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7. UEFA Women’s Cup – Viertelfinale – Rückspiel:

Halbfinale erreicht!

1. FFC Frankfurt - WFC Rossiyanka 2:1 (2:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Volker Lieberum

22.11.2007   Anders als der Cup-Verteidiger Arsenal London, der am Abend gegen Olympique Lyonnais ausschied, und anders als im letzten Jahr, als der 1. FFC Frankfurt im Viertelfinale nach einer 3:0-Führung noch zwei Gegentore kassierte und damit gegen Kolbotn den Kürzeren zog, hat es der deutsche Meister diesmal geschafft. Aber der russische Meister, praktisch nur mit russischen, nigerianischen und ukrainischen Nationalspielerinnen besetzt, entpuppte sich als schwerer Gegner, der heftigen Widerstand leistete.

Zunächst aber zeigen die Viertelfinals der letzten beiden Jahre, wie sehr die europäische Spitze zusammengerückt und gleichzeitig breiter geworden ist. Ab dem Viertelfinale gibt es keine leichten Gegner mehr, jeder kann jeden schlagen. So blieb Brøndby IF, letztes Jahr noch gegen Turbine Potsdam erfolgreich, dieses Jahr gegen den italienischen Meister Bardolino Verona auf der Strecke. Damit steht der nächste Gegner der Frankfurterinnen auch schon fest, es ist die Überraschungs- mannschaft aus Verona.

Elena Morozova

Meist war Elena Morozova auf dem rechten Flügel chancenlos gegen Saskia Bartusiak. Erst in der vorletzten Minute des Spiels erzielte sie mit einem Distanzschuss dann doch noch den Anschlusstreffer für Rossiyanka

Zunächst aber mußte der russische Meister bezwungen werden. Ein Unentschieden hätte nach dem 0:0 im Hinspiel nicht gereicht, dank der Auswärtstorregel wäre Rossiyanka mit jedem Unentschieden weitergekommen, einzig bei einem 0:0 wäre es zu Verlängerung und eventuell Elfmeterschießen gekommen. Angesichts dieser Ausgangslage war große Erleichterung zu spüren, dass Birgit Prinz nach ihrer im Hinspiel erlittenen Knieverletzung wieder mitspielen konnte, teilweise mit Schmerzen, wie sie später erklärte, aber doch weitgehend unbehindert. Und bärenstark, was ihr ein Sonderlob von Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks einbrachte.

Birgit Prinz und Alexandra Krieger

Obwohl angeschlagen, machte Birgit Prinz ein Riesenspiel und war wieder einmal an beiden Frankfurter Toren beteiligt. Im Hintergrund Ali Krieger, die anscheinend auf fast allen Positionen einsetzbar ist!

Dafür saß die gerade erst von einem Muskelfaserriss genesene Spielmacherin Renate Lingor zunächst noch auf der Bank. Tritschoks setzte auf die Verteidigung, die sich am Sonntag gegen Crailsheim bewährt hatte, also Gina Lewandowski und Tina Wunderlich innen, Katrin Kliehm rechts und Saskia Bartusiak links in der Viererkette. Ali Krieger spielte diesmal anstelle der erst später eingewechselten Karolin Thomas neben Meike Weber auf einer Art Doppelsechs vor der Abwehr und nicht so offensiv wie gegen Crailsheim, löste aber auch diese Aufgabe sehr gut. Vorn wirbelten dann Kerstin Garefrekes, Birgit Prinz, Conny Pohlers und Petra Wimbersky.

Rossiyanka begann stark und erspielte sich in den ersten fünf Minuten bereits drei Eckbälle, die aber keine Gefahr mit sich brachten. Gefahr brachte dagegen ein schneller Konter der Frankfurterinnen in der neunten Minute, Pohlers von links mit einer scharfen Hereingabe, Garefrekes verpasste wenige Meter vor dem Tor nur ganz knapp, da fehlte nicht viel zur Frankfurter Führung. Zwei Minuten später ging ein Schuss von Pohlers nach Vorarbeit von Prinz und Wimbersky über den Kasten, dann fischte die fehlerlose ukrainische Nationalkeeperin Iryna Zvarych nach einem Steilpass von Krieger den Ball gerade noch Pohlers vor der Nase weg.

