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Oddset-Pokal, Hamburg

Drei starke Minuten

Niendorfer TSV - Hamburger SV II. 0:3 (0:3)

Bilder und Text von Fuxi

18.5.2006   Vom Papier her war der Ausgang des Hamburger Pokalfinales klar: Auf der eigenen Anlage empfing der Verbandsliga-Vizemeister Niendorfer TSV die gerade als Zweitliga-Aufsteiger feststehende zweite Mannschaft des HSV. Die Rothosen hatten innerhalb von drei Wochen fünf Spiele absolviert und in Oldesloe und Mellendorf zwei Rückschläge hinnehmen müssen, waren aber nach einem 3:1 beim Verfolger TSV Nahe und einem 4:0 gegen Kellerkind Schamerloh in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Niendorf hatte in fünf Tagen das dritte Spiel, gewann in Eilbek und gegen den Dritten SV Wilhelmsburg.

Der Weg beider ins Finale war steinig gewesen. Niendorf hatte drei Verbandsligakonkurrenten auf dem Plan, die aus dem Mittelfeld stammten. In der ersten Runde wurde der SC Eilbek 3:2 bezwungen. Nach einem 8:0 gegen Landesligist FC Elmshorn gab es ein 2:0 gegen Angstgegner Meiendorfer SV (besiegte Niendorf in beiden Ligaspielen). Die meiste Mühe hatten die Nordwesthamburgerinnen gegen die dritte Mannschaft des HSV: Sie mussten in die Verlängerung, machten da erst das entscheidende Tor. Das Halbfinale gegen Verbandsliga-Absteiger BSV 19 gewannen sie dann locker mit 6:0. Ebenso unbequem war der Weg des HSV: Nach 10:0 gegen Bezirksligist UH-Adler mussten sie zum damaligen Verbandsliga-Zweiten Wilhelmsburg, gewannen knapp mit 1:0. Bei Bezirksligist VfL Lohbrügge wurde es mit 9:0 wesentlich einfacher. Dann kamen noch der Verbandsliga-Dritte Bergedorf 85 (3:1) und Regionalliga-Aufsteiger SV Lurup (3:0).

Anna Steckel, Gabi Harms

Die aufgerückte HSV-Verteidigerin Anna Steckel (re.) kann sich gegen Gabi Harms (Nr. 13) behaupten

Zu kämpfen hatte der HSV mit den Ersatzkräften. Es stand lediglich Cathérine Knobloch bereit. Neben den nicht Spielberechtigten fehlte auch noch Torjägerin Denise Lehmann, die für ihre Kommissarlaufbahn lernen musste. Claudia von Lanken setzte auf Torhüterin Jennifer Weber, davor eine Dreierkette mit Anna Steckel, Vanessa Bastin und der gelernten Offensivspielerin Nadine Odzakovic. Im Mittelfeld durfte links Reservistin Vanessa Vonau ran, rechts Stefanie Vogelwiesche. Zentral spielten Vanessa Hamed und Carina Wolfgramm, davor die "Oma" Monique Müller. Den Sturm stellten Johanna Borkowski und Kathrin Patzke. Niendorfs scheidender Coach Javier Navarro (wird Co-Trainer der HSV-Bundesliga-Frauen) stellte im Vergleich zum Spiel gegen Wilhelmsburg um. Vor Torhüterin Kerstin Wunder stand Libera Nicole Huwald hinter den beiden Verteidigerinnen Gabi Harms und Anna Pötter. Harms sollte die Kreise von Kathrin Patzke einengen. In der defensiven Mittelfeldreihe rutschte Ex-HSVerin Claudia Schulz auf links wieder für Janine Witt herein. Mareike Beck ging nach rechts, zentral spielte dafür Tanja Wunder. Offensiv im Mittelfeld waren Birte Schulz und Simone von Palubicki gesetzt. Im Sturm blieb Silke Breuer draußen, für sie stürmte Sabine Fischer neben Anika Behrens.

