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Bericht von Stephan Tegründe, Fotos von Udo Künster
16. September 2011 In der zweiten Runde des DFB-Pokals erlebte die beschauliche Kleinstadt Willstätt im Ortenaukreis ein besonderes Highlight: die Auslosung wies dem Zweitligaabsteiger aus dem Ortsteil Sand den letztjährigen DFB-Pokalsieger aus Duisburg zu. Grund genug, daraus eine Art Familienfest zu machen, was es auch wurde: bei herrlichem Sonnenschein fanden 850 Interessierte, darunter auch gut zwei Dutzend FCR-Fans, den Weg ins Kühnmattstadion. Die Verantwortlichen des SC Sand taten wirklich alles, um die Zuschauer zufriedenzustellen, und es gelang ihnen auch was man von den Akteurinnen auf dem Rasen nicht unbedingt behaupten kann: in einem phasenweise langweiligen und zähen Spiel siegte der haushohe Favorit aus dem Ruhrgebiet weniger klar als erwartet mit 2:0 (2:0).

Ein großer Tag für den SC Sand! Auch wenn die Löwinnen als haushoher Favorit anreisten, so schafften des die Hausherrinnen dennoch den Gästen das Leben schwer zu machen.
Volks- und Familienfeststimmung in Sand: „So einen Gegner sehen wir hier doch nur alle Jubeljahre mal“, freuten sich die Betreuer des SC Sand und versicherten sich gleich mehrfach, dass man vor dem Spiel ein gemeinsames Foto mit dem Bundesligisten bekommen könne. Dazu erklärte sich der FCR natürlich gern bereit.
Mehr Geschenke schienen die Duisburgerinnen jedoch nicht verteilen zu wollen, denn von Beginn an zeigten sie den sehr defensiv eingestellten Gastgeberinnen, wie schnell sie Druck aufbauen konnten und ihnen dabei gar keine Chance ließen, auch nur ansatzweise einen eigenen Spielaufbau zu entwickeln. Wenn Sand in der gegnerischen Hälfte auftauchte, dann lediglich über lange Bälle, die entweder Befreiungsschläge waren oder in der Hoffnung gespielt wurden, die schnelle Christine Veth könne einen davon erreichen. Dies war gegen die in der ersten Hälfte wenig beschäftigte und ansonsten sicher stehende Innenverteidigung des FCR mit Laura Neboli und Annike Krahn ein aussichtsloses Unterfangen. Bis auf zwei Situationen, in denen man wirklich einmal weiter vordrang und auch kurz vor dem Strafraum jeweils einen Freistoß bekam, passierte in Richtung Tor von Christina Bellinghoven nichts.
Stattdessen rollte Angriff um Angriff in Richtung Strafraum des Regionalligisten. Nur war dort meist Schluss, denn egal wie es der FCR versuchte, ob über links mit Laudehr, über rechts mit Wensing oder auch brachial durch die Mitte mit Popp in den meisten Fällen fand sich immer eins der gefühlten 16 Sander Abwehrbeine, um eine möglicherweise brenzlige Situation frühzeitig zu klären.
Wenn der Ball mal auf das Tor des SC Sand kam, dann durch Distanzversuche, die eine sichere Beute von Sabrina Lang wurden, so dass außer einem 20m-Schuss von Mandy Islacker, der knapp über das Gehäuse strich, in der ersten halben Stunde nichts wirklich Gefährliches passierte. Als schon das Gefühl entstand, den Gästen seien die Ideen nun endgültig ausgegangen, leitete die erste richtige Großchance doch den ersten Treffer ein: einen Pass von Simone Laudehr in der 36. Minute nahm Alexandra Popp auf und donnerte den Ball aufs Tor; Sabrina Lang bekam die Hände dazwischen und lenkte den Ball noch an die Latte, war aber für den Abpraller nicht mehr schnell genug zurück, so dass Mandy Islacker diesen dankbar abnahm und zur lang erwarteten Führung verwertete. Und nur wenige Minuten später führte die nächste Großchance zum zweiten Treffer: eine Islacker-Flanke fand den Kopf von Laudehr, die Nationalspielerin köpfte aus kurzer Entfernung aufs Tor, doch Lang klärte mit einem tollen Reflex zur Ecke. Diese fand erneut Laudehr, und diesmal ließ ‚Simon‘ der Torfrau nach einer Direktabnahme mit links keine Chance 2:0 für den FCR, fast mit dem Pausenpfiff.
