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31.10.2011
Bericht und Fotos von Fuxi
Heimspiele des HSV gelten gemeinhin nicht gerade als vergnügungssteuerpflichtig. Die letzte positive Heimbilanz mit mehr Siegen als Niederlagen gab es in der Saison 2006/2007, der letzte Bundesliga-Heimsieg datiert - aber auch dank der langen WM-Pause - vom 9. Februar 2011. Selbst in der beispiellos erfolgreichen vergangenen Spielzeit gab es nur fünf Siege, und fünf Mal gingen die Hanseatinnen leer aus. Wie in dieser Saison, wo alle vier Heimdreier an die Gegner gingen. Nun kam der SC Freiburg an die Hagenbeckstraße. Der Aufsteiger war stark in die Spielzeit gestartet und lag in der Liga sogar zwei Plätze vor den Hamburgerinnen. Das direkte Duell vor drei Wochen jedoch gewann der HSV mit 3:2 an der Dreisam. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Gastgeber.
Nach dem 2:0 von Kameraj (ganz, ganz unten) war gemeinsamer Jubel angesagt. Mit der Torschützin freuen sich Jessica Wich, Marisa Ewers, Kapitänin Janina Haye und - knuddelnd - Vorbereiterin Christine Schoknecht.
Die allerdings waren ersatzgeschwächt. Heike Freese, Maja Schubert, Lena Petermann und Louisa Nöhr standen Achim Feifel nicht zur Verfügung, lediglich vier Feldspielerinnen saßen auf der Bank. So besetzten Jessica Wich und Marie-Louise Bagehorn die Außenpositionen im Hamburger 4-4-2. Beim SC Freiburg fehlten Marisa Brunner, Lydia Miraoui und Isabella Schmid verletzungsbedingt. Essi Sainio war unter der Woche bei der finnischen Nationalmannschaft und hatte 79 der 90 Minuten beim 2:2 in Weißrussland in den Beinen.
Das Spiel begann ausgeglichen ohne Abtastphase. Etwas effektiver im Herausarbeiten von Chancen war zunächst der HSV. In der 7. Minute flankte Carolin Simon einen Freistoß von links in den Strafraum, und Stéphanie Wendlinger fälschte den Kopfball von Aferdita Kameraj zur Ecke ab. Zwei Minuten später lupfte Wich links steil auf Stürmerin Maike Timmermann, die vor SC-Torhüterin Laura Benkarth am Ball war. Ihr Heber mit der Fußspitze war aber zu kräftig. Nach zehn Minuten kam Freiburg erstmals gefährlich vor dem HSV-Strafraum zum Abschluss. Melanie Leupolz donnerte die Kugel volley aus 20 Metern Richtung Tor, der HSV konnte entschärfend abfälschen. Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte Carolin Simon in der 14. Minute. Nach Foul von Leupolz an Timmermann trat sie aus 25 Metern auf Höhe des rechten Strafraumecks an. Ihr scharfer Ball flog deutlich über die Mauer aufs kurze Eck. Benkarth streckte sich, musste aber nicht eingreifen - der Ball klatschte an die Latte.
Danach verflachte das Spiel etwas. Der HSV leistete sich nach dieser guten Phase zunehmend unnötige Ballverluste und konnte so den Druck nicht aufrecht erhalten. Immer wieder probierten sie es erfolglos mit langen Bällen. Aber auch Freiburg war mit diesem Konzept nicht glücklicher. Ihre Konterversuche blieben meist in der Gastgeber-Abwehr stecken. Ihre beste Möglichkeit hatte Hasret Kayikci nach 25 Minuten. Sie erhielt die Kugel kurz rechts zugespielt und ging an Simon vorbei. Bei einem Pressschlag mit Henrike Meiforth blieb sie Siegerin und brachte das Spielgerät im Fallen aus spitzem Winkel aufs Tor. Der Versuch war für Bianca Weech zwischen den Hamburger Pfosten jedoch weitgehend ungefährlich. Auf der Gegenseite versuchte Aferdita Kameraj einen Heber aus 28 Metern. Benkarth wetzte zurück und fing den etwas zu kurzen Lupfer ab.
Es war kein gutes Spiel. Beide Teams blieben überwiegend harmlos. Als Kerstin Boschert aus dem rechten Halbfeld flankte, war der Kopfball von Marina Makanza im Duell mit Meiforth zu schwach, um Weech zu bezwingen (31.). Eine Minute später hätten die Platzherrinnen in Führung gehen können, wenn nicht müssen: Bagehorn spitzelte das Leder auf Knien rechts weiter zu Marisa Ewers, die bis zur Grundlinie marschierte. Ihre Hereingabe auf den ersten Pfosten fand Kameraj, deren Volley flog freistehend drüber (32.).
Den Rest der Zeit bis zum Pausenpfiff spielte sich das Geschehen zwischen den Strafräumen ab. Der HSV hatte insgesamt mehr Anteile, aus dem Spielheraus gab es dennoch kaum Ansätze für Torgelegenheiten. Wenn etwas Erfolg versprach, waren es Standards. Defensiv standen sie immerhin gut und ließen fast nichts zu. Freiburg blieb harmlos, auch wenn die Flügelspielerinnen Sainio und Makanza viele Bälle bekamen. Als attraktiv konnte man diese 45 Minuten jedoch nicht bezeichnen.
