von Martin Kochem (Text u. Bilder)
13.10.2006
„Alles ist möglich“ hieß die Devise bereits vor diesem mit Spannung erwarteten Viertelfinalhinspiel zwischen dem
norwegischen Meister und dem deutschen Titelverteidiger, nach dessen Verlauf bzw. Ergebnis getrost ein Ausrufezeichen
dahinter gesetzt werden darf.
Die - aufgrund der äußerst zuschauerunfreundlichen Anstoßzeit von 16 Uhr - leider nur 326 Frauenfussballinteressierten
(darunter sechs Gästeanhänger) hatten noch nicht richtig ihre Plätze im „Sofiemyr-Stadion“ eingenommen, da hätte es
durchaus schon 1:0 für die Gastgeberinnen heißen können. FFC-Keeperin Silke Rottenberg traf beim Versuch, einen langen
Flankenschlag von Lindblom zu bereinigen, lediglich den Rücken von Tina Wunderlich, die wiederum Zerbe anschoss und
anschließend Glück hatte, dass sich für den abprallenden Ball keine einheimische Abnehmerin fand.
Bei leicht einsetzendem Nieselregen entwickelte sich in der Folgezeit ein ausgeglichenes, von der Taktik geprägtes
Kampfspiel, in welchem Torchancen zunächst Mangelware blieben. Die ansonsten von Ingvild Stensland völlig abgemeldete
Birgit Prinz mit Kopfball (21.) sowie zweimal Kerstin Garefrekes (mit Distanzschuss/35. sowie mit Direktabnahme an die
Latte/36.) verpassten die mögliche FFC-Führung, sodass es folgerichtig torlos in die Pause ging.
Seitenwahl und Gratulation in einem: Ingvild Stensland (Links) gratuliert Renate Lingor (rechts) zum Geburtstag
Diese schien für die Gäste länger als nur 15 Minuten gedauert zu haben, nahm sich die zuvor doch so souverän agierende
Viererkette in den ersten zehn Minuten eine klassische „Auszeit“, was die abgezockten Skandinavierinnen eiskalt zu nutzen
vermochten. Die erst seit kurzem von ihrer Babypause zurückgekehrte Solveig Gulbrandsen nahm ein Zuspiel von Blystad-Bjerke
auf und hämmerte den Ball in der 48. Minute aus gut zwanzig Metern unhaltbar ins linke untere Toreck. Nachdem Blystad-Bjerke kurze Zeit
später völlig freistehend noch vergeben hatte, schnappte sich die frischgebackene Mama erneut das Leder und überlistete die
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Viel vorgenommen hatte sich der norwegische Meister vor diesem Viertelfinalhinspiel - am Ende mit Erfolg.
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chancenlose Rottenberg mit einem herrlichen Heber in den rechten Winkel ein zweites Mal (51.).
Nach kurzer Schockphase schienen die Frauen des von außen lautstark aufmunternden FFC-Coaches Dr. Hans-Jürgen Tritschoks
endlich aufzuwachen und drängten den Gegner mit aller Vehemenz in die eigene Hälfte zurück. Nachdem zunächst
Geburtstagskind Renate Lingor mit einem Schlenzer (57.) sowie Garefrekes (kam nach einem abprallenden Schuss von Wimbersky
nicht mehr ganz ran / 67.) gute Gelegenheiten nicht nutzen konnten, hatte Kolbotns Torfrau Bye anschließend Glück, dass der
von ihr nach einem Distanzschus von Louise Hansen fallen gelassene Ball vom Innenpfosten nur auf - jedoch nicht mit vollem
Umfang hinter - die Linie fiel (73.).
Nur eine Minute später gab es jedoch auch für Bye nichts zu halten, als Smisek eine schöne Kombination über Wimbersky mit
einem trockenen Schuß ins rechte obere Tordreieck zum erlösenden sowie eminent wichtigen FFC-Anschlusstreffer abschließen
konnte. Gegen die auf dem durch leichten Nieselregen mehr und mehr aufgeweichten Geläuf kräftemäßig nach und nach
nachlassenden Gastgeberinnen drängte der Titelverteidiger nun gar mehr auf den Ausgleichstreffer, welchen die kurz zuvor
eingewechselte Saskia Bartusiak mit einem Schuss in die Wolken jedoch leichtfertig vergab (79.). So setzte es für den FFC
am Ende die insgesamt erst zweite Auswärtsniederlage in fünf Jahren Women’s Cup, welche jedoch durchaus noch „reparabel“
erscheint.
Folgerichtig mahnte FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks nach Abpfiff zur Besonnenheit und zeigte sich für das Rückspiel
äußerst zuversichtlich: “Wenn wir unsere Tormöglichkeiten konsequenter nutzen und so auftrumpfen wie in der letzten halben
Stunde, könnte es für uns letztendlich reichen…“ Auf Ihr Wort, Herr Doktor - für Spannung dürfte jedenfalls ausreichend
gesorgt sein…
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"Frau des Tages" war ohne Zweifel die junge Mutter Solveig Gulbrandsen.
Aufstellungen
Kolbotn
Bye – Berg Hansen, Stangeland Horpestad, Stensland, Huse – I. Andersen, Lindblom, Rönning - T. Hansen (79. Isaksen),
Gulbrandsen, Blystad-Bjerke (75. Herlovsen).
Frankfurt
Rottenberg - T. Wunderlich, Zerbe, Hansen, Kliehm – Affeld, Lingor, Garefrekes (87. Hartel), Wimbersky
(75. Bartusiak) – Prinz, Smisek.
Tore
1:0 Gulbrandsen (48.)
2:0 Gulbrandsen (51.)
2:1 Smisek (74.)
Karten: keine
Schiedsrichterin:
Claudine Brohet (Belgien)
Zuschauer: 326
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