Von Nora Kruse (Text u. Bilder)
30.04.2006
Außer der Mannschaft von Arsenal London haben nicht viele daran geglaubt: den Sieg über Umeå IK. Doch Arsenals erstmaliger Einzug ins Endspiel um den
Uefa Cup wurde nicht nur zum „größten Moment unserer Vereinsgeschichte“, so Trainer Vic Akers, sondern auch zu einem großen Moment im internationalen
Frauenfußball: erstmals kommt die beste Mannschaft Europas nicht aus Deutschland oder Schweden.
„Ich denke nicht, dass dies eine Signalwirkung haben wird“, resümierte Tatjana Haenni, Women’s Football Manager bei der Fifa, „aber es ist gut für den
Frauenfußball, wenn sich die Breite vergrößert. Außerdem unterstreicht es die gute Arbeit, die in England geleistet wird.“
Diese Arbeit hat insbesondere nach der Europameisterschaft 2005 den Lohn gebracht: Die Nationalmannschaft qualifizierte sich für die diesjährige
Weltmeisterschaft, für das Endspiel um den FA Women’s Cup in einer Woche hofft man auf eine neue Rekordzuschauerzahl und nun Arsenals Triumph. Auf der
Insel liegt was in der Luft.
Dass die Londonerinnen diesen Luftzug spürten, machten sie von Beginn an klar. Sie stellten sich nicht in die
eigene Hälfte, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Stattdessen waren sie wach, standen kompakt und griffen die ballführende
Gegenspielerin früh – und meist im Zweierteam – an. Insbesondere das Duo Hanna Ljungberg und Marta musste von den „Gunners“ unter Kontrolle gebracht
werden, was erstaunlich gut funktionierte. In der ersten Halbzeit gelang Marta nicht viel, die Weltfußballerin wurde von den englischen
Abwehrspielerinnen Mary Phillip und Anita Asante förmlich ruhig gestellt.
Und wieder eher am Ball: Mary Phillip (r.) hat Marta im Griff
Mit Julie Fleeting, die in der ersten Halbzeit insbesondere auf der rechten
Angriffsseite agierte, und Rachel Yankey auf links, stellten sie aber auch die schwedische
Hintermannschaft vor Probleme - wobei es am Abschluss haperte. Die Bälle flogen am Kasten vorbei oder das Timing bei Flanken stimmte nicht,
wie in der 28. Minute, als Karen Carney eine Flanke von Yankey nur knapp verfehlte. Die Gastgeberinnen ließen sich von der mageren Ausbeute jedoch nicht
entmutigen und spielten unter tatkräftiger Anfeuerung des Publikums weiter engagiert. Denn auch wenn es nicht gelang, das Spiel im Emirates Stadium der
Arsenal Männer auszutragen, hatte das kleine Stadion zumindest den Vorteil, dass es voll war.
Engagiert und quirlig - getroffen hat Julie Fleeting (r.) dennoch nicht.
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Zum ersten Mal im Finale und gleich gewonnen: Arsenal London triumphiert und zeigt an, in welche Richtung sich der englische Frauenfußball derzeit bewegt.
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Weniger engagiert agierten die schwedischen Gäste. Die Bälle landeten haufenweise im Aus oder beim Gegner. Im Spiel nach vorne versuchte Umeå es
standardmäßig mit Hanna Ljungberg, die jedoch keinen Weg durch die Londoner Abwehr fand. Die Schüsse wurden geblockt und wenn das fehlschlug, war Torfrau
Emma Byrne zur Stelle.
Rachel Yankey (r.) ist geschlagen: eine der wenigen Chancen, die sich für Lisa Dahlqvist auf der rechten Seite ergaben.
So nur wenige Minuten vor der Halbzeit, als sich Lisa Dahlqvist über rechts durchspielen konnte, frei zum Schuss kam und Byrne zur
Ecke klärte. Dass auch das Verständnis im Team noch nicht richtig funktioniert, wurde aber zuvor in der 25. Minute bewiesen, als Marta die Angriffsseite
wechselte, sich gegen Alex Scott durchsetzte und eine Flanke quer durch den Strafraum spielte. Da jedoch keine Mitspielerin zur Stelle war,
landete der Ball – mal wieder – im Aus.
