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DFB-Pokal, 2. Hauptrunde

Pokalfight mit kuriosem Verlauf

SC Freiburg - ETSV Würzburg 6:3 (3:1)

Text : Stephan Tegründe
Bilder : Roland Baumann

12.09.2011   In der zweiten Runde des DFB-Pokals kam es im Möslestadion zu einem Duell zweier Aufsteiger – dies allerdings in unterschiedliche Ligen: während der SC die 2. Liga Süd nach nur einem Jahr wieder in die höchste Spielklasse verlassen hatte, rückten die Gäste aus Franken zur aktuellen Saison als Neuling eben dorthin nach. Und über weite Strecken des Spiels wurde dieser Klassenunterschied auch deutlich: Freiburg gewann in einem insgesamt kurzweiligen Spiel auch in der Höhe verdient mit 6:3 (3:1).

(Bild rechts: Symptomatisch für das Spiel: Freiburg oben auf, Würzburg am Boden. Dennoch hätte die Partie durchaus zum Stolperstein für den Erstligisten werden können, denn der ETSV glich zweimal aus. Hier überspielt Hasret Kayikci ihre Gegenspielerin Romina Kuffner.)

Von Beginn an hohes Tempo. Die Hausherrinnen begannen druckvoll, nahmen von Beginn an das Heft in die Hand und wollten ein Würzburger Aufbauspiel gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen. Dies gelang ihnen gut, denn bereits in den ersten Minuten gab es eine Eckballserie für Freiburg, wobei ein daran anschließender Kopfball knapp auf der Linie geklärt werden konnte. In der 7. Spielminute war es dann soweit, nachdem sich die Französin Marina Makanza über links durchsetzte und ihre Gegenspielerin tunnelte: ihre Hereingabe ließ Meyer für die zentral heranstürmende Kayikci durchlaufen, die dazwischen preschende Abwehrspielerin Jeanette Seitz wurde von dieser Finte überrascht, konnte dem Ball nicht mehr ausweichen und drosch ihn aus dem Lauf heraus zum 1:0 ins eigene Gehäuse.

Freiburg setzte nach und war bestrebt die Führung auszubauen: diesmal tauchte die agile Makanza über rechts auf, ihre Flanke war jedoch zu ungenau; gleiches gilt für eine kurz darauf folgende schöne Kombination von Chioma Igwe und Isabelle Meyer. Der ETSV versuchte sich aus dieser Umklammerung zu befreien und mit Abersfelder und Manger erste Nadelstiche zu setzen, war dabei aber nicht zwingend. Entsprechend überraschend der Ausgleichstreffer: nach einem unglücklichen Abpraller in der Freiburger Hälfte reagierte die quirlige Julia Manger am schnellsten, spitzelte den Ball an der vielleicht einen Bruchteil zu spät herauseilenden Torfrau Marisa Brunner vorbei und schob völlig unbedrängt zum 1:1 ein.

(Bild links: Nach einem Eckstoss in der Frühphase des Spiels klärt hier Carina Breunig am rechten Pfosten für die bereits geschlagene Keeperin Stephanie Kübler).

Der Sportclub ließ sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen, setzte sein sehr offensiv ausgerichtetes Spiel fort und erfreute dabei mit schönem, gekonntem Kurzpassspiel. Aber egal, ob durch Meyer, deren 18-Meter-Schuss die Latte touchierte – ob durch einen wundervollen Flugkopfball von Kayikci (nach Makanza-Flanke), der nur knapp am rechten Pfosten vorbeizischte oder einen Distanzschuss wiederum von Kayikci, um nur einige der zahlreichen Chancen aus der 1. Halbzeit zu nennen – Zählbares wollte einfach nicht gelingen. Dabei entstand auch einige Male der Eindruck, der Ball solle ins Tor getragen werden; zudem konnte Torfrau Stefanie Kübler einige Bälle entschärfen. Und als in der 24. Minute der Ball doch hinter der Linie landete (nach einem der unzähligen Zusammenspiele von Kayikci und Makanza), wollte die Linienrichterin eine Abseitsstellung der Französin erkannt haben. Würzburg wusste diesen permanent rollenden Angriffen wenig bis nichts entgegen zu setzen und hielt lange das glückliche Remis, weniger aufgrund eigener Verdienste als vielmehr durch die Ungenauigkeiten der Freiburgerinnen. Die Zuschauer richteten sich allmählich auf die Halbzeitpause ein, da klingelte es doch noch im ETSV-Kasten – zum einen gleich doppelt, und zum anderen wiederum beide Male mit tatkräftiger Mithilfe der Gäste: in der 42. Minute ein schöner Flankenlauf der herausragenden Hasret Kayikci über rechts, eine sehr scharfe flache Hereingabe, Abwehrspielerin Honecker klärt vor Makanza, aber auch vor ihrer eigenen Torfrau – und zu allem Überfluss ins lange Eck zur erneuten Freiburger Führung.

