Bilder von Matthias Rotsch Text von Katja Öhlschläger 21.5.2006
Mit einer 2:6-Heimklatsche hatte die "Best of Five"-Serie zwischen Frankfurt und Potsdam am Ostersamstag begonnen, danach steigerten sich die Frankfurterinnen von Spiel zu Spiel, und gestern nun drehten sie mit einer eindrucksvollen Mannschaftsleistung den Spieß um. Durch den deutlichen 4:0-Sieg in Potsdam hat der Triple-Gewinner von 2002 damit beste Chancen, nach der verpassten Meisterschaft und der Niederlage im DFB-Pokalfinale doch noch einen Titel zu ergattern. Wer die Auswärtsstärke der Potsdamerinnen - insbesondere in Frankfurt - kennt, sollte den Tag allerdings nicht vor dem Abend loben.
Wer die Duelle der beiden Mannschaften in den letzten beiden Jahren gesehen hatte, der wusste, von welch entscheidender Bedeutung ein Führungstreffer für den weiteren Spielverlauf sein konnte. Beinahe wäre es wie an Ostern in Frankfurt und wie am vergangenen Sonntag in Potsdam Conny Pohlers gewesen, die den Torreigen eröffnet hätte. In der 3. Minute erreichte sie ein weiter Pass von Britta Carlson, die Torschützenkönigin der Bundesliga setzte sich entschlossen gegen Tina Wunderlich und Steffi Jones durch, verfehlte den Kasten dann aber um Zentimeter. Eine Großchance, nach deren Verwertung wir womöglich ein anderes Spiel gesehen hätten. Doch das Pech im Abschluss, von dem die Frankfurterinnen in den letzten Spielen verfolgt waren, klebte diesmal Conny Pohlers am Schuh.
Anders zwei Minuten später auf der gegenüberliegenden Seite. Birgit Prinz startete im Mittelfeld durch, zog aufs Tor und fädelte geschickt bei Peggy Kuznik ein, sodass Schiedsrichterin Eva Oedlung auf Freistoß in aussichtsreicher Position entschied. Wie immer eine Sache für Renate Lingor - die Spielmacherin zirkelte das Leder über die Mauer an den linken Innenpfosten, von wo der Ball im Rücken von Potsdams Torfrau Nadine Angerer die Linie überquerte. 1:0, ein Einstand nach Maß für die Gäste, denen die unbändige Freude über den endlich geplatzten (Tor-)Knoten deutlich anzusehen war.
 Renate Lingor trieb gestern das Frankfurter Spiel an, erzielte den erlösenden Führungstreffer und markierte den Schlusspunkt.
Kurz darauf hatte Sandra Albertz, die diesmal von Beginn an stürmen durfte, die große Gelegenheit, mit dem 2:0 die Potsdamerinnen in einen ähnlichen Schockzustand zu versetzen, wie es Turbine an Ostern am Frankfurter Brentanobad gelungen war. Als sie frei auf den Kasten von Angerer zulief, kam ihr Inken Becher durch ihr höheres Tempo allerdings noch zuvor. Die Heimmannschaft kam in der Anfangsphase zwar noch zu einer kleineren Chance durch Ariane Hingst, wusste sich im Spielaufbau aber nur mit weiten, zumeist schlecht platzierten Pässen zu helfen und war den Gästen in nahezu allen Belangen unterlegen. Frankfurt zeigte sich trotz der schlechten Platzverhältnisse kombinationsfreudig und -sicher und demonstrierte eine hohe Lauffreudigkeit, durch die sich aus der sicheren Abwehr heraus weitere gute Chancen ergaben. So auch in der 30. Minute, als die sehr starke Birgit Prinz die wendige Albertz mit einem Pass in den freien Raum schickte, diese große Torgelegenheit wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung jedoch abgepfiffen wurde. Die - den Linienrichterinnen nicht zur Verfügung stehenden TV-Bilder - lassen jedoch deutlich erkennen, dass Albertz im Moment der Ballabgabe nicht im Abseits stand.

Potsdams Torfrau Nadine Angerer vereitelte einige Großchancen - so auch hier diese von Smisek, nachdem Becher den Ball unglücklich mit dem Kopf weitergeleitet hatte.
