| Text von Steffen Langbein Bilder von Holger Peterlein
14.09.2011 Ein Bild mit Symbolcharakter für diesen Tag. Trainerin Martina
Voss-Tecklenburg trug Stephanie Milde nach dem Spiel per Huckepack vom Spielfeld. Eine besondere Wertschätzung für die 1,60m große Matchwinnerin. Für deren
Bescheidenheid spricht trotz viel personalisiertem Lob nach diesem Pokalspiel ihre Aussage: „Wir haben als Mannschaft gewonnnen.”
Dominika Wylezek im Tor des BV Cloppenburg musste so manche
schwierige Situation vor ihrem Tor entschärfen - was sie sehr gut machte!
Am Sonntag durfte sie übrigens bei der Auslosung des Thüringer Männer-Pokals als Losfee fungieren – vor dem Spiel des FC Carl Zeiss Jena gegen Chemnitzer
FC im Ernst-Abbe-Spoertfeld vor 7500 Besuchern.
Das Frauen-Pokalspiel fand übrigens, im Gegensatz zu den Punktspielen, im kleinen Universitätssportzentrum statt. Das war auch angemessen, die 177 Zuschauer
hätten sich ziemlich verlaufen im großen Stadion nebenan.
Das Spiel begann für den favorisierten Erstligisten zunächst planmäßig. Nach einem langen Abschlag von Torhüterin Klara Muhle landete der Ball bei Sylvia
Arnold, die von der rechten Außenbahn den Ball zur frühen Führung ins Tor lupfte (6.). Danach entwickelte sich aber ein ausgeglichenes Spiel, in dem der
ambitionierte Zweitligist munter mitspielte. Jena war zu oft, wie in den bisherigen Meisterschaftsspielen, ungenau im Spielaufbau. Nach Amber Hearns
Flachschuss, den BV-Keeperin Dominika Wylezek parierte (14.), kam auch Cloppenburg zu Chancen. Zunächst tauchte Marta Stobba gefährlich im USV-Strafraum auf
(17.), dann leistete die Polin die Vorarbeit für ihre Landsfrau Agnieszka Winczo, deren Kopfball übers Tor strich (20.).
Jenas Trainerin setzte auch diesmal wieder auf die Jugend, mit Sara Löser (16 Jahre) und Vivien Beil (15) kamen beide Nachwuchstalente von Beginn an zum
Einsatz. Beide Youngster hatten auch ihre Torchancen, Löser mit beherztem Schuss von der Strafraumgrenze (35.) und Beil nach Vorlage von Sylvia Arnold (37.).
Ansonsten drohte BV-Keeperin Wylezek meist nur Gefahr bei hoch in den Torraum geschlagenen Freistößen, die sie aber, wie beim Torwarttraining, problemlos
herunterpflücken konnte (40., 42., 44.).
Nach der Pause kam der Underdog schon bald zum Ausgleich. Marie Pollmann köpfte eine Flanke von Jacqueline Cruz ziemlich unbedrängt zum 1:1 ins Netz (51.). Cruz
hatte wenig später gar die Führung auf dem Fuß, als sie frei vor dem Jenaer Tor auftauchte, aber ihr rutschte der Ball etwas über den Spann (55.). Um das
USV-Angriffsspiel zu beleben, wechselte Jenas Trainerin nach einer Stunde die Slowenin Fata Salkunic ein, die erst kurz vor Ablauf der Wechselperiode Ende
August verpflichtet wurde. Diese zeigte gleich, dass sie in Zukunft die erwünschte Verstärkung für ihr Team werden könnte. Technisch versiert und mit Übersicht
setzte sie ein ums andere Mal ihre Mitspielerinnen mit guten Pässen in Szene. Auch die Gäste aus Niedersachsen kamen bei dem nun offenen Schlagabtausch zu ihren
Chancen. Für viele überraschend wechselte Tanja Schulte Torschützin Marie Pollmann recht früh aus. Wegen drohender Gelb-Rot-Gefahr, wie die Cloppenburger
Trainerin dies auf Nachfrage begründete.
