Von Martin Kochem
10.10.2005
Mit einem am Ende alles in allem leistungsgerechten 1:1-Remis trennten sich der letztjährige Halbfinalist Arsenal London und der amtierende Deutsche Meister 1. FFC Frankfurt im Viertelfinal-Hinspiel des diesjährigen Women’s Cups, was beiden Teams weiter alle Chancen für das Erreichen der Vorschlussrunde offen lässt.
In einer durchweg von Kampf geprägten Auseinandersetzung gingen die Gäste vom Main nach beiderseits verhaltenem Beginn mit dem ersten ernstzunehmenden Angriff in der 24. Minute in Führung, als die agile Sandra Smisek den Ball nach guter Vorarbeit von Kerstin Garefrekes aus 14 m mit einem Schlenzer unhaltbar für die anfangs unsicher wirkende Emma Byrne im linken Eck unterbringen konnte. Wenig später wurde die vor der Halbzeit auf links stark aufspielende Pia Wunderlich mit einem herrlichen Pass von Birgit Prinz frei gespielt, jedoch sprang deren Linksschuss an der schon geschlagenen englischen Torfrau vorbei vom rechten Innenposten wieder zurück ins Feld (35.).
 Der Geheimtipp des Maskottchens der "Gunners" ging auf - 1:1
Nach dieser verpassten Vorentscheidung musste auf der anderen Seite FFC-Torfrau Marleen Wissink drei Minuten später das erste Mal ernsthaft eingreifen und konnte einen direkten Freistoß von Lianne Sanderson mit den Fingerspitzen gerade noch so zur Ecke lenken. Als sich die 976 zahlenden Zuschauer im „Underhill Stadium“ des Barnet Football Club im Norden Londons schon auf eine knappe Gästeführung zur Halbzeit eingerichtet hatten, überlief die antrittsschnelle EM-Entdeckung Rachel Yankey auf der linken
 Zuerst bergauf oder aber bergab?
Pia Wunderlich (FFC, links) und Faye White (Arsenal, rechts) bei der
Seitenwahl
Außenbahn die sich mit Leistenproblemen herumschlagende Kathrin Kliehm, passte das Leder von der Torauslinie zurück und die mitgelaufene „J-Lo“ (so der Spitzname von Sanderson) hatte keine Mühe mehr, das Spielgerät aus Mittelstürmerposition unhaltbar zum zu diesem Zeitpunkt etwas glücklichen Ausgleich in die Maschen zu dreschen.
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Kirsty Pealling (Arsenal, links) hatte Weltfußballerin Birgit Prinz meistens gut im Griff
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Dieses in der dritten Minute der Nachspielzeit gefallene Tor brachte nicht nur FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks nach dem Abpfiff so richtig auf die Palme („die Schiedsrichterin hatte kurz zuvor eine Minute Nachspielzeit angezeigt – nachspielen ließ sie aber dann drei…“), sondern fiel darüber hinaus zu einem „psychologisch äußerst wichtigen Zeitpunkt“, wie Gunners-Manager Vic Akers anschließend fachmännisch feststellen vermochte.
Druckvoll und voller Selbstvertrauen kamen die Arsenal-Ladies aus den Kabinen und hätten durch Rachel Yankey (deren verunglückte Flanke in der 47. Minute die Latte streifte) sowie insbesondere Ciara Grant durchaus in Führung gehen können, doch deren Kopfball (48.) bzw. Freistoss (57.) verfehlten das Gehäuse der nun gut beschäftigten Marleen Wissink äußerst knapp.
Trotz der Tatsache, dass der 1. FFC in der 2. Halbzeit „bergab“ spielen durfte (das Spielfeld im Underhill neigt sich nämlich um sage und schreibe 9 % !), gelangen dem deutschen Titelträger lediglich noch 2-3 Entlastungsangriffe, wobei sowohl Renate Lingor (mit einem verunglückten Heber nach 72 Minuten) als auch Birgit Prinz (Gewaltschuß mit Rücklage) ungewohnte Unkonzentriertheiten im Torabschluss offenbarten.
 Das Team des FC Arsenal London
Letzten Endes musste man auf Seiten der Gäste mit der Punkteteilung hoch zufrieden sein, scheiterte Lianne Sanderson doch in der 90. Minute alleine („bergauf“) auf das Frankfurter Gehäuse zulaufend kläglich an ihren Nerven.
So dürfte das Rückspiel am Brentanobad für den Deutschen Meister trotz des erzielten Auswärtstores alles andere als ein Selbstläufer werden – für Spannung dürfte also gesorgt sein...
Trainerstimmen:
Vic Akers (London):
“Das 1:1 ist für meine Mannschaft absolut verdient – der Ausgleich fiel zum psychologisch absolut richtigen Zeitpunkt und zum Schluss hätten wir das Spiel sogar
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durchaus noch gewinnen können. Wir haben von Beginn an keinen Respekt gezeigt und vielmehr bewiesen, dass Arsenal auf Augenhöhe mit den europäischen Topclubs angekommen ist. Trotz des Heimvorteils im Rückspiel ist für Frankfurt noch nichts entschieden – wir werden jedenfalls fighten bis zum Umfallen.“
 Zufrieden mit dem Spiel, aber am Ende doch enttäuscht über das Ergebnis: US-Rückkehrerin Kelly Smith (links) und ALFC-Manager Vic Akers (rechts)
Hans-Jürgen Tritschoks (Frankfurt):
„Ich denke, wir haben ein tolles Kampfspiel gesehen, welches alles geboten hat, was moderner Frauenfussball so zu bieten hat. Der Ausgleichstreffer fiel für uns äußerst unglücklich, zumal diesem aus meiner Sicht ein Foulspiel vorausging. Trotz der erwartet harten Gangart des Gegners haben wir uns in kämpferischer Hinsicht geschlossen präsentiert und uns taktisch gut verhalten bzw. verkauft. Das Remis war für uns hoch verdient und wir haben uns eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel verschafft, wo wir dann mit der Unterstützung unserer tollen Fans das Halbfinale packen wollen. Auf solch einem Platz spielen zu müssen (gemeint ist das Gefälle, d. Red.), ist meines Erachtens eine Frechheit und eines UEFA-Cup-Spiels zweier solch hervorragender Mannschaften absolut nicht würdig.“
Aufstellungen:
Arsenal London
Byrne – Pealling, White, Phillip, Scott – Ludlow, McArthur, Grant – Smith, Yankey, Sanderson
1. FFC Frankfurt
Wissink – Künzer (16. Jones), T. Wunderlich, Affeld, Kliehm (46. Zerbe), Hansen, Lingor, P. Wunderlich (82. Bartusiak), Garefrekes – Prinz, Smisek.
Tore:
0:1 Smisek (24.)
1:1 Sanderson (45.+3)
Gelbe Karten: Grant, Smith, Yankey – Kliehm
Schiedsrichterin: Sarah Girard (Frankreich)
Zuschauer: 976
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