In der 15. Spielminute dann ein klares Foul von Ksenia Tsybutovich an Garefrekes im Strafraum. Ich muss allerdings zugeben, dass ich im Stadion auch keinen Elfer gegeben hätte und auch die ersten zwei Fernsehbilder nicht unbedingt nach Foul aussahen. Um so deutlicher aber dann die Zeitlupe aus dem Blick der Hintertorkamera, klar mit dem Bein die Gegenspielerin getroffen und nicht den Ball. Nur eine Minute später dann die nächste Chance für Garefrekes, super angespielt von Pohlers läßt sie im Strafraum


Meike Weber setzt sich durch

Hier setzt sich die stark spielende Meike Weber gegen Efioanwan Ekpo und Maria Dyachkova durch. Mit ihrem hohen kämpferischen Einsatz repräsentiert Weber die starke Leistung des 1. FFC Frankfurt vor allem in der ersten Spielhälfte

zwei Gegenspielerinnen stehen, kommt gut zum Schuss, aber knapp drüber. So ging es weiter, Prinz verpasste eine etwas zu scharfe Flanke, dann wieder Garefrekes im Strafraum über das Tor. Nach 22 Minuten stand es immer noch 0:0, doch angesichts der Torgelegenheiten hätte Frankfurt die Führung hoch verdient gehabt. Sollte wieder einmal mangelnde Chancen- ausnutzung zum Verhängnis werden?

Nun, diesmal kam es anders, und wieder einmal spielte Birgit Prinz eine entscheidende Rolle. Mit dem Ball am Fuß stürmte sie auf den Strafraum zu, sah links die freie Wimbersky, der Pass kam genau im richtigen Moment, und Wimbersky verwandelte eiskalt gegen die Laufrichtung von Keeperin Zvarych. Mit dieser Führung im Rücken stürmten die Frankfurterinnen weiter, nur fünf Minuten später die nächste gute Gelegenheit, diesmal für Pohlers, doch die wirklich gute Zvarych wehrte ihren Schuss aus kurzer Distanz mit einem Klassereflex ab. Die Vorarbeit hatte Katrin Kliehm, die bis dahin schon einige Mal durch gute Balleroberungen aufgefallen war, geleistet, die hier Lyudmyla Pekur den Ball abluchsen und präzise zu Pohlers flanken konnte.

Tor durch Petra Wimbersky Tor durch Petra Wimbersky

Da war Rossiyankas gute Keeperin Iryna Zvarych machtlos: Petra Wimbersky erzielte das wichtige 1:0

Rossiyanka wurde nun etwas stärker, doch von einem russischen Sturm konnte keine Rede sein. Einmal mußte FFC Keeperin Silke Rottenberg eine Flanke von Elena Morozova, die in ihren zahlreichen Duellen gegen Saskia Bartusiak fast immer den Kürzeren zog, vor Natalia Barbashina pflücken, das war es aber auch mit Angriffen des russischen Meisters in der ersten Halbzeit. Eine nicht nur taktisch und spielerisch, sondern auch kämpferisch ganz starke Leistung des 1. FFC Frankfurt ließ die Gäste einfach nicht zur Entfaltung kommen, ja wurde dann sogar noch durch das zweite Tor inder 44. Minute belohnt: langer Ball auf Petra Wimbersky, die sprintet hinterher, rettet den Ball aus fast aussichtloser Position vor der Torauslinie, verliert ihn dann im Liegen gegen zwei Abwehrspielerinnen, Pohlers geht dazwischen und erwischt das Leder, Klasseflanke nach innen, Prinz ist frei und donnert den Ball haarscharf neben den Pfosten ins Netz. Ein Tor, das kämpferischen Einsatz und spielerische Klasse auf höchstem Niveau demonstriert!

