Fansoccer-Logo

UEFA-Cup-Finale 2007 (Hinspiel)

Wieder ein Schritt für den englischen Frauenfußball

Umeå IK - Arsenal LFC 0:1 (0:0)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Per Arne Almeflo

22.4.2007   Wahrlich, spannender könnte die Ausgangsposition vor dem Rückspiel im UEFA-Cup-Finale am kommenden Sonntag in London (13 Uhr live bei Eurosport) nicht sein. Am gestrigen Samstag verlor der als hoher Favorit gehandelte Gastgeber Umeå IK das Hinspiel gegen die Herausforderer von Arsenal LFC mit 0:1. Die Engländerinnen kamen erst in der Schlussminute zu ihrem etwas glücklichen, aber nicht gänzlich unverdienten Siegtreffer durch einen 25-Meter-Schuss von Alex Scott.

Beim zweimaligen Titelträger aus Umea kam Nationalstürmerin Hanna Ljungberg nach ihrer fünfmonatigen Verletzungspause zum ersten Mal wieder von Beginn an zum Einsatz, die junge Chinesin Ma Xiaoxu musste dafür zunächst auf der Bank Platz nehmen. Nach den zahlreichen personellen Veränderungen, die die Schwedinnen vor Saisonbeginn Anfang April zu verkraften hatten, sollten die „Gunners“ ihr erster ernstzunehmender Gegner sein, auch wenn die Sperre - für Hin- und Rückspiel - für deren Mittelfeldstrategin Kelly Smith eine klare Schwächung für die Gastmannschaft bedeutete. Mit der 19-jährigen Lianne Sanderson in der Smith-Position und der starken schottischen Angreiferin Julie Fleeting als einziger Sturmspitze – bedient von den Flügelspielerinnen Rachel Yankey und Karen Carney – wussten die Engländerinnen diesen Verlust jedoch erstaunlich gut zu kompensieren.

Emma Byrne, Madeleine Edlund

Die irische Nationaltorfrau Emma Byrne war ihrer Mannschaft ein sehr wichtiger Rückhalt. Hier fängt sie eine Flanke vor UIK-Angreiferin Madeleine Edlund ab.

Ohne Taktieren und Abtasten gingen die 22 Akteurinnen vom Anpfiff an forsch zur Sache, es entwickelte sich sofort ein offener Schlagabtausch auf technisch hohem Niveau. Die Londonerinnen versteckten sich nicht, mussten die ersten Torgelegenheiten aber den Favoritinnen überlassen. Gleich in der 4. Minute war es an Weltfußballerin Marta, die erste Duftmarke zu setzen. Die Brasilianerin, die sofort ihrer Rolle als Schaltzentrale gerecht wurde und an nahezu allen Offensivaktionen beteiligt war, zog von der Strafraumgrenze mit einem scharfen Schuss ab, traf damit aber nur von oben auf das Tornetz.

Karen Carney, Marta, Elaine

Karen Carney versucht an den Brasilianerinnen Marta und Elaine vorbeizukommen. Carney drehte in der zweiten Spielhälfte mächtig auf.

Zehn Minuten später, in denen UIK seine Feldvorteile festigte, zog Neuzugang Madeleine Edlund aus der Drehung heraus aus knapp 10 Metern ab und fand zum ersten, aber nicht zum einzigen Mal in der irischen Nationaltorfrau Emma Byrne ihre Meisterin. 25 Minuten waren gespielt, da konnte sich die Irin erneut auszeichnen. Marta, die zwar überragend aufspielte, aber oftmals die Anspielstationen vermisste, hatte sich in einzigartiger Manier gegen drei „Rote“ durchgesetzt, nochmal in die Mitte gezogen und dann clever ins lange Eck gezielt. Byrne, obwohl auf dem falschen Fuß erwischt, bekam ihren Handschuhe allerdings noch an das runde Leder und verhinderte erneut Schlimmeres.


Marta, Katie Chapman, Jayne Ludlow

Eine beispielhafte Szene: Marta im Angriff, an der letzten Spielerin kam sie aber nur selten vorbei. Hier bilden Katie Chapman (l.) und Jayne Ludlow die Endstation.

Die kommenden Minuten bis zur Pause förderten dann die Schwachstellen der Gastgeberinnen zu Tage. Nach den zahlreichen personellen Veränderungen vor der Saison fehlte es Umeå an der Variabilität

Hanna Ljungberg, Katie Chapman

Wirkte noch sichtlich geschwächt: Hanna Ljungberg (l.) konnte sich gegen die Arsenal-Abwehr um Katie Chapman nur selten durchsetzen.

im Angriffspiel, verliefen die Offensivbemühungen oftmals nach dem gleichen Schema, das da hieß: Marta kommt über die linke Seite, zieht entweder selbst an ihren Gegenspielerinnen vorbei in den Strafraum oder sie sucht die Sturmspitzen Edlund und Ljungberg. Doch je länger das Spiel dauerte, desto besser hatte sich die englische Abwehr darauf eingestellt. Ihre linke Abwehrseite war kaum gefordert. Aus ihrer stabilen Abwehr heraus gelang es den Gästen sogar, in großen Abständen selbst zu aussichtsreichen Torgelegenheiten zu kommen. Die beste hatte in der 41. Minute Karen Carney, die – von Yankey bedient – das Leder ins lange Eck schlenzen wollte, ihr Ziel aber knapp verfehlte.

