Von Katja Öhlschläger 17.01.2006
Um kurz vor 10 Uhr wurden die 24 teilnehmenden Mannschaften, unter ihnen Titelverteidiger Turbine Potsdam II, den mitgereisten Betreuern, Freunden und Verwandten sowie einigen wenigen Zuschauern vorgestellt. Gut achteinhalb Stunden, 120 Spiele und 269 Tore später hatte der Siegerpokal seinen Besitzer gewechselt. TeBe-Spielführerin Michaela Schulz und ihre Truppe nahmen die goldene Trophäe sowie 500 Euro Preisgeld als Lohn für den attraktivsten und torgefährlichsten Hallenfußball als ungeschlagener und verdienter Champion entgegen. Gastgeber Lok Leipzig landete als Unentschieden-König abgeschlagen auf Rang neun.
Als die ersten Spiele auf drei Feldern in der 60x90 Meter großen Fußballhalle der Egidius Braun Sportschule angepfiffen wurden, hatten die Akteurinnen noch ein echtes Mammutprogramm vor sich. Zunächst in vier Sechsergruppen eingeteilt, galt es nun, möglichst viele Tore und Punkte zu sammeln, um nach den fünf Vorrundenspielen noch Chancen auf den Turniersieg oder eine gute Platzierung zu haben. Ein Ausscheiden nach der Vorrunde sah der Turniermodus zwar nicht vor, doch wurden für die Hauptrunde erneut vier Sechsergruppen gebildet, in die sich die Teams nach ihrem Abschneiden in der Vorrunde einsortierten. Mehr als eine Niederlage sollte sich also keiner leisten, der zumindest noch zu den zwei besten Gruppenzweiten gehören wollte, um so in die Top-Gruppe zu kommen, in der der Turniersieg ausgespielt wurde.

Knapp 60 Meter lang und 30 Meter breit war das Spielfeld. Das schlaucht auf die Dauer...
Foto: Markus Juchem
Lok Leipzig als Gastgeber in Gruppe 1, Turbine II als Titelverteidiger in Gruppe 2, TeBe Berlin in Gruppe 3 und der SC Regensburg in Gruppe 4 - das waren die vier Zweitligisten, denen auf dem Papier, das jedoch auf dem grünen Rasen im Freien gedruckt wurde, am meisten zugetraut werden konnte. Zwei davon, TeBe Berlin und Turbine II, gaben sich keinerlei Blöße und zogen ohne Punktverlust in die Spitzengruppe ein. Regensburg ließ zwar etwas überraschend gegen den Regionalligisten BSV Grün-Weiß Neukölln Federn, danach aber nichts mehr anbrennen und gewann seine Gruppe somit ähnlich souverän.
 Lokalkolorit gehörte natürlich auch dazu. Der Fanclub "Alfreds Enkelinnen" zeigt Flagge.
Foto: Katja Öhlschläger
Nur die Gastgeberinnen, ausgerechnet, fanden nicht in ihr Spiel und leisteten sich gegen die Regionalligisten SV Hafen Rostock und Lichterfelder FC ein Unentschieden. Da Rostock und Lichterfelde im direkten Aufeinandertreffen eine Nullnummer boten, musste in Gruppe 1 das Torverhältnis entscheiden, das letztlich für die Frauen von der Ostsee den Ausschlag gab. Beste Gruppenzweite durften sich der 1. FFC Fortuna Dresden Rähnitz und der Magdeburger FFC nennen. Sie hatten ihren weiße Weste lediglich gegen die jeweiligen
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Ein hochverdienter Turniersieger, der tollen Offensivfußball bot: TeBe Berlin
Foto: Katja Öhlschläger
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Gruppensieger aus Berlin und Regensburg verloren und sonst alles gewonnen.
 In keinem Spiel blieb TeBe ohne Torerfolg, auch nicht im letzten Spiel gegen Magdeburg. Hier köpft Torschützenkönigin Aylin Yaren zum zwischenzeitlichen 1:0 ein.
Foto: Markus Juchem
In Hauptrunden-Staffel 1, in der sich die potenziellen Turniersieger versammelt hatten, trennte sich relativ schnell die Spreu vom Weizen. Vorjahressieger Potsdam unterlag gleich im Auftaktmatch mit 0:1 dem Magdeburger FFC, während sich Rostock mit einem Sieg gegen Dresden und TeBe im Zweitligaduell gegen Regensburg durchsetzen und ihre Chance auf den Titel wahren konnten. Vielleicht wäre die Gruppe auch spannender geblieben, hätte die Partie zwischen Rostock und Magdeburg in der 2. Runde einen Sieger gefunden, doch so setzten sich die Hauptstädterinnen um Torschützenkönigin Aylin Yaren (9 Treffer) gleich an die Spitze der Tabelle und fuhren einen Start-Ziel-Sieg ein.