Das sollte sich im zweiten Durchgang ändern, und zwar früh. Beide kamen - personell - unverändert zurück aus den Kabinen, die Hamburgerinnen aber wacher. Drei Minuten waren gespielt. Silva Lone Saländer schlug den Ball aus der Mitte auf den linken Flügel. Wich ließ ihn abtropfen, Simon nahm ihn an und schickte Wich wieder über links. Von der Grundlinie flankte die Ex-Potsdamerin und brachte so Caroline Abbé ins Dilemma, gegen zwei Angreiferinnen verteidigen zu müssen. Sie entschied sich für Kameraj und lag falsch: In ihrem Rücken nickte Maike Timmermann aus zwei Metern unbedrängt zum 1:0 ein (48.). Das zweite Pokal-Tor der Stürmerin, die vor zwei Jahren vom Schleswig-Holstein-Ligisten TuRa Meldorf in die damals in der Verbandsliga spielenden Dritten des HSV wechselte und seitdem einen rasanten Aufstieg erlebte. Beim anschließenden Besuch des Profi-Spiels gegen Kaiserslautern dürfte ihr Jubel wohl gemäßigter ausgefallen sein.
Eigentlich sollte ein Tor Sicherheit bringen - eine gängige Theorie, so alt wie die Jenaer Regeln. Und doch: Beim HSV bewirkte das 1:0 gerade das Gegenteil. Freiburg zeigte sich angesichts des Gegentreffers unbeeindruckt bis trotzig und drückte sofort auf den Ausgleich. Die Gastgeber schwammen in der bis dahin souveränen Defensive. Makanza störte in der 51. Minute Meiforth nach eigenem Ballverlust. Wichs Klärungsversuch war viel zu kurz und kam am Strafraum zu Anja Hegenauer. Nach Ballannahme schlenzte sie mit links aufs lange Eck. Weech flog ins bedrohte Eck, wehrte mit einer Hand ab, und sie konnten zur Ecke klären. Die brachte Leupolz herein, Weech lenkte den Kopfball von Abbé über die Latte. Den nachfolgenden Eckstoß flankte Isabelle Meyer in die Mitte, am zweiten Pfosten kam Sainio nach Durcheinander volley zum Abschluss, und erneut rettete Weech mit einer Flugeinlage vor dem Ausgleich zur Ecke.
Nach einem Foul von Meiforth, die dafür die Gelbe Karte gezeigt bekam, trat Hasret Kayikci zum Freistoß an. Aus 18 Metern drosch sie die Ablage von Meyer drüber (53.). Nach wackligen zehn Minuten stabilisierten sich die Hamburgerinnen jedoch wieder und wollten selbst nachlegen. Es gelang ihnen aber nicht. Zudem sorgten viele Wechsel auf beiden Seiten für gestörten Spielfluss. Die Breisgauerinnen wirkten verkrampft, dem HSV fehlten zum Kontern in vielen Situationen die entscheidende Konzentration und Genauigkeit. Freiburg gelang wenig, um das HSV-Tor zu gefährden. In der 82. Minute galt es schon als Highlight, als Meyer nach Kayikci-Steilpass gegen Weech einen Schritt zu spät kam. Dem SC lief die Zeit davon, und das merkte man. Nach einem Foul an Wich im Mittelfeld sah Stéphanie Wendlinger zurecht die Gelbe Karte. Sekunden und einige wohl unpassende Worte Richtung Schiedsrichterin Mirka Derlin später bekam die Karte bedrohlich wirkende Gesellschaft: Derlin zeigte der Französin Gelb-Rot (83.).
Den sich bietenden Raum nutzte der HSV umgehend. In der 86. Minute spielte Janina Haye lang links raus. Die eingewechselte Christine Schoknecht erlief den Ball vor der Auslinie, ging ein paar Meter die Seitenbegrenzung entlang und musste verzögern, bis der Sturm aus Kameraj und Wich nachgerückt war. Auf Höhe des Strafraums passte sie scharf quer zu Kameraj. Die ließ Melanie Leupolz ins Leere laufen und zog einfach mal flach aus 21 Metern ab. Ersatzkeeperin Benkarth streckte sich - vergeblich. Das Spielgerät strich unten links knapp neben dem Pfosten ins Netz - 2:0.
Es war die Entscheidung und zugleich die letzte Torszene. Der HSV-Sieg ging in Ordnung. Sie hatten insgesamt mehr vom Spiel. Mit Ausnahme der drei Minuten, in denen Weech den Vorsprung festhielt, gelang es dem Team von der Dreisam nicht, sich zwingende Chancen zu erspielen. Beim HSV war ebenfalls vieles Stückwerk, dennoch konnten sie sich über die ganze Spielzeit gesehen optische Vorteile erarbeiten und waren im Abschluss effektiver. Freiburgs Maßnahmen waren letztlich zu wenig, um den ersten Saisonsieg des HSV vor heimischer Kulisse zu verhindern.
   
Stenogramm:
Hamburger SV:
Weech - Simon, Haye, Meiforth, Hepfer (70. Engel), Wich, Lone Saländer, Ewers, Bagehorn, Kameraj (88. Brenner), Timmermann (74. Schoknecht)
FC Freiburg:
Benkarth - Lohmann (75. Zirnstein), Abbé, Wendlinger, Boschert, Sainio, Leupolz, Hegenauer (77. Krüger), Makanza (67. Maier), Meyer, Kayikci
Tore:
1:0 Timmermann (48.)
2:0 Kameraj (86.)
Gelbe Karten:
Meiforth / Abbé
Gelb-rote Karte:
Wendlinger (83.)
Schiedsrichterin:
Mirka Derlin (Bad Schwartau) mit Kim-Jana Trenkner (Winsen/Luhe) und Susann Kunkel (Bad Oldesloe)
Zuschauer:
255
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