DFB-Pokalfinale

"Hinter dem Erfolg steckt viel Arbeit!"

Interview mit Ariane Hingst (Turbine Potsdam) und Pia Wunderlich (FFC Frankfurt, nächste Seite)

27.05.2005

Am Samstag kommt es im Berliner Olympiastadion zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam zum Aufeinandertreffen der beiden derzeit erfolgreichsten deutschen Frauenfußballmannschaften.

Beide Teams haben die Chance, mit dem DFB-Pokal den zweiten Titel in dieser Saison zu holen: Während der 1. FFC Frankfurt zum fünften Mal Meister wurde, konnte der Turbine Potsdam im UEFA-Cup die europäische Vereinskrone erringen. Im ausverkauften Olympiastadion ist deshalb auch schon vor dem prestigeträchtigen "Männerfinale" zwischen Bayern München und Schalke 04 mit einem besonderen Fußballgenuss zu rechnen (28.Mai, ab 17:30 Uhr, live in der ARD). Für den 1. FFC Frankfurt wäre es der sechste DFB-Pokalgewinn, Turbine Potsdam konnte den Cup bislang nur im vergangenen Jahr erringen.

Die Titelverteidigerinnen aus Potsdam schwimmen trotz einer etwas verpatzten Bundesliga-Saison, die man mit 14 Punkten Abstand zu den Meisterinnen aus Frankfurt nur auf Rang Drei abschließen konnte, spätestens seit dem letzten Wochenende wieder auf einer Woge der Begeisterung, als sie in ihrem ersten Jahr im UEFA-Cup gegen die schwedische Mannschaft von Djurgarden/Alvsjö gleich den Pokal holen konnten. Außerdem will die Mannschaft von Turbine-Coach Bernd Schröder auf keinen Fall zum dritten Mal in dieser Saison gegen die Konkurrenz vom Main verlieren.

Aber auch der 1. FFC Frankfurt ist derzeit in einem absoluten Leistungs-Hoch. Nach der frustrierenden Saison 2003/2004, als der Mannschaft im Rennen um UEFA-Cup, DFB-Pokal und Meisterschaft gleich dreimal die Puste ausging, ist unter dem neuen Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks der Erfolg wieder an den Main zurückgekehrt. In einer beispiellosen Serie von 19 Siegen in Folge holte das Team um Weltfußballerin Birgit Prinz schon vier Spiele vor Saisonende den Meistertitel und musste sich nur einmal gegen die Tabellenzweiten vom FCR Duisburg geschlagen geben.

Und mit der sensationellen Verpflichtung der Commerzbank als neuer Hauptsponsor stehen die Frankfurter Vorzeige-Fußballerinnen auch wirtschaftlich auf einem noch solideren Fundament. Dennoch: Der Stachel der beiden deutlichen Niederlagen gegen Turbine Potsdam aus dem letzten Jahr in Bundesliga (2:7) und DFB-Pokalfinale (0:3) sitzt noch tief und sorgt für besondere Motivation vor dem Finale.

Ariane Hingst gutgelaunt in der Trainingskluft der Nationalmannschaft

Bild: Beate Wolter

Eine wichtige Rolle im Pokalfinale wird dabei nicht zuletzt den beiden Spielführerinnen zukommen: Ariane Hingst von Turbine Potsdam und Pia Wunderlich vom 1. FFC Frankfurt. Nicht nur bei Turbine ist Ariane Hingst der Motor hinter den Stürmerinnen um Conny Pohlers, Petra Wimbersky und Anja Mittag, seit dem Weggang von Maren Meinert und Bettina Wiegmann spielt die 25jährige auch in der deutschen Nationalmannschaft eine zentrale Rolle im Spielaufbau. Bei den Frankfurterinnen sorgt die dienstälteste FFC-Spielerin Pia Wunderlich mit einem schier unermüdlichen Laufpensum dafür, dass die Bälle nach vorne laufen. Die 30jährige Redakteurin des Blitz-Tips kann inzwischen auf 99 Länderspieleinsätze zurückblicken


Die Autogramme von Weltmeisterin und Turbine-Kapitän Ariane Hingst sind begehrt

Bild: Jochen Ditschler

und wird aller Voraussicht nach bei der EM im Juni ihre 100er-Feier begehen können. Mit beiden Spielerinnen unterhielt sich für Fansoccer Jochen Ditschler.

Interview mit Ariane Hingst

Was war für Dich ganz persönlich der allerschönste Moment im Rahmen der Titelfeier??
Das kann man nicht auf einen einzigen Moment festlegen. Um nur stellvertretend einige besondere Momente zu nennen: Die letzten zehn Minuten vor dem Spiel, da hatte ich eine Dauergänsehaut. Der Abpfiff, die Pokal-Übergabe, die Feier mit den Schwedinnen am Abend und der Moment, als ich zum ersten Mal danach alleine war. Das waren einige der schönsten Momente vom vergangenen Samstag.

