Text von Tom Schlimme Bilder von Volker Lieberum 24.05.2008
Auch wenn man alle Rekorde (höchste Zuschauerzahl bei einem Vereinsspiel im europäischen Frauenfußball, dritter Sieg im UEFA-Cup) mal außen vor läßt, dieses Finalspiel war einfach klasse. Ein hochdramatisches Spiel mit zahllosen Torchancen auf beiden Seiten, Kampf, Spielkultur, fünf schöne Tore, und zum Schluss ein wirklich gerechter Sieg für die Mannschaft, die deutlich mehr und bessere Torchancen herausgearbeitet hat.
Den besseren Auftakt hatte diesmal das Team des 1. FFC Frankfurt. Schon in der zweiten Spielminute setzte sich Kerstin Garefrekes rechts am Strafraum durch und gab eine gute Flanke nach innen. Petra Wimbersky nahm den Ball direkt, doch Umeås Keeperin Ulla-Karin Rönnlund bekam noch ein Bein an den Ball, der daraufhin nur an den Pfosten und nicht ins Tor sprang. Doch Umeå konterte, Marta erhaschte einen lang nach vorne gespielten Ball, setzte sich links durch, doch ihr Schuss strich am langen Eck des Frankfurter Tores vorbei.
 Torschützinnen im Zweikampf: Conny Pohlers (links) erzielte die ersten zwei Treffer, Frida Östberg brachte Umeå mit dem 2:3 noch einmal gefährlich heran
Wenig später klärte Frankfurts Abwehrchefin Tina Wunderlich sauber gegen Madelaine Edlund, und dann kam der erste Auftritt von Conny Pohlers: ein Ball in die Spitze wurde von der Abwehr von Umeå hoch abgewehrt, Meike Weber köpfte ihn ebenfalls hoch zurück zu Pohlers, die umspielte zwei Abwehrspielerinnen und ließ Keeperin Rönnlund keine Chance. 1:0 nach sieben Minuten, der Auftakt nach Maß, den man sich in Frankfurt gewünscht hatte - doch ein Zwischenstand, mit dem noch nicht viel gewonnen war, denn ein Tor von Umeå hätte alles wieder zunichte gemacht.
Schon in der zehnten Minute aber hätte Pohlers weiter vorlegen können, als sie nach Zuspiel von Garefrekes volley hoch über das Tor schoss. Im Stadion war Bombenstimmung, rythmisches Klatschen hallte durchs weite Rund, Gänsehautfeeling pur! Leider kam dann aber ab der 15. Minute ein Pfeifkonzert dazu, das jedesmal aufheulte, wenn Marta an den Ball kam. Diese hatte nämlich in der 14. Minute heftig bei der Linienrichterin reklamiert und gleich darauf eine gelbe Karte gegen Katrin Kliehm verursacht - die allerdings berechtigt war, Kliehm hatte Marta an der Mittelinie klar hart und unnötig getroffen, wenn auch erkennbar beim Versuch, den Ball zu erwischen. Martas ständige Proteste, diese gelbe Karte und wohl einfach auch die Erinnerung an die Szenen vor dem WM-Finale 2007, als die Brasilianerinnen vor dem Spiel schon den Sieg feierten, brachten einen Teil des Publikums so gegen Marta auf, dass sie von nun an bis zum Schluss ausgepfiffen wurde, sobald sie am Ball war. Fand ich dann doch schade, denn Marta zeigte, auch wenn sie heute nicht effektiv war, doch immer wieder ihre Klasse und Szenen, die man sonst kaum jemals zu sehen bekommt. Pfiffe im Zusammenhang mit Martas völlig unnötigen Mätzchen finde ich ja verständlich, aber dann sollte auch wieder Ruhe sein.
 Das Foul von Katrin Kliehm an Marta. Es gab richtigerweise gelb, doch das Publikum hatte Marta aufgrund etlicher Mätzchen nun so richtig gefressen, Pfeifkonzerte bei jedem weiteren Ballkontakt Martas waren die Folge. Ich fand diese Reaktion vieler Zuschauer schade
Die nächste gute Gelegenheit hatte dann Meike Weber, die nach Zusammenspiel von Birgit Prinz und Wimbersky aus spitzem Winkel abzog, aber Rönnlund parierte. Dann brannte es wieder auf der anderen Seite: Keeperin Silke Rottenberg verließ ihren Strafraum, um vor der durchgebrochenen Marta zu klären. Dabei erwischte Rottenberg den Ball nicht mit dem Kopf, sondern mit der Schulter, in einer Bewegung, die schon als Handspiel auszulegen gewesen wäre - was Rot wegen Notbremse nach sich gezogen hätte. Doch die englische Schiedsrichterin Alexandra Ihringova, insgesamt mit guter Leistung, ließ weiter spielen, der Ball kam wieder zu Marta, doch die, statt direkt ins freie Tor zu schießen, dribbelte erst mal, so dass Wunderlich das Bein dazwischen bekam und zur Ecke klärte. Wobei der Ball nur knapp am Tor vorbei ging, das sah schon gefährlich nach Eigentor aus!
