Von Nicole Tischhauser
01.04.2008
Olympique Lyonnais schaffte es trotz Überlegenheit nicht, mit einem Vorsprung ins Rückspiel in Schweden zu gehen.
Es traf sich gut, dass die "garçons" von Olympique Lyonnais an diesem Wochenende auswärts antreten mussten, so stand den "filles" für dieses Halbfinale
wiederum das eigentliche Stade de Gérland zur Verfügung (in den Ligaspielen treten sie auf Nebenplatz Nummer zehn an). Infrastruktur und Planung des
Anlasses stellten den französischen Großclub vor keine Schwierigkeiten.
Das Heimteam legte vor der ungewohnt großen und äußerst gut gelaunten Kulisse von über 12.000 Besuchern gleich los wie die Feuerwehr. Bereits nach zwei
Minuten klatschte ein Ball von Hoda Lattaf an die Querlatte und nach neun Minuten war es Camilly Abily, die die Hereingabe der Linksverteidigerin Dorte
Dalum Jensen nur knapp verpasste. Die in der 15. Minute folgende Doppelchance OLs machte die hervorragende UIK-Torhüterin Rönnlund zunichte. Spätestens
jetzt hätte das Heimteam führen müssen.
Großes Stadion für ein großes Spiel: für das Halbfinale öffneten die Tore des Stade de Gérland.
Foto: Nicole Tischhauser
Nur ein paar Minuten später wären die Französinnen für die fahrlässige Chancenauswertung beinahe bestraft worden, als sich die auffällige Rasmussen über
links durchsetzen und auf Mami Yamaguchi passen, diese die Chance aber nicht erfolgreich abschließen konnte. Im folgenden Versuch, die noch immer
brenzlige Situation zu klären, setzte eine OL-Verteidigerin den Ball zum Entsetzen der meisten Zuschauer an den Innenpfosten; zum Eigentor fehlte nicht
viel.
Im folgenden fand Umeå IK, dem die fehlende Spielpraxis anfangs der schwedischen Saison bisher deutlich anzumerken war, besser ins Spiel. Die Lyonnaises
hatten es verpasst, während ihrer Druckphase in Führung zu gehen. Es war nun ein offenes Spiel auf hohem Niveau, in dem beide Teams versuchten, ihre
Vorteile auszuspielen. Während Olympique Lyonnais den technisch besseren Fußball spielte, waren die Schwedinnen athletisch überlegen und spielten
taktisch disziplinierter.
Es folgten nun Torchancen beinahe im Minutentakt auf beiden Seiten, so hätten beide Nummern „9“ – OLs Kátia und UIKs Madeleine Edlund - den Score eröffnen
können. Und die wohl beste Spielerin an diesem Tag, OLs Louisa Necib, scheiterte kurz vor
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der Pause mit zwei guten Freistößen. Die junge Nummer „14“ wurde für ihre starke Leistung vom Publikum häufiger mit Szenenapplaus belohnt. Sie war fleißig, technisch unheimlich stark und zeigte immer wieder viel
Übersicht bei ihrem Passspiel. Dieses abwechslungsreiche Spiel ging mit einem 0:0 der guten Sorte in die Pause.
Über 12.000 Menschen sahen in Lyon das hochklassige Unentschieden im Uefa Cup.
Foto: Nicole Tischhauser
Auch anfangs der zweiten Hälfte war es zuerst vor allem das Heimteam, das den Torerfolg suchte, unter anderem nochmals Necib mit einem Distanzschuss.
Danach nahm sich das Spiel eine kleine Auszeit. In diese Phase fiel die einzige gelbe Karte dieses allgemein fairen Spiels; Umeås defensive
Mittelfeldspielerin Frida Östberg hatte Abily klar regelwidrig zu Fall gebracht.
