Von
Mark Koehler
19.10.2005
In der letzten Saison ging es für Turbine weit in den Osten nach Voronesh, dieses Mal in den hohen Norden in die Hauptstadt von Island, nach Reykjavik.
Das Spiel fand im „Nationalstadion“ von Reykjavik statt. Gespielt wird im Laugardalsvöllur-Stadion in Reykjavik. Das Spiel wurde auch live im isländischen Fernsehen gezeigt, was aber nicht unbedingt damit zusammenhängt, dass Frauenfußball in Island sehr populär ist. Es war vielmehr die Tatsache, dass es zum ersten Mal einer isländischen Mannschaft gelungen ist, in einem UEFA-Cup-Viertelfinale zu stehen. Es wurde von Seiten des Vereins aber auch für das Spiel geworben. Es wurden Plakate und Anzeigen geschaltet. Die Anzeige hatte schon etwas für sich, auch wenn die Frauenbeauftragt von Island die Anzeige nicht gut fand, wie wir später erfuhren!
 Das Laugardalsvöllur-Stadion in Reykjavik Foto: Mark Koehler
Eine Stunde vor Spiel waren genau 4 Fans dort – wir 4 Turbine-Fans! Keine Kasse war offen, dafür das Stadion – also rein ins Stadion und einen Block sichern. Schließlich hatte man die Blockfahne mitgeschleppt. Fahnen aufgehängt, Photos gemacht - das Spiel konnte beginnen. Mittlerweile waren auch rund 800 Zuschauer anwesend, darunter 10 weitere Deutsche, die in Island arbeiten. Normalerweise kommen rund 500 Zuschauer zu den Spielen. Hatte nun die Werbung gewirkt oder hatte Turbine die Zuschauer ins Stadion gelockt?
 Werbung für Frauenfußball auf isländischFoto: Mark Koehler
Das Spiel begann gleich mit einem Aufreger. In der 2. Minute lag eine Isländerin im Strafraum von Turbine. Die einheimischen Fans und die Spielerinnen von Valur forderten vehement Elfmeter. Der wurde aber ihnen zum Glück versagt – doch es hätte auch anders herum sein können.
Potsdam kam nur sehr langsam ins Spiel. Immer wieder wirbelten die Isländerinnen die Abwehr von Turbine durcheinander. Insbesondere Guona Björk Odansdottir fiel immer wieder auf. Sie ließ mehrfach mehrere Abwehrspielerinnen von Turbine einfach stehen. So musste Nadine Angerer in der 13. Minute in höchster Gefahr klären. In der 16. Minute kam dann Potsdam das erste Mal gefährlich vor das isländische Tor. Eine Flanke von Cristiane wurde von Laufey Johannsdottir direkt ins Tor befördert. 1:0 für Turbine!
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Turbine-Fanblock mit Chefe, Norbert, Lampe und Detlef Foto: Mark Koehler
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Es entwickelte sich ein spannendes Spiel. Turbine war nun besser im Spiel und Reykjavik verstärkte seine Torbemühungen. In der 30. Minute war Anja Mittag frei vor dem Tor. Doch die Linienrichterin hatte etwas dagegen und winkte zu Unrecht Abseits. In der 36. Minute tanzte Odansdottir die komplette Turbine-Abwehr mal wieder aus. Ihre Hereingabe konnte noch abgewehrt werden, doch aus dem Tumult konnte Guona Björk Odansdottir den Ball einnetzen – 1:1.
Das Spiel wogte hin und her, wobei die Isländerinnen sogar den stärkeren Eindruck machten. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gab es dann den 2. Eckball für Turbine. Der von Navina Omilade getretene Ball wurde von Ariane Hingst zu Anja Mittag weitergeleitet, die aus gut 20 Metern ins Tor traf – 2:1. Dann war Halbzeit.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste Nadine Angerer wieder einmal in höchster Not klären. Turbine verlegte sich aufs Kontern. Dies taten sie durchaus gefährlich. So auch in der 58. Minute! Einen genialen Pass von Ariane Hingst nahm Anja Mittag an und konnte von der linken Seite den Ball zum 3:1 ins Tor befördern. Das war ein Tor, an dem Valur zu knabbern hatte. Dann kam die 62. Minute. Der Ball wurde aus der Abwehr schnell in die Spitze zu Conny Pohlers gespielt. Conny verlängerte den Ball direkt in die Mitte zu der mitlaufenden Cristiane. Per Heber über die Torhüterin schloss sie diesen perfekten Konter ab - 4:1. Das war der Genickbruch für Valur Reykjavik. Aber Respekt vor der Mannschaft von Reykjavik! Obwohl das Spiel gelaufen war und die Kräfte bei den Spielerinnen immer mehr nachließen, versuchten sie stets offensiv nach vorne zu spielen.
 Aferdita "Afro" Podvorica und Peggy Kuznik (r.) beim AbschlusstrainingFoto: Nadine Bieneck
Doch dadurch ergaben sich immer mehr Tormöglichkeiten für Turbine, die fast konsequent genutzt wurden. In der 70. Minute traf Conny Pohlers auf Vorarbeit von Cristiane zum 5:1. Dann trug sich Karolin Thomas, die für die grippegeschwächte Ariane Hingst in
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der 70. Minute eingewechselt worden ist, auf Vorarbeit von der ebenfalls für Jennifer Zietz eingewechselten Afredita Podvorica in die Torschützenliste ein. 6:1 in der 83. Minute! Eine Minute später traf zum zweiten Mal Cristiane - 7:1. Den Schlusspunkt setzte in der 87.Minute Petra Wimbersky mit dem 8:1. Dann wurde Reykjavik erlöst.
 Cristiane (l.) und Anja Mittag jubeln über einen der Turbine-Treffer. Im Hintergrund die Turbine-Blockfahne Foto: Nadine Bieneck
Fazit: Ein verdienter Sieg für Turbine, der aber zu deutlich ausfiel! Die Mannschaft von Turbine bedankte sich bei den Fans und kam zum Abklatschen an die Bande.
Aufstellungen:
Valur Reykjavik
Gunnarsdottir, Andresdottir, Sigurdardottir, Arnadottir, Olafsdottir, Logadottir (64. Bjarnadottir), Stefansdottir, Vidarsdottir, Johannsdottir, Odansdottir, Borbjomsdottir
1. FFC Turbine Potsdam
Angerer, Carlson, Omilade, Becher, Pohlers, Zietz (78. Podvorica), Hingst (66. Thomas), Cristiane Sousa Silva, Wimbersky, Kuznik, Mittag (70. I. Kerschowski)
Tore:
0:1 Johansdottir (16./ET)
1 :1 Odansdottir (36.)
1 :2 Mittag (45.)
1:3 Mittag (59.)
1:4 Cristiane Sousa Silva (62.)
1:5 Pohlers (65.)
1:6 Thomas (83.)
1:7 Cristiane Sousa Silva (84.)
1:8 Wimbersky (87.)
Gelbe Karten: Borbjomsdottir
Schiedsrichterin: Gyöngyi Gaal (Ungarn)
Zuschauer: 800
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