Wenig später kam Johanna Rasmussen auf dem linken Flügel von Umeå zu einer Flanke auf Mami Yamaguchi, doch deren Schuss wurde abgewehrt, und im schnell eingeleiteten Konter spielte Prinz ihre Gegenspielerin aus und gab prima zurück zu Wimbersky,
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27.640 Zuschauer sahen ein hochklassiges und dramatisches Spiel. Am Ende gab es dann allen Grund zum Jubel, der dritte Sieg im UEFA-Cup war perfekt!
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die bei freier Schussbahn hoch über den Kasten schoss. In der
26. Minute bekam Rottenberg gerade noch die Fingerspitzen an einen Schuss von Marta und pflückte das Leder im Nachfassen noch hinunter. Wieder im sofortigen Gegenzug setzte sich erneut Prinz durch, ihren harten Schuss konnte Rönnlund mit einem Klassereflex gerade so entschärfen. So ging es die ganze Zeit hin und her, beide Mannschaften hielten sich nicht lange im Mittelfeld auf!
Bei Umeå lief fast alles über Marta, die immer wieder eine Gegenspielerin aussteigen ließ, aber dann häufig von der nächsten oder übernächsten gestoppt wurde. Die Angriffe des FFC über Prinz, Wimbersky, Garefrekes und Pohlers waren deutlich variantenreicher und im Ergebnis gefährlicher. Aber fein anzusehen war es schon, wie Marta z.B. kurz vor dem Pausenpfiff eine gefühlte Minute lang den Ball im Frankfurter Strafraum am Fuß behielt, gegen drei Gegenspielerinnen schließlich doch noch zum Schuss kam, der aber über das Tor ging.
 Auch Marta hat ihre Hand mal am Trikot der Gegenspielerin, hier zupft sie Kerstin Garefrekes
So ging es dann mit der knappen Führung in die Pause. Aus der kam der FFC auf einer wichtigen Position verändert wieder: Silke Rottenberg hatte sich eine Fußverletzung zugezogen - genauere Diagnose noch unklar, zur Stunde habe ich bereits die dritte Variante einer Diagnose gelesen. Für sie stand nun die junge Stephanie Ullrich zwischen den Pfosten. Umeås Trainer Andrée Jeglertz brachte mit Ramona Bachmann eine Stürmerin für die defensive Emma Berglung, Umeå blies also zum Angriff! So setzte sich Marta auch gleich mal wieder links durch, erreichte Rasmussen, doch die schoss aus aussichtsreicher Position hoch über das Tor.
 Aktivposten in den Reihen von Umeå: die dänische Nationalspielerin Johanna Rasmussen
Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks wechselte zum ungewöhnlichen Zeitpunkt (47. Minute) und brachte Sarah Günther für Katrin Kliehm auf die Position rechts in der Viererkette. Kliehm hatte aber, wie die gesamte häufig geschmähte Frankfurter Abwehr, insgesamt ein gutes Spiel gemacht, vor allem nach vorne. Dass man eine Marta nicht vollständig ausschalten kann, ist klar. In der 51. Minute bekam allerdings Gina Lewandowski Sonderapplaus des Publikums, als sie Marta sauber den Ball abnahm und die Brasilianerin da mal richtig alt aussehen ließ.