Der HSV war von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft, doch gegen die defensiv stark gebundenen Gastgeberinnen taten sie sich im Herausspielen von Chancen schwer. In der 7. Minute konnte Torhüterin Kerstin Wunder einen Ball von Patzke aufnehmen, der mehr Rückgabe als Schuss war. Aber da hatte Patzke wohl nur vorgefühlt. Denn nach einer Viertelstunde erlief sie einen hohen Pass von Bastin und hob den Ball über die weit aus dem Tor geeilte Kerstin Wunder. Das Leder senkte sich, Patzke wollte schon jubeln, aber NTSV-Libera Huwald rauschte heran, schlug das Spielgerät auf der Linie gegen die Torlatte, und von dort landete es im Feld. Eine Riesenaktion der ehemaligen Wolfenbüttlerin. Zwei Minuten später hatte Borkowski die Möglichkeit zur Führung, als sie Pötter den Ball abnahm, bis in den Strafraum dribbelte, aber an den Füßen von Kerstin Wunder scheiterte. Und noch einmal konnte sich die Verbandsligaschlussfrau auszeichnen, als Müller Wolfgramms Eckball mit dem Hinterkopf aufs Tor brachte. Wunder hielt den Ball im dritten Nachfassen fest.

In der Folgezeit kehrte vor dem Tor etwas Ruhe ein. Der HSV ließ etwas nach, spielte zwar weiter nach vorn, musste aber auch aufpassen, denn die Gastgeberinnen stellten erste ernsthafte Bemühungen in Richtung Weber-Kasten an.


Hamburger SV II

Der Hamburger Pokalsieger 2005/2006: Betreuerin Andrea Arp, Vanessa Hamed, Mareike Geidies, Cathérine Knobloch, Johanna Borkowski, Kathrin Patzke, Vanessa Vonau, Monique Müller (obere Reihe von links), Nadine Odzakovic, Stefanie Vogelwiesche, Carina Wolfgramm, Trainerin Claudia von Lanken (mitte von links), Christina Arp, Vanessa Bastin, Jennifer Weber, Anna Steckel (unten von links)

Heraus kam dabei nichts. Nach einer halben Stunde sah Harms eine von zwei Verwarnungen für ein Foul an Anna Steckel. Der zweitligaaufsteiger legte jetzt wieder zu. Im rechten Mittelfeld behauptete sich Vogelwiesche, passte zentral auf die aufgerückte Hamed. Deren Pass in die Gasse nahm Borkowski mit, behielt diesesmal die Nerven, zockte solange, bis Wunder die kurze Ecke aufmachte, und schob dann lässig zur verdienten Führung ein (32.). Den Rothosen gab das Tor Auftrieb, Niendorf schien durch den Wind. Nur zwei Minuten später marschierte Borkowski mit dem Ball nach Zuspiel von Müller an Pötter und Huwald vorbei und spitzelte vor Harms kurz in den Lauf von Patzke. Die hatte dann keine Mühe, an Kerstin Wunder vorbeizulaufen und einzuschieben - 0:2 (34.).

Hamed

Hamed (HSV) hat Birte Schulz düpiert und dribbelt zum Strafraum

Das war's aber noch nicht. Der neue Spielstand war kaum verkündet, da überlief Patzke nach langem Ball aus der Abwehr Harms, entging im Strafraum einer Huwald-Grätsche, legte dann quer ab, und Müller beförderte den Ball grätschend vor der hinterher hechtenden Wunder zum 0:3 ins Tor (35.). Der Dreifachschlag zog Niendorf den Zahn. Vogelwiesche hätte sogar noch auf 4:0 erhöhen können, hatte aber Kraft und Konzentration zum Abschluss vorher im Solo gegen drei Niendorferinnen aufgebraucht und verzog kläglich um gute fünf Meter (38.). Der HSV führte zur Pause verdient. Der Favorit hatte sich lange schwer getan, schlug dann aber eiskalt zu, als Niendorf zu zaghaft in die Zweikämpfe ging. Fair, aber nicht besonders clever, dass es hier keine taktischen Fouls gab. Nach vorn kam der NTSV gegen eine aufmerksame Abwehr nicht durch. Weil sie hinten erst fast nichts, dann aber zuviel zuließen, ging das Ergebnis zur Pause auch in der Höhe in Ordnung.

Birte Schulz

Hameds Eckball köpft Birte Schulz frei weg. Als Zuschauer von links nach rechts: Mareike Beck, Claudia Schulz, Stefanie Vogelwiesche (verdeckt), Kathrin Patzke, Simone von Palubicki und Vanessa Bastin.

