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DFB-Pokal, Achtelfinale

Frankfurt im Glück

1. FFC Frankfurt - VfL Wolfsburg

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel

31.10.2011  Das Spitzenspiel im Achtelfinale des DFB-Pokals bot alles, was das Fußballherz begehrt. In einem extrem temporeichen Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten setzte sich schließlich der amtierende Pokalsieger 1. FFC Frankfurt sehr glücklich gegen bärenstarke Wolfsburgerinnen durch.

Eigentor Verena Faißt

Diese Szene entschied das Spiel: Verena Faißt (vorne mit dem weißen Schuhen) bugsierte den Ball ins eigene Tor, Rebecca Smith hinter ihr sowie Keeperin Alisa Vetterlein sehen es mit Entsetzen. Doch letztlich hatte Lira Bajramaj (ganz rechts) dieses Tor mit ihrer starken Aktion erzwungen.

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann hatte sein Team glänzend eingestellt. Seine Spielerinnen standen tief, spritzten aber mit überfallartigen Kontern in die Franfurter Aktionen. Diese Taktik ging von Beginn an auf. Schon in der zweiten Minute kam Nadine Keßler zu einem Schuss von der Strafraumgrenze, aber genau auf Keeperin Nadine Angerer. Eine Minute später erobert Lena Goeßling einen Ball gegen ihre Nationalmannschaftskollegin Melanie Behringer, schneller Konter, Diagonalpass in den Strafraum, Conny Pohlers lässt clever durch, Martina Müller kommt frei zum Schuss, doch Angerer pariert klasse. Auf der rechten Frankfurter Abwehrseite setzte sich Zsanett Jakabfi gegen Ria Percival durch, Ivonne Hartmann kam im Zentrum frei an ihre Flanke, doch über das Tor. In der 11. Minute verfehlte Frankfurts Innenverteidigerin Saskia Bartusiak einen hoch ankommenden Ball mit dem Kopf, Müller war durch, spielte Angerer aus, doch Saki Kumagai holte den Ball noch vor der Linie ein. 12. Minute, Schuss Müller neben das Tor. So stark mit so vielen hochkarätigen Chancen hat in dieser Saison noch kein Gästeteam im Frankfurter Stadion ein Spiel angefangen! Doch, wie Kellermann später sagte, wenn man die Chancen nicht reinmacht, wird man bestraft. Nach einer Weile legte sich die Frankfurter Überraschung über den enorm schnell und laufstark agierenden Gegner, und man kam zu eigenen Chancen.



In der 14. Minute strich ein aussichtsreicher Schuss von Behringer über das Tor. Dann hätte es durchaus Elfmeter für Frankfurt geben können, als Rebecca Smith im Wolfsburger Strafraum im Zweikampf mit Kumagai fiel und am Boden den Ball mit der Hand einen Moment lang fest hielt. (Ich bin mir jedenfalls sicher, dies durch das Teleobjektiv meines Fotoapparates bei günstigem Winkel so gesehen zu haben). Die insgesamt sehr gut leitende Schiedsrichterin Christine Baitinger (ehemals Beck) entschied jedoch auf Weiterspielen. Dann kam Meike Weber von Dzsenifer Marozsán angespielt vor Wolfsburgs Keeperin Alisa Vetterlein zum Schuss, doch die parierte ebenso gut wie zuvor Angerer auf der anderen Seite. Dies war in der 20. Minute die beste Frankfurter Chance bis dahin. Doch die Wolfsburger Spielerinnen betrieben weiterhin enorm hohen Kraftaufwand, stürmten auch aus größerer Entfernung blitzschnell auf die ballführende Frankfurer Spielerin, um dann bei eigenem Ballbesitz sehr schnell mit hohem Tempo und wenigen Stationen Richtung Frankfurter Strafraum zu stürmen. Auch die Franfurterinnen spielten ihr bekanntes Pressing, so dass auf beiden Seiten nicht viel Zeit war, lange zu überlegen oder mit dem Ball am Fuß weite Wege zu gehen. So kam es aufgrund des enorm hohen Tempos auch zu einer Reihe von Fehlpässen auf beiden Seiten, aber auch zu vielen in höchstem Tempo gelungenen Aktionen. In der 31. Minute hätte so eine schnelle Kombination zum Tor für Frankfurt führen können, doch Kerstin Garefrekes, von Marozsán angspielt, verzog etwas überhastet aus guter Position. Kurz vor der Pause parierte dann Vetterlein noch einen Kopfball von Bartusiak, der ein Freistoß von Behringer genau auf den Kopf gespielt worden war, aus wenigen Metern. Doch auch Pohlers kam noch einmal zu einer praktisch hundertprozentigen Gelegenheit, doch die letzte Saison noch in Frankfurt spielende Torschützenkönigin scheiterte an einer erneut klasse parierenden Frankfurter Nationalkeeperin. So ging es also nach einer hochspannenden ersten Halbzeit torlos in die Kabinen.

