Bilder und Text von Mark Köhler 7.12.2005
Weder der Nackenschlag des verlorenen Hinspiels noch das Nicht-Zustandekommen einer organisierten Fan-Reise änderten etwas an der Entschlossenheit einiger Handvoll Turbine-Fans, ihre Mannschaft in Stockholm zu unterstützen.
So bestiegen etwa 20-30 von Ihnen in der Woche vor dem alles entscheidenden Rückspiel Flugzeuge in Berlin, Köln und Frankfurt, um sich am 27.11.2005 um 12:00 Uhr im Stockholmer Rasunda-Stadion einzufinden.
Da die Ausgangslage für Turbine nicht gut war, entschlossen sich die Turbine-Adler einen Turbine-Fan-Treff in Stockholm zu veranstalten, um sich gemeinsam auf das Rückspiel einzustimmen. Der Einladung zum Fantreff folgten 15 Turbine-Fans. Es wurde in einer schottischen Kneipe in der Altstadt von Stockholm ein gemütlicher Abend – genau das richtige für den kommenden Tag.

Deutsche Fans in schottischer Kneipe in Schweden: Das ist Fußball!
War die Zuschauerzahl in der vorigen Woche schon enttäuschend gewesen, so wurde nun einmal mehr klar, wie verwöhnt man in diesen Belangen in Potsdam tatsächlich ist: gerade einmal 275 Interessierte verloren sich im weiten Rund, wobei der Potsdamer Anhang von Anfang an zumindest akustisch dominierte.

Es ist unerklärlich, warum das Halbfinale im Uefa-Cup bei den schwedischen Fans auf so wenig Interesse stieß. Das Rasunda Stadion war praktisch leer.
Das Einlaufen der Mannschaften brachte die erste Überraschung. Dass Karolin Thomas wohl für Navina Omilade in die Startelf rücken würde, war bereits vorab in der Lokalpresse zu lesen gewesen, doch Trainer Schröder hatte noch ein zweites Ass im Ärmel: Statt Cristiane bot er Aferdita Podvorica in der Startelf auf.
Turbine drängte gleich mit Anpfiff der Partie nach vorne. Anders als noch in der Vorwoche wurde um jeden Ball gekämpft, jede Aktion der Schwedinnen gleich im Ansatz gestört und zumeist auch unterbunden – es schien eine völlig andere Potsdamer Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Djurgarden, durch die Abwesenheit der sich im Thailand-Urlaub befindlichen Mittelfeldregisseurin Linda Fagerström zusätzlich geschwächt, zeigte sich von dieser plötzlichen Gegenwehr überrascht und verunsichert, so dass die Turbine-Fans bereits nach wenigen Minuten „Die sind nervös“ skandierten. Wie recht sie damit hatten und wie glücklich das Schrödersche Händchen an diesem Tag wieder einmal war, zeigte sich beinahe umgehen, als Aferdita Podvorica sich um ihre Gegenspielerin herum in ein Anspiel Petra Wimberskys hinein drehte und den Ball an Djurgardens Schlussfrau vorbei ins Tor beförderte. 0:1 für Potsdam nach gerade einmal fünf Minuten.
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Die Anzeigetafel zeigt es: 5:2 gewannen die Turbinen in Stockholm - ihre Fans hatten also gute Gründe zum Feiern!
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Bizarrer Weise schien dieses Tor jedoch eher Djurgarden als Turbine zu beflügeln, denn die Schwedinnen begannen nun besser dagegen zu halten. Doch Potsdam ließ ebenfalls nicht nach und erarbeitete sich weitere Chancen. In der 22. Minute war es dann wieder soweit: Nach einer von Aferdita Podvorica getretenen Ecke landete das Leder aus dem Gewühl im Stockholmer Strafraum heraus irgendwie erneut im Tor der Gastgeberinnen. Der Stadionsprecher gab Jennifer Zietz als Schützin des zweiten Treffers an und auch der Berliner Telefon-Joker bestätigte nach Zeitlupenstudie, dass sie den Ball zuletzt berührt hatte. Der Jubel im Turbine-Block kannte nun keine Grenzen mehr.
Und die Turbine lief weiter auf Hochtouren: selbst als Ariane Hingst in der 35. Minute den Ball bei dem Versuch, aus dem Strafraum zu klären, der sträflich freistehenden Victoria Svensson genau vor die Füße köpfte und diese sich mit dem 1:2 Anschlusstreffer bedankte, gab es nur eine kurze Schrecksekunde für die Mitgereisten. Bereits zwei Minuten später konnten sie wieder jubeln, als erneut Jennifer Zietz einen Freistoß Aferdita Podvoricas (die damit an allen drei Potsdamer Toren der ersten Halbzeit beteiligt war) aus Nahdistanz im Djurgardener Tor unterbrachte.