(Bild rechts: Obwohl die Gäste aus Franken, wie hier Jeanette Seitz gegen Essi Sainio, alle Hände voll zu tun hatten, sich der Freiburger Angriffe zu erwehren, gelang ihnen doch zweimal der Ausgleich.

Und als wäre dies noch nicht bitter genug, zog in der anschließenden Situation Kapitänin Kerstin Boschert nach schöner Vorarbeit von Kayikci und Meyer aus knapp 20m ab. Kübler im Würzburger Tor konnte noch ihre Hände an den Ball bringen – doch der Ball war sehr scharf geschossen, und der Effet bewirkte, dass er sich hinter Kübler unerreichbar in die Maschen senkte. So ging es mit dem verdienten, aber in der Entstehung aller Treffer recht kuriosen 3:1 in die Pause.

Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt und dann doch verloren. Die Kabinenansprache des Würzburger Trainers Gernot Haubenthal schien gefruchtet zu haben, denn der Gast kam völlig verändert aus der Kabine (ohne dass ein Wechsel stattgefunden hatte) und versuchte nun den Spieß umzudrehen; der SC ließ sich davon durchaus beeindrucken und schien in der Folge eher an Ergebnissicherung interessiert zu sein, wenngleich nach gutem Pass von Meyer auf Kayikci diese nur das Außennetz traf . Kurz darauf wurde das Würzburger Engagement belohnt: nach einer erneuten Unachtsamkeit in der Freiburger Abwehr, von deren Unsicherheit sich die erfahrene Marisa Brunner offensichtlich anstecken ließ, war es in der 57. Minute wiederum Julia Manger, die die zu spät reagierende Schweizer Nationaltorhüterin düpierte und mit dem Ball quasi ins Tor spazieren konnte. Der Anschlusstreffer schien bei den Gästen weitere Kräfte und Ideen freizusetzen, denn nur kurz darauf eine ähnliche Situation wie beim 1:1-Ausgleich, Manger allein gegen Brunner, doch dieses Mal war die Schweizerin schneller und konnte gut 25 Meter vor ihrem Tor den Ball in höchster Not klären. Doch nur wenige Szenen später eroberte sich Sandra Abersfelder kurz vor der Strafraumgrenze den Ball, sah Brunner zu weit vor ihrem Tor stehen und überwand diese mit einem sehenswerten Heber zum 3:3-Ausgleich.

(Bild links: Hoppla, das geht ins Auge. Die Szene zum 2:3 Anschlußtreffer, als Julia Manger (7) die Freiburger Abwehr einschließlich Keeperin Marisa Brunner ganz schlecht aussehen ließ.)

