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01.11.2011
Bericht von Stephan Tegründe, Fotos von Nadine Jehnich und Volker Nagraszus
Und täglich grüßt das Murmeltier … was für Bill Murray im gleichnamigen Film gilt, scheint etwas abgewandelt für die Fußballerinnen des Herforder SV im DFB-Pokal ebenso Bestand zu haben: hier grüßen allerdings die Löwinnen, denn nahezu alljährlich ist im Herbst der FCR 2001 Duisburg der Gegner für den Club aus Ostwestfalen (in den letzten fünf Spielzeiten nun zum vierten Mal) und dabei auch regelmäßig Endstation, weil er mindestens eine Nummer zu groß ist. Bemüht man die Statistik, so stand in den letzten drei Pokalpartien ein Gesamtergebnis von 20:0 Toren für den FCR zu Buche, auch in der Liga lautet es in den vier Begegnungen 18:1; die Ergebnisse sprechen also eine eindeutige Sprache. Zweistellig endeten die Spiele jedoch nie - dieses Mal gab es also eine Premiere, und das völlig verdient: vor allem die Gala-Vorstellung von Alexandra Popp mit sechs Toren und einer Vorlage sorgte für den ersten zweistelligen Pflichtspiel-Erfolg der Löwinnen seit gut drei Jahren.
Alexandra Popp erwischt den Ball nach einem Pfostentreffer von Gülhiye Cengiz und erzielt mit großem Einsatz das erste ihrer sechs Tore. Rike Abt riskiert ebenfalls Kopf und Kragen, verletzt sich leicht bei dieser vergeblichen Rettungsaktion, kann aber weiterspielen. (Foto: Nadine Jehnich)
Nervös wirkten bereits vor dem Spiel der Herforder Trainer Jürgen Prüfer und seine Stürmerin Anna Laue, als hätten sie geahnt, was auf sie zukommen wird. Der FCR hingegen schien absolut gelassen. Dabei hatte Marco Ketelaer sein Team im Vergleich zum letzten Spiel gegen Jena auf mehreren Positionen verändert: so bekam U19-Nationaltorhüterin Meike Kämper ihren verdienten ersten Einsatz im Erstliga-Team, Barbara Müller kam von Beginn an für Kozue Ando, und die niederländische Nationalspielerin Petra Hogewoning ersetzte Marina Himmighofen. Mandy Islacker musste verletzungsbedingt noch passen, dafür ging Simone Laudehr weiter in die Offensive und Gülhiye Cengiz übernahm deren Rolle im zentralen Mittelfeld. Auf der Bank nahm zudem mit Daria Streng eine U17-Nationalspielerin Platz eine mangelnde Berücksichtigung der Jugend scheint beim FCR derzeit kein Thema (mehr) zu sein.
Es mag trotz der Statistik als Arroganz ausgelegt werden, dass im Vorfeld der Partie gerade bei den Duisburger Fans eigentlich nur über die Höhe des FCR-Sieges gegen den Dritten der 2. Liga Nord diskutiert wurde denn auch ein solches Spiel muss erst einmal gespielt werden doch Simone Laudehr und Alexandra Popp sorgten bereits nach knapp der Hälfte des ersten Durchgangs dafür, dass diese Diskussion nicht unberechtigt war. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide letztere mit einem Doppelpack in der 18. und 21. sowie der Kopfballvorlage für Laudehrs Treffer bereits nach acht Minuten - den Spielstand auf ein beruhigendes 3:0 für den FCR gestellt, und gut fünf Minuten später erhöhte Barbara Müller mit einem sehenswerten Kopfball nach ebenso schöner Oster-Flanke auf 4:0. Bis dahin hatte es nicht einen ernst zu nehmenden Angriff der Gäste gegeben was in der Folge in Richtung Tor von Meike Kämper lief, resultierte aus Unkonzentriertheiten der Duisburger Hintermannschaft und verpuffte schließlich, denn weder Anna Laue, die in der 25. Minute aus 15 Metern an der glänzend parierenden Kämper scheiterte, noch Giustina Ronzetti konnten den Erstligisten wirklich in Bedrängnis bringen. Im Gegenteil war es der FCR, der nach vorn weiter Druck machte: der Großteil der gefährlichen Angriffe wurde über rechts von Jennifer Oster und Luisa Wensing vorgetragen, und nach einem solchen verzog Laudehr aus 18 Metern ganz knapp. Das war jedoch nicht der Grund dafür, dass ihr Arbeitstag bereits nach 36 Minuten beendet war: vielmehr hatte die Nationalspielerin in beiden Länderspielen der vergangenen Woche durchgespielt, war leicht erkältet und ist zudem aufgrund eines aktuell anstehenden zweimonatigen Bundeswehrlehrgangs derzeit ziemlich eingebunden. Für ‚Simon‘ betrat Jackie Groenen das Feld - und die junge Niederländerin führte sich gut ein, indem sie kurz danach in Kombination mit Oster Linda Bresonik in Szene setzte, die einen ihrer zuletzt selten gewordenen genialen Momente aufblitzen ließ und mit dem Außenrist halbrechts aus knapp zwanzig Metern ein nahezu unmögliches Tor erzielte.
