Text von Volker Lieberum, Bilder von Erik Muskus 02.12.2005 Wie viele träumten schon vor den Halbfinalspielen im UEFA-Cup der Frauen von einem deutsch-deutschen Endspiel und mussten nach den Hinspielen beide deutsche Mannschaften als Verlierer vom Platz gehen sehen. Beide Gastmannschaften, Montpellier und Djurgården/ Älvsjö, fuhren als Sieger nach Hause zurück und warteten gelassen auf die Rückspiele.
Nachdem am Vortag der 1. FFC Frankfurt sich in Südfrankreich durch einen Sieg für das Finale qualifiziert hatte, musste am Sonntag Potsdam sein Heil in Stockholm suchen.
Um 12:00 Uhr war Anstoß, vor unverständlicherweise höchstens 250 Zuschauern, die für Victoria Svensson und ihr Team ins Rasundastadion zu Stockholm gekommen waren. Beide Mannschaften mussten auf wichtige Spielerinnen verzichten. Die Schwedinnen unfreiwillig auf die verletzte Jane Törnqvist und auf Linda Fagerström, die schon lange im Vorfeld eine Urlaubsreise mit ihrem Freund zusammen gebucht hatte. Bei Potsdam entschied sich Bernd Schröder - wie er sagte, beim Frühstück - Cristiane auf der Bank zu lassen und brachte dafür mit der Nummer 15 Aferdita Podvorica.
Turbine erwischte einen Glanzstart, die Maschine surrte wie am Schnürchen, und so liefen sofort gefährliche Angriffe, wunderbar vorgetragen von den Stürmerinnen, auf das Stockholmer Tor zu. Potsdam setzte sich in der Djurgården-Hälfte fest und so wunderte es keinen, dass schon sehr früh das erste Tor für den amtierenden Titelträger fiel. Nach einem Foul auf der rechten Seite gab Petra Wimbersky den Freistoß herein, den der Joker Aferdita Podvorica zum 1:0 ins Tor beförderte. Jubel bei den mitgereisten Turbineanhängern - das war nach fünf Minuten ein Einstand nach Maß.

Inken Becher (l.) in der Potsdamer Abwehr und Victoria Svensson im Stockholmer Sturm boten beide eine tolle Leistung.
Nun wachte auch Djurgården auf und brachte den einen oder anderen Ball in die gegnerische Hälfte. Man setzte die beiden Außen, Sara Johanssen (rechts) und Sara Thunebro auf der linken Seite, ein, die dann Victoria Svensson oder Laura Kalmari in der Mitte suchten. Trotzdem musste man sich vor den Potsdamer Kontern in Acht nehmen.

Conny Pohlers war hochmotiviert und kaum zu bremsen - auch nicht von Kristin Bengtsson.
Etwa nach einer Viertelstunde hatten sich die Schwedinnen vor dem deutschen Tor festgesetzt. Immer mehr konnte sich Sara Thunebro auf der linken Seite gut in Szene setzen und die Gegenspielerinnen austricksen. Sie gab in der 17. Minute eine Ecke herein, die Therése Brogårde nur knapp mit dem Kopf am Torpfosten vorbei setzte.
Doch dann in der 22. Minute ein erneuter Schock für die Heimmannschaft. Die Torschützin Aferdita Podvorica beförderte das Leder vor das Tor, Torfrau Maja Åström konnte nur nach vorne abklatschen, da zog Anja Mittag aus dem Hinterhalt ab und „Kiki“ Bentsson lenkte den Ball nur noch in das eigene Tor. 2:0, alles lief gut für die Schröder-Schützlinge.
Obwohl Potsdam jetzt wieder das Heft in die Hand nahm, sah man zwei schöne Aktionen von den Stockholmerinnen. In der 27. Minute setzte sich „Vickan“ auf der linken Seite durch, tankte sich in den Strafraum, doch blieb sie in der Abwehr hängen und es gab nur Eckball. Eine Minute später kam Sara Johansson von rechts gefährlich in den Strafraum, doch die aufmerksame Nadine Angerer konnte den Ball abfischen.
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Laufduell zwischen Ariane Hingst (Mitte) und Sara Thunebro. Links Karolin Thomas.
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In der 30. Minute wirbelten wieder die Turbine-Stürmerinnen vor dem DIF-Tor. Anja Mittag, Petra Wimbersky und Conny Pohlers wechselten geschickt die Seiten und verwirrten die gegnerische Abwehr vor dem Strafraum. Doch diesmal führte der Abschluss zu keinem Erfolg.