Kerstin Garefrekes und Tatiana Skotnikova

Kerstin Garefrekes, hier angegriffen von Tatiana Skotnikova, sorgte auch heute wieder für viel Gefahr im gegnerischen Strafraum

Nach dem Seitenwechsel war nun mit entschiedeneren Angriffen der Gäste aus der Region Moskau zu rechnen, doch auch die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit dominierten die Frankfurterinnen klar, schnürten ihre Gäste in deren Hälfte ein. Doch dann mußte Rottenberg erstmals im Herauslaufen vor Natalia Mokshanova klären, und wenig später einen Schuss der gleichen Spielerin entschärfen. Rossiyanka wurde stärker, das Spiel ausgeglichener. In der 63. Minute Flanke von Morozova, Barbashina mit schönem Seitfallrückzieher, der gar nicht weit vorbei geht.

Beim FFC wurde nun gewechselt, für Meike Weber kam in der 66. Minute Renate Lingor, doch der FFC bekam das Spiel nicht mehr so


deutlich in den Griff wie in der ersten Hälfte. Rossiyankas Keeperin bewies im Herauslaufen gegen Pohlers erneut ihre Klasse, und dann hatte Frankfurt einfach Glück, als Olga Kremleva in der 70. Minute nur den Pfosten des Frankfurter Tores traf. Nur zwei Minuten später sorgte ein Freistoß für weitere Gefahr, die bis dahin so sichere FFC Abwehr schien nun doch ins Schwimmen zu geraten.

Tritschoks reagierte und brachte in der 77. Minute mit Karolin Thomas für Pohlers eine defensiv starke Spielerin, die auch nach vorne Akzente setzen kann. Prompt kam der FFC wieder zu Gelegenheiten. Nach schönem Doppelpass mit Garefrekes verfehlte Prinz das Tor nur knapp, dann setzte Lingor in der 80. Minute frei vor dem Tor zu einem Seitfallrückzieher an, traf aber den Ball nicht richtig. Aber auch vor dem Frankfurter Tor drohte weiter Gefahr, allerdings ließ die Frankfurter Abwehr keine wirklich zwingenden Chancen zu. Tina Wunderlich stand hinten als Fels in der Brandung, und auch Gina Lewandowski sorgte für Sicherheit, so z.B. blieb sie nah vor dem Tor Kopfballsiegerin gegen Barbashina und verhinderte damit schlimmes.

Renate Lingor Seitfallrückzieher

Da staunte Olga Petrova (rechts): Hätte Renate Lingor diesen Ball mit ihrem Seitfallrückzieher voll erwischt, hätte es leicht 3:0 für Frankfurt stehen können

Erst in den letzten Sekunden der Partie kam noch einmal richtig Spannung auf. Nach einem Eckball wehrte Bartusiak mit dem Kopf zu kurz ab, Elena Morozowa nahm den Ball von der Strafraumgrenze direkt und traf mit einem zu allem Unglück auch noch verdecktem Schuss völlig unhaltbar ins Eck. Da war schon die erste Minute der Nachspielzeit abgelaufen, und eine Minute fehlte den Frankfurterinnen noch zum Einzug ins Halbfinale. Diese Minute ging dann mit einer weiteren Chance für Rossiyanka und dem darauf folgenden Eckball schadlos vorrüber. Die zwei Tore auf der einen und das eine Tor auf der anderen Seite geben letztlich den Spielverlauf exakt wieder, so dass man von verdienten Sieg sprechen kann. Besonders hervorheben möchte ich die geschlossen starke Mannschaftsleistung, bei der wirklich keine Frankfurter Spielerin irgendwie abfiel.

Tor durch Elena Morozova

Mit diesem Schuss erzielte Elena Morozova (Nr. 23) in der 91. Minute den Anschlusstreffer und sorgte für eine dramatische letzte Spielminute



1. FFC Frankfurt:

Rottenberg - Kliehm, T. Wunderlich, Lewandowski, Bartusiak - Weber (66. Lingor), Krieger, Garefrekes, Prinz (89. Jones), Wimbersky, Pohlers (77. Thomas)

WFC Rossiyanka

Zvarych - Ekpo (60. Kremleva), Kozhnikova, Dychakova, George (43. Petrova), Mokshanova, Pekur, Tsybutovich, Skotnikova, Barbashina, Morozova

Tore:
1:0 Wimbersky (23.)
2:0 Prinz (44.)
2:1 Morozova (90+1.)

Gelbe Karten: Tsybutovich, Pekur

Schiedsrichterin: Wendy Toms (England)

Zuschauer: 2165


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