Zur Pause hieß es also 5:0 für die Gastgeberinnen, die es sich gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff leisten konnten, mit Bresonik und Kapitänin Annike Krahn zwei weitere Nationalspielerinnen frühzeitig vom Feld zu nehmen. Und das war auch völlig verständlich, denn nach nicht einmal einer Stunde Spielzeit hatten die Löwinnen - unmittelbar nach der Pause durch einen sehenswerten Treffer von Gülhiye Cengiz nach Bresonik-Vorlage sowie erneut durch einen Doppelschlag von Popp binnen vier Minuten - den Spielstand auf 8:0 geschraubt. Danach war es an der Zeit, einen Gang aus dem Spiel zu nehmen - und den Gästen dennoch weiterhin überlegen zu sein. Durch die Einwechslungen (vor allem von Yvonne Hansmeier) bekam das Herforder Spiel zwar ein wenig mehr Leben und gewann etwas an Vorwärtsbewegung, blieb dabei jedoch weiterhin harmlos und stellte keine Gefahr für die souveräne Meike Kämper dar. Ihr Gegenüber Friederike Abt, ebenfalls U19-Nationaltorhüterin, hatte unter den Augen von DFB-Torwarttrainerin Silke Rottenberg wesentlich mehr zu tun und versuchte ihr Möglichstes, das Ergebnis noch halbwegs erträglich zu halten, stand dabei allerdings auf ziemlich verlorenem Posten.
Die beiden gut agierenden FCR-Youngster Gülhiye Cengiz und - die trotz Erkältung spielende - Jackie Groenen hatten weitere Chancen zur Ergebnisverbesserung, doch diese blieb letztlich der eigentlichen Protagonistin vorbehalten: Alexandra Popp, die absolut nicht zu bremsen war, schraubte wiederum binnen sieben Minuten mit ihren Treffern fünf und sechs (nach Vorlagen von Cengiz und Groenen) das Ergebnis auf einen zweistelligen Stand, vor dem die Anzeigetafel im PCC-Stadion dann auch kapitulieren musste. Ein lupenreiner ‚Quattrick‘, wenn man so will in jedem Fall zeigte die Nationalstürmerin erneut eindrucksvoll, auf welche Position sie wirklich gehört. Die lobenden Worte ob der guten Leistung im Freundschaftsspiel gegen Schweden und das dort Spiel entscheidende Tor dürften ihrem Selbstvertrauen sehr gut getan haben.
Eine Viertelstunde war nun noch zu spielen, und wäre Jackie Groenen nicht etwas überhastet abschließend an Abt gescheitert, sie hätte sich mehr als einmal für ihre Leistung mit dem ersten Pflichtspieltreffer belohnen können. Ein weiterer Treffer gelang jedoch nicht mehr, und der Schlusspfiff von Kathrin Heimann, die mit dem fairen Spiel keine Probleme hatte, erlöste schließlich die Ostwestfälinnen.
Stimmen zum Spiel:
Die Trainer Marco Ketelaer (Duisburg) und Jürgen Prüfer (Herford) waren nach dem Spiel einhellig der Meinung, dass dieser Sieg auch in der Höhe in Ordnung ging.
Prüfer: „Es ist schwer, nach einem solchen Spiel etwas zu sagen, wenn die eigene Mannschaft hier eigentlich nur als Staffage diente. Dennoch kann ich meinem Team keinen Vorwurf machen, wir wussten was auf uns zukommt und haben uns bemüht, aber der Klassenunterschied wurde mehr als deutlich, zumal die Duisburgerinnen sehr konzentriert und effektiv gespielