Fansoccer-Logo

UEFA-Cup-Finale (Hinspiel)

Potsdam erlebt Debakel und Frankfurt greift nach Europas Thron

1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 0:4 (0:1)
(aus Potsdamer Sicht)

Bilder von Jan Kuppert
Text von Marko Schiller

23.5.2006   Mit Spannung wurde das vierte Duell zwischen Potsdam und Frankfurt erwartete. Die Chancen standen 50:50 vor dem Spiel, gleichwohl galten die Gastgeberinnen als Favoriten, da sie die bisherigen Duelle gewinnen konnten.

Beide Mannschaften traten ohne Überraschungen bei den Startaufstellungen auf. Lediglich der Wechsel von Sandra Albertz für Judith Affeld deutete eine offensivere Ausrichtung der Gäste an. Dennoch hatte Turbine Potsdam die erste große Chance durch Conny Pohlers. Sie setzte sich nach schönem Pass von Britta Carlson gegen die gesamte Frankfurter Abwehr durch und verfehlte den Kasten nur knapp.

Renate Lingor, Turbine Potsdam, Nadine Angerer

Renate Lingor, Turbine Potsdam, Nadine Angerer

Das wichtige 1:0-Freistoßtor durch Renate Lingor. Die Frankfurterin zirkelt den Ball über die Abwehr und das Leder springt hinter dem Rücken von Torfrau Nadine Angerer vom Pfosten ins Tor.

Besser machte es auf der Gegenseite dann Renate Lingor. Sie verwandelte in der 6. Spielminute einen Freistoß direkt, mit Hilfe des Rückens von Nadine Angerer. Diese war in diesem Moment jedoch ohne jede Chance, da der Ball vom linken Pfosten an ihren Rücken sprang und von dort ins Tor.

Dieses frühe Tor brachte Sicherheit in das Spiel von Frankfurt und setzte Potsdam erheblich unter Druck. Dies wurde im weiteren Spielverlauf sehr deutlich. Potsdam kam nicht ins Spiel und konnte kaum Akzente setzen. Auf der anderen Seite vergab Frankfurt einige gute Chancen oder wurde in letzter Sekunde noch durch die Potsdamer Abwehr gestoppt. Insgesamt konnte Potsdam mit dem 0:1-Rückstand zur Pause noch sehr glücklich sein. Frankfurt zeigte eine souveräne Leistung, die Potsdamer waren davon sichtlich beeindruckt. So hoffte das Potsdamer Publikum auf eine wirkungsvolle Pausenansprache des Trainers und mehr Akzente durch die eigene Mannschaft.

Renate Lingor

Renate Lingor bejubelt ihren Führungstreffer

Die Bemühung der Mannschaft war ersichtlich, aber leider wurde auch recht schnell deutlich, dass heute das Glück und Geschick mehr auf Seiten der Frankfurter war. Nachdem in der 54. Minute die Schiedsrichterin wechselte, da diese sich verletzt hatte, verlagerte sich das Spielgeschehen zunehmend ins Mittelfeld, das von Frankfurt beherrscht wurde. So war es nur eine Frage der Zeit, und Sandra Albertz bestrafte die Passivität der Heimmannschaft. In der 64. Minute umkurvte sie Nadine Angerer und


Turbine Potsdam

Zum ersten Mal im Jahr 2006 geschlagen - und schon Verlierer, liebe Erfolgsfans?

schob unbedrängt zum 0:2 ein. Der Schock auf Potsdamer Seite saß tief.

Frankfurt verlegte sich nun mehr und mehr auf Konter und Potsdam musste das Spiel machen. Dies war in diesem Spiel allerdings nicht die Spezialität der Turbinen. Das 0:3 durch Kerstin Garefrekes belegte vielmehr, dass Fortuna diesmal auf Seiten der Gäste war. Ein Schuss von Birgit Prinz sprang vom Pfosten zurück ins Spielfeld und dort direkt an die „im Weg“ stehende Garefrekes. Das Spiel war entschieden, da deutlich wurde, dass Potsdam weder spielerisch noch läuferisch etwas dagegenzusetzen hatte.

