Algarve-Cup

Fußballreise nach Portugal

Fan-Tagebuch

Text: Jens Wolter
Fotos: Beate Wolter

25.3.2005    Ein Geschwisterpaar verbrachte seinen Urlaub in Portugal und besuchte für FanSoccer einige Spiele im Algarve Cup. Auf den nächsten Seiten könnt ihr die Eindrücke in Form einer Tagebuchaufzeichnung lesen.

Vorher:
Einen Spielplan für den Algarve-Cup gibt es schon Wochen vorher: Datum, Uhrzeit, Spielpaarungen. Was nicht draufsteht und in den nächsten Wochen auch nicht herauszukriegen ist, sind die Spielorte. Eine Woche vor Turnierbeginn verkündet die Homepage des DFB dann die Spielorte der deutschen Elf (allerdings einen davon falsch!). Der Rest: Schweigen! Auf der Homepage des portugiesischen Fußballverbandes erfährt man die Spielorte der Portugiesinnen. Dieses jedoch nur, wenn man vorher begreift, dass der Algarve-Cup in den Begriffen dieses Verbandes offiziell "XI. Mundialito de Futbol Feminino" heißt. (Super!). Ein kompletter Spielplan? Auch hier: Fehlanzeige! Das gewünschte findet sich dann auf der Homepage des teilnehmenden schwedischen Verbandes. Ich wusste doch, dass Schweden ordentliche Menschen sind! Leider enthalten weitere Funde aus anderen Quellen dann Abweichungen in der Benennung der Spielorte, na Klasse! Wird man vor Ort klären müssen.

Bundestrainerin Tina Theune Meyer geniest die portugiesische Sonne

Samstag, 05. März:
Abflug um 7.00 Uhr Richtung Faro, mit Zwischenstopp in Palma de Mallorca. So komme selbst ich mal nach Malle! Die fehlende Nachtruhe wirkt lähmend auf Körper und Denkvermögen. Vor Müdigkeit brennende Augen; gelegentliche Aussetzer in der Wahrnehmung. Busfahrt über die Küstenautobahn zu unserem Quartier. Die Küstenregion ist ziemlich zersiedelt, hatte ich mir anders vorgestellt, mehr leeren Raum zwischen den Orten. Am Nachmittag Spazier- gang durch unsere Appartement-Anlage und die nähere Umgebung. Wir haben offenbar eine gute Wahl getroffen.

Sonntag, 06.03.:
Nach dem Frühstück das übliche Begrüßungstreffen durch Steffi, die Vertreterin unseres Reise- Veranstalters. Wir bestellen ab dem nächsten Tag einen Mietwagen, anders funktioniert unsere Reise nicht. Von dem Fußballturnier hat Steffi gestern erfahren, durch den Busfahrer, der die deutsche Mannschaft vom Flughafen abholen wird. Die unklaren Spielorte? Steffi rät zur Nachfrage beim Touristenbüro, direkt in Armacao de Pera, an der Strandpromenade. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg - ein Trampelpfad entlang einer malerischen Steilküste mit netten Badebuchten. Einschließlich Fotostopps etwas über eine Stunde. Im Touristenbüro weiß die nette Dienst habende Dame sofort, wovon wir sprechen, hat gleich einen ausgedruckten Spielplan zur Hand, den sie uns mitgibt, Ein Service, den wir so niemals erwartet hatten. Kurzer Bummel durch den Ort Armacao de Pera. Einstmals wohl ein verschlafener Küstenstädtchen, an dessen westlichem Rand nun eine Ansammlung von 12-stöckigen Bettenburgen steht, dicht an dicht. Gruselig!

Man kann in der Algarve nicht nur Fußball spielen, sondern auch in heimeligen Bettenburgen Urlaub machen