Frankfurt setzte sich nun immer mehr in der Potsdamer Hälfte fest, sie waren dem 2:0 näher als die Gastgeberinnen dem Ausgleich. In der 32. Minute verlängerte Inken Becher eine Flanke von Tina Wunderlich unfreiwillig mit dem Hinterkopf auf Smisek, doch die Nationalstürmerin scheiterte aus spitzem Winkel an ihrer Natio-Kollegin Angerer. Eine Minute darauf kamen die Titelverteidigerinnen wieder vor das Tor von Uschi Holl, die die gesperrte Marleen Wissink vertrat. Doch Nia Künzer konnte die Situation gegen Anja Mittag in einem Laufduell klären. Künzer hatte die Potsdamer Angreiferin zwar minimal berührt, Schiedsrichterin Oedlund entschied jedoch korrekt auf Schwalbe. Falsch lag das Schiedsrichtergespann jedoch zwei Minuten später - diesmal war es Prinz, die von Garefrekes geschickt wurde, nicht im Abseits stand, aber zurückgepfiffen wurde. Hatte Oedlund sich bei manchen Zweikampfsituationen, so auch vor dem Freistoß zum 1:0, im Zweifel eher für Frankfurt entschieden, stehen auf der anderen Seite diese zwei eklatant falschen Abseitsentscheidungen zu Buche, sodass der Schiedsrichterin insgesamt keine spielentscheidende Bedeutung zukam.
Einer Großchance durch Kerstin Garefrekes in der 39. Minute, als Angerer einen Kracher aus Nahdistanz glänzend zur Ecke entschärfte, standen in den Schlussminuten zwei gute Potsdamer Chancen gegenüber, bei denen sie von Patzern der ansonsten sicher haltenden Frankfurter Torfrau profitierten. In der 38. Minute griff Holl bei einer Flanke von Petra Wimbersky neben den Ball, doch die Frankfurter Abwehr konnte die Nachschüsse von Pohlers und Carlson abblocken. Ähnlich eine Minute vor der Pause - nach einem Freistoß durch Anja Mittag konnte die Keeperin den Ball nicht festhalten, faustete ihn aber noch geistesgegenwärtig zur Seite raus, sodass die Abwehrspielerinnen noch Zeit fanden, sich mit vereinten Kräften dem rechts am Tor vorbeizischenden Nachschuss von Mittag in den Weg zu stellen. So blieb es beim verdienten 1:0 zur Pause, das zu drehen Potsdam sich deutlich steigern musste.
Nach dem Seitenwechsel war den Gastgeberinnen der Wille anzumerken, sich mit einem möglichst schnellen Ausgleich zurück ins Spiel zu bringen. Doch es fehlte die Gefährlichkeit beim finalen Pass und im Abschluss. Auch der zuletzt so torhungrigen Pohlers ging es nicht anders als ihren Teamkolleginnen. Wie schon zu Beginn der ersten Hälfte kam sie nach einem Pass von Carlson aussichtsreich vor Holl zum Schuss, aber die Frankfurter Schlussfrau ließ nichts anbrennen.
Kurz darauf dann Überraschung allenthalben. Schiedsrichterin Oedlund pfiff mitten in einem Frankfurter Spielzug ab - was war geschehen? Die Schwedin hatte sich eine Wadenzerrung zugezogen, wegen der sie bereits in der Halbzeitpause behandelt werden musste, und humpelte vom Feld. Einige Lacher (ob des Sensorwechsels) später konnte es mit ihrer Vertreterin Susanne Borg weitergehen.
 Meist einen Schritt schneller: Kerstin Garefrekes (l.) gegen Inken Becher.
Potsdams Trainer Bernd Schröder setzte früh auf volle Offensive und wechselte Pokal-Matchwinnerin Isabell Kerschowski für die bereits verwarnte Omilade ein. Erfolgreich in der Offensive zeigte sich jedoch wieder Frankfurt. In der 64. Minute gelang es Prinz ihre Gegenspielerin Babett Peter mit einer
|
Birgit Prinz (l.) war die beste Spielerin auf dem Platz, wurde aber leider wieder von einigen Zuschauern ausgepfiffen. Rechts Anja Mittag.
|
cleveren Körpertäuschung abzuhängen, vor den Strafraum zu ziehen und die sich rechts freilaufende Louise Hansen zu bedienen. Die dänische Nationalspielerin fackelte nicht lange, verlängerte sofort auf Sandra Albertz, die sich im Strafraum postiert hatte, Angerer einmal umspielte und dann zum 2:0 einschob.
