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Halbfinale im DFB-Pokal

Spannende Ostern

Vorbericht zu den Halbfinalbegegnungen

Text und Bilder von Tom Schlimme

19.03.2008   Glücksfee Melanie Behringer war es bei der Auslosung, die im Rahmen des DFB-Hallenturniers im WDR übertragen wurde, deutlich unangenehm gewesen, als sie erkannte, dass ihr Los den 1. FFC Frankfurt als Gast beim FC Bayern München zuordnete. „Jetzt kann ich mich bei den Münchnerinnen nicht mehr blicken lassen”, befürchtete Behringer. Wohl zu Unrecht, denn so können sich die Spielerinnen des FC Bayern auf ein mit 2500 Plätzen ausverkauftes Stadion und auf eine live im Fernsehen übertragene Partie freuen.

Auch die zweite Halbfinal- begegnung zwischen dem TuS Köln rrh. und dem 1. FC Saarbrücken läßt einiges an Spannung erwarten, so dass die Auslosung kaum besser hätte laufen können - alles richtig gemacht, Melanie Behringer!
Münchens Trainerin Sissy Raith geht das Spiel mit gedämpftem Optimismus an. „Klar hat Frankfurt die Favoritenrolle, mit den vielen Weltmeisterinnen im Team, doch wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben mit Duisburg schon einen Mitfavoriten aus dem Pokal geworfen, und das, nachdem Duisburg zur Halbzeit schon 2:0 geführt hatte”, erinnert Raith.

Sissy Raith

„Wir müssen uns nicht verstecken!”, blickt Bayern Münchens Trainerin Sissy Raith optimistisch auf die schwere Aufgabe gegen den 1. FFC Frankfurt

„Die Woche zuvor hatten wir in Potsdam 2:1 gewonnnen, wieder nach einem Rückstand. Die Moral der Mannschaft ist super und wir haben bewiesen, dass wir mit den Großen der Liga nicht nur mithalten, sondern sogar gewinnen können. Außerdem ist im Pokal sowieso immer alles möglich! Besonders freut es Raith, dass die Spielerinnen durch den tollen Zuschauerzuspruch und die Live-Übertragung (BR und HR, 24.03. ab 12.55 Uhr) endlich einmal die Anerkennung und Wertschätzung bekommen, die sie aufgrund ihrer Arbeit und ihrer Leistung verdienen.

SV Winnenden Einlaufteam TSV Kulmbach Einlaufteam

Diese Jungs und Mädchen freuen sich besonders auf das Spiel: die Jugendmannschaften des SV Winnenden (oben) und des TSV Kulmbach werden als Einlaufteams mit den Spielerinnen auf den Platz laufen

Bilder: oben SV Winnenden, unten FC Bayern

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks fährt mit gehörigem Respekt nach München. Für den 1. FFC Frankfurt besteht die Möglichkeit, zum zehnten Mal in Folge ins Endspiel in Berlin einzuziehen, ein einmaliger Rekord,


den man natürlich gerne erreichen würde. Doch Tritschoks geht von ebenso hoher Motivation auch bei den Münchnerinnen aus und verweist auf die Heimstärke der Bayern. „Mit Nina Aigner, Vanessa Bürki und Nicole Banecki verfügt München gleich über drei gute Angreiferinnen, die wir das ganze Spiel über kontrollieren müssen”, nennt Tritschoks ein Glanzstück der Münchner Elf, die außerdem mit Bianca Rech und Ulrike Schmetz über sehr starke erfahrene Spielerinnen verfügten, die sich glänzend mit den vielen jungen Talenten im Team ergänzten.

Dr. Hans-Jürgen Tritschoks

„Wir wollen zum zehnten Mal in Folge ins Endspiel!”, peilt Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks einen neuen Rekord an

Doch auch das Team des FFC sei weiterhin sehr engagiert, spielerisch bestens drauf und wenn es gelänge, dem FC Bayern auch läuferisch und kämpferisch alles entgegenzusetzen, zeigt sich Tritschoks sehr zuversichtlich, den Einzug ins DFB-Pokalendspiel 2008 zu schaffen. Immerhin hat auch Frankfurt durch den Sieg im Viertelfinale beim Pokal- angstgegner in Potsdam schon einen Hochkaräter aus dem Pokal geworfen.

Etwas leichtere Gegner hatte der TuS Köln rrh. auf dem Weg ins erste Halbfinale der Vereinsgeschichte. Die Drittligisten Fortuna Köln und VfR Limburg stellten für Köln, derzeit Tabellenfünfter der 2. Bundesliga Süd, zumindest auf dem Papier keine großen Hindernisse dar. Das Achtelfinale in Limburg allerdings war trotzdem ein hartes Stück Arbeit, in strömendem Regen auf schlammigem Boden zählte nur noch Kampfkraft und Willen, den die Kölnerinnen letztlich bewiesen. Vorher hatte Köln noch den Ligakonkurrenten Niederkirchen zu besiegen und kam dann im Viertelfinale beim Tabellenzweiten der 2. Bundesliga Nord, dem FC Gütersloh, zu einem hartumkämpften und glücklichem Sieg im Elfmeterschießen.

TuS Köln rrh.

Das Achtelfinale in Limburg geriet für die Spielerinnen des TuS Köln rrh. zum Kampfspiel auf Schlammboden. Hier freuen sich die Spielerinnen über das Führungstor von Manuela Frettlöh (Nr. 8). Wird es am Ostersonntag gegen Saarbrücken auch wieder Grund zum Jubel geben?

Auch beim Spiel in Köln werden 2000 Zuschauer erwartet, und Ausschnitte aus dem Spiel werden in der ZDF Sportreportage zu sehen sein. Eine Popularität, die für die Spielerinnen des Zweitligisten, die sonst meist vor ca. 200 Zuschauern spielen, eine ganz neue Erfahrung sein wird. Übrigens haben sich auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Bundestrainerin Silvia Neid in Köln angemeldet.

„Wir trainieren derzeit auf höchstem Niveau. Die Spielerinnen sind motiviert bis unter die Haarspitzen”, beschreibt Kölns Trainerin Doreen Meier die Situation in der Mannschaft. Meier, die erst kurz vor der Winterpause Dietmar Herhaus auf dem Trainerstuhl ablöste, habe die Winterpause genutzt, um hart mit der Mannschaft zu arbeiten. So seien Teamgeist und Siegeswille wieder vorhanden und Berlin das erklärte Ziel aller Spielerinnen. „Wir


werden kämpfen bis wir umfallen und unsere Chancen nutzen. Der Pokal hat schon so manche Geschichte geschrieben und nicht immer zum Nachteil der niederklassigeren Vereine,” motivieren sich die Kölnerinnen selbst.

Eine Botschaft, die man in Saarbrücken nicht gerne hören wird. Auch das junge Team des Erstligaaufsteigers freut sich natürlich auf ein Finale in Berlin. Doch das heißt nicht, dass man den Gegner unterschätzen wird. „Wir haben uns in Köln immer sehr schwer getan, das war immer ein harter Kampf, die Spiele zu gewinnen”, erinnert sich Saarbrückens Kapitänin Nadine Keßler an gerade erst vergangene Zweitligazeiten. Auf meine Frage, ob er durch den Erfolg im Pokal die Konzentration im Kampf um den Klassenerhalt gefährdet sehe, antwortete Saarbrückens Trainer Guido Mey vor kurzem, das sei kein Thema.

„An Berlin denken wir eine Woche vor dem Spiel”, ansonsten stehe die kontinuierliche Arbeit im Vordergrund. So hat sich Saarbrücken inzwischen fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz erarbeitet und kann weitgehend unbeschwert nach Köln fahren. Schmerzlich vermißt wird in Saarbrücken Abwehr- spielerin Ann-Kathrin Schinkel, die einen Kreuzbandriss auskurieren muss. Dafür wurde in der Winterpause eine US-Amerikanerin, Nathalie Budge, verpflichtet, die in der Abwehr einspringen soll.

Nadine Keßler

Saarbrückens Kapitänin Nadine Keßler, Dreh- und Angelpunkt ihres Teams, erwartet ein schweres Spiel in Köln

„Ist das denn eine Abwehrspielerin?”, fragte ich Mey, und erhielt eine bemerkenswerte Antwort: „Ich habe Männer und Frauen trainiert und einfach die Erfahrung gemacht, dass die Frauen deutlich weniger auf bestimmte Positionen festgelegt sind, weil sie viel schneller die taktischen Anweisungen, die ich ihnen als Trainer gebe, verstehen und umsetzen können”, erklärte Guido Mey. Für Saarbrücken ist es übrigens schon die zweite Halbfinalteilnahme in Folge, auch im letzten Jahr schaffte man es - damals noch Zweitligist - in die Runde der letzten vier, allerdings war dann beim 1. FFC Frankfurt Endstation.

Das Pokalfieber hat übrigens auch die Fans des 1. FC Saarbrücken gepackt. 750 Karten wurden nach Saabrücken verkauft, die alle bis auf wenige Reste bereits vergeben sind. So erfährt der Bundesligaaufsteiger eine Popularität bisher unerreichten Ausmaßes, die sich hoffentlich auch auf die Spiele in der Liga übertragen wird. Das junge Team erscheint als Sympathieträger jedenfalls bestens geeignet und könnte bei einem Finaleinzug noch einmal eine ordentliche Schippe an Begeisterung im Umkreis drauflegen!

So können wir uns also auf zwei sehr interessante Begegnungen freuen, die hoffentlich Werbung für den Frauenfußball insgesamt und für die vier beteiligten Vereine im besonderen machen!


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