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Uefa Cup, Hinspiel im Halbfinale

Spannend und torreich

1. FFC Frankfurt - CF Bardolino Verona 4:2 (2:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Volker Lieberum

30.03.2008   Mit einem 4:2 Heimsieg schuf sich der 1. FFC Frankfurt eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Samstag in Verona. Dabei sah eine Rekordkulisse von knapp 5200 Zuschauern ein hochklassiges, spannendes Spiel. Bei drei vergebenen 100-Prozentern auf Frankfurter Seite und den zwei etwas unglücklichen Gegentoren kann man zwar der Chance nachtrauern, schon im Hinspiel alles klar machen zu können, doch insgesamt geht das Ergebnis in Ordnung und gibt auch den Spielverlauf angemessen wieder.

Die Gäste aus Verona machten ihre Ankündigung war, mit offenem Visier nach vorne zu spielen und legten etliche Schwächen in der Frankfurter Hintermannschaft bloß. Doch auch die Frankfurter Offensivabteilung erwischte einen glänzenden Tag, spielte sich viele gute Chancen heraus und insgesamt dominierte Frankfurt über weite Strecken des Spiels. Zugute kam den Frankfurterinnen ein frühes Führungstor durch einen Kopfball von Conny Pohlers nach Freistoß von Petra Wimbersky.

CF Bardolino Verona

Das Team aus Verona war der erwartet schwere Gegner. Oben von links: Valeria Magrini, Giogia Motta, Cristiana Girelli, Laura Barbierato, Melania Gabbiadini, Carla Brunozzi. Unten: Valentina Boni, Patrizia Panico, Alessia Tuttino, Roberta Stefanelli und Maria Sorvillo

Doch schon die nächste Chance hatte Verona, deren heute beste Angreiferin Melania Gabbiadini einen Ausrutscher von Frankfurts Innenverteidigerin Gina Lewandowski nutzte, um den Ball zu erobern und auf Tor zu schießen. Keeperin Silke Rottenberg hielt den aus zu großer Entfernung etwas überhastet geschossenen Ball jedoch ohne Probleme. Wenig später mußte Rottenberg dann außerhalb des Strafraums mit dem Kopf vor Patrizia Panico klären, die einen der langen Bälle, mit denen Bardolino operierte, aufgenommen hatte. Der Ball prallte dann von Rottenbergs Kopf zu Veronas Spielmacherin Valentina Boni, die aber das leere Tor aus gut 25 Entfernung verfehlte.

Maria Sorvillo

Veronas Innenverteidigerin Maria Sorvillo kratzte einen Ball noch von der Linie und verhinderte so ein Eigentor

Im direkten Gegenzug schoss dann Pohlers bei einem Konter etwa einen Meter am langen Eck des italienischen Tores vorbei. Dann war es wieder Gabbiadini, die Panico steil anspielte, Lewandowski konnte aber noch rechtzeitig abblocken. Wieder nur eine Minute später Foul an Birgit Prinz zentral ganz nah am Strafraum, doch Pia Wunderlich schoss den Freistoß über das Tor. Wenig später aber war es so weit: Lewandowski eroberte einen Ball in der eigenen Hälfte, super Ballmitnahme und Weiterleitung von Sarah Günther auf Pohlers, die auf Prinz, und die hatte so plötzlich den Platz, den sie brauchte, um von der Strafraumgrenze aus mit einem Mordsschuss sicher zu verwandeln.

Leider zog sich Pia Wunderlich ohne Fremdverschulden wenig später eine schwere Knieverletzung zu. „Mindestens eine Meniskusverletzung”, gab Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks später bekannt. (Leider wurde inzwischen ein Kreuzbandriss mit Meniskus- und Knorpelschaden diagnostiziert, FFC-Newsletter 31.03.) Wir wünschen Pia Wunderlich gute Besserung! Frankfurt spielte einige Minuten in Unterzahl, dann wurde Pia Wunderlich durch Karolin Thomas ersetzt. Frankfurt hatte den Gegner in dieser Phase gut im Griff und blieb deutlich überlegen. Eigentlich hätte es ab der 37. Minute sogar 3:0 stehen müssen nach einem weiteren wunderschönen Angriff. Pohlers hatte mit dem Kopf auf Prinz verlängert, die sah Smisek frei vor dem Tor, flacher, präziser Pass, doch Smisek nahm den Ball direkt


Kopfballtor Conny Pohlers

Mit diesem wuchtigen Kopfball erzielte Conny Pohlers in der 5. Spielminute das Führungstor für Frankfurt

und drosch die auf dem holprigen Platz unglücklich aufspringende Kugel knapp über die Latte. Erste Hundertprozentige vergeben!

Erst kurz vor der Pause kam auch Verona noch mal zu einer Gelegenheit. Lewandowski spielte einen Fehlpass, Gabbiadini kam dadurch in Ballbesitz, ging aufs Tor, Lewandowski hinterher, berührte sie vielleicht leicht mit der Hand. Gabbiadini fiel, die Schiedsrichtern ließ weiterspielen. Auch mehrmaliges Betrachten der Zeitlupe kann die Situation nicht ganz genau auflösen, ich denke, das Weiterspielen geht in Ordnung und vor dem Strafraum war es allemal.