Eine unschöne Szene brachte dann die 74. Minute, als Conny Pohlers nach einem Fernschuss von Kerschowski, den Holl unter sich begrub, nach dem Ball trat, obwohl ihn die Torfrau im Fünfmeterraum unter ihrer Kontrolle hatte. Die aufgebrachte Holl fühlte sich - ob berechtigt oder unberechtigt, sei mal dahingestellt - provoziert, sprang wütend auf und konnte nur noch von der geistesgegenwärtig beruhigenden Nia Künzer von
 Conny Pohlers (r.) kam gestern kaum zur Entfaltung. Hier klärt Spielführerin Katrin Kliehm vor der Bundesliga-Torschützenkönigin.
deutlicheren Worten und einer möglichen Attacke gegen Pohlers abgehalten werden, die ihr unter Umständen einen Platzverweis und dem Frankfurter Team damit ein echtes Torwartproblem eingebracht hätte.
Ihrem Gegenüber im Potsdamer Tor hatten es die Gastgeberinnen kurz darauf zu verdanken, dass sie zunächst noch nicht höher in Rückstand gerieten. Nach einer Flanke von Prinz, die Smisek mit dem Kopf auf Garefrekes verlängerte, konnte Angerer mit einem Hechtsprung noch vor der Linie klären und die Situation bereinigen. Machtlos war die Nationaltorfrau jedoch drei Minuten später - Birgit Prinz, gestern beste Spielerin auf dem Platz, hatte sich mit einer tollen Einzelaktion gegen Kerschowski und Becher durchgesetzt, aber nur den Innenpfosten getroffen, von wo aus das Leder direkt auf den Oberschenkel der kurz vor der Linie stehenden Garefrekes und von dort ins Tor sprang.
Ein Tor, das zu großen Teilen der Weltfußballerin zuzurechnen ist, die während des Spiels und auch danach erneut von einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Zuschauern ausgepfiffen und mit zum Teil leider nur noch als menschenverachtend zu bezeichnenden Kommentaren von den Rängen beleidigt wurde. Um derartigen Niveaulosigkeiten hier keine Plattform zu bieten, wird an dieser Stelle auf Zitate verzichtet. Nichtsdestotrotz sind ob dieses Verhaltens eines Teils der Zuschauer alle Beteiligten, ob nun Fanvertreter, Trainer oder Manager, gefordert, ihre Worte mit Bedacht zu wählen und die Situation zu beruhigen, steckt doch hinter jeder Spielerin - welche Meinung auch immer man von ihr hat - ein Mensch mit Gefühlen. Szenen, wie ich sie gestern von einem - kleinen - Teil der Zuschauer erleben musste, möchte ich eigentlich nicht mehr bei einem Frauenfußball-Spiel erleben, kann es doch kein Dauerzustand sein, dass die Spielerinnen sich im Nachhinein für Ausraster dieser Art entschuldigen oder besonnene Zuschauer eingreifen müssen, weil die eigene Mannschaft anfeuernde junge Fans aus Frankfurt wegen ihrer - keineswegs feindlichen - Fangesänge körperlich bedroht werden. Der Potsdamer Mannschaft und den wirklichen Potsdamer Fans tun diese Zuschauer jedenfalls keinen Gefallen, bringen sie doch diejenigen in Rechtfertigungszwang, die in Potsdam eine lebendige und sich für ihre Mannschaft begeisternde Fankultur etabliert haben, während die Unruhestifter selber im Anonymen verschwinden.
Der sportliche Schlusspunkt war in der 84. Minute Renate Lingor vorbehalten, die ohne Sonderbewachung im Mittelfeld souverän die Fäden in der Hand hielt. Die eingewechselte Saskia Bartusiak hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und zur Frankfurter "10er" gepasst, die von ihrer Gegenspielerin Becher sträflich alleine gelassen wurde. Noch einmal Babett Peter ausgetanzt, schon war die Kugel zum 4:0 im Tor. Waren der Frankfurter Abwehr am Ostersamstag ihre Schwächen gnadenlos aufgezeigt worden, leistete sich nun auch die Potsdamer Abwehr einen Fehler nach dem anderen und patzte beim Stellungsspiel.
So konnten die Titelverteidigerinnen von Glück sagen, nur 0:4 verloren und sich damit eine Restchance für das Rückspiel am kommenden Samstag um 14.15 Uhr (ab 14 Uhr live im ZDF) in Frankfurt gewahrt zu haben. Denn sowohl Lingor in der 88. Minute als auch Smisek eine Minute später vergaben gute Gelegenheiten zu einer noch höheren Führung. Gleichwohl wäre auch ein Ehrentreffer für Potsdam nicht unverdient gewesen - aber Ariane Hingst traf in der 93. Minute nach einem Pass von Cristiane nur neben das Torgehäuse. Alles in allem ein auch in dieser Höhe verdienter Frankfurter Sieg, bei dem allerdings auf beiden Seiten noch das ein oder andere Tor hätte fallen können.
