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UEFA-Cup-Viertelfinale (Hinspiel)

Bittere Lektion in Brøndby

Brøndby IF Kopenhagen – 1.FFC Turbine Potsdam 3:0 (1:0)

Text von Detlef Püschel, Fotos von Jan Kuppert

21.10.2006

Nach dem ersten Punktgewinn in der Bundesliga, der gerade einmal 3 Tage zurücklag, wollte Turbine in Brøndby ein gutes Ergebnis erzielen, um im UEFA-Womenscup weiterzukommen. Für Kapitänin Ariane Hingst wäre dies schon ein Unentschieden, möglichst mit eigenem Torerfolg, gewesen. Um dieses Ziel zu erreichen, war Potsdam mit fast komplettem Kader angereist. Lediglich Navina Omilade, die sich gegen Crailsheim eine schwere Armverletzung zuzog, fehlte dem Potsdamer Trainerduo.

Bei guten äußeren Bedingungen im wunderschönen Brøndby-Stadion ließ Schröder zunächst seine Abwehrchefin Inken Becher auf der Bank. Dafür spielte Ariane Hingst zentral in der Abwehr, die mit Peggy Kuznik und Babette Peter sowie Nadine Angerer im Tor komplettiert wurde. Davor war ein Vierermittelfeld mit Jenny Zietz, Steffi Draws, Josephine Schlanke und der wieder genesenen Britta Carlson aufgestellt. Im Sturm sollten Conny Pohlers, Isabell Kerschowski und Aferdita Kameraj für das wichtige Auswärtstor sorgen.

Doch zunächst machten die Gastgeberinnen mächtig Dampf. Schon in der 7. Minute erzielte Brøndby das 1:0. Dabei war die komplette Turbine-Abwehr noch im kollektiven Tiefschlaf. Eigentlich standen da mit Ariane Hingst, Peggy Kuznik, Babett Peter und Josephine Schlanke gleich 4 kopfballstarke Spielerinnen im eigenen Sechzehner. Aber nicht eine von ihnen ging hoch, und so konnte Cathrine Paaske Sörensen in aller Ruhe den Ball ins Tor köpfen. Nadine Angerer blieb ebenfalls auf der Linie kleben und hatte somit keine Chance, den Rückstand zu verhindern. Brøndby drückte weiter und kam nur wenig später zur nächsten 100%-igen Torchance, die Nadze aber parieren konnte.

Kreis Turbine Potsdam

Einschwörung vor dem Spiel bei den Turbinen.

Nach 15 Minuten kam Potsdam erstmals gefährlich vor das Brøndby-Tor, aber Conny Pohlers schoss aus sehr spitzem Winkel, und so hatte Tine Cederkvist keine Mühe. Bröndby drückte weiter, und so konnte Turbine gar keinen vernünftigen Spielaufbau entwickeln. Unter dem Dauerdruck der Hausherrinnen häuften sich die Abspielfehler. Selbst Pässe über 3-4 Meter erreichten nicht die Adressatin. Ganz anders Brøndby: Aus einer gut gestaffelten Abwehr heraus, lief der Ball ruhig in den eigenen Reihen, weil die Turbinen zu weit weg standen, und dem Gegner genug Raum ließen, ihr gefährliches Angriffsspiel aufzuziehen. Hier stimmten die Laufwege, und beinahe jeder Ball kam auch da an, wo er hin sollte. Bei den Potsdamerinnen war hier oft schon bei der zweiten Station Schluss, weil spätestens dann der Fehlpass folgte. So versuchte man es mit Distanzschüssen erfolgreich zu sein. Erst probierte es Babett und im Anschluss Steffi. Leider waren beide Schüsse nicht sehr platziert, sodass sich Tine Cederkvist nicht mal lang machen musste. Dafür hat Nadze mehrmals Kopf und Kragen riskieren dürfen, um den Rückstand nicht noch größer werden zu lassen. In der 42. Minute nahm Schröder Stefanie Draws vom Feld. Sie verließ humpelnd den Rasen und machte Platz für Inken Becher.

Julie Rydahl Bukh, Aferdita Kameraj

Wer hat die Fußspitze zuerst am Ball? Julie Rydahl Bukh (l.) oder Aferdita Kameraj?

Die hatte auf der Bank genug Frust angesammelt und ging gleich in die Offensive. Dadurch bekam das Potsdamer Spiel sofort frischen Wind, weil Inken richtig


Essi Sainio, Cathrine Paaske Sørensen

Die für die Weltfußballerinnen-Wahl nominierte Cathrine Paaske Sørensen (r./l. Essi Sainio) brachte Kopenhagen in Führung.

die Zweikämpfe annahm. Turbines Druck wurde größer und Brøndby begann Fehler zu machen. Leider kam der Halbzeitpfiff mitten in diese Druckphase. Die gut 25 mitgereisten Turbine-Fans schöpften wieder etwas Hoffnung, dass es nach der Pause so weitergehen könnte und sich dieser Druck auch in Zählbares ummünzen ließe.