Raffaela Manieri und Kerstin Garefrekes

Raffela Manieri, die hier Kerstin Garefrekes den Ball weggrätscht, wurde in der 46. Minute ein und in der 84. Minute wieder ausgewechselt. Nach einer langen Verletzungspause war die National- spielerin noch nicht wieder so bei Kräften wie erhofft

So sah zur Halbzeit alles bestens aus für den 1. FFC; doch nach der Pause kam gleich der Paukenschlag: Eckball Boni, Thomas wehrte mit dem Kopf etwas unglücklich an die lange Strafraumecke ab, und Giorgia Motta (nicht Maria Sorvillo, wie im Stadion verkündet) nahm den Ball einfach volley. Der Schuss rauschte mit solcher Wucht und verdeckt in die Maschen, dass Rotteneberg hinterher sagte, sie habe den Ball überhaupt erst gesehen, als er schon im Netz war. Ein Sonntagsschuss mit aufgrund der Auswärtstorregel besonderer Wichtigkeit!

Eine zeitlang wirkten die Frankfurter Spielerinnen nun etwas nervös, vor allem die Hintermannschaft war bei langen Bällen nicht immer sicher. Doch in der 59. Minute hätte das dritte Frankfurter Tor nun endlich fallen müssen. Prinz hatte Pohlers steil geschickt, die umspielte Keeperin Carla Brunozzi, doch fünf Meter vor dem Tor passte Pohlers dann zur Seite Richtung der mitgelaufenen Garefrekes. Den Querpass drückte eine Spielerin von Verona fast ins eigene Tor, doch Maria Sorvillo kratze den Ball noch von der Linie. 20 Sekunden später knallte dann ein Schuss von Prinz an den Pfosten des Gästetores. Das war die dritte Hundertprozentige, die vergeben wurde, und an der Stelle dachte ich, „wenn solche Dinger nicht rein gehen, dann geht das heute hier gründlich schief...”

Conny Pohlers umspielt Carla Brunozzi

Conny Pohlers hatte Carla Brunozzi schon wunderbar ausgespielt, gab dann aber ab, statt selbst zu vollenden

Es hätte auch nicht viel gefehlt, dann hätte Verona das 2:2 gemacht. In der 72. Minute erwischte Panico wieder so einen langen Ball, überlief die Innenverteidigung des FFC, gab flach zu Gabbiadini weiter, doch der versprang der Ball etwas, so dass er aus vier Metern haarscharf über die Latte ging und sich erst hinter dem Frankfurter Tor senkte. In der 75. Minute warf sich Keeperin Rottenberg der heranstürmenden Panico im Strafraum in den Lauf, erwischte den Ball, aber auch Panico. Eigentlich wäre ein Elfmeter für Verona angesagt gewesen, doch die Pfeife der insgesamt guten Schiri Claudine Brohet aus Belgien blieb stumm. Das war jetzt wirklich Glück für den FFC, allerdings hätte ein Ausgleich zu diesem Zeitpunkt nicht dem Spielverlauf ent- sprochen.


Zwei Minuten später köpfte Garefrekes den Ball nach Ecke von Prinz über das Tor von Bardolino, und noch einmal zwei Minuten später erzielte Prinz dann nach einem schön vorgetragenen schnellen Angriff (Thomas auf Garefrekes, die in die Mitte auf Prinz) das erlösende 3:1. Garefrekes bereitete dann auch das 4:1 für Pohlers vor, und nun schien die Frankfurter Welt wieder in Ordnung zu sein. Doch Gabbiadini spielte sich im Doppelpass mit Panico durch die Frankfurter Abwehr wie ein heißes Messer durch warme Butter, tunnelte die ihr entgegen kommende Rottenberg, und erzielte damit den Entstand von 4:2.

Pfostentreffer Birgit Prinz

Roberta Stefanelli, Giorgia Motta, Conny Pohlers und Carla Brunozzi sehen dem Schuss von Birgit Prinz hinterher, doch der Ball ging nur an den Pfosten

Auch wenn Frankfurts Trainer Tritschoks den vergebenen Großchancen nachtrauerte und Veronas Trainer Renato Longega mit der Schiedsrichterin haderte und die Schiedsricherinnen- leistungen im Frauenfußball ingesamt kritisierte, also keiner von beiden richtig zufrieden war, es war ein gutes Spiel mit gerechtem Ergebnis, das Zusehen hat Spaß gemacht. Offen blieb übrigens, ob im Rückspiel in Verona Frankfurts Spielmacherin Renate Lingor wieder mit von der Partie sein wird. Es hieß, sie sei sehr enttäuscht gewesen wegen ihrer Nichtberücksichtigung beim DFB-Pokalspiel in München, aber nach einem guten Gespräch im Laufe der Woche werde sie ab Montag wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Frankfurter Kader sei momentan sehr gleichmäßig und stark besetzt, und Tritschoks wollte das nach der langen Verletzungspause von Lingor gut eingespielte Team vor dem wichtigen Spiel in München nicht auseinanderreißen.

Melania Gabbiadini und Sarah Günther

Melania Gabbiadini, hier bedrängt von Sarah Günther, erzielte das wichtige zweite Tor für Bardolino Verona



1. FFC Frankfurt

Rottenberg - Krieger, T. Wunderlich, Lewandowski, Günther - Weber, P. Wunderlich (27. Thomas), Wimbersky, Pohlers, Prinz, Smisek (46. Garefrekes)

CF Bardolino Verona

Brunozzi - Magrini, Stefanelli, Sorvillo, Motta, Girelli (46. Manieri, 82. Torselli), Barbierato (68. Ledri), Tuttino, Boni, Gabbiadini, Panico

Tore:
1:0 Pohlers (5.)
2:0 Prinz (19.)
2:1 Motta (47.)
3:1 Prinz (79.)
4:1 Pohlers (81.)
4:2 Gabbiadini (84.)

Gelbe Karte: Girelli

Schiedsrichterin: Claudine Brohet (Belgien)

Zuschauer: 5190


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