaft noch möglich sei?

Tritschoks: "Zunächst wünsche ich mir ein schönes Spiel, schließlich spielen hier die zwei besten Teams Europas gegeneinander. Wichtig ist es für uns, nicht zu verlieren, und somit wäre ein 2:0 eine sehr schlechte Ausgangssituation für mein Team. Die Mannschaft hat in den letzten Spielen gut gespielt und hat eine legitime Chance, wenn man die eigenen Fehler abstellt.“

An Bernd Schröder ging die Frage, ob das Heimspiel einen Vorteil für Potsdam darstellt?

Schröder: "Grundsätzlich haben wir uns in Spielen zu Hause gegen Frankfurt schwer getan und besser in Frankfurt agiert. Mit den

Bernd Schröder

Potsdams Trainer Bernd Schröder hofft mit der Unterstützung der Zuschauer auf eine gute Vorlage für das Rückspiel eine Woche darauf in Frankfurt.

Foto: Jan Kuppert

Zuschauern im Rücken hoffe ich auf ein gutes Spiel meiner Mannschaft. Viele haben nämlich schon das 2:5 aus der vergangenen Saison gegen Frankfurt zu Hause vergessen."

Die Frage an Schröder und Hingst: Welcher Titel ist der wertvollste?

Schröder: "Eindeutig die erste Deutsche Meisterschaft. Der Empfang in Potsdam und das tolle Spiel in Frankfurt machen es einmalig. Ähnlich war sicher der erste europäische Titel. Aber eigentlich ist jeder Titelgewinn für sich ein einmaliges Erlebnis."


Hingst: "Ich mag keine Titelvergleiche. Eine Wertstufung ist weder möglich noch erforderlich. Jeder Titel ist ein Ereignis und für sich einzigartig.“

Wie viele Zuschauer werden morgen erwartet?

Schröder: "Der Sitzplatzbereich ist komplett ausverkauft. Auch schon eine große Anzahl an Stehplatzkarten. Ich wünsche mir eine Kulisse von 7000 bis 8000 Zuschauern. Das wäre dem Rahmen würdig. Allerdings weiß ich um das Wetterproblem. Sollte es vor dem Spiel regnen, werden es sich viele überlegen.“

Aufgrund der erheblichen Belastung durch Ligaalltag, Nationalmannschaft und Pokale sind Verletzungen nicht ausgeblieben. Wie fit sind Renate Lingor und Ariane Hingst?

Lingor: „Die Probleme nach meinem Innenbandanriss sind nicht mehr so groß. Ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent und sehr froh, wenn die Saison vorbei ist, um mich richtig auszukurieren. Dennoch besteht kein Problem für das Spiel morgen."

Renate Lingor

Renate Lingor ist das "Herz" des Frankfurter Spiels.

Foto: Jan Kuppert

Hingst: "In Hamburg ging nicht viel bei mir. Ich will mich morgen die 90 Minuten durchbeißen und alles geben. Die Verletzung darf mir nicht als Ausrede dienen für eine schlechte Leistung.“

Frage an Renate Lingor: Welche Gründe gibt es, dass sie den Cup holen?

Lingor: "Wir gewinnen, weil es ein neuer Wettbewerb ist und somit ein neues Spiel. Wir haben eine starke Mannschaft und blicken nicht zurück. Was die letzten Wochen war, zählt morgen nicht. Wenn wir die Chancen verwerten und eigene Fehler abstellen, haben wir es in der Hand.“

Frage an Dr. Tritschoks: Denken sie schon an ein mögliches Endspiel gegen Duisburg um die Vizemeisterschaft und würden diese Spiele dem unterordnen?

Judith Affeld, Navina Omilade

Judith Affeld (l.) und Navina Omilade werden sich auch heute wieder packende Laufduelle liefern.

Foto: Volker Lieberum

Tritschoks: "Das wäre vollkommener Quatsch diese Spiele herzuschenken und mit der zweiten Mannschaft aufzulaufen. Wir verschwenden keinen Gedanken an Duisburg im Moment.“

Interview mit Uschi Holl
Interview mit Nadine Angerer

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