Britta Carlson

Ballakrobatik bei Britta Carlson

Die Brandenburgerinnen begannen auch genau da, wo sie vor der Halbzeit aufgehört hatten. Mit sehr viel Laufarbeit und stärkerem Zweikampfverhalten gelang es sogar, Brøndby in die eigene Hälfte zu drängen. Aber jetzt konterte der dänische Meister im eigenen Stadion. In der 55. Minute passierte das Malheur. Nach einem kapitalen Abwehrfehler von Ariane Hingst, sie trat am Ball vorbei, schoss Stine Kjæer Dimun den Ball in die kurze Torwartecke. In ihrer Bestform hätte Nadze den sicher gehalten, auch weil sie an diesem Tag schon wesentlich schwierigere Aufgaben mit Bravour löste. Der Schock war allen tief ins Gesicht geschrieben. Man hatte doch gerade, mit viel Aufwand und Kampf, die Gelben in ihre Hälfte gedrückt und einige Beinahechancen herausgespielt. Und jetzt hatten die cleveren Brøndby-Kickerinnen den Spieß wieder umdrehen können.

Josephine Schlanke, Cecilie Frandsen

Cecilie Frandsen schirmt den Ball gekonnt gegen Potsdams Josephine Schlanke ab.

Was nun folgte, geriet zu einer Vorführung des Deutschen Meisters. Eiskalt nutzten die Platzherrinnen jeden Fehler in der Turbine-Deckung aus und kamen nun zu Chancen fast im Minutentakt. Die Havelstädterinnen kämpften zwar tapfer gegen die Niederlage, aber es stimmte an diesem Tag einfach nichts. Und da nichts richtig funktionieren wollte, holte man die Brechstange raus. So gelangen noch ein paar wenige, sehenswerte Aktionen, die aber im Abschluss zu harmlos waren. Die dänische Torfrau hätte eigentlich nicht duschen müssen, denn sie kam weder ins Schwitzen, noch musste sie sich schmutzig machen.

Dann kam der Moment, auf den viele Turbine-Fans gewartet hatten. Unser Neuzugang aus Finnland betrat den Rasen. Essi Sainio kam für Britta Carlson, deren Kräfte nun am Ende waren. Ähnlich wie Inken in Halbzeit eins konnte nun auch Essi neuen Schwung ins Team bringen. Man merkte, dass jeder brannte und wenigstens das wichtige Auswärtstor noch erzielen wollte. Die erste war Conny Pohlers in der 76. Minute und zwei Minuten später auch Ariane Hingst. Beide läuteten die Schlussoffensive bei Turbine ein. Conny hatte auch in der 83. Minute das 2:1 auf dem Kopf, doch leider ging der Ball knapp drüber. Mitten in die


erneute Drangphase der Potsdamerinnen konterte Brøndby IF erneut geschickt und erzielte das 3:O. Jenny Zietz, die nach einem Zweikampf seit geraumer Zeit nur noch humpelte, konnte ihrer Gegenspielerin nicht mehr folgen, und so bescherte Kicki Nielsen den, auch in der Höhe, verdienten 3:0-Erfolg.

Eigentlich konnte die Niederlage für Turbine noch drastischer ausfallen, wenn man die Chancen ansieht, die Brøndby hatte. Trotz ihrer zwei Unsicherheiten beim 1:0 und 2:0

Essi Sainio

Feierte in Kopenhagen ihr Debüt für Turbine: Essi Sainio aus Finnland (Siehe Interview)

bewahrte Nadze ihre Mannschaft vor einem noch schlimmeren Debakel. Turbine ist wohl wieder einmal hauptsächlich an sich selbst gescheitert und Bröndby hat dies clever ausgenutzt. Bei den Schröder-Schützlingen hatte keiner Normalform, auch wenn alle bis an ihre Grenzen gegangen sind. Am ehesten konnten noch die Einwechselspielerinnen überzeugen, aber dies reichte halt nicht. Auch das Potsdamer Trainerduo muss sich Kritik gefallen lassen. Warum sie die angeschlagene Jenny nicht gegen eine frische Kraft ausgewechselt haben, wird wohl ihr ewiges Geheimnis bleiben. Somit haben sie zumindest indirekt das dritte Gegentor verschuldet. Auf Nachfrage bei Dirk Heinrichs sagte der nur Schultern zuckend: “Da muss sie sich halt quälen“. Für mich ist dies keine Antwort. Wenn ich noch die Möglichkeit habe, zu wechseln, muss sich niemand quälen.

Babett Peter, Ariane Hingst

Niedergeschlagene Gesichter bei Babett Peter (vorne) und Ariane Hingst nach dem Abpfiff, während sich die Däninnen im Hintergrund freuen.

Brøndby IF:

Cederkvist - Olsen, Andersen, Hansen - Dimun, Eggers-Nielsen, Paaske, Bukh - Konge (70. K.Nielsen), Jensen (90. Sonder), Pape (85. Pedersen)

Turbine Potsdam:

Angerer - Schlanke, Hingst, Kuznik - Zietz, Peter, Carlson (65. Sainio), Draws (43. Becher) - Kameraj, Pohlers, I.Kerschowski

Tore:
1:0 Paaske-Sørensen (7.)
2:0 Dimun (54.)
3:0 K.Nielsen (86.)

SRin: Alexandra Ihringova (Slowakei)

Gelb: Peter

Zuschauer: 697

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