Im ersten Jahr der UEFA-Cup-Teilnahme gleich den Titel der europäischen Krone geholt, in der Bundesliga nur Dritter, welche Emotion überwiegt da bei Dir in der Saisonbilanz?
Natürlich die positive. Wir haben den UEFA-Cup gewonnen und stehen in einem weiteren großen Finale. Natürlich lief es in dieser Saison, gerade zum Stichwort Meisterschaft, nicht immer so, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir mussten erst einmal lernen, mit dieser neuen Situation und insbesondere der Dreifachbelastung plus Nationalmannschaft umzugehen. Natürlich hoffen wir, dass wir in der nächsten Saison wieder besser angreifen können. In der vergangenen Saison war es darüber hinaus ungünstig, dass die Meisterschaft aufgrund des Spielplans schon recht früh entschieden war. Da hat dann irgendwann die Motivation der Mannschaft sicher nachgelassen, auch wenn man das nicht wollte. Das kann man auch keinem verübeln. Wäre die Meisterschaft offen bis zum Schluss gewesen, wäre uns so etwas wie die Niederlage in Crailsheim sicher nicht passiert...

Inwieweit warst Du überrascht, dass Ihr – vom Hinspiel in Voronezh einmal abgesehen – im UEFA-Cup nie ernsthaft in Bedrängnis geraten seid?
Was heißt überrascht. Die ganze UEFA-Cup-Saison war kein Selbstläufer. Wir haben hart dafür gearbeitet, um das zu erreichen, was wir jetzt geschafft haben. Auch wenn es im Nachhinein vielleicht so aussieht - die Europapokalsaison war nicht so einfach, wie es scheint. Schaut man nur auf die Ergebnisse auf dem Papier, sieht es nach einer klaren Sache aus, aber gerade auch zum Beispiel das Spiel in Stockholm war alles andere als leicht. Daher ist Überraschung das falsche Wort. Unsere Arbeit hat sich ausgezahlt, und darüber bin ich sehr froh. Ich würde nicht sagen, dass wir den UEFA-Cup dominiert haben und durchmarschiert sind. Wie gesagt, hinter dem Erfolg steckt viel Arbeit...

Woran, glaubst Du, hat es gelegen, dass ihr in der Bundesliga diesmal dem FFC nicht Paroli bieten konntet? Die Mehrfachbelastung allein kann es doch - gerade bei den beiden Niederlagen gegen den FFC – nicht gewesen sein, zumal Turbine den Kader zur Rückrunde ja mit Sonja Fuss oder Cristiane noch einmal prominent verstärkt hatte? Frankfurt war in dieser texttexttexttexttext


Meisterschaftssaison einfach souveräner. Das Spiel in Frankfurt war aufgrund der Platzverhältnisse kein schönes Spiel, sondern einfach ein Glücksspiel. Frankfurt war den Tick cleverer und wir haben uns einfach etwas zu blöd angestellt, dass wir den Sieg nach der 1:0-Führung noch aus der Hand gegeben haben. Nach dem Spiel war uns klar, dass die Meisterschaft gelaufen ist.

Was sind für Dich persönlich die wichtigsten Stärken Eures Teams und vom Finalgegner 1. FFC Frankfurt?
Ich denke, wir sind unberechenbarer.

Ariane Hingst hat schon Übung darin, Pokale entgegenzunehmen. Hier beim Meisterschaftsfinale im vergangenen Jahr. Klappt's morgen auch?

Bild: Jochen Ditschler

Bei uns ist es nicht möglich, dass eine Spielerin ausgeschaltet wird und dann das ganze Spiel nicht mehr läuft. Wir sind ziemlich offensiv ausgerichtet, daher ist unsere Defensive öfter mal offen. Deshalb spielen wir wohl auch seltener mal zu Null. Wenn das Spiel erstmal läuft, sind wir dynamisch, schnell, zielstrebig und unheimlich kombinationssicher. Frankfurt ist gespickt mit Nationalspielerinnen. Ich denke, die Mannschaft hat sich dieses Jahr als bessere Einheit als noch im vergangenen Jahr präsentiert. Der neue Frankfurter Trainer, Dr. Tritschoks, hat wieder Ehrgeiz und Motivation geweckt und neuen Schwung in die Mannschaft gebracht. Das hat sich, wie man sehen konnte, deutlich auf die Mannschaft ausgewirkt.

Als Spielführerin: Welche Spielerin aus Eurem Team hat Dich in dieser Saison am positivsten überrascht?
Da möchte ich niemanden aus der Mannschaft hervorheben.

Noch ein Wort zur EM im Juni in England: Was glaubst Du, könnt Ihr dort erreichen?
Natürlich wollen wir den Titel verteidigen, wissen aber auch, dass das sehr schwer werden wird, denn die Spitze in Europa ist inzwischen viel enger zusammengerückt. Als Titelverteidiger muss es aber ganz klar unser Ziel sein, wieder Europameister zu werden, gerade auch als Weltmeister.

Zum Interview mit Pia Wunderlich

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