Die Jenaer Führung erzielte „Wühlmaus” Stephanie Milde, die eine Flanke von Salkunic einen Tick vor der herausstürzenden Wylezek erreichte und ins
Tor tippte (79.). Danach stieß Milde, die zu diesem Zeitpunkt schon einen Kopfverband trug, mit der Keeperin zusammen. Eine mehrminütige Behandlungspause
folgte, beide konnten aber weiterspielen. Die Neuseeländerin Amber Hearn stellte noch mal ihre Torgefährlichkeit unter Beweis. Eine mustergültige Flanke von
links köpfte sie mit Wucht an die Latte (84.) - die Entscheidung somit verpasst. Im Gegenteil - die Nachspielzeit lief schon, da kam Cloppenburg zum verdienten
Ausgleich. Agnieszka Winczo marschierte auf der rechten Seite allein Richtung Jenaer Tor, ihren Schuss konnte Muhle noch abwehren, aber im Nachsetzen war Verena
Aschauer erfolgreich. So mssten beide Teams noch eine halbe Stunde dranhängen – und das bei der Hitze.
In der Verlängerung stand dann nach einer Salkunic-Ecke wieder Milde am rechten Platz, sie hämmerte das
Leder am kurzen Pfosten aus Nahdistanz zum 3:2 unter die Latte (93.). Trotz aller Angriffsbemühungen schafften die tapferen Gäste den Ausgleich ein drittes Mal
nicht. Auch Jena hatte mit seinen meist im Konter vorgetragenen Spielzügen keinen Erfolg mehr.
Somit blieb es beim knappen Erfolg der Gastgeber in einem unterhaltsamen Spiel. Die Jenaer Trainerin wünscht sich übrigens zukünftig mehr Mildes in ihrer
Mannschaft, über den Kampf zum Spiel finden, heißt es nun auch in den Bundesligaspielen, wo Jena bisher noch ohne Punkte dasteht. Der BV Cloppenburg zeigte,
dass er in der 2. Bundesliga Nord mit zu den Aufstiegsfavoriten zählt.
Trainerstimmen:
Martina Voss-Tecklenburg (Jena): „Es der erwartet schwere Gegner, Respekt und Kompliment an Cloppenburg für die Leistung. Positiv für uns waren die drei
Tore, negativ, dass wir wieder zu viele Fehler gemacht und damit den Gegner aufgebaut haben. Trotzdem haben wir heute unser Ziel, die 3. Pokalrunde, erreicht
– aber vor uns liegt noch sehr sehr viel Arbeit.”
Tanja Schulte (BV): „Glückwunsch an Jena zum Weiterkommen. Den Respekt vor uns zeigte Jena auch schon damit, dass sie uns beim Spiel in Magdeburg
beobachtet haben. Wir haben uns über weite Strecken gut präsentiert und können viele positive Dinge herausziehen – trotz der Enttäuschung, die im Moment
da ist.”

FF USV Jena: Muhle - Brosius, Roelvink, Radtke, Löser (59. Seiler), Beil (59. Salkunic), Schiewe (80. Kraus), J.Arnold, Milde, Hearn, S.Arnold
BV Cloppenburg:
Wylezek - Baumann, Kirchberger, Howard, Cruz (106. Luker), K. Schlösser (29. Kösjan), Aschauer, Stobba, Wübbenhorst, Pollmann (63. J. Eder), Winczo
Tore:
1:0 S. Arnold (6.)
1:1 Pollmann (51.)
2:1 Milde (79.)
2:2 Aschauer (90.+1)
3:2 Milde (93.)
Gelbe Karten: Roelvink (33.) / Pollmann (9.)
Schiedsrichterin: Katrin Rafalski (Bad Zwesten) mit Sabine Stadler und Anne-Kathrin Schinkel
Zuschauer: 177
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