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UEFA-Cup, Hinspiel im Viertelfinale

Duisburg entzaubert Frankfurt

1. FFC Frankfurt - FCR Duisburg 1:3 (0:3)

Text von Tom Schlimme
Bilder von ViolA und Tom Schlimme

07.11.2008   Das innerdeutsche Duell im Viertelfinale des UEFA-Cup zwischen dem Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt und dem FCR Duisburg endete mit einem deutlichen Sieg der Duisburgerinnen, die sich damit eine hervorragende Ausgangsbasis für das Rückspiel am kommenden Donnerstag schaffen konnten. „Mit diesem Vorsprung sind wir ganz klar Favorit für das Weiterkommen ins Halbfinale”, erklärte Duisburgs Trainerin Martina Voss dann auch ohne Umschweife.

Auf Frankfurter Seite hat man zwar die Hoffnung nicht aufgegeben, das Ganze noch zu drehen, wie Trainer Günter Wegmann erklärte, aber an der Verletztensituation wird sich bis zum Rückspiel nicht viel ändern. Doch die Spielerinnen, die auf dem Platz gestanden haben, seien stärker, als sie sich gezeigt hätten, hätten aber - zu Wegmanns großer Enttäuschung - ihr Potential vor allem in der ersten Halbzeit nicht abrufen können. In der zweiten Halbzeit hätten seine Spielerinnen dann gezeigt, dass es besser geht, und darauf müsse man nun aufbauen.

Tina Plessen und Marina Hegering

Beim Einlaufen war die Spannung zwar zu spüren, die Welt aber noch in Ordnung. Christina Plessen, im Vordergrund neben Marina Hegering, produzierte ein Eigentor und ließ ihrer Gegenspielerin zu viel Platz. Doch Plessen hat dieses Spiel nicht alleine verloren, auch die anderen Frankfurter Spielerinnen brachten keine gute Leistung zustande!

Bild: Tom Schlimme

In der Tat war die Leistung der Frankfurter Spielerinnen insgesamt, vor allem aber in der ersten Halbzeit, äußerst dürftig. Dabei begann es gut für Frankfurt mit einer Chance nach Patzer von Duisburgs Keeperin Kathrin Längert, die einen Ball von Petra Wimbersky durchließ, den Kerstin Garefrekes beinahe schon in der ersten Spielminute knapp vor dem Tor stehend verwerten konnte, doch die aufmerksame Sonja Fuss konnte noch retten. Nach fünf Minuten verursachte Längert mit einem weiteren Patzer einen unnötigen Eckball, doch die Frankfurterinnen konnten aus diesen Unsicherheiten kein Kaptial schlagen, zeigten sich den Duisburger Feldpielerinnen hoffnungslos unterlegen.

Was dem Frankfurter Team derzeit fehlt, ist Eingespieltheit, Selbstvertrauen und natürlich auch eine Handvoll herausragender Spielerinnen, deren Fehlen aber nicht erklären kann, wieso eine routinierte Abwehrspielerin wie Tina Wunderlich in der 6. Minute einen Steilpass, der von Fuss getreten über das halbe Feld gekommen war, derart unglücklich in den Lauf der in der Nähe lauernden Inka Grings spielte, dass diese ohne große Mühe die Duisburger Führung erzielen konnte. Eingespieltheit ist da schon eher ein Stichwort, welches eine Erklärung für den Faux Pax geben könnte, denn möglicherweise hätte eine bessere verbale Kommunikation mit der zweiten Innenverteidigerin Gina Lewandowski den Fehler verhindern können, aber die zweite Position in der Innenverteidigung mußte verletzungsbedingt in letzter Zeit ständig gewechselt werden.

Inka Grings

Duisburgs Stürmerin Inka Grings (am Ball gegen Tina Plessen) ist die Spielerin mit den meisten Bundesligatoren überhaupt. Heute bewies sie wieder einmal, warum!