Schon mit dem Halbzeitstand von 1:3 wären die Turbinen im Endspiel gewesen, doch Stockholm hatte noch alle Chancen, in der zweiten Halbzeit den Spieß noch umzudrehen
Turbine kam in unveränderter Besetzung aus der Pause und nahm gleich wieder das Heft in die Hand. Sie zeigten zwar kein schönes Spiel, doch die kämpferische Einstellung stimmte. Dass trotzdem auch Zeit und Gelegenheit für technisch anspruchsvolles blieb, bewies Conny Pohlers elf Minuten nach Wiederanpfiff. Sie nahm einen Pass von Anja Mittag auf, startete zu einem wunderschönen Sololauf, der Djurgarden-Verteidigerin Jenny Curtsdottir keinerlei Chance ließ und vollendete gekonnt zum 1:4. Dass nur eine Minute später Ann-Marie Norlin wieder auf 2:4 verkürzte, machte nur die Potsdamer Anhänger nervös, die in der Aufregung die Auswärtstor-Regelung vergessen hatten, denn diese favorisierte nun die Turbinen.
Die Torschützin hatte ihren Jubel kaum beendet, da wurde sie auch schon vom Feld beordert. Für sie kam Elin Eckbolm ins Spiel. Auch
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Turbine wechselte nun. Britta Carlson, die sich trotz Magen-Darm-Infekt bravourös geschlagen hatte, durfte für Navina Omilade Platz machen. Dem Spielfluss tat das kaum einen Abbruch, die Partie blieb weiter schnell und aggressiv. Dabei geriet auch das eine oder andere Temperament ein wenig außer Kontrolle. Insbesondere ‚Kiki’ Bengtson und Aferdita Podvorica gerieten mehrfach aneinander, was für letztere in der 64. Minute zu ihrer zweiten gelben Karte des Turniers führte. Eine Minute später hätte Anja Mittag beinahe das Spiel endgültig entschieden, doch sie scheiterte freistehend an Torhüterin Maja Aström. Stattdessen gab es in der 66. Minute eine Schrecksekunde, als Nadine Angerer nach einem Eckstoss der Schwedinnen im Strafraum liegen blieb. Potsdams Schlussfrau konnte jedoch glücklicherweise nach kurzer Behandlung weiterspielen.
In der 77. Minute wechselte Turbine ein zweites Mal. Die Heldin des Tages, Aferdita Podvorica verließ unter großem Applaus und ‚Afro, Afro’-Rufen den Platz. Isabel Kerschowski kam für sie ins Spiel und brachte noch einmal frischen Wind in das Postdamer Angriffsspiel. So war es auch ihr Zuspiel, das Anja Mittag in der 87. Minute aufnahm und nach schönem Solo sicher zum 2:5 verwandelte. Trotz vier Minuten angezeigter Nachspielzeit begriffen nun auch die letzten, dass es wohl tatsächlich geschafft war, und erste ‚oh wie ist das schön’ Gesänge ertönten. Dann war es endgültig soweit: Potsdam stand im UEFA-Cup Finale. Auf der Tribüne wie auch auf dem Rasen lag man sich in den Armen und feierte. Nur ein Wehmutstropfen blieb: ausgerechnet Aferdita Podvorica, die so großen Anteil an dem Erfolg in Stockholm hatte, wird am Hinspiel des Finales nicht teilnehmen dürfen – sie ist wegen ihrer zweiten gelben Karte für eine Partie gesperrt.

Abschlussfeier nach dem Spiel, diesmal zur Abwechslung in einem Irish-Pup
Da man einen solchen Tag nicht so einfach abschließen kann, begaben sich die Turbine-Fans unter der Führung der Turbine-Adler zum gemeinsamen Feiern in die Stockholmer-Altstadt in einen Irish-Pub. Dort wurde bei mehreren Bieren der Sieg bis tief in die Nacht gefeiert.
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