Nach der Pause präsentierte sich dann der FFC mit einer Auswechselung, die gleich vier Positionsänderungen mit sich brachte. Trainer Sven Kahlert ließ Ria Percival in der Kabine, die von Zsanett Jakabfi einige Male überlaufen worden war und einen Schwachpunkt in der ansonsten starken Frankfurter Viererkette darstellte. Auf ihre Position links hinten rückte Meike Weber, die bis dahin im zentralen Mittelfeld agiert hatte. Diese Position nahm nun Sandra Smisek ein, die vorher Sturmspitze gespielt hatte. Dies übernahm nun Lira Bajramaj, bis dahin meistens auf dem linken Flügel zu finden, und deren Position nahm nun die für Percival eingewechselte Neu-Nationalspielerin Svenja Huth ein. So manches Team wäre durch solche eine Rotation durcheinander zu bringen, doch Kahlerts Plan ging voll auf, jede Spielerin fand sich auf ihrer Position bestens zurecht. Insbesondere Weber machte die linke Abwehrseite zu und Huth brachte auf der linken Flügelposition eine deutliche Belebung. Und auch Bajramajs Wechsel in die Spitze machte sich bezahlt! Kaum waren drei Minuten in der zweiten Halbzeit gespielt, da kombinierte auf dem linken Flügel Huth zu Marozsán, die weiter links in die Spitze zu Bajramaj und die setzte sich nah am Tor so entscheidend durch, dass ihr Pass einfach den Weg ins Tor finden musste - auch wenn es mit Verena Faißt eine Wolfsburger Spielerin war, der das Unglück eines Eigentores unterlief. Vorausgegangen war allerdings ein wegen Abseits nicht gegebenes Tor von Conny Pohlers - Glück für Frankfurt, es war wohl nur ein knappes Abseits!


In der 54. Minute erwischte Lena Goeßling dann im Mittelfeld bei einem Frankfurter Konter den Fuß von Svenja Huth, die sonst frei durch gewesen wäre, so heftig, dass Huth durch die Luft wirbelte, allerdings wohl auch gut abgehoben hatte. Jedenfalls hatte Goeßling in der ersten Hälfte schon gelb für ein Foul an Weber gesehen und flog nach diesem taktischen Foul absolut gerechtfertigt mit gelb-rot vom Platz. Die Wolfsburgerinnen konnten mit ihrer hohen Laufbereitschaft zwar auch weiterhin das Spiel fast ausgeglichen halten, doch es hätte jetzt schon viel Glück gebraucht, um das Spiel nun noch zu wenden. Frankfurts Trainer Sven Kahlert war trotzdem keineswegs zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft und versuchte immer wieder, seine Spielerinnen dazu zu bringen, ihre zahlenmäßige Überlegenheit auszuspielen und den Ball laufen zu lassen. Doch die FFC-Spielerinnen schafften es einfach nicht, Linie in ihr Spiel zu bringen, vergaben außerdem einige Gelegenheiten, weil sie es im Wolfsburger Strafraum zu kompliziert machten, statt einfach mal drauf zu schießen. Es blieb beim knappen 1:0, aber dieses Spiel hätte auch völlig anders ausgehen können! Hätten die Wolfsburgerinnen nur eine ihrer vielen Chancen in der ersten Halbzeit genutzt, wären sie in eine komfortable Situation gekommen, die ihrem Konterspiel sehr entgegen gekommen wäre. Bei dem starken Eindruck, den dieses Team hier hinterlassen hat, wären dann weitere Tore und ein hoher Wolfsburger Sieg für mich absolut im Bereich des Möglichen gewesen. Anders herum sollte aber auch dieser Sieg gegen den bisher stärksten Saisongegner dem Frankfurter Team Selbstvertrauen geben für das schwere Spiel in der Champions League gegen Paris Saint Germain am Mittwoch (live um 14.15 Uhr im hr).

Barbara Müller Strafraumszene Isabell Hochstein



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger (90. Lewandowski), Kumagai, Bartusiak, Percival (46. Huth) - Garefrekes, Weber, Behringer, Bajramaj - Smisek, Marozsán (81. Landström)

VfL Wolfsburg:
Vetterlein - Tetzlaff, Henning, Smith, Faißt - Jakabfi (66. Blässe), Keßler, Goeßling, Hartmann (86. Moser) - Pohlers, Müller

Tor:
1:0 Faißt (48. Eigentor)

Gelbe Karten:- / Goeßling

Gelb-Rote Karte: Goeßling (54.)

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt) mit Ines Appelmann und Ülfet Car

Zuschauer: 1520



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