Bild: Tom Schlimme

Dies soll aber die Leistung von Grings nicht schmälern, die in dieser Szene nicht nur ihren Torriecher bewies, sondern auch mit großer Nervenstärke souverän verwandelte. Doch die Frankfurter Verunsicherung, durch den frühen Rückstand natürlich noch bestärkt, war schon mit Händen greifbar. Da klappte gar nichts, angefangen von der Abwehr, wo die rechte Außenverteidigerin Tina Plessen ein Eigentor produzierte, indem sie einen von Annemieke Kiesel etwa 3 Meter halbhoch vor das Tor getretenen Eckball beim Versuch, ihn wegzuschlagen, ins eigene Tor bugsierte, über das Mittelfeld, aus dem viel zuwenig saubere Pässe nach vorne kamen, bis zum Sturm, in dem Birgit Prinz wieder angeschlagen mit ihrem entzündetem Fuß durchspielen mußte und nicht ihre volle Leistung abrufen konnte, und der 18-jährigen Kristina


Tor durch Linda Bresonik

Typische Szene: Frankfurts Keeperin Stephanie Ullrich kann dem Ball nur hinterherschauen. In diesem Fall hat Linda Bresonik, mit der 10 ganz rechts im Bild, überlegt ins lange Eck zur 0:3 Führung für Duisburg abgeschlossen

Bild: Tom Schlimme

Brenner in ihrem zweiten Spiel in der ersten Mannschaft, die zwar mit bewunderswertem Fleiß lief, aber am Ball und erst recht in Tornähe glücklos blieb.

Gegen eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Bundesliga mag vieles noch gut gehen, aber gegen eine Spitzenmannschaft wie Duisburg wurden alle Fehler hart bestraft. So ließ Plessen der auf rechtsaußen aufgebotenen Jennifer Oster viel zu viel Platz. Am markantesten in der 36. Minute, wo Oster völlig frei stand, dann ungehindert flanken konnte, Grings kam zum Kopfball, abgewehrt, doch keine 20 Sekunden später stand Oster schon wieder völlig frei, konnte erneut frei walten, wählte diesmal die Variante des flachen Passes in den Rücken der Abwehr zu Linda Bresonik, und die erzielte dann mit einem platzierten Schuss ins lange Eck das 0:3.

Petra Wimbersky und Linda Bresonik

Linda Bresonik (rechts, im Zweikampf mit Petra Wimbersky) machte nicht nur das dritte Tor, sondern insgesamt ein sehr gutes Spiel

Bild: Tom Schlimme

Die Gesichter auf der Duisburger Bank wirkten fast ungläubig, aber diese Führung war völlig verdient, und stellte dann auch den Pausenstand dar.
Nach dem Seitenwechsel schaltete der FCR dann einen Gang zurück, ohne dadurch nennenswert in Gefahr zu geraten. Das Spiel verflachte. Leider mußte dann Duisburgs Mittelfeldspielerin Annemieke Kiesel mit einem Nasenbeinbruch vom Platz. Kiesel war im Fallen mit dem Bein ihrer Mitspielerin Elena Hauer in Kollision geraten und holte sich so traurigerweise schon den zweiten Nasenbeinbruch in kurzer Zeit. Gute Besserung an dieser Stelle! Für Kiesel kam nach langer Verletzungspause Lira Bajramaj. „Lira ist noch nicht wieder voll da, sollte sich aber Spielpraxis holen”, machte Trainerin Voss deutlich, dass sie sich in dieser 62. Minute schon keine große Sorgen um das Bestehen hier in Frankfurt mehr gemacht hatte.

Übrigens mußte auch die noch nicht wieder völlig fitte Simone Laudehr zur Pause in der Kabine bleiben, Hauer spielte mit einem Bänderriss im Fuß, dazu noch die drei wegen der U17-WM fehlenden Juniorinnen - auch Duisburg spielte angeschlagen, doch konnten die Gäste ihre Ausfälle wesentlich besser verkraften als Frankfurt. Auch wenn Frankfurt nun langsam stärker wurde.