Was in der 58. Minute folgte, geschah etwas aus heiterem Himmel: Nach einem eigentlich misslungenen UIK-Angriff wollte es den Französinnen nicht
gelingen, den Ball aus dem Strafraum zu spielen. Die Nachlässigkeit nutzte die aufsässige Yamaguchi sofort aus, erkämpfte sich den Ball und spielte die
freistehende Edlund an, welche zum 1:0 verwerten konnte. Nun standen die Französinnen – bisher doch eher die bemühtere und aktivere der beiden
Mannschaften – erst etwas unter Schock, was Marta in einer ihrer wenigen gefährlichen Situationen nur vier Minuten später nach einem perfekten Konter
beinahe zum 2:0 ausgenutzt hätte.
Beste Spielerin der Partie: Lyons Louisa Necib
Archivbild: Nora Kruse
Farid Benstiti, Trainer des Heimteams, reagierte nun und schickte die Stürmerin Elodie Thomis für die Verteidigerin Wendie Renard aufs Feld, worauf
Olympique Lyonnais seine Angriffsbemühungen noch einmal deutlich intensivierte. Dabei wirkten die Französinnen allerdings
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manchmal etwas planlos.
Umeå auf der anderen Seite wurde immer sicherer und verlegte sich im folgenden verständlicherweise etwas mehr aufs Verteidigen, wobei sie sich vermehrt
auch mit Fouls gegen die OL-Angriffe zur Wehr setzen mussten. UIKs Dänin Johanna Rasmussen zog in dieser Phase außerdem den Unmut der
Zuschauer auf sich,
als sie nach einem (gelbwürdigen) Foul minutenlang liegen blieb und sich mit einer Bahre vom Spielfeld tragen liess, nur um Augenblicke später wieder
putzmunter mittun zu können.
Wohl um die Offensivbemühungen seines Teams anzukurbeln, entschied sich Umeå-Trainer Andrée Jeglertz, die junge Schweizerin Ramona Bachmann für die
ausgepowerte Yamaguchi einzuwechseln, was aber nichts daran änderte, dass jetzt fast nur noch die Heimmannschaft Akzente setzen konnte. Es war denn
auch mehr als verdient, dass sich diese Bemühungen in der 72. Minute endlich auszahlten. Es war Necib, die sich an der Strafraumgrenze einen Ball angeln
und diesen mit einem platzierten Schuss in der linken unteren Torecke versenken konnte.
Danach kamen sowohl Kátia als auch die wirblige Thomis und Torschützin Necib einem weiteren Torerfolg mehr oder weniger nahe, doch die Schwedinnen ließen
sich kein zweites Mal erwischen und spielten das 1-1 letztlich routiniert über die Zeit.
Das Auswärtsteam darf mit dem Punktgewinn in dieser spannenden und hochklassigen Partie sicherlich eher zufrieden sein als das aktivere Heimteam. Doch hat
auch Umeå IK den Punkt nicht gestohlen. Obwohl man dem Team anmerkte, dass anfangs der schwedischen Saison noch nicht alle Automatismen stimmten und noch
nicht alle Akteurinnen in Hochform schienen, wirkte das Team homogen und spielte überlegt und diszipliniert. Die Lyonnaises werden vor dem Rückspiel vor
allem der mangelnden Chancenauswertung nachtrauern; sie wirkten ab und zu auch zu verspielt und zu umständlich.
Statistik
Lyon
Nordby - Dusang, Renard (61. Thomis), Georges, Jatoba, Kátia, Abily, Cruz Trana, Necib, Lattaf (87. Brétigny), Dalum Jensen
Umeå
Rönnlund - Paulson, Frisk, Westberg, Dahlkvist, Edlund, Pedersen (81. Berglund), Rasmussen, Yamaguchi (70. Bachmann), Marta, Östberg
Tore
0:1 Edlund (57.)
1:1 Necib (71.)
Gelb: Östberg
Schiedsrichterin
Tanja Schett (Österreich)
Zuschauer: 12.000
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