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14. DFB-Hallenpokal (2007)

Favoritensterben

Frankfurt verteidigt den Titel

Text und Bilder von Nora Kruse

20.02.2007   Der 1. FFC Frankfurt hat zum vierten Mal den DFB-Hallenpokal gewonnen und seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigt. In der ausverkauften Bonner Hardtberghalle verloren die Frankfurterinnen zwar ihr Gruppenspiel gegen Potsdam, waren aber dennoch die einzige Mannschaft, die sich nicht von den „Underdogs“ zu Fall bringen ließ.

Bei den Viertelfinals staunten die 2872 Zuschauer des „besten Hallenturniers der Welt“, wie die Vorsitzende des DFB-Frauenfußballausschusses, Hannelore Ratzeburg, es betitelte, nicht schlecht. Ein Favorit nach dem anderen musste die Segel streichen, und das nicht etwa, weil sie sich gegenseitig ausschalteten, sondern weil sie alle über die vermeintlich schwachen Gegner stolperten.

SC Freiburg, Hamburger SV

Sie geben keinen Ball verloren. Freiburg und Hamburg zeigen Einsatz und konnten dadurch überraschend favorisierte Gegner ausschalten.

Als erstes musste der FCR Duisburg seine Sporttaschen packen. In einem unglaublich spannenden Spiel, in dem die Hamburgerinnen das Ruder am Ende fast noch mal aus der Hand gaben, verlor der Vizemeister mit 2:3. Duisburg machte jedoch bereits in der

Saskia Bartusiak

So sehr die Münchenerinnen auch kämpften, am Ende war der 1. FFC Frankfurt um Saskia Bartusiak (l.) einen Schritt schneller.

Gruppenphase nicht den souveränsten Eindruck. Im Auftaktspiel hatten sie gegen den FFC Brauweiler mittelschwere Probleme und gewannen am Ende nur knapp mit 1:0. Im anschließenden Spiel gegen den TSV Crailsheim lagen sie gar mit 0:2 zurück, konnten jedoch durch eine starke Aufholjagd und zwei Tore in der letzten Minute noch mit 4:2 gewinnen. Anders kam es am Ende gegen den FC Bayern München, gegen den man mit 1:2 verlor.

Anders als Duisburg trat Bad Neuenahr in seiner Gruppe durchaus souverän auf und


1.FFC Frankfurt

Zum vierten Mal gewonnen und den Titel verteidigt: Der 1. FFC Frankfurt hat allen Grund zum Jubeln.

hatte auch am vergangenen Wochenende beim internationalen Hallenturnier in Jöllenbeck bewiesen, was er in der Halle draufhatte. Dennoch war auch für die Kurstädterinnen im Viertelfinale Schluss, sie verloren gegen den TSV Crailsheim, der es nur per Los ins Viertelfinale geschafft hatte, mit 0:1.

Kurz bevor sich Bad Neuenahr aus dem Turnier verabschiedete, war auch Turbine Potsdam gescheitert. Der Deutsche Meister verlor gegen den SC Freiburg im Neunmeterschießen – auch im vergangenen Jahr war man an den Breisgauerinnen gescheitert. Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks zeigte sich erfreut, dass auch mal andere Mannschaften auf sich aufmerksam machen konnten. „Es zeigt, dass sich etwas bewegt im Frauenfußball.“ Aus seiner Perspektive konnte man auch das Gemeinwohl des deutschen Frauenfußballs im Sinn haben, schließlich schloss sich seine Mannschaft dem Trend des Favoritensterbens nicht an und schaffte gegen den FC Bayern den Halbfinaleinzug.

Birgit Prinz

Die Überreichung eines Schokoladenpokals wird zur Tradition. Diesmal ging er mit den besten Wünschen von Hans-Dieter Flick, Co-Trainer der Männer-Nationalmannschaft, an Birgit Prinz.

Dieses Spiel war nicht nur hochklassig und spannend, weil es ein Tor nach dem anderen auf beiden Seiten gab, es setzte erstmals auch eine echte Euphorie in der Halle ein. Als Tritschoks den Zuschauern noch den Gefallen tat, Steffi Jones einzuwechseln, war das Publikum ganz aus dem Häuschen. Jones wurde schon beim Sprung auf das Spielfeld lautstark empfangen und bedankte sich für diese Vorschusslorbeeren mit zwischenzeitlichen Ausgleich.


Der Hallenpokal begeisterte jedoch nicht nur mit spannenden Spielen, das Umfeld nutzte der DFB auch für die Vorstellung seiner Schulfußballoffensive, die Ehrung der U19-Europameisterinnen und schließlich der Auslosung der DFB-Pokal-Halbfinales, die Bundestrainerin Silvia Neid vor laufender Kamera durchführte.

Während die Ehrung der U19-Nationalmannschaft in Verbindung mit einer Einladung aller A-Nationalspielerinnen, die über hundert Länderspiele auf dem Buckel haben, bei den Zuschauern noch gut ankam, sorgte die Schulfußballoffensive eher für gelangweilte Gesichter im Publikum. So sinnvoll die Aktion sein mag, so wenig kam man auf den Frauenfußball zu sprechen.

Silvia Neid

Wie auch im vergangenen Jahr fand die Auslosung zum DFB-Pokal-Halbfinale auch dieses mal wieder vor laufender Kamera statt.

Aber den hatte man ja auf dem Feld und dort begeisterte er. Nicht nur die Viertelfinals sorgten für Hochstimmung, weil man mal etwas andere Verhältnisse auf dem Rasen betrachten konnte, die Stimmung wurde geradewegs auch in die Halbfinals getragen. Dort ließ es der FFC Frankfurt gegen die Crailsheimerinnen nach zwischenzeitlicher 2:0-Führung noch einmal spannend werden und gewann am Ende knapp, wenn auch verdient, mit 3:2. Der Titelverteidiger hatte den erneuten Finaleinzug geschafft und dort wartete bereits der Hamburger SV, der den SC Freiburg besiegen konnte und die Finalteilnahme wie den Turniersieg feierte. Trotz der Niederlage am Ende gegen die Frankfurterinnen zeigte sich auch HSV-Trainer Achim Feifel zufrieden, hatte er doch bei vielen Mannschaften „klasse Leistungen“ gesehen und konnte dennoch zurecht behaupten, dass seine Schützlinge „nicht unverdient im Finale“ waren.


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