Ohne Wechsel geht es in die zweite Spielhälfte. Der Druck, das ist klar, lastet nun noch mehr als ohnehin auf dem schwedischen Meister. Ein 0:0, für die Gunners wäre es ein Erfolg. Ihre Taktik, aus einer sicheren Abwehr heraus auf Konter zu setzen, behalten sie bei. Doch auch in Durchgang zwei gehören die Anfangsminuten dem Gastgeber. Eine Flanke von Madeleine Edlung von der linken Seite verpasst Hanna Ljungberg nur ganz knapp. Umeå drückt nun gewaltig aufs Tempo, die Tücke dieses Unterfangens kommt jedoch prompt zum Vorschein. Über wenige Stationen kontern nun die Arsenal Ladies, Sanderson kommt aus etwa 18 Metern in zentraler Position an den Ball. Die klügere Variante wäre vermutlich gewesen, jetzt auf die freistehende Rachel Yankey zu passen, doch in ihrer Unerfahrenheit versucht es die 19-Jährige direkt und vergibt damit eine sehr gut Gelegenheit.

Jayne Ludlow, Lise Klaveness, Katie Chapman, Elaine

Zweikampfstark im Mittelfeld, aber ohne die zündenden Ideen: Lise Klaveness (Mitte), die hier von Jayne Ludlow (l.) und Katie Chapman "gedoppelt" wird. Rechts vorne Elaine.

Was wir im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte zu sehen bekommen, ist mit dem Spielverlauf des ersten Abschnitts fast identisch. Vieles geht bei UIK über Marta, die ihre Klasse immer wieder aufblitzen lässt, den Nachweis der Effektivität aber schuldig bleibt. Ljungberg und Edlund gelingt es nun zwar öfter, sich gegen ihre Gegenspielerinnen durchzusetzen und freizulaufen, doch im


Abschluss präsentieren sie sich allesamt als zu harmlos. Logische Konsequenz aus der Kraftlosigkeit Ljungbergs: in der 64. Minute bringt der schwedische Trainer Andrée Jeglertz Hoffnungsträgerin Ma Xiaoxu für sie ins Spiel.

Doch die groß gewachsene Chinesin kommt in einer Phase ins Spiel, in der die klare Linie im schwedischen Spiel immer mehr verloren geht. Die Verzweiflung, gegen die Arsenal-Abwehr kein passendes Rezept zu finden, ist an der zunehmenden Fehlpassquote gut erkennbar. Das merken auch die Gunners und finden nun immer häufiger den Weg vor das Tor von Carola Söberg. Zwanzig Minuten vor Spielende ist es zwei Mal Karen Carney, die von der Strafraumgrenze zum Abschluss kommt und dabei einmal an ihrer Gegenspielerin, beim zweiten Mal an ihrer Ungenauigkeit scheitert. Die Londoner Sturmspitze Julie Fleeting ist bei der schwedischen Abwehr in guten Händen, umso mehr Raum bietet sich dafür für Carney, Yankey, Sanderson und Co. Der Ausgang des Spiels ist nun, etwa eine Viertelstunde vor Toreschluss, völlig offen.

Alex Scott

Alex Scott gelang der Treffer des Tages.

Archivfoto: Peter Henkel

Die Schlussminuten gehören sogar den Gästen aus England. Die Gastgeberinnen machen fast schon einen perplexen Eindruck und geraten immer mehr in Bedrängnis. Arsenal kann befreit aufspielen und aufs Tor abziehen. So auch Nationalspielerin Alex Scott in der 90. Minute. Aus halbrechter Position kommt sie relativ frei zum Abschluss, ihr Sonntagsschuss landet im linken oberen Toreck. Die Sensation ist perfekt, die Weichen für ein hochspannendes und attraktives Rückspiel gestellt.

Umeå IK

Söberg - Paulson, Westberg, Frisk, Bergkvist - Lisa Dahlqvist (76. Bachman), Elaine, Klaveness, Marta - Edlund, Ljungberg (64. Ma Xiaoxu)

Arsenal LFC

Byrne - Scott, Asante, Philipp, Chapman - Grant, Ludlow, Sanderson, Yankey, Carney - Fleeting

Tore:
0:1 Scott (91.)

Karten: Ludlow

Schiedsrichterin: Christine Beck (Deutschland)

Zuschauer: 6265

Zur Seite UEFA-Cup

Zur FanSoccer-Startseite