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Oddset-Pokal Hamburg

"Das wird hier kein Spaziergang!"

Hamburger SV III - Niendorfer TSV 1:2 n.V. (0:1, 1:1)

Text und Fotos von Fuxi

11.4.2006   Landesliga-Zweiter gegen Verbandsliga-Zweiter - das verhieß vom Papier her ordentlichen Fußball mit einem klaren Sieg für den Klassen- höheren. Aber Niendorf, das im Vorjahr in der Regionalliga- Qualifikation am TSV Nahe gescheitert war - musste gewarnt sein. Am Vortag hatte der Ligaprimus SV Lurup gegen Landesliga-Spitzenreiter Altona 93 erst im Elfmeterschießen gewonnen.

Niendorfs Trainer Javier Navarro stellte die 43-jährige Stürmerin Cidialia Bartels ins Tor. Die etatmäßige Keeperin Katja Danilowski stand nicht zur Verfügung, Tanja Tomczak saß auf der Bank. Vor Libera Nicole Huwald spielten zwei Vereidigerinnen, die sich beim HSV nicht durchsetzen konnten: Anna Pötter und Mareike Beck. Vor der Abwehr sollte Gabi Harms abräumen. Das Mittelfeld besetzten Janine Witt, Ex-Bundesliga-Spielerin Claudia Schulz (kam vom HSV), Namenskollegin und Topscorerin Birte Schulz und Satu Antilla. Im Sturm sollten Saksia Breuer und Simone von Palubicki, früher wie Huwald in der Regionalliga aktiv, für Tore sorgen.

Cloda

Ex-Bundesligistin Claudia Schulz (2. von rechts) mit Nicole Huwald, Janine Witt und Satu Antilla (von links)

Der HSV hingegen hatte Aufstellungssorgen. Viele fehlten, vor allem Youngster Annika Rode (war mit Hamburgs U18 beim Länderpokal). So gab es zum einen internationales Flair, zum anderen das leise Knarren reaktivierter Gelenke: Ex-Nationalkeeperin Claudia von Lanken durfte kurzfristig im Mittelfeld ran, dazu standen die Altmeisterinnen Martina Schneider und Annemarie Magnussen außerhalb für ihre x-ten Comebacks bereit. Das HSV-Tor hütete Sabine Gercken. Davor verteidigte eine Viererkette mit Annemarie Dworaczek, Susi Schreiber, Viriginia Keller und Suse Giehler. In einer zweiten Kette im Mittelfeld standen Carola Raetz, Brigitte Krause, Alexandra Filippow und Claudia Schlichting, davor von Lanken. Einzige Spitze war Goalgetterin Anja Lassen. Damit lag der Altersdurchschnitt der Rothosen bei satten 34,9 Jahren!

Claudia von Lanken

Claudia von Lanken (rechts, mit Annemarie Dworaczek) in der Vorbereitung auf ihr Comeback

Das Spiel begann mit einer Hiobsbotschaft für den Niendorfer TSV: Anna Pötter musste mit Verdacht auf Oberschenkelzerrung nach 12 Minuten raus. Es kam Anika Behrens. Und nach einer Viertelstunde brachte die den Landesligisten erstmals in Bedrängnis. Nach Ballverlust von Krause spielte Birte Schulz lang in den Lauf von Behrens, die an Keller vorbei sprintete, aber frei vor Gercken vergab. Auf der anderen Seite nahm Schlichting einen langen Ball von Filippow an, zog kurz Richtung Tor und setzte dann einen Schuss aus 24 Metern neben den Kasten. Die Chancen von Niendorf waren klarer. Breuers Einwurf auf Behrens war zu schnell für die Abwehr der Gast- geberinnen, hinter Keller hob die Adressatin den Ball über Gercken - vorbei. Aber nach 25 Minuten war es passiert: Der HSV bekam den Ball nicht raus, Birte Schulz steckte durch, und aus abseitsverdächtiger Position schob Behrens durch die Beine von Gercken zum verdienten 0:1 ein (25.).