Leider mussten sich die wirklichen Fans jetzt nicht nur der eigenen Hilflosigkeit wegen des traurigen Zwischenstands erwehren, sondern auch der zunehmenden Unmutsäußerungen der Erfolgsfans. Dazu kommen noch die

Birgit Prinz, Babett Peter

Einer der gefürchteten dynamischen Antritte von Birgit Prinz (l.), die von Babett Peter nicht nur in dieser Szene nicht zu halten war.

Herren, die die Gelegenheit nutzen um einen Vorwand zum Trinken zu haben und nach nur einer Halbzeit nicht einmal mehr wissen, was sie da brüllen. Sicher wünschen wir uns alle ein volles Stadion und viele motivierte Zuschauer, allerdings muss man sich zunehmend diesem Phänomen stellen. Manchmal wünsche ich mir in solchen Momenten, dass der Ordnungsdienst frühzeitig durchgreift und besoffene pöbelnde Leute rausschmeißt und mit Stadionverbot belegt. Sie schaden dem Sport und dem Ansehen derer, die sich jedes Wochenende mit auf die Reise zu den Spielen begeben und für den Fußball und ihr Team alles geben. Sicher lebt der Sport auch von Emotionen, aber diese müssen sich im Rahmen des normal Erträglichen halten.

Rein sportlich endete das Spiel schlussendlich 0:4, nachdem nur sechs Minuten nach dem 0:3 erneut Renate Lingor das Tor traf. Die Abwanderung vieler begann in diesem Moment. Es zeigt, wie schnell in einigen Köpfen aus Heldinnen Verliererinnen werden und welch Begehrlichkeiten und Druck der Erfolg mit sich bringt.

Uschi Holl

Uschi Holl zeigte zwei kleine Schwächen, hier konnte sie einen Freistoß nur noch zur Seite wegfausten, war ihrer Mannschaft sonst aber ein sicherer Rückhalt.

Diesem Druck wird sich auch Frankfurt am Samstag vor eigenem Publikum stellen müssen - allerdings mit einer blendenden


Ausgangslage. Zwar müssen die Hessinnen den Meisterschaftspokal nach Potsdam ziehen lassen, aber so wie es aussieht, kriegen sie dafür den Europapokal.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass eine sehr gute Mannschaftsleistung der Frankfurterinnen, gepaart mit den Quäntchen Glück, einen deutlichen Auswärtssieg ermöglichte und

Hans-Jürgen Tritschoks

Frankfurts Coach Hans-Jürgen Tritschoks strahlte über beide Ohren.

damit den Potsdamerinnen den Titelhattrick verdarb. Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wiederum ein unerfreuliches Phänomen aufgetreten ist. Die Schiedsrichterleistungen halten mit den Leistungen der Mannschaften und deren Entwicklung nicht mehr mit. Was bereits in der Bundesliga zu Kontroversen führte, zeigte sich auch in diesem Spiel. Trotz der Tatsache, dass das Gespann aus Schweden kam, waren die Leistungen einem UEFA-Cup-Finale nicht gerecht.

Sandra Albertz, Nadine Angerer

Sandra Albertz (r.) umspielt Torfrau Nadine Angerer und schiebt zum 0:2 ein.

Bericht aus Frankfurter Sicht

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer - Becher, Peter, Kuznik - Omilade (60. I. Kerschowski), Carlson (83. Cristiane), Zietz, Hingst - Wimbersky, Mittag (71. I. Kerschowski), Pohlers

1. FFC Frankfurt

Holl - Kliehm, Künzer, Jones, T. Wunderlich (81. Weber) - Lingor, Garefrekes, Hansen, Prinz (90. Barucha) - Albertz (64. Bartusiak), Smisek

Tore:
0:1 Lingor (6.)
0:2 Albertz (64.)
0:3 Garefrekes (77.)
0:4 Lingor (84.)

Gelb: Omilade - T. Wunderlich

Schiedsrichter: Eva Oedlund (Schweden), ab der 54. Minute Susanne Borg (Schweden)

Zuschauer: 4.431


Zur FanSoccer-Startseite