Sollte der Zweitligist das Spiel nun drehen? Einiges sprach dafür, doch Freiburg hatte etwas dagegen. Nachdem Trainer Milorad Pilipovic mit Maier und Krüger für Igwe und Nowak frische Kräfte gebracht hatte, fanden die Gastgeberinnen allmählich ihre Linie wieder und profitierten kurz darauf vom Mut der algerischen Nationalspielerin Lydia Miraoui, die 30 Meter vor dem Tor aus halbrechter Position einfach abzog und das Spielgerät unter die Latte des Würzburger Gehäuses hämmerte … der Ball kam hinter der Linie auf, ein Traumtor zum 4:3! Weiter ging es nur zwei Minuten später: Kübler konnte einen Freistoß nur abklatschen, Hasret Kayikci ließ sich aus elf Metern nicht lange bitten und krönte ihre tolle Leistung mit einem überlegten Schlenzer in den Winkel. Nach diesem erneuten Doppelschlag war die Gegenwehr des ETSV endgültig gebrochen, und die Breisgauerinnen glänzten wie im ersten Durchgang mit schönen Kombinationen, von denen allerdings nur noch die Aktion der schnellen Marina Makanza, die - nach feinem Zuspiel von Meyer - Kübler im Würzburger Tor austanzte und aus spitzem Winkel zum Endstand von 6:3 einschob, erfolgreich war.

Freiburgs Coach Milorad Pilipovic zeigte sich nach dem Spiel angesichts des Abwehrverhaltens seiner Mannschaft und der Chancenverwertung bedingt zufrieden; letztlich zählte für ihn heute aber nur das Weiterkommen. Anders Gernot Haubenthal, der trotz der Niederlage deutlich zufriedener wirkte. Ihm war es wichtig, dass sein Team nicht so einen schlechten Eindruck hinterließ wie die bisherigen Ergebnisse in der Liga es darstellten, was insgesamt gelungen sei.

Fazit: Ein unterhaltsames Pokalmatch, das die Gastgeberinnen über lange Zeit dominierten und entgegen der Ansicht des Gästetrainers auch deutlicher hätten gestalten können – manchmal wollte man es einfach zu schön machen. Der SC Freiburg zieht verdient in die nächste Runde und hat nun zwei Wochen Zeit, die erkennbaren Schwächen in der Hintermannschaft abzustellen, um sich im kommenden Bundesliga-Heimspiel (wegen des Papstbesuchs in Freiburg wurde die Partie auf Sa., 24.09., 14.00 Uhr vorgezogen) zu behaupten.

(Bild rechts: Nach dem Ausgleich für Würzburg brachte Trainer Milorad Pilipovic mit der Einwechslung von Juliane Maier - hier im Duell mit Cecilia Gaspar - und Myriam Krüger frischen Wind in Freiburgs Angriffsspiel.

Auf das Spiel freut sich besonders eine der heutigen Protagonistinnen: Hasret Kayikci trifft mit den Breisgauerinnen auf ihren früheren Arbeitgeber, den FCR 2001 Duisburg. Dem ETSV muss man zu Gute halten, dass sie nach der Pause nicht aufsteckten und – wenngleich durch grobe Abwehrschnitzer begünstigt – zum zwischenzeitlichen Ausgleich kamen. Hier war in der Tat eine deutliche Leistungssteigerung zum Spiel in Mönchengladbach zu erkennen. Insgesamt traten sie aber nur über gut 20 Minuten als ebenbürtiger Gegner auf. Die Fränkinnen können sich nun auf die Liga konzentrieren und erwarten dort am nächsten Sonntag mit der Zweitvertretung des SC 07 Bad Neuenahr einen weiteren Aufsteiger, gegen den endlich die ersten Punkte eingefahren werden sollen.

Stenogramm:

SC Freiburg:
Brunner - Boschert, Wendlinger, Abbé, Nowak (61. J. Maier) - Miraoui, Igwe (61. Krüger) - Sainio (77. Hegenauer), I. Meyer, Makanza – Kayikci.

ETSV Würzburg:
Kübler - Honecker, Gaspar, Held, Seitz - Höß, Breunig, Diener (89. Niedermayer), Kuffner - Abersfelder, Manger.

Tore:
1:0 Seitz (7. ET)
1:1 Manger (13.)
2:1 Honecker (42. ET)
3:1 Boschert (43.)
3:2 Manger (55.)
3:3 Abersfelder (61.)
4:3 Miroui (67.)
5:3 Kayikci (69.)
6:3 Makanza (73.)

Gelbe Karten: Sainio / -

Schiedsrichterin: Nathalie Eisenhardt (Holzgerlingen) mit Miriam Grothe und Melissa Joos

Zuschauer: 210


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