DFB-Pokal Halbfinale

"Freuen uns riesig auf das Spiel!"

Melanie Behringer vom SC Freiburg und Meike Weber vom 1. FFC Frankfurt im Interview vor dem Pokalhalbfinale

14 Siege in 14 Bundesliga-Spielen, die Erzrivalinnen von Turbine Potsdam dabei zweimal geschlagen - beim 1. FFC Frankfurt trübt derzeit kein Wölkchen den Blick auf die Saisonziele Meisterschaft und DFB-Pokalfinale. Damit das auch so bleibt, muss nach dem heutigen Bundesliga-Nachholspiel gegen den FC Bayern München (ab 17.00 Uhr, Sportpark Aschheim) vor allem am Ostermontag (28.03., ab 14:00 Uhr im Stadion am Bergmattenhof in Sexau) im Halbfinale des DFB-Cups ein Sieg beim SC Freiburg her.
Für den badischen Gastgeber bietet ein möglicher Einzug ins Pokalfinale neben dem sportlichen Reiz die große Chance auf erhöhte Medienaufmerksamkeit und Fernsehgelder durch die Live-Übertragung des Endspiels. Für Spannung ist also gesorgt.

Eine Niederlage der erfolgsverwöhnten Frankfurterinnen gegen die derzeitigen Tabellenachten der Frauenfußball-Bundesliga wäre zwar eine Überraschung, aber die Spiele gegen den SC Freiburg waren nicht immer so einfach wie beim 5:1-Sieg im letzten Oktober. Insbesondere der 28. Februar 2004 wird manchen Fans des FFC noch im Gedächtnis sein, als die Breisgauerinnen am Brentanobad ein 2:2-Unentschieden ertrotzten und somit dem FFC zwei wichtige Punkte im Rennen um die Meisterschaft entführen konnten. FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks und sein Team sind also gewarnt, den SC nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Eine Spielerin des SC Freiburg verlangt dabei die besondere Aufmerksamkeit der FFC-Abwehr: U19-Weltmeisterin Melanie Behringer. Mit ihrer athletischen und manchmal an eine junge Birgit Prinz erinnernden Spielweise schoss die 19jährige Bürokauffrau-Auszubildende nicht nur bei der WM in Thailand im vergangenen November das entscheidende 2:0-Siegtor im Finale gegen China, sondern wurde beim Oddset-Cup, der offiziellen DFB-Hallenmeisterschaft Ende Januar in Bonn, zur besten Spielerin des Turniers gewählt. Grund genug für DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer, Melanie Behringer in diesem Jahr bereits fünf Mal bei der "großen" Nationalmannschaft einzusetzen.

Aber auch beim 1. FFC Frankfurt spielt mit der 17jährigen Odenwälderin Meike Weber ein Riesentalent in Sachen Nachwuchs.

Meike Weber in Aktion

Bild: Jochen Ditschler

Erst in dieser Saison vom 1. FCA Darmstadt zum FFC gestoßen, hat sie sich seit ihren ersten Bundesliga-Einsätzen im vergangenen Oktober als wichtige Impulsgeberin auf dem rechten Flügel entpuppt und gehört mittlerweile zum erweiterten Kreis der Stammspielerinnen. Zwar wartet Weber noch auf ihren ersten Einsatz in der U19-Nationalmannschaft, aber für viele FFC-Fans ist die quirlige, gerade mal 1,59 m messende Schülerin schon zu einer "ganz Großen" geworden. Für frankfurt.de und "Fansoccer" unterhielt sich vor dem Halbfinale mit beiden Spielerinnen Jochen Ditschler.

Fansoccer: Ihr steht mit Euren Teams direkt vor dem Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin, ja seit jeher ein nationales Frauenfußball-Top-Highlight. Was bedeutet das für Euch persönlich? Freut Ihr Euch drauf oder habt Ihr auch ein bisschen Respekt vor der Kulisse?

Melanie: Respekt vor der Kulisse habe ich auf jeden Fall nicht.


Aber ich freue mich riesig auf das Spiel! Für mich persönlich wird es sicherlich ein schönes Erlebnis und für uns als Mannschaft ist das Erreichen des Halbfinales schon ein großer Erfolg.

Meike: Es wäre schon ein Traum, wenn wir im Finale in Berlin vor so vielen Zuschauern spielen könnten. Wir als Team und natürlich auch ich persönlich werden am Montag alles dafür geben, aber wir dürfen die Freiburgerinnen nicht unterschätzen. Aber ich hoffe schon, dass wir das schaffen, das Finale wäre halt wirklich ein Erlebnis.

Was habt Ihr Euch für das Halbfinale vorgenommen?

Melanie: Wir werden natürlich versuchen alles zu geben, denn so eine Chance, ins Finale einzuziehen bekommt man nicht jeden Tag. Sollte es am Schluss dann doch nicht ganz reichen, lassen wir deswegen die Köpfe nicht hängen und konzentrieren uns weiter auf die Liga.

Meike: Natürlich wollen Trainer und die Mannschaft, dass wir am Montag gewinnen, aber wir müssen konzentriert spielen, um gegen Freiburg zu siegen. Das verlangt unser Trainer, und wir werden da nicht mit einer siegessicheren Arroganz auftreten. Schließlich wissen wir, dass das Spiel schwer wird, da Freiburg natürlich mindestens genauso hoch motiviert auftritt.

Ihr gehört in Euren Teams trotz jungen Lebensalters zum Kreis der wichtigen Stammspielerinnen. Hättet Ihr Euch das zu Beginn Eurer Fußballkarriere träumen lassen?

