| Text und Bilder von Tom Schlimme
05.12.2011 Nach vier Niederlagen in Folge meldete sich der 1. FFC Frankfurt mit einem
5:1-Paukenschlag gegen den alten Rivalen 1. FFC Turbine Potsdam eindrucksvoll zurück unter den Lebenden.
Mit spielentscheidend: die Frankfurter Spielerinnen (in den schwarzen Trikots) hatten
meist die Lufthoheit im Potsdamer Strafraum. Von links sind es hier Gina Lewandowski, Saki Kumagai und Jessica Landström, die höher springen als ihre jeweiligen
Gegenspielerinnen
Nur 1830 Zuschauer waren diesmal ins Stadion am Brentanobad gekommen, wenig im Vergleich zu den 5.200, die vor kurzem noch das Aufeinandertreffen der beiden Top-Clups in der
Liga sehen wollten. Doch erstens war diesmal das Wetter deutlich schlechter, und zweitens waren sicherlich viele Frankfurter Fans noch bedient von den Niederlagen ihres Teams in
den letzten Spielen. Von einigen, die da waren, hörte ich jedoch optimistische Töne vor dem Spiel, und die Optimisten auf Frankfurter Seite sollten recht behalten. Denn mit einer
bärenstarken Leistung zeigten die Frankfurter Spielerinnen, dass mit ihnen immer zu rechnen ist, und statt, wie es sicherlich viele der daheim gebliebenen erwartet hatten, aus dem
Pokal auszuscheiden, kickten sie lieber die Turbinen aus dem Wettbewerb und zogen selber ins Halbfinale ein. Dabei fiel auf Frankfurter Seite mit Lira Bajramaj eine der
wichtigsten Spielerinnen ganz kurz vor dem Spiel aus, beim Warmmachen zog sie sich eine Zerrung oder möglicherweise sogar einen Muskelfaserriss zu. Für Bajramaj rückte Jessica
Landström in die Sturmspitze. Mehr Ausfälle hatte Potsdams Trainer Bernd Schröder zu beklagen. Babett Peter, Patricia Hanebeck und Genoveva Anonma waren angeschlagen und sollten
geschont werden. Es sollte sich schnell zeigen, dass die für sie aufgebotenen Ersatzspielerinnen die Lücken nicht würden schließen können. Im Spiel verletzten sich dann noch auf
Frankfurter Seite Melanie Behringer und auf Potsdamer Seite Jennifer Zietz.
Entscheidend für das klare Ergebnis war aber gar nicht, wer auf dem Platz stand, sondern wie die Spielerinnen spielten, die auf dem Platz standen. Oder besser liefen, denn die
Frankfurterinnen rannten diesmal so viel und so schnell wie in keinem der verlorenen Spiele zuvor. Das brachte ihnen nach dem Spiel dann auch das Kompliment ihres Trainers Sven
Kahlert ein, der lobte, dass jede Spielerin zu jedem Zeitpunkt den Ball habe haben wollen. Genau die umgekehrte Aussage also wie nach dem ersten Spiel gegen Potsdam, als
Kahlert sein Team so heftig kritisiert hatte, dass er später einen Teil der Kritik wieder zurück nehmen musste. Entscheidend war aber nicht nur die hohe Laufbereitschaft,
entscheidend war vor allem auch das schnelle, mutige und direkte Spiel nach vorne. Wo die Frankfurter Spielerinnen bei der Niederlage gegen Wolfsburg vor einer Woche noch
alles kompliziert gemacht hatten, zeigten sie diesmal klare, einfache Aktionen. Mit schnellen Pässen durch das Mittelfeld, Dribblings da, wo sie wirklich angesagt waren, auf
einmal stimmte alles wieder. Dabei war es natürlich trotzdem hilfreich, dass Potsdam ungewohnte Schwächen zeigte. Die Frankfurter Spielerinnen hatten im Potsdamer Strafraum
meist die Lufthoheit, was natürlich gar nicht sein darf und auch nicht alleine mit dem Ausfall von Babett Peter zu erklären ist. Die drei ersten Frankfurter Tore fielen alle
durch Kopfbälle: In der 4. Minute brachte Behringer einen Freistoß diagonal steil herein und Gina Lewandowski konnte am langen Pfosten stehend praktisch ungehindert einköpfen. In
der zehnten Minute war es mit Svenja Huth eine der kleinsten Spielerinnen auf dem Platz, die mit dem Kopf an eine Hereingabe von Alexandra Krieger heran kam, und in der 30. Minute
erzielte Saskia Bartusiak das 3:0 ebenfalls mit dem Kopf. Hier hatte Potsdams Keeperin Alyssa Naeher allerdings Hilfestellung geleistet, als sie einen von Sandra Smisek
hart getretenen Freistoß mit einer Faust unglücklich in die Nähe des eigenen Tores abwehrte. Aber an diesem Tag war es kein Zufall, dass dann eben Bartusiak den Ball mit dem Kopf
erwischte und nicht etwa eine Potsdamer Spielerin.
Vom gefürchteten "Torbinen"-Sturm kam nur wenig. Es dauerte bis zur 35. Minute, ehe Potsdam überhaupt zum ersten Eckstoß kam. Vorher hatten die Turbinen nur eine gute Chance
gehabt, die aber Anja Mittag eher kläglich vergab, als sie sich frei vor dem Tor die Ecke hätte aussuchen können, aber ganz vorbei schoss. Ganz anders Frankfurt. Die unter den
Augen der Bundestrainerin erneut sehr starke Svenja Huth spielte sich ein ums andere Mal durch die Potsdamer Abwehrreihen, und jedes Mal wurde es dann gleich gefährlich. Die
ebenfalls ganz starke Meike Weber legte einen Alleingang über das halbe Feld durch die Potsdamer Reihen hin, doch Landström kam dann nicht an den finalen Ball. Ganz anders als
zuletzt gesehen suchten die Frankfurter Spielerinnen sofort den Abschluss, schossen aus allen Lagen und Bernd Schröder konnte froh sein, dass sein Team zur Pause nicht noch mehr
Treffer kassierte. Allerdings hatte sein Team kurz vor dem Halbzeitpfiff selbst auch noch einige Chancen vergeben, die beste davon erneut Mittag, die heute zeigte, wieso sie nach
zehn Spieltagen in der Bundesliga erst zwei Saisontore aufweisen kann.