 Schiedsrichterin Eva Oedlund musste wegen einer Wadenzerrung die Leitung der Partie an Susanne Borg übergeben.
In der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks "sehr glücklich" über die Leistung seiner Mannschaft. Beide Teams hätten den "Zuschauern ein tolles, offensiv geführtes Frauenfußball-Spiel geboten und sich viele Torszenen erarbeitet. Meine Mannschaft hat alles richtig gemacht und sich taktisch clever verhalten." Man könne nun spekulieren, was passiert wäre, hätte Pohlers in den Anfangsminuten Potsdam in Führung gebracht. Es bleibe jedoch festzuhalten, dass der Sieg "auch in dieser Höhe verdient" gewesen sei.
Für das Rückspiel habe seine Mannschaft nun eine "sehr gute Ausgangsposition", es seien aber noch 90 Minuten zu spielen. Und wer Bernd Schröder und seine Mannschaft kenne, der wisse, dass noch nichts gewonnen ist.
Befragt, wie er sich die Pfiffe gegen Birgit Prinz erklären könne, erklärte Tritschoks: "Der Frauenfußball ist ein ehrlicher Sport, ich kann auch nicht herleiten, woher das rührt. Birgit Prinz hatte wegen ihrer Verletzung auch gegen Brauweiler gefehlt, obwohl das für uns ein wichtiges Spiel war, weil es im Kampf um Platz zwei gegen Duisburg um das Torverhältnis geht und wir vier Tore hinter Duisburg liegen. Wir sind sportliche Konkurrenten, aber es ist schade, wenn die Rivalität auf diese Ebene runtergezogen wird."
Wen er aus seiner Mannschaft hervorheben wolle? "Alle 11."
Ob es das beste Spiel gewesen sei, das seine Mannschaft bisher gezeigt habe? "Es war eine sehr gute Leistung, wir haben eine Mannschaft auf dem Platz gesehen, in der jede für jede
|
gekämpft hat. Wir haben endlich unsere Torschussschwäche abgestellt - vier Tore in Potsdam, das heißt schon etwas."

Die Frankfurter Mannschaft bedankt sich bei den mitgereisten Fans mit einer Welle.
Frankfurts Spielmacherin Renate Lingor freute sich über das "sehr gute Spiel". "Alle haben an sich geglaubt, wir haben super kombiniert. Wenn eine ausgespielt war, hat die andere geholfen. Wir haben füreinander gespielt, das war der Schlüssel zum Erfolg.
Potsdams Spielführerin Ariane Hingst zeigte sich enttäuscht über die Art und Weise, wie man diese Niederlage kassiert habe. Man könne "gegen Frankfurt verlieren, das habe ich immer gesagt, aber die Art und Weise war enttäuschend." Mit Blick auf das Rückspiel gab Hingst die Hoffnung nicht auf: "Wir haben schon viele Tore in Frankfurt geschossen und wir werden alles geben, auch für unsere Fans ein besseres Spiel zu machen. Aber Frankfurt wird es uns sicher nicht leicht machen."
Potsdams Trainer Bernd Schröder gratulierte Frankfurt zum "verdienten Sieg" und erklärte die schlechte Leistung seiner Mannschaft mit den hohen Belastungen der letzten Wochen, die "wir nicht mehr kompensieren können." Die Batterie sei einfach "leer". Ein Erfolgserlebnis hätte die Mannschaft sicher aufgerichtet, aber statt dem 1:1 sei leider das 0:2 gefallen. Taktisch müsse er es im Nachhinein als Fehler bezeichnen, ohne feste Zuordnung gespielt zu haben.
Ein sichtlich angefressener Potsdamer Trainer wollte sich nicht zur Wortwahl "Krieg" hinreißen lassen, sprach jedoch von der nächsten "Schlacht, die noch in Frankfurt zu kämpfen" sei. Indem er die Frankfurter Personalsituation - mit Pia Wunderlich, Sarah Günther und Christina Zerbe drei verletzte

Hans-Jürgen Tritschoks hatte allen Grund zur Freude.