Meike: Ich hätte mir das wirklich nicht träumen lassen, dass es bei mir schon im ersten FFC-Jahr so gut läuft. Vor dem Saisonbeginn war eigentlich nur mein Ziel, bei der ersten Mannschaft dabei zu sein, auch wenn ich nur auf der Bank sitze und gemeinsam mit dem Team trainiere. Ich hätte nie gedacht, dass ich so oft zum Einsatz komme, das war für mich total überraschend.

Melanie: An so etwas habe ich zu Beginn meiner Fußballerinnenkarriere noch gar nicht gedacht. Für mich war es das Hauptziel, irgendwann mal in der 1. Bundesliga zu spielen.

Wie seid Ihr eigentlich zum Fußball gekommen?

Melanie: Durch meine Familie, ich habe früher immer mit meinen Brüdern gekickt.

Meike: Bei mir war es mein Vater, der hat mich immer mit auf den Fußballplatz genommen, und ich habe dort dann 10 Jahre lang bei den Jungs mitgespielt.

Welche Perspektive hat der Fußball in Eurem Leben? Strebt Ihr irgendwann einmal eine Profi-Karriere, ggf. auch im Ausland, an oder ist Euch der Amateur-Status lieber?

Meike: Man darf ja als Sportlerin nie mit sich zufrieden sein, und ich will auf jeden Fall weiter an mir arbeiten und mich verbessern. Natürlich ist es irgendwann einmal mein Traum, in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber beim FFC unter den besten Elf zu sein, das ist erst einmal mein vorrangiges Ziel. Über einen Auslandseinsatz mache ich mir noch keine Gedanken, ich konzentriere mich jetzt auf den FFC, und was die Zukunft bringt, wird man sehen.

Melanie: Für mich hat der Fußball eine sehr wichtige Stellung in meinem Leben und das wird sich die nächsten Jahre bestimmt auch nicht ändern. Profi-Karriere? Warum nicht, würde ich mir auf jeden Fall gut überlegen.

Was gefällt Euch an Eurem Team am besten?

Melanie: Es sind alle total nett und man kann auch außerhalb des Fußballs viele Dinge mit den Leuten aus dem Team unternehmen.

Meike: Ich finde es total gut, dass die erfahreneren Spielerinnen wie Renate Lingor oder Steffi Jones einen immer unterstützen und Tipps geben, was man vielleicht besser machen kann. Man merkt halt, dass man in einer Mannschaft spielt, in der niemand ausgeschlossen wird und man immer weiß, dass man voll dazugehört.


Melanie, Du bist nicht nur zu U19-WM-Ehren gekommen, sondern standest auch schon in der Nationalmannschaft auf dem Rasen. Was war das für ein Gefühl?

Melanie: Es war natürlich ein sehr schönes Gefühl, aber ich war dabei sehr aufgeregt, das kann ich nicht abstreiten.

Melanie Behringer - hier bei ihrer Ehrung zur besten Spielerin des Oddset-Cup im Januar 2005

Bild: Jochen Ditschler

Meike, erstaunlicher Weise ist U19-Trainerin Silvia Neid bislang auf Dich "nur" bei einem Trainings-Lehrgang zugekommen, obwohl Du beim FFC schon zu den Leistungsträgerinnen gehörst. Was - glaubst Du - waren die Gründe?

Meike: Da kann ich natürlich nur schwer etwas dazu sagen. Aber ich hoffe, dass es mit dem Länderspiel einfach klappt, wenn ich weiterhin gute Leistungen in der Bundesliga bringe, und deshalb werde ich weiter an mir arbeiten und hoffen, dass ich meine Chance bekomme.

Melanie, Du wurdest beim Oddset-Cup zur besten Spielerin gewählt, und auch bei der Wahl der besten Spielerin im Frauenfußballforum im Internet stehst Du ganz vorne. Haben Dich diese Ehrungen überrascht?

Melanie: Na klar und wie überrascht ich war. Ich kann es auf eine Art aber auch wirklich nicht verstehen.

Ihr kommt beide aus eher ländlichen Verhältnissen. Wie wichtig ist das für Euch? Käme für Euch ein Umzug in eine große Stadt wie beispielsweise Frankfurt überhaupt in Frage?

Melanie: Ich bin sehr froh und stolz darauf, dass ich aus einem kleinen Dorf komme. Dort konnte ich jeden Tag mit den Kindern aus unserem Dorf Fußball spielen. Das wäre in einer Stadt bestimmt nicht in der Form möglich gewesen. Doch mit einem Umzug in eine größere Stadt wie Frankfurt hätte ich bestimmt auch kein Problem. Ich bin ja auch schon im Alter von 16 Jahren nach Freiburg gezogen. Allerdings fehlt mir das Ländliche schon manchmal noch.

Meike: Ich fühle mich auf dem Land total wohl, man kann einfach mal rausgehen und kicken, was man in einer Großstadt vielleicht nicht so kann. Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ich mal in eine Großstadt ziehe, da die Wege von mir zu Hause zum FFC schon ziemlich weit sind, auf Dauer ist das sicherlich keine Lösung. Um so wichtiger ist es, dass meine Eltern voll hinter mir stehen, sonst würde das nicht gehen.

Was würdet Ihr Euch wünschen, damit der Frauenfußball in Deutschland noch ein Stück weiter nach vorne kommt?

Melanie: Ich würde mir noch mehr Interesse durch Sponsoren wünschen und dass mehr Werbung für den Frauenfußball in der Öffentlichkeit gemacht wird.

Meike: Ich hoffe, dass unsere Mädels in diesem Sommer Europameister werden, das würde den Frauenfußball sicherlich noch einmal nach vorne bringen. Außerdem wäre es wichtig, dass es, ähnlich wie Monika Staab beim FFC mit ihrer Mädchenfußballschule, noch mehr Angebote für fußballbegeisterte junge Mädchen gibt.



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