Auch die erste Situation kurz nach Wiederanpfiff gehörte Simone Laudehr: die Nationalspielerin, in Reihen der Gäste neben Islacker auffälligste Akteurin, zimmerte nach einer Direktabnahme das Spielgerät an die Querlatte - auch hier hätte die gute Sabrina Lang das Nachsehen gehabt. Danach schienen vor allem der FCR die Außentemperaturen zu bemerken und reduzierte seine Bemühungen deutlich. Die Auswechslungen (vor allem von Islacker) führten zudem zu einem spürbaren Bruch im Offensivspiel der Gäste, und Sand kam nach gut einer Stunde Spielzeit in der Tat zu einer Chance: nach einem Fehler in der Hintermannschaft der Duisburgerinnen fand Christine Veth die Lücke um durchzustoßen, legte überlegt auf Angela Migliazza zurück, und bei dem schönen Schuss der Sander Kapitänin musste Torfrau Bellinghoven all ihr Können aufbieten, um den Ball noch zu parieren. Danach passierte auf dem Platz nichts mehr, zumindest nichts, was sich zu erwähnen lohnte. Die Bemühungen der Duisburgerinnen ließen in ihrer Intensität nach, und die Verwertung der erarbeiteten Chancen (beispielsweise durch Müller, Groenen oder Popp) war einfach zu ungenau und unkonzentriert, so dass kein weiterer Treffer gelang.
Sand hielt insgesamt gut dagegen und wirkte in seinen Verteidigungsbemühungen teilweise so, als habe man alle Energie in dieses Spiel gelegt. Es ist auch sicher legitim, nahezu das gesamte Spiel über zu versuchen, das Spiel des Gegners zu zerstören - ob es attraktiv ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber der FCR verstand es auch weitestgehend nicht, sich gegen dieses Abwehrbollwerk entscheidend durchzusetzen. Entsprechend lobte Trainer Oliver Dewes seine Mannschaft, die seine Anweisungen hervorragend umgesetzt und dem Favoriten das Spiel lange Zeit schwer gemacht habe. Gästetrainer Marco Ketelaer sprach von einem Pflichtsieg gegen einen unangenehmen Gegner und bemängelte die Chancenverwertung seiner Mannschaft.
Den Zuschauern war es größtenteils egal: Viele waren hauptsächlich gekommen, um die Bundesligamannschaft und die Nationalspielerinnen endlich einmal live zu sehen, und sie freuten sich riesig über Autogramme und gemeinsame Fotos nach dem Spiel; dies erledigten Simone Laudehr und ihre Nationalmannschaftskolleginnen natürlich geduldig und gern.
Stenogramm:
SC Sand:
Lang Breisacher, Broß (68. Hogenmüller), Schneider, Kurek Spörl, Migliazza (82. Hug), Wagner, Amann Veth, Mantei (46. Mihalek)
FCR 2001 Duisburg:
Bellinghoven Wensing, Neboli, Krahn, Himmighofen Bresonik (62. B. Müller), Oster, Laudehr, Weichelt (57. Groenen) Islacker (46. Cengiz), Popp
Tore:
0:1 Islacker (36.)
0:2 Laudehr (44.)
Gelbe Karten:
Migliazza/ -
Schiedsrichterin:
Ines Appelmann (Alzey) mit Christina Jaworek und Johanna Mengelkoch
Zuschauer:
850
DFB-Pokal
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