„Letzte Woche hatte Umeå eine sehr gute erste Halbzeit, dieses Mal war es die zweite“, analysierte Schottlands Nationaltrainerin Anna Signeul von der
Tribüne. In der Tat musste Andrée Jeglertz seiner Mannschaft deutlich gemacht haben, dass mit dieser Spielweise nicht mal ein Blumentopf zu gewinnen wäre.
Umeå kam motivierter aus der Kabine und drückte aufs Tempo. Arsenal wurde in die eigene Hälfte und zu Fehlpässen gedrängt, Umeå machte das Spiel.
Die vielleicht beste Chance in dieser Phase hatte Marta, die sich auf der linken Seite mal durchsetzen konnte und einen langen Ball ins rechte obere
Toreck spielte – aber es war wieder Byrne, die die schwedischen Hoffnungen zunichte machte und den Ball mit den Fingerspitzen rauskratzte. Arsenal wehrte
sich mit letzter Kraft, war in den entscheidenden Situationen noch mit irgendeinem Fuß dazwischen aber es war klar, dass die Mannschaft zusammen bräche,
würde Umeå ein Tor erzielen. Sie taten es jedoch nicht und so kämpften sich die Londonerinnen nach etwa 15 Minuten zurück ins Spiel, haderten jedoch
weiterhin mit dem Abschluss. Fleeting spielte über das Tor, Scott rutschte am Ball vorbei und Jayne Ludlows Aufsetzer nach einem Kopfball verfehlte den
Kasten ebenso.
Mit der letzten Viertelstunde begann die wohl stärkste Phase von Umeå. Die Zeit rannte den Schwedinnen davon, es wurde aufs Tempo gedrückt und London war
in der eigenen Hälfte gefangen. Die Chancen ergaben sich im Minutentakt.
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Den Auftakt machte Ramona Bachmann, deren Ball in der 75. Minute den Kasten nur um
Millimeter verfehlte. Nur etwa eine Minute später verschätzte sich Byrne, ließ den Ball fallen. Dass diese Chance der Schwedinnen nicht ausgenutzt wurde,
war Asante zu verdanken, die den Ball von der Linie kratzte. Auch Marta ließ ihr ganzes Können aufblitzen, als sie an Arsenal vorbeitanzte und auf
Bachmann spielte. Und wieder hatte Umeå Pech, denn der Ball traf den Pfosten, sprang zurück zu Emma Byrne und prallte ab ins Aus – ein Szene, die alle
bestimmenden Komponenten in Umeås Spiel vereinte, denn es krachte in der 88. Minute nach einem Freistoß Umeås nochmals an der Latte.
Eine Szene, wie ein ganzes Spiel: Umeås Schluss schlägt an den Pfosten, springt zu Emma Byrne (r.) und ins Aus.
Foto: Marc Schüler, www.sportpics.de
Arsenal kämpfte aufopferungsvoll und hatte das Glück des Tüchtigen. Schiedsrichterin Nicole Petignat ließ aufgrund ständiger Diskussionen und
Streitigkeiten mehrer Minuten nachspielen. Das erhöhte nicht nur die Spannung, sondern gab dem angehenden Uefa-Cup-Sieger doch noch die Möglichkeit, sich
mit einer eigenen Tormöglichkeit zur Siegerehrung zu verabschieden. Aber es war wie die vorherigen 90 Minuten: Fleeting verfehlte den Kasten.
Als der Pfiff von Petignat ertönte, war das den Londonerinnen egal. Erstes Finale und schon war der Pott auf der Insel – der Jubel kannte keine Grenzen,
Siegerehrung und Ehrenrunde wurden mit allen Sinnen genossen. Und ungeachtet des Ergebnisses waren sich auch die Zuschauer einig: Ein solch hochklassiges
0:0 sieht man selten.
Aufstellungen
London
Byrne, Scott, Asante, Phillip, Chapman, Grant, Ludlow (90. White), Sanderson, Fleeting, Yankey, Carney
Umeå
Söberg, Paulsson, Westberg, Frisk, Bergqvist, Dahlkvist (54. Edlund), Moura, Xiaoxu (70. Bachmann), Klaveness, Marta, Ljungberg
Gelbe Karten: Phillip, Ludlow
Tore: -
Schiedsrichterin:
Petignat (Schweiz)
Zuschauer: 3.467
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