Nach der dritten Runde bestand lediglich für Magdeburg noch eine realistische Chance, zumal parallel die Berlinerinnen auf Cupverteidiger Potsdam trafen. Doch der kam gegen die Veilchen mächtig unter die Räder (0:4) und hatte mit dem Turnierausgang nichts mehr zu tun. Am Ende blieb ein versöhnlicher dritter Platz. Da der Modus kein echtes Finale - übrigens ein klares Manko! - vorsah, hofften nun alle neutralen Zuschauer auf ein alles entscheidendes letztes Gruppenspiel zwischen den Bundes- und den Landeshauptstädterinnen aus Berlin und Magdeburg. Doch diese Gelegenheit verpassten die Sachsen-Anhaltinerinnen, die gegen Regensburg über ein Unentschieden nicht hinauskamen und TeBe (3:0 gegen Rostock) so zum vorzeitigen Turniersieger kürten. Das 1:1 im abschließenden Spiel zwischen den beiden stärksten Teams bedeutete zwar den ersten Punktverlust überhaupt für die Tennis-Borussinnen, hatte aber nur noch statistischen Wert.
 Titelverteidiger Turbine Potsdam II musste sich diesmal mit Platz drei begnügen. Hier nimmt Pia Markordt den Preis entgegen.
Foto: Katja Öhlschläger
Dieser letzte Abpfiff der Schiedsrichter, die sich, das sei hier ausdrücklich erwähnt, als äußerst zäh erwiesen und sich die 120 Spiele zu viert aufteilten,
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bedeutete das Ende eines Marathon-Tages für alle Beteiligten. Ob es nun daran lag, dass man dem Turniersponsor (ein Krankentransport) einen besonderen Gefallen tun wollte oder einfach acht Stunden Dauerfußball auf einem deutlich längeren als breiten Spielfeld ihren Tribut forderten - wohl eher letzteres -, so war unübersehbar, welche Belastung dieses Programm für die Spielerinnen bedeutete. Wo man auch hinsah, humpelte hier eine Spielerin und wurde dort eine bandagierte Spielerin von Betreuern oder Teamkolleginnen vom Platz getragen.
Ohne Zweifel, die Mannschaften kommen gerne. Fürstenfeldbruck aus Bayern beispielsweise reist in Orchesterstärke für ein langes Wochenende an und erklärt den KTOW-Cup zu seinem Saisonhighlight. Das Turnier bietet abwechslungsreiche Partien gegen Mannschaften unterschiedlichster Spielstärke und bietet so vor allem den schwächeren Mannschaften seltene und wertvolle Erfahrungen. Nicht zuletzt aus Gründen der Zuschauerfreundlichkeit ist den Turnierverantwortlichen dennoch dringend ans Herz zu legen, über eine Verkürzung der Turnierdauer und einen veränderten Turniermodus nachzudenken, der den Zwischenstand für alle transparent macht und für mehr Spannung bis zum letzten Spiel sorgt.
 Die Reise nach Leipzig hatte sich gelohnt. Die Berliner Fans waren mit Abstand die lautesten in der Halle.
Foto: Katja Öhlschläger
Insbesondere eine KO-Runde, in der Turniersieg und Platzierungen ausgespielt werden könnten, erscheint empfehlenswert, wenn allen Anliegen - Turnierdauer, Nachvollziehbarkeit und Spannung - Rechnung getragen werden soll. Am Samstag jedenfalls war es ziemlich einhellige Meinung der Betrachter, dass dieser Modus für alle Beteiligten des Guten zu viel war - auch der Hallensprecher war oftmals nicht auf der Höhe, was jedoch nicht ihm vorgeworfen werden kann -, was dann von einer nahezu 45-minütigen Siegerehrung noch einmal auf die Spitze getrieben wurde.
Das Turnier hat viel Potenzial, ist beliebt bei den Aktiven, versammelt eine Menge spielstarker Mannschaften auf dem Parkett und bietet den örtlichen Frauenfußballteams ein attraktives Kräftemessen, gepaart mit dem Kontakt zu den Bundesligisten. Es wäre daher sehr schade, wenn es dieses wegen eines unausgereiften Modus nicht ausschöpft. Sonst bliebe es in erster Linie ein Turnier für Spielerinnen und Mediziner, aber erst mit großem Abstand auch für die Zuschauer
Ergebnisübersicht (PDF-Datei)
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