Spielerinnen aus dem engeren Kreis bzw. aus der Stammformation - und deren Dreifachbelastung, deren Erwähnung noch vor zwei Jahren als schwache Ausrede abgetan wurde, offenbar ignorierte und der Pressekonferenz einen konfrontativen Charakter gab, zeigte sich Schröder bedauerlicherweise als schlechter Verlierer. Zeigt die Müdigkeit der Potsdamer Spielerinnen doch vielmehr, dass aufgrund der gewachsenen nationalen und internationalen Konkurrenz eine Mannschaft über Monate in Topform sein muss, um sich alle Titel sichern zu können. Verspielte Frankfurt vor allem im April die Meisterschaft, fehlen Potsdam nun auf den letzten Metern die Kräfte.
Auf Fragen der Frankfurter Pressevertreter antwortete Schröder nicht mehr ernsthaft, sondern nur noch mit knappen sarkastischen Kommentaren. Auf die Frage der Reporterin des Hessischen Rundfunks, ob er mit der Einwechslung von Kerschowski für Omilade nicht zu früh auf Angriff gesetzt habe, reagierte er mit der nüchternen Feststellung, dass man "da unterschiedliche Meinungen haben kann, wir leben ja in einer Demokratie." Vom Kollegen der Frankfurter Neuen Presse befragt, wie er sich die Heimschwäche der Potsdamerinnen gegen Frankfurt erklären könne, merkte der Potsdamer Trainer nur sarkastisch an, in Potsdam seien eben "viele Familienmitglieder vor Ort, mehr als in Frankfurt", das setze die Spielerinnen unter Druck und lenke ab. Auf die Rückfrage des Journalisten, diese Erklärung nicht verstanden zu haben, erwiderte Schröder schlicht: "Sie leben doch schon lange in Deutschland, ich habe doch Deutsch gesprochen."

Bernd Schröder bei der Pressekonferenz.
Worin der Unterschied im Vergleich mit den anderen direkten Duellen in diesem Jahr liege? Schröder: "Wir waren physisch unterlegen, im 1:1-Verhalten haben wir die Zweikämpfe verloren. Frankfurt hat nach wie vor die besseren Einzelspielerinnen, das habe ich immer gesagt. Man sieht das auch daran, dass die vier Treffer von vier verschiedenen Spielerinnen erzielt wurden. Birgit Prinz hat hervorragend gespielt und gezeigt, dass man nicht umsonst dreimal hintereinander zur Weltfußballerin gewählt wird.
Ein Klischee, das die sichtlich erboste Renate Lingor auf den Plan rief und sie sich das Mikrofon schnappen ließ: "Es wird immer nur von den Einzelspielerinnen geredet. Wir waren heute eine super Mannschaft, in der jede für jede gekämpft hat. Das war kein Sieg von Einzelspielerinnen, sondern von einer Mannschaft. Das musste ich dazu jetzt mal sagen."
Sind Emotionen im Anschluss an das Spiel sehr verständlich und sollten Äußerungen daher nicht auf die Goldwaage gelegt werden, so wurde gestern das Maß leider überschritten, indem Schröder auf Lingors Intervention auch noch mit der schnippischen Bemerkung "dass eine Mannschaft aus elf Spielerinnen besteht, wissen wir auch" reagierte.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Wogen bis zum kommenden Samstag wieder glätten und der sportliche Teil wieder in den Vordergrund rückt. Die Fans beider Vereine sollten ihren Ärger über die ein oder andere Äußerung der Vereinsverantwortlichen nicht an den Spielerinnen auslassen, die sich einen fairen sportlichen Wettstreit wünschen. Eine Fairness, die bei der gestrigen Pressekonferenz leider - und ich bedaure dies wirklich - auf der Strecke blieb, und zwar in einem Maße, das es unmöglich macht, dies zu übergehen. Der sportliche Vorteil liegt nun klar bei Frankfurt. Gelingt Potsdam jedoch eine frühe Führung, scheint noch alles möglich.
1. FFC Turbine Potsdam
Angerer - Becher, Peter, Kuznik - Omilade (60. I. Kerschowski), Carlson (83. Cristiane), Zietz, Hingst - Wimbersky, Mittag (71. I. Kerschowski), Pohlers
1. FFC Frankfurt
Holl - Kliehm, Künzer, Jones, T. Wunderlich (81. Weber) - Lingor, Garefrekes, Hansen, Prinz (90. Barucha) - Albertz (64. Bartusiak), Smisek
Tore:
0:1 Lingor (6.)
0:2 Albertz (64.)
0:3 Garefrekes (77.)
0:4 Lingor (84.)
Gelb: Omilade - T. Wunderlich
Schiedsrichter: Eva Oedlund (Schweden), ab der 54. Minute Susanne Borg (Schweden)
Zuschauer: 4.431
Zur FanSoccer-Startseite
|