Torschützin Aferdita Podvorica will es nicht glauben - Schiedsrichterin Anna De Toni zeigt ihr die gelbe Karte.
Die 35. Minute sah abermals einen Vorstoß von Sara Thunebro auf der linken Seite, sie flankte in die Mitte und da passierte Ariane Hingst ein Malheur. Sie köpfte den Ball direkt vor die Füße von Victoria Svensson, die sich ihrerseits nicht lange bitten ließ, abzog, und der Ball schlug am rechten Pfosten im Potsdamer Kasten ein. 2:1, jetzt waren sie wieder dran.
Doch schon zwei Minuten später klingelte es erneut im schwedischen Tor. Jenny Zietz verwandelte einen schlecht abgewehrten Freistoß im Nachschuss zum 3:1. Mit dieser verdienten Führung verabschiedete man sich auch in die Pause. Bernd Schröder hatte bis dato sein Team gut eingestellt und konnte mit seinem Joker Aferdita Podvorica zufrieden sein.
Zu Beginn der zweiten Hälfte starteten beide Mannschaften gleichwertig. Das leider nur spärlich erschiene Publikum sah gute Aktionen von beiden Stürmerinnenreihen. Die Gleichwertigkeit zeigte sich auch dann in der 56. Minute. Zunächst erkämpfte sich Britta Carlson den Ball im eigenen Strafraum, passte zu Anja Mittag weiter, die lief mit dem Leder in die gegnerische Hälfte und schickte Conny Pohlers. Diese versetzte Jenny Curtsdotter und schob die Kugel unhaltbar links an der Torhüterin vorbei ins Netz. Doch gleich im Anschluss holte sich Laura Kalmari an der gleichen Stelle, von der aus Carlson den Angriff startete, den Ball, spielte auf Helen Fagerström zurück. Helen sah Ann-Marie Nordin am Elfmeterpunkt stehen, verlängerte zu ihr und die brauchte nur ihren Fuß hinzuhalten und es stand 4:2.

Jennifer Zietz (r.) im Duell mit Sara Johansson.
Anschließend wechselten beide Parteien aus. Omilade kam für Carlson und Elin Ekblom für Nordin. Trotz der Potsdamer Führung waren beide Teams gleichwertig und zeigten einen schönen Fußball. Auffällig war, dass Djurgården meist über die starke linke Seite kam. Hier haben sie die wirklich gute Sara Thunebro, die immer wieder geschickt das weitere DIF Highlight, Victoria Svensson, in Szene setzen konnte. Doch diesmal war die Turbine-Abwehr und besonders Inken Becher absolut sicher und ließ nichts anbrennen.
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Auf der Potsdamer Seite waren es immer wieder Conny Pohlers und Anja Mittag, die vor dem Stockholmer Tor die schwedischen Fans den Atem anhalten ließen. So in der 64. Minute, als Conny Anja schickte und die das 5:2 auf der Schuhspitze hatte. Doch die Torhüterin Maja Åström, die zu dem Aufsteiger Bälinge IF wechseln wird, konnte sich in dieser Szene auszeichnen und die Chance vereiteln.
Auf der anderen Seite sah man in der 69. Minute einen aussichtsreichen Angriff, wiederum von Sara Thunebro eingeleitet, weitergeführt auf Vickan, die ihrerseits Sara Johansson, die ebenfalls Djurgården Richtung Hammarby IF verlassen wird, schickte. Doch Nadine Angerer war abermals auf dem Posten und angelte Sara das Leder vom Fuß.
Nach Zuspiel von Isabel Kerschowskis auf Anja Mittag in der 87. Minute kam dann das endgültige Aus für Djurgården. Sie konnte wieder einmal Jenny Curtsdotter, die einen schlechten Tag erwischt hatte, ausspielen und zum 5:2 Endstand einschießen. Zwar ließ die Schiedsrichterin Anna De Toni, die die Partie souverän leitete, noch vier Minuten nachspielen, doch das änderte nichts mehr am Ergebnis.
Es war ein sehr schönes Spiel von zwei sehr fair agierenden Spitzenmannschaften. Trotz dem klaren Ergebnis fand ich beide, besonders in der zweiten Halbzeit, gleichwertig. Mir persönlich gefielen auf Potsdamer Seite, die aber eine sehr gute Mannschaftsleistung boten, Anja Mittag, Conny Pohlers, Petra Wimbersky und Inken Becher. Bei Djurgården/Älvsjö gefielen mir besonders „Vickan“ und natürlich mein Geheimtipp Sara Thunebro.

Die Turbine-Mannschaft jubelt mit ihren mitgereisten Fans.
Damit kommt es zu dem von vielen erhofften deutschen Finale Ende Mai zwischen Frankfurt und Potsdam.
Liebe Turbine-Fans, bitte seid mir nicht böse. Vielleicht wissen ja einige von euch, dass ich ein kleines schwedisches Herz habe - ihr habt das Spiel verdient gewonnen und seid zurecht weitergekommen, doch hätte ich gerne Victoria Svensson und Sara Thunebro, mit denen ich ein paar Tage zuvor noch im Mailkontakt stand, in Frankfurt recht herzlich begrüßt.
Djurgården/ Älvsjö::
Åström, Fagerström, Thunebro, Bengtsson, Johansson, Hall, Svensson, Curtsdotter, Norlin (Ekblom, 57.), Brogårde, Kalmari
1. FFC Turbine Potsdam:
Angerer, Carlson (Omilade, 57.), Becher, Pohlers, Zietz, Podvorica (I. Kerschowski, 76.), Hingst, Wimbesky, Kuznik, Thomas, Mittag
Tore:
1:0 Podvorica, (5.)
2:0 Mittag (22.)
2:1 Svensson (35.)
3:1 Zietz, (37.)
4:1 Pohlers (56.)
4:2 Norlin (56.)
5:2 Mittag (87.)
Gelbe Karten: Bengtsson - Podvorica, Thomas
Schiedsrichterin: Anna De Toni (Italien)
Zuschauer: ca. 250
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