Fansoccer-Logo

29. Internationales Hallenturnier in Jöllenbeck (2008)

Aus dem Schattendasein getreten

Valur Reykjavik von Jöllenbeck begeistert

Von Nora Kruse (Text und Foto)

20.01.2008

Zwei Spiele hatte die Mannschaft von Valur Reykjavik beim Hallenturnier in Jöllenbeck erst gespielt, da war sich Trainerin Elísabet Gunnarsdóttir bereits in einem sicher: sollten die Organisatoren auch im nächsten Jahr eine Einladung nach Island schicken, sei ihr Mannschaft zweifelsfrei wieder am Start. Schließlich hatte sie auch den Premierenauftritt beim Traditionsturnier schon lange erwartet.

„Für uns war eine Teilnahme hier sehr wichtig. In Island spielen wir immer gegen die gleichen Mannschaften, wir möchten uns mit die besten Clubs in Europa messen“, so Gunnarsdóttir. Die Gelegenheit dazu hatte ihr Verein auch bereits im Uefa Cup, wodurch die Spielerinnen aus der 120.000 Einwohner zählenden nördlichsten Hauptstadt Europas auch in Deutschland keine Unbekannten sind. 2005 scheiterten sie im Viertelfinale an Turbine Potsdam und mussten in zwei Spielen gar 19 Gegentreffer hinnehmen. Unangenehmer wird jedoch der 1. FFC Frankfurt die Nordländerinnen in Erinnerung haben. In der zweiten Qualifikationsrunde zum diesjährigen Cup hatte Valur bis kurz vor Schluss geführt, bevor Birgit Prinz das Spiel in letzter Minute drehen konnte.
Zwischen diesen internationalen Auftritten lagen zwei Jahre, in denen sich viel bewegt hat. „Der Fortschritt in Island geht sehr schnell, die Entwicklung ist spürbar“, so die Trainerin. Damit die im eigenen Verein nachhaltig ist, setzt der Hauptstadtclub verstärkt auf den eigenen Nachwuchs. Sechs Jugendmann- schaften mit etwa 300 Mädchen kann Valur mittlerweile vorweisen. Um auch diese Mannschaften bereits früh gegen die internationale Spitze antreten zu lassen, ist die Teilnahme an internationalen Jugendturnieren keine Seltenheit mehr.
Doch nicht nur die Jugendmannschaften werden verstärkt ins Ausland geschickt, auch die Cheftrainerin selber zieht es immer wieder zu europäischen Spitzenclubs, um sich die besten Methoden abzuschauen. „Ich versuche, zweimal im Jahr andere Vereine zu besuchen und dort zu hospitieren“, so Gunnarsdóttir, die sich für ihre Reisen die stärksten Ligen Europas ausgesucht hat.


Elisabet Gunnarsdottir

Lange hatten es sich Elísabet Gunnarsdóttir (l.) und ihre Spielerinnen gewünscht, in Jöllenbeck am Start zu sein.

Bislang gastierte sie beim 1. FFC Turbine Potsdam und dem FCR Duisburg, sowie bei den schwedischen Vereinen FC LdB Mälmo und Djurgården IF. „Am meisten beeindruckt hat mich jeweils die Intensität des Trainings“, erklärt Gunnarsdóttir, die seitdem mit ihrem Team insbesondere im physischen Bereich aufgeholt hat. „Das war einmal unser großer Schwachpunkt – mittlerweile ist es unsere Stärke. Wir trainieren nun etwa sieben bis zehnmal pro Woche, was auch deshalb möglich ist, weil einige Spielerinnen mit dem Fußball nun Geld verdienen können.“

Margret Lara Vidarsdottir

Leistungsträgerin im Dress von Reykjavik: Margret Lara Vidarsdóttir.

Körperlich ist Valur also fit und mit Margret Lara Vidarsdóttir hat man eine der wohl besten Stürmerinnen Europas im Kader. Was jedoch noch fehlt, sind spannende Ligaspiele, die die Elf von Elísabet


Gunnarsdóttir fordern. „Eine große Schwäche in Island ist die unausgeglichene Liga. Es haben nur drei Vereine wirklich Ambitionen auf die Meisterschaft“, sagt die Cheftrainerin, die in ihrem fünften Jahr bei Valur ist. Die größten Konkurrenten sind Stadtrivale KR und Breiðablik, die ihr Land beide schon im Uefa Cup vertraten.
Umso wichtiger ist für die Isländerinnen der internationale Vergleich. Der sagt zwar in der Halle weniger aus, als auf dem Großfeld, doch für Gunnarsdóttir ist es auch wichtig, dass ihr Verein die Möglichkeit bekommt, sich zu präsentieren. „Wir werden häufig als kleines Team aus einem kleinen Land abgetan, dem die guten Spielerinnen und die Fähigkeiten fehlen. Das Gegenteil wollen wir beweisen. Wir haben tolle Spielerinnen, hart gearbeitet und uns enorm gesteigert. Das möchten wir zeigen, damit die Menschen Valur kennenlernen.“ Und auch wenn sich Reykjavik im Halbfinale Turniersieger Duisburg geschlagen geben musste und am Ende den vierten Rang belegte, bot Jöllenbeck für Gunnarsdóttirs Vorhaben den besten Rahmen. Die Halle war voll, „Organisation und Stimmung hervorragend und die Atmosphäre sehr intensiv. Auf dem Feld und im Publikum“, zeigte sich die Isländerin begeistert. Da verwundert es nicht, dass der Wunsch auf Rückkehr besteht.

Zur FanSoccer-Startseite