Kopfballduell

Von Lanken (re.) im Duell mit Janine Witt - hier siegt die HSVerin

Der HSV kam kaum zu Entlastungsangriffen, probierte es aber zumindest. Viel ging über von Lanken und Schlichting. Über links ging hingegen nichts. Raetz kam auf ihrer Seite überhaupt nicht mit der jungen Satu Antilla zurecht. Immerhin: Schlichting prüfte nach einem Solo die Keeperin aus 30 Metern, die aber fing das Leder sicher. Zuvor hatte Lassen den Weg freigesperrt. Die Heim- mannschaft war zu harmlos, wehrte sich jedoch tapfer. Es fehlten von hinten heraus die spielerischen Möglichkeiten. So


Spielszene

Viele Zweikämpfe, wenig Raum im Spiel: Hier klärt Annemarie Dworaczek im 4-gegen-4

produzierten sie viele Fehlpässe, die sie wieder unter Druck brachten. Der Verbandsligist hingegen war gefährlicher: Antilla bediente Breuer, deren Schuss nur das Lattenkreuz traf.

Eine Chance vor dem Seitenwechsel hatten die "Rentnerinnen" jedoch: Giehler war aufgerückt, setzte Lassen in Szene. Den Schuss hielt Bartels fest. Die Rothosen rückten etwas weiter auf, gerieten in Kontergefahr. Breuers Zuspiel nahm Birte Schulz mit, zögerte dan im 1-gegen-1 gegen Gercken, die per Fußabwehr bereinigen konnte. So ging es mit einem verdienten 0:1 in die Pause. Der NTSV war spielerisch besser, schien bei stürmischem Wetter der Favoritenrolle gerecht zu werden. Dennoch war ihr Trainer Navarro nicht zufrieden. Es gab auf beiden Seiten Stückwerk. Anja Lassen im HSV-Sturm war allein überfordert. Hinten stand der Underdog aber kompakt, machte die Räume eng und konnte Großchancen dennoch durch Unaufmerksamkeiten nicht verhindern.

Torchance

Anika Behrens vergibt diese große Chance gegen Keeperin Sabine Gercken

Vom Beginn der zweiten Halbzeit weg drückte Niendorf auf das 2:0. Von Palubicki setzte gleich einen Distanzschuss knapp links neben den Pfosten. Eine Minute später sorgte ihr Schuss für Probleme bei Gercken, aber nicht für das zweite Tor. Zehn Minuten im zweiten Durchgang waren durch, da kam nun Martina Schneider für Susanne Schreiber in die Abwehr. Der NTSV versuchte es mit schnellem Spiel. Über von Palubicki kam der Ball von Beck zu Birte Schulz, der Schuss landete in den Armen der Torhüterin. Die erste Chance des HSV nach einer Viertelstunde: Einwurf Schlichting auf von Lanken. Die gab per Fallrückzieher in die Mitte, Filippow nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor gegen Harms an und zog aus sieben Metern eine Rückzieher- Bogenlampe aufs Tor. Und jetzt wurde es kurios: Der Ball traf die Unterkante der Latte, versprang auf der Linie, hüpfte gegen den linken Innenpfosten und vor den Augen der verblüfften Schlussfrau von dort ins Netz! Das Tor des Jahrzehnts in der 59. Minute! Natürlich glücklich, aber was zählt das im Pokal?

Spielszene

NTSV-Kapitänin Saskia Breuer klärt hier vor Claudia von Lanken. Doch der HSV kam durch eine kuriose Rückzieher- Bogenlampe doch noch zum Ausgleich

Dementsprechend laut wurde NTSV-Coach Navarro an der Seitenlinie, monierte Lustlosigkeit und zu lasche Einstellung. "Das wird hier kein Spaziergang", hatte er schon vor dem Ausgleich geunkt - und recht behalten. Seine Spielerinnen waren nun nervös, hatten keine spielerische Linie. Chancen gab es nur durch Patzer der HSV-Abwehr. Einen solchen von Giehler, die sich bei einem hohen Ball von Birte Schulz verschätzt hatte, bügelte Torfrau Gercken gegen von Palubicki wieder aus. Claudia Schulz fiel auch schon nichts mehr ein als ein frustrierter 30-Meter-Schuss, der Gercken nicht wirklich prüfte. Dann verpasste Breuer eine Hereingabe von Beck und ging eine Viertelstunde vor dem regulären Ende raus. Sabine Fischer kam. Aber es lief nichts mehr zusammen. Keine Spielzüge, kaum Torgefahr. In der 83. Minute kam Claudia Schulz mal an Schlichting vorbei und danach Behrens an Schneider, aber bei Gercken war Schluss. Der HSV stand tief und sicher, wartete auf den Konter. In der Nachspielzeit kamen sie sogar gefährlich in den NTSV-Strafraum, als Torhüterin Bartels patzte, machten kurz viel Druck, kamen aber zu keiner klaren Gelegenheit.