Conny Pohlers wühlte und ackerte, wie man es eigentlich auch gewohnt ist von ihr, und wurde dafür belohnt. In der 55. Minute holte sie durch gutes Nachsetzen einen Einwurf in Höhe der Strafraumgrenze heraus, der Ball landete dann gleich wieder bei ihr, Pohlers ließ ihre Gegenspielerinnen stehen und schoss eiskalt in die Ecke zum 2:0. Es folgten einige Großchancen für den FFC, mit denen alles hätte klar gemacht werden können, doch Rönnlund hielt fantastisch und die Frankfurter Stürmerinnen wirkten jetzt etwas zu unkonzentriert. Die Strafe folgte auf dem Fuße:
 Ulla-Karin Rönnlund im Kasten von Umeå IK hielt mit Klassereflexen etliche Schüsse aus kurzer Entfernung. Hier hat sie gleich den Ball vor Kerstin Garefrekes, sehr zur Beruhigung von Umeås Kapitänin Frida Östberg
Nach einem Eckball für Frankfurt ließ Marta im schnellen Konter alle Gegenspielerinnen stehen und
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wurde von Lewandowski erst im Strafraum am Fuß erwischt. Klarer Elfmeter, Lisa Dahlquist verwandelte humorlos ins linke
obere Eck. 1:2, damit war Umeå wieder ganz nah dran, denn bei einem 2:2 wäre aufgrund der Auswärtstorregel Umeå Gesamtsieger gewesen. Doch die nächsten Gelegenheiten gab es auf der anderen Seite. Vor dem Tor von Rönnlund wurde Garefrekes mit vereinten Kräften noch abgeblockt, Riesenchance für den FFC! Dann erwischte Rönnlund einen Schuss von Alexandra Krieger nach Freistoß Prinz noch gerade so, Frida Östberg klärte ein höchster Not vor Wimbersky zu Ecke. Dann Freistoß für den FFC, Prinz und Wimbersky stehen bereit, Wimbersky schießt über die Mauer - und rein! 3:1!
 Mit diesem Freistoß erzielte Petra Wimbersky das 3:1. Ohne dieses Tor hätte es am Ende nicht gereicht! Frida Östberg springt aus der Mauer und macht damit möglicherweise den Weg frei, auch Ramona Bachmann steht nicht so, wie man in einer Mauer stehen sollte
Das Tor war hochverdient zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Chancenverteilung, und jetzt mußte doch alles klar sein! Zumal der FFC zu weiteren Chancen kam. „Oh, wie ist das schön!” hallte durchs Stadion und die Welle schwappte durch die Zuschauerränge. Doch zu früh gefreut! In der 84. Minute führte Rasmussen einen Eckball für Umeå überraschend schnell und kurz aus, Östberg mit einem flachen Fernschuss, der Ball kam haarscharf an zwei Abwehrspielerinnen vorbei, die Keeperin Ullrich die Sicht nahmen - 3:2! Jetzt war wieder alles offen, Umeå wieder nur ein Tor vom Gesamtsieg entfernt!
Wimbersky dann noch mit einer guten Gelegenheit, doch es folgten noch zwei Hämmer für Umeå: In der 90. Minute setzte Marta einen Freistoß an die Latte, und in der ersten Minute der Nachspielzeit traf auch Bachmann noch einmal die Latte des Frankfurter Tores!
Der Frankfurter Sieg ist am Ende verdient, denn die höhere Zahl hochkarätiger Chancen waren ganz eindeutig auf Frankfurter Seite. Das Glück des Tüchtigen war aber auch dabei, selten war diese Aussage so berechtigt wie heute! Insgesamt war das Spiel Werbung für den Frauenfußball, die 27.640 Zuschauer im Stadion dürften ihr Kommen genauso wenig bereut haben wie die Fernsehzuschauer von ZDF und Eurosport ihr Einschalten. Ganz wichtiger Nebeneffekt des Erfolgs: nächstes Jahr stellt Deutschland zwei Vertreter im UEFA-Cup, Frankfurt als Titelverteidiger und dazu noch eine zweite Mannschaft, angesichts der Tabellensituation praktisch sicher der FCR Duisburg.
 Conny Pohlers mit dem Pokal, an dessen Gewinn sie großen Anteil hatte
1. FFC Frankfurt
Rottenberg (46. Ullrich) - Kliehm (47. Günther), Lewandowski, T. Wunderlich, Bartusiak - Weber, Krieger, Garefrekes, Wimbersky (90. Thomas), Prinz, Pohlers
Umeå IK:
Rönnlund – Paulson, Frisk, Westberg, Berglund (46. Bachmann) - Dahlquist, Östberg, Yamaguchi – Rasmussen, Edlund (62. Jakobsson), Marta
Tore:
Tore: 1:0 Pohlers (7.) 2:0 Pohlers (55.) 2:1 Dahlquist (68./Foulelfmeter) 3:1 Wimbersky (72.) 3:2 Östberg (84.)
Gelbe Karte: Kliehm
Schiedsrichterin: Alexandra Ihringova (England)
Zuschauer: 27 640
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