Im Gefühl der Vorentscheidung ließ der HSV zu Beginn der zweiten 45 Minuten die Zügel schleifen, und Niendorf kam zu den ersten Tormöglichkeiten. Zunächst versuchte es Fischer aus 24 Metern mit einem unplatzierten, schwachen Schuss, den Weber problemlos aufnehmen konnte. Nach einer Stunde Spielzeit änderte sich das aber. Birte Schulz bediente von Palubicki rechts im Strafraum, doch deren Schuss landete auf den Tornetz. Da hätten sie mehr draus machen können. Auf der anderen Seite verpasste Borkowski eine halbhohe Hereingabe von Wolfgramm, und Patzke schob aus der Drehung schwach auf Kerstin Wunder. Die Partie hatte nun unweigerlich Längen, weil Niendorf kaum ein geeignetes Mittel gegen die gute HSV-Verteidigung fand und der Regionalligist nicht mehr als nötig tat. NTSV-Coach Navarro brachte daraufhin Satu Antilla im Sturm für Fischer, fünf Minuten später auch Janine Witt für Behrens. Das bedeutete auch eine Umstellung: Witt übernahm die linke Mittelfeldseite, Claudia Schulz spielte zentral, und von Palubicki ging in die Spitze.


Die Hausherrinnen kamen nun durch Eckbälle zu Möglichkeiten. Erst klärte Steckel einen 14-Meter-Kopfball von Harms, dann war sie bei der besten Niendorfer Chance per Kopf auf der Torlinie zur Stelle, als von Palubicki am langen Pfosten zum Kopfball kam und damit Torhüterin Weber überwand (79.). Beiden Möglichkeiten ging ein Eckball von Claudia Schulz voraus.

Tanja Wunder

Müllers Hinterkopfball holt sich die Niendorfer Torhüterin im Nachfassen - vor ihr lauert Vanessa Vonau (Nr. 3), umringt von Tanja Wunder, Mareike Beck und Sabine Fischer (v.li. nach re.). Dahinter liegend: Birte Schulz (Niendorf) und Monique Müller (HSV)

Nachdem Witt zehn Minuten vor dem Ende wegen Reklamierens die gelbe Karte gesehen hatte und bei Niendorf inzwischen Saskia Breuer für Tanja Wunder eingewechselt worden war, wechselte Claudia von Lanken zum einzigen Mal aus. Cathérine Knobloch durfte noch mitfeiern, dafür verließ Vanessa Hamed das Feld. Kurz darauf hatte der HSV seine einzige Tormöglichkeit in Halbzeit zwei, als Borkowski quer zum Strafraum lief und Wunder mit einem Linksschuss aufs kurze Eck prüfte. Wunder parierte fliegend zum Eckball. Es war die letzte Chance des Spiels.

Der HSV gewann nach einem deutlich schwächeren zweiten Durchgang zwar verdient, aber insgesamt um ein Tor zu hoch. Sie brachten den Sieg ohne Glanz nach Hause. Der Wille zu weiteren Toren war dafür nicht ausgeprägt genug. Sie hielten den Verbandsligisten weitestgehend auf Distanz, waren cleverer und routinierter. Spielerisch zeigten beide Teams wenig Konkretes. Dem Underdog brachen drei schwache Minuten und fehlende spielerische Optionen gegen eine konzentrierte Verteidigung das Genick. Oddset-Trophäe und HFV-Wanderpokal gingen also an den künftigen Zweitligisten, die Teilnahme am DFB-Pokal feierte allerdings der kleinere Club, da zweite Mannschaften im DFB-Pokal nicht spielberechtigt sind. Beste bei Niendorf waren Birte Schulz und Simone von Palubicki, beim HSV fielen vor allem Johanna Borkowski und Carina Wolfgramm auf.

Vanessa Bastin

Siegfried Spies (Geschäftsführer der Nordwest Lotto+Toto Hamburg) übergibt den Oddset-Pokal an HSV-Kapitänin Vanessa Bastin



Niendorfer TSV

K. Wunder - Huwald - Harms, Pötter - C. Schulz, T. Wunder (80. Breuer), Beck - B. Schulz, von Palubicki - Fischer (69. Antilla), Behrens (74. Witt)

Hamburger SV

Weber - Steckel, Bastin, Odzakovic - Vonau, Hamed (83. Knobloch), Wolfgramm, Vogelwiesche - Müller - Borkowski, Patzke

Tore:
0:1 Borkowski (32.)
0:2 Patzke (34.)
0:3 Müller (35.)

Gelbe Karten:
Harms (30., Foulspiel), Witt (80., Reklamieren)

Schiedsrichterin: Schiemann (TSV Neuland)

Zuschauer: ca. 350


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