Die Konsequenz: Verlängerung! Nun würde die Kondition entscheiden. Aber es war eine Unaufmerksamkeit der HSV-Abwehr wie schon in der ersten Halbzeit. Nach 93 Minuten hob Breuer hinter die Abwehr auf Birte Schulz, und die schoss an Gercken vorbei ins Netz. Die einzige Chance der ersten Verlängerung. Die letzten 15 Minuten begannen für den HSV bitter: Torschützin Alexandra Filippow, bereits mit Krämpfen behandelt, zurückgekehrt und auf eigenen Wunsch für den Wechsel vorgesehen, landete vor dem Wechsel unsanft und musste nun definitiv raus. Es kam Annemarie Magnussen, eine weitere Veteranin.

Verletzung

Das Aus für eine der besten Rothosen: Alexandra Filippow wird behandelt

Kaum drin, hätte sie fast das 1:3 gesehen, als Keller viel zu kurz klärte, der Schuss von Birte Schulz aber über das Tor rauschte. Niendorf wollte die Entscheidung. Nach Querpass von Birte Schulz verzog Beck. Und plötzlich war der HSV da: Eckball Schlichting, von Lanken verpasste, aber Schneider nahm den Ball dahinter volley - links vorbei (114.). Letzter Wechsel bei Niendorf: Tomczak kam für Witt.

Spielschluss

Ernüchterung nach großem Kampf bei Susanne Giehler, Brigitte Krause (beide liegend) und Susanne Schreiber

Die Schlussminute war nochmal hochdramatisch. Von Lanken bediente Schlichting rechts. Deren Flanke rutschte ab, aber Bartels holte die Kugel in höchster Bedrängnis runter. In der Nachspielzeit konterte Niendorf. Behrens wurstelte sich durch, stand vor Gercken und setzte den Schuss weit rechts vorbei. Es war der Schlussakkord eines höchst spannenden Spiels. Der Verbandsligist zog verdient ins Halbfinale ein, doch die Notelf von HSV III. lieferte einen großen Kampf ab, für den sie nicht belohnt wurde. So regierte einerseits ein wenig Enttäuschung und andererseits großer Stolz über die gezeigte Leistung, immerhin konnte die Mannschaft auch seit fünf Monaten (!) witterungsbedingt nicht mehr trainieren. NTSV-Coach Javier Navarro ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht. Er hatte ein grausames Spiel seines Teams gesehen, monierte mangelnde Bewegung, passives Zusehen und das Sich-Verlassen auf den jeweils anderen. Seiner Meinung nach hatte Niendorf glücklich gewonnen. Nicht ganz von der Hand zu weisen, obwohl seine Elf die Mehrzahl an Großchancen hatte. Beste beim Verbandsligisten waren Simone von Palubicki und Birte Schulz, beim HSV durfte man Alexandra Filippow und Claudia von Lanken hervorheben.

Hamburger SV III:

Gercken - Dworaczek, Schreiber (55. Schneider), Keller, Giehler - Raetz, Krause, Filippow (107. Magnussen), Schlichting - von Lanken - Lassen

Niendorfer TSV:

Bartels - Huwald - Beck, Pötter (12. Behrens) - Harms - Witt, C. Schulz, B. Schulz, Antilla (118. Tomczak) - Breuer (78. Fischer), von Palubicki

Tore:
0:1 Behrens (25.)
1:1 Filippow (59.)
1:2 B. Schulz (93.)

Karten: -/-

Zuschauer: 30


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