Montag, 07.03.:
Als ganz normale Touristen wollen wir den Freizeitpark, "Zoomarine" bei Guia besuchen. Wir kommen hin - Montag geschlossen, na klasse! Also weiter nach Guia, ein kleiner, unscheinbarer Ort. Kurzer Rundgang. Hier sollen doch auch Spiele stattfinden - aber wo ist hier ein Stadion? Der örtliche Fußballclub hat sein Quartier neben einem Tennisplatz, aber weit und breit kein Fußballfeld. Nach einigem Hin- und Herfahren lotst uns ein kleines orangefarbenes Schild von der N125 in einen kleinen, leicht Vertrauen erdrückenden Seitenweg. An seinem Ende liegt dann tatsachlich ein kleines Stadion mit offenbar gut gepflegtem Rasen. Na, also doch! Wir fahren weiter ins wenige Kilometer entfernte Albufeira. Eine typische Touristen-Hochburg. Der alte Ortskern, teilweise für Autos gesperrt, besteht aus der typischen Ansammlung von Restaurants und Souvenirshops, voll eingestellt auf deutsche und britische Touris. Fährt man die Hauptstraße weiter nach Osten, kommt man kilometerlang auf beiden Seiten nur an Bettenburgen und Supermärkten vorbei (u.a. Lidl!). Ein Schild (wieder orange) weist in eine Seitenstraße zum Estadio Muncipal. Ein Seiteneingang ist offen.

Norwegens starker Anhang

Der Platzwart wässert gerade den gepflegten Rasen. Hier werden unsere Madels also trainieren, sehr schön! Am östlichen Stadtrand dann - in einer Senke gelegen - der künstlichste Stadtteil, den ich je gesehen habe: Marina de Albufeira! Drei Reihen quietschebunte, dreistöckige Appartementhäuser für Besserverdiener, mit Direktzugang zum Yachthafen. Welcome to Toyland! Mittendrin eine sechsspurige (!!!) Allee für den Verkehrsfluss des 23. Jahrhunderts, Alles neu, alles steht leer. Die einzigen Menschen sind eine Handvoll Touris, die, genau wie wir, die architektonischen Bonbonschachteln heftig fotografieren.

Dienstag, 08.03.:
Unsere Sightseeing-Tour führt uns erst nach Portimao, dann nach Silves. In der Burganlage von Silves kann man quasi Archäologen bei der Arbeit über die Schulter sehen, ein Anblick, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Von dort aus fahren wir auf Verdacht ans Stadion von Albufeira, vielleicht trifft man ja unsere Mannschaft beim Nachmittags- training. Auf dem Rasen sieht man Bälle und Getränkeflaschen, also irgendein Training


ist dort vorgesehen. Nach einer Stunde des Wartens ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab. Haben sie vielleicht doch einen anderen Trainingsplatz? In unserem Restaurant gibt es abends für jede Frau eine Rose als Geschenk, es ist schließlich Internationaler Frauentag. Nette Geste!

Mittwoch, 09.03.:
Am späten Vormittag bummeln wir durch die Altstadt von Lagos. Sehr nett, obwohl die Restaurierungs- arbeiten noch im Gange sind. Zum ersten Spiel am Ort (Norwegen - China 2:1) kommen wir erst zur 2. Halbzeit.

Die Szene führte zum Tor von Norwegen gegen China

Eine kleine Kolonie von rund 60 - zumeist bereits älteren Norwegern - unterstützt ihre Mannschaft. Die meisten der norwegischen Zuschauer sind offenbar mit Wohnmobilen angereist, jedenfalls steht eine imposante Anzahl davon auf dem Stadionparkplatz. Einer der Norweger beweist, dass eine Hochseeangel ein guter Ersatz für einen Fahnenmast sein kann. Nach dem Spielende leert sich das baulich sehr einfache Stadion (auf blankem Beton habe ich bei einem Spiel noch nie gesessen!). Das deutsche Spiel verfolgen dann insgesamt vielleicht 40(!) Zuschauer, davon maximal die Hälfte aus Deutschland. In der ersten Hälfte verfolgt auch noch die Chinesische Delegation das Spiel. Eine der Spielerinnen (die Torfrau) setzt sich demonstrativ auf unsere ausgebreitet Deutschlandfahne - sehr respektvoll!!! Erst nach mehrmaliger Aufforderung ihrer Mannschaftskolleginnen erhob sie sich widerwillig. Der portugiesische Stadionsprecher liefert kaum verstehbare Mannschafts- aufstellungen, insbesondere "Garefrekes" wird zu einem Zungenbrecher. Aus dem gleichen Grund kann hier mit den Namen der Schwedinnen nicht gedient werden.


Celia Okoyino da Mbabi im Spiel Deutschland gegen Norwegen.

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