Tor durch Birgit Prinz

Birgit Prinz (verdeckt durch Annike Krahn mit der 13) erzielt hier den 1:3 Anschlusstreffer für Frankfurt. Bemerkenswert, dass Prinz zum Schuss kam, obwohl Krahn, Marina Hegering (links) und Anne van Bonn (mit der 3) in ihrer Nähe waren

Bild: ViolA

Wimbersky deutete mit einer Direktabnahme eines Zuspiels von Garefrekes in der 64. Minute den Beginn einer Schlussofensive an, und in der 68. Minute erzielte Prinz in einer bemerkenswerten Einzelaktion den


Anschlusstreffer. Obwohl drei Duisburgerinnen um sie herumstanden, konnte Prinz ein Zuspiel von Brenner annehmen, sich drehen und mit Wucht abziehen - platziert ins Eck, Längert hatte hier keine Chance. In der 77. Minute spielte Garefrekes Brenner schön frei, doch Fuss warf sich einmal mehr dazwischen. Gleich darauf Wimbersky mit einem Flugkopfball aus guter Position, der aber das Tor weit verfehlte.

Dazwischen kam Duisburg zu Kontern, so spielte die für Laudehr eingewechselte Corinna Schröder Anna Marciak aus, die Wegmann inzwischen für Plessen gebracht hatte, sah Keeperin Ullrich etwas zu weit vor ihrem Kasten, doch „Cocos” Schuss ging dann doch knapp vorbei. Auch Grings konnte später Marciak stehen lassen und aussichtsreich vor dem Frankfurter Tor auftauchen, ihr Abschluss geriet jedoch zu einem Mittelding aus Flanke und Torschuss und ging ins Niemandsland. Wegmann wechselte dann noch India Trotter für Brenner ein, und die bekam dann prompt auch noch eine Gelegenheit nach einem Patzer von Krahn, verschoss jedoch überhastet den Ball, anstatt zur besser stehenden Prinz abzugeben. Wenig später noch eine Aktion Trotters, die Hauer den Ball abnehmen konnte, gut nach innen hereingab, Garefrekes nahm den Ball in der Mitte auf, Längert warf sich dazwischen und so ging auch dieser Schuss knapp vorbei.

Kathrin Längert hält

Trotz anfänglicher Unsicherheiten hielt Kathrin Längert im Duisburger Tor letztlich alles, was zu halten war. Hier hat sie den Ball sicher vor Sarah Günther

Bild: ViolA

So blieb es dann beim 1:3 und der relativ klaren Ausgangsposition für das Rückspiel. Frankfurts Manager Siegfried Dietrich kündigte in der Pressekonferenz nach dem Spiel an, man werde sich in der Winterpause nach einer starken Spielerin wahrscheinlich im Ausland umsehen. Meiner Meinung nach nicht unbedingt die richtige Antwort auf die Probleme. Auch mit einer richtig guten Spielerin mehr auf dem Platz wäre nicht schlagartig die Unsicherheit aus dem Frankfurter Spiel geblasen gewesen. Die eingesetzten Spielerinnen haben ihr Potential nicht abgerufen, das hat der Trainer richtig analysiert, und daran gilt es zu arbeiten, die Gründe, die dies verursachen, sind zu finden und abzustellen. Mit vollem Recht wurde in beiden Frankfurter Zeitungen darauf hingewiesen, dass auf Frankfurter Seite immer noch mehr als doppelt so viele Länderspieleinsätze zu Buche standen als auf Seiten der Duisburgerinnen.

1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Günther, Lewandowski, Wunderlich, Plessen (57. Marciak) - Weber, Bartusiak, Garefrekes, Wimbersky - Prinz, Brenner (78. Trotter)

FCR Duisburg:
Längert - van Bonn, Hauer, Krahn, Fuss - Kiesel (62. Bajramaj), Hegering, Laudehr (46. Schröder), Oster (79. Hartmann) - Bresonik, Grings

Tore:
0:1 Grings (6.)
0:2 Plessen (Eigentor, 19.)
0:3 Bresonik (37.)
1:3 Prinz (68.)

Gelbe Karte: Günther

Schiedsrichterin: Kateryna Monzul (Ukraine)

Zuschauer: 2.180


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