| Text von Tom Schlimme, Bilder von Sandra Kunschke und Tom Schlimme
13.05.2012 Eine kleine Sensation konnten die Frauen des FC Bayern München bejubeln: im Finale
des DFB-Pokals gelang gegen den achtmaligen Pokalsieger und hohen Favoriten 1. FFC Frankfurt ein souverän heraus gespielter, hochverdienter 0:2-Erfolg. Es ist der erste
große Titel in der Vereinsgeschichte der Bayern-Frauen!
Die Freude der Frauen des FC Bayern München über
ihren Pokalerfolg war mitreißend anzusehen - Kapitänin Kathrin Längert reckte den Pokal in die Höhe (Foto: Sandra Kunschke)
Wer in dieser Saison die schwächeren Spiele des 1. FFC Frankfurt gesehen hat, konnte allerdings nicht wirklich überrascht sein, denn der Titelverteidiger leistete sich in
diesem Spiel dieselben Fehler, wie sie sie schon bei den meisten der Niederlagen in dieser Saison zu beobachten waren. So ist diese Niederlage gegen den FC Bayern im Pokalfinale
keineswegs einfach nur damit zu erklären, dass im Sturm eine "Knipserin" fehlt, denn es gelang den Frankfurterinnen viel zu selten, überhaupt Chancen heraus zu spielen, die
eine Spielerin, ob "Knipserin" oder nicht, dann hätte nutzen können. Die Frankfurter Misere beginnt
eindeutig schon im Mittelfeld und im Spielaufbau, wo es keiner Spielerin gelang, wirklich überzeugende Akzente zu setzen. Es war mit Niki Cross eine Spielerin des FC Bayern,
die das zentrale Mittelfeld dominierte, und es waren mit Laura Feiersinger und Katharina Baunach Spielerinnen des FC Bayern, die Akzente auf den Flügeln setzten, wobei
Feiersinger im Sturm viele Ecken für ihr Team heraus holte, von der eine dann auch das Führungstor einbrachte, während Katharina Baunach in der Defensive auf ihrer Seite so
stark gegen die gestandene FFC-Flügelstürmerin Kerstin Garefrekes agierte, dass diese eines ihrer schlechtesten Spiele seit Ewigkeiten machte. Die Abwehr war dagegen eigentlich
noch der stärkste Frankfurter Mannschaftsteil, doch Keeperin Desirée Schumann wirkte bei den vielen Eckbällen gegen die körperlich starken Münchner Spielerinnen, die sich vor ihr
im Fünfmeterraum aufbauten, keineswegs immer sicher und trägt auch eine gewisse Mitschuld an dem Führungstor, die sie aber mit beiden Innenverteidigerinnen teilt. Vor allem
aber konnte das taktische Konzept des 1. FFC Frankfurt in diesem Spiel mal wieder überhaupt nicht überzeugen. Es fehlten die klaren und einfachen Spielzüge, mit denen man eine
Abwehr aushebeln kann, statt dessen stand das individuelle Vermögen der Spielerinnen im Vordergrund, das ja unbestreitbar vorhanden ist, doch das brachte selbst bei der besten
Frankfurterin an diesem Tag, Svenja Huth, nicht mehr, als dass diese sich immer wieder gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Gegenspielerinnen fest lief.
Demgegenüber passte bei Bayern einfach alles. Laufbereitschaft, Agressivität, körperliche Präsenz paarten sich mit hervorragendem technischen Können, klaren Spielzügen und
einem einfachen, aber wirkungsvollen Konzept. Schnell über die Flügel nach vorne gespielt, entstanden gefährliche Angriffe, die wenn schon kein Tor, dann doch ein deutliches
Übergewicht bei der Zahl der Eckstöße hervor brachten. Und diese Eckstöße waren gefährlich! Mit Sarah Hagen, Niki Cross und Carina Wenninger machten sich drei körperlich extrem
starke Spielerinnen im Fünfmeterraum vor Keeperin Desirée Schumann breit, die der eigentlich ja gar nicht besonders kleinen, in diesem Fall aber kleineren Schumann das Leben
extrem schwer machten. Die Eckstöße kamen dann, meist von Katharina Baunach hervorragend getreten, haargenau auf diese Spielerinnen, die sich gut gegenseitig abschirmten und
es der Frankfurter Keeperin schwer machten, an den Ball zu kommen. Trotzdem konnte Schumann natürlich so manchen Eckball entschärfen, andere wurden von Kerstin Garefrekes, als
einzige von der Größe her in der Liga der drei Bayern-Spielerinnen, oder den kopfballstarken Innenverteidigerinnen Saskia Bartusiak oder Gina Lewandowski weggeköpft, doch bei fast
jedem Eckstoß entstanden gefährliche Situationen und es war geradezu zwangsläufig, dass dann einer davon auch zum Torerfolg führt. Das war in der 63. Minute der Fall. Der Eckstoß
kam genau auf Sarah Hagen, etwa vier Meter vor dem Tor postiert. Sowohl Gina Lewandowski als auch Saskia Bartusiak verpassten das richtige Timing und damit den Ball, Schumann kam
ebenfalls nicht dran, und Hagen wuchtete das Leder unhaltbar in die Maschen des Frankfurter Tores. Wer nun ein Aufbäumen der Frankfurterinnen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dem
Team fehlten in diesem Spiel schlicht die Mittel, um gegen nun geradezu euphorisch kämpfende Bayern-Spielerinnen den Druck aufzubauen, den man braucht, wenn man einen
Ausgleichstreffer erzwingen muss. Geradezu logisch war es dann eher, dass Bayern in der 90. Minute durch Ivana Rudelic sogar noch zum 0:2 kam. Diese war gerade eine Minute zuvor
eingewechselt worden, Hagen gewann ein Kopfballduell gegen Lewandowski und köpfte den Ball dabei auch noch genau in den leeren Raum vor Rudelic, die gegen die in dieser
letzten Spielminute vorgerückte Frankfurter Abwehr plötzlich freie Bahn hatte, allein auf Schumann loslief und sich die Ecke aussuchen konnte.
