Nach dem UEFA-Cup-Halbfinale in Montpellier

"Niemand will so etwas nochmal erleben!"

Interview mit Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt)

30.11.2005

Am vergangenen Sonntag konnte sich der 1. FFC Frankfurt durch einen 3:2-Auswärtserfolg bei Montpellier HSC den Einzug ins UEFA-Cup-Finale gegen Turbine Potsdam sichern. Doch nach dem Abpfiff trat das Sportliche zunächst in den Hintergrund, als Spielerinnen, Betreuer und Fans des 1. FFC Frankfurt ebenso wie Pressevertreter von Spielerinnen und Fans aus Montpellier tätlich angegriffen wurden, weshalb der Deutsche Meister der UEFA einen detaillierten Bericht und Fernsehbilder vorgelegt hat. Über die Ereignisse nach Abpfiff sprach Volker Lieberum mit FFC-Spielerin Kerstin Garefrekes.

FanSoccer: Was waren deine Gefühle nach dem Abpfiff: Froh, das Finale erreicht zu haben oder mehr die Gedanken an das skandalöse Verhalten der Spielerinnen aus Montpellier?
Garefrekes: Direkt nach dem Abpfiff überwog bei mir die Freude über den Finaleinzug. Aber im Laufe des Abends hatte ich den Eindruck, dass das Verhalten der Französinnen das Hauptthema war. Schließlich hat bisher keine Spielerin etwas Vergleichbares erlebt und ich denke, niemand will so etwas nochmal erleben.

Kannst du etwas dazu sagen - man hört, ihr seid nach dem Spiel angegriffen worden?
Ich persönlich habe lediglich ein paar Schimpfworte der Zuschauer und insgesamt eine sehr gereizte und aufgeladene Stimmung erlebt. Dass Renate Lingor bzw. Jürgen Tritschoks (Trainer des 1. FFC Frankfurt, Anm.) angegriffen bzw. angespuckt wurden, habe ich auch erst in der Kabine gehört. Ich denke, es ist schon sehr bedenklich, wenn eine Mannschaft nach einem so wichtigen und knappen Spiel direkt nach dem Abpfiff in die Kabine laufen muss und dort 15 Minuten ausharrt, bis der Bus vorm Hintereingang vorgefahren kommt...

Wie war denn die Meinung der Mannschaft zu diesen Vorfällen?

Ich glaube, dass alle Beteiligten von Frankfurter Seite fassungslos über das Erlebte waren bzw. sind. Schließlich sind wir wegen einer sportlichen Entscheidung nach Frankreich gereist und nicht um Ziel diverser Aggressionen zu werden. Insgesamt ist es sehr schade für den Frauenfußball, dass es solche Schlagzeilen geben muss und


Katrin Kliehm, Kerstin Garefrekes, Louise Hansen

Als Kerstin Garefrekes (Mitte) und Louise Hansen (r.) vor dem Hinspiel gegen Montpellier scherzten, wussten sie noch nicht, was sie in den beiden Spielen gegen den französischen Meister erwarten sollte. Links Katrin Kliehm.

Foto: Volker Lieberum

niemand hätte im Vorfeld damit gerechnet, dass so etwas im Frauenfußball möglich ist!

Was war die Begründung, dass dein Tor nicht zählte, das du während des Spielerstreikes erzielt hast?
Ich habe nur gehört, dass die Schiedsrichterin - als ich auf dem Weg zum Tor war - abgepfiffen hat. Warum, weiß ich nicht - oder

Kerstin Garefrekes

Flügelläuferin Kerstin Garefrekes

Foto: Jochen Ditschler

ist dir eine UEFA-Regel bekannt, die besagt, dass abgepfiffen werden muss, wenn die


gegnerische Mannschaft auf Anordnung des Managers den Platz verlässt...???

Wie kam es zu deiner gelben Karte?
Meine gelbe Karte resultiert aus einem Foul an der Mittellinie. Im Vergleich zu der Einstiegsweise der Französinnen im Hin- und Rückspiel echt ein Witz!

Kannst du den Eindruck bestätigen, dass ihr euch beim Rückspiel mehr gewehrt habt und euch nicht alles von den Französinnen gefallen habt lassen?
Ich denke schon, dass wir aggressiver gespielt haben. Schließlich mussten wir im Hinspiel genug einstecken. Dennoch haben wir nicht unfair gespielt (im Gegensatz zu Montpellier!)

Vielen Dank für das Interview!

 Spielbericht und Bilder zum Spiel in Montpellier


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