Im Publikum wurde gerätselt, ob man wohl Schröder aus der Kabine heraus bis nach draußen würde hören können. Doch man hörte gar
nichts, und auf dem Platz änderte sich auch nichts. Frankfurt stürmte. Kerstin Garefrekes eroberte einen Ball im Mittelfeld, gab weiter zu der heute zentral eingesetzten Ria
Percival, die schoss etwas überhastet über das Tor, aber immerhin, Ballerboberung, Weitergabe, Schuss, Sache von ein paar Sekunden, klasse! Dann schoss die für Behringer
eingewechselte Saki Kumagai, heute ebenfalls nicht in der Verteidigung, sondern im Mittelfeld, aus der zweiten Reihe in den zweiten Stock. Die gelernte Innenverteidigerin Kumagai
wirkte etwas hölzern im Mittelfeld, braucht dringend eine Pause, wie ihr Trainer meint. Die japanische Nationalmannschaft habe nach der gewonnenen WM deutlich zu viel gefeiert,
was jetzt langsam durchschlage, meinte Kahlert. Es sei ihnen aber gegönnt :-)
Die Turbinen hatten sich noch nicht aufgegeben, das sah man, doch die Mittel fehlten weiter. Anja Mittag vergab erneut eine Chance, diesmal mit dem Kopf und wieder recht kläglich.
Das war in der 52. Minute, und zwei Minuten später machte Frankfurt alles klar. Traumpass von Smisek steil auf Garefrekes, die flach ins lange Eck, 4:0, das war im Prinzip die
Entscheidung, auch wenn Potsdam noch zu einigen Chancen kam. Mit einigen guten Reaktionen sorgte Frankfurts Keeperin Nadine Angerer jedoch dafür, dass die Null hinten weiter stand.
Auch die Frankfurter Spielerinnen kamen weiter zu Chancen, es war ein Spiel, das sich nicht lange im Mittelfeld aufhielt, für die Zuschauer natürlich dadurch schön anzusehen. In
der 81. Minute kam dann auch Jessica Landström zu ihrem Tor, klasse vorbereitet von Huth. Landström machte das sehr gut, insgesamt muss ich aber sagen, dass sie ihre Chance,
diesmal in der Startelf zu stehen, nicht voll nutzen konnte. In einigen Szenen wirkte die großgewachsene Schwedin etwas unbeweglich, ließ den Ball ungenau abtropfen und passte
nicht voll in den Spielfluss der anderen Spielerinnen. Andererseits muss ich aber auch sagen, dass Bernd Schröder mit seiner Kritik an Lira Bajramaj in der Pressekonferenz
(Frankfurt sei deswegen so stark gewesen, weil Bajramaj ausfiel) nicht völlig daneben lag, auch wenn da natürlich viel Gift über den Weggang von Bajramaj von Potsdam nach Frankfurt
mitschwingt. Der wahre Kern der Aussage ist aber, dass Bajramaj den Ball oft zu lange hält und damit das Frankfurter Spiel komplett verändert wird. Diesen Vorwurf kann man
Landström nun wirklich nicht machen. Eine Spielerin mit den technischen Fertigkeiten von Bajramaj kombiniert mit der klaren Spielweise von Landström, das wäre optimal! Vielleicht
kann man das Lira Bajramaj noch beibringen, denn sie selber könnte am ehesten diese optimale Spielerin sein!
Ansonsten gab es noch Ergebniskosmetik durch einen Anschlusstreffer von Viola Odebrecht, ein schöner Lupfer über die zu weit vor dem Tor stehende Angerer in der 88. Minute.
Fazit:
Auch wenn an diesem Tag im Pokal gespielt wurde, hat sich gezeigt, die Bundesliga ist wieder spannend geworden. Nach dem Sieg des FCR Duisburg in Potsdam vor einer Woche steht
nach diesem Spiel heute fest, unter den ersten vieren kann immer jeder jeden schlagen, und sechs Punkte Vorsprung vor Platz vier sind wahrlich kein sicheres Ruhekissen für
den Tabellenführer!
1. FFC Frankfurt: Angerer - Krieger, Lewandowski, Bartusiak, Weber - Garefrekes, Percival, Behringer (22. Kumagai), Smisek (70. Thunebro), Huth - Landström (82.
Marozsan)
1. FFC Turbine Potsdam:
Naeher - Göransson, Schmidt (67. Kulis), Weseley - Zietz (46. de Ridder/85. Demann), Kemme, Odebrecht, Cramer - Mittag, Nagasato, I. Kerschowski,
Tore:
1:0 Lewandowski (4.)
2:0 Huth (10.)
3:0 Bartusiak (30.)
4:0 Garefrekes (55.)
5:0 Landström (81.)
5:1 Odebrecht (88.)
Gelbe Karten: Huth / Kerschowski, Kemme
Schiedsrichterin: Christine Baitinger (Magstadt) mit Marija Kurtes und Ines Appelmann
Zuschauer:1832
Teilen
zum DFB-Pokal
Zur FanSoccer-Startseite
|