Bezeichnend für die Verkrampfung auf Frankfurter Seite ist, dass ausgerechnet jetzt, als alles entschieden war, Dzsenifer Marozsan in der Schlusssekunde noch zur besten Frankfurter
Chance der zweiten Halbzeit kam, doch Längert hielt ihren Schuss, genau wie sie auch in der ersten Halbzeit die beste Frankfurter Chance durch Melanie Behringer mit einer
Klassereaktion entschärft hatte, in dem sie deren hart getretenen Freistoß mit einer Hand noch an die Latte lenkte.
Ein Nachspiel wird diese Partie möglicherweise für Lira
Bajramaj haben, die sich, wie inzwischen bekannt wurde, eine Kapselzerrung und einen Gelenkerguss im rechten Sprunggelenk zugezogen hat und am Donnerstag im Finale der Champions
League nicht wird spielen können. Es wird berichtet, dass Bajramaj diese Verletzung schon im Abschlusstraining am Freitag erlitten habe, dies aber dem Trainer verschwiegen und
sich auf eigene Faust mit Schmerzmitteln für das Spiel fit gemacht habe. Im Spiel hatte sie dann das Pech, dass ihr Wenninger auf den verletzten Fuß trat, so dass es für Bajramaj
dann nach 40 Minuten gar nicht mehr weiter ging. Ich hoffe, dass man seitens des Vereins der Spielerin einerseits klar macht, dass sie mit solch unprofessionellem Vorgehen sich
selber wie auch dem Verein nur schadet, andererseits aber dabei auch positiv berücksichtigt, dass Lira Bajramaj eine Spielerin ist, die für ihren Verein alles geben will - in
diesem Fall mehr, als es vernünftig gewesen wäre.
Insgesamt war es ein spannendes Finale, das für die neutralen Zuschauer und sowieso für die Fans der Bayern-Frauen sicherlich auch sehr schön anzusehen war. FFC-Fans litten wohl
zu sehr unter dem Spiel ihrer Mannschaft, mehr noch als unter dem Ergebnis, als dass man das verallgemeinern könnte. Die Kulisse von rund 15.000 Zuschauern war zwar im Vergleich
mit den Vorjahren (25.000 und 20.000) etwas enttäuschend, die Stimmung aber immer noch klasse und um Welten besser als bei den traurigen Doppelveranstaltungen im Berliner
Olympiastadion, wo zu Spielbeginn immer nur wenige Tausend Fans im riesigen Stadion anwesend waren. Auch das Rahmenprogramm in Köln vor dem Stadion war wieder sehr gelungen, die
Atmosphäre einfach nur klasse, so dass man auf jedem Fall am eigenen Frauenfinale fest halten sollte, und auch in Köln bleiben sollte, wenn die Zuschauerzahlen nicht noch weiter
sinken.
1. FFC Frankfurt: Schumann - Percival, Bartusiak, Lewandowski, Weber - Garefrekes (69. Chojnowski), Smisek, Behringer, Huth - Marozsan, Bajramaj (40. Crnogorcevic)
FC Bayern München:
Längert - Huyleur (89. Rudelic), Wenninger, de Pol, Baunach - Feiersinger, Cross, Schnaderbeck, Bürki (85. Schöne) - Hagen, Bachor (61. Lotzen)
Tore:
0:1 Hagen (63.)
0:2 Rudelic (90.)
Gelbe Karten: keine
Schiedsrichterin: Inka Müller-Schmäh (Potsdam) mit Mirka Derlin und Kathrin Heimann
Zuschauer: 15.678
Weitere Fotos unter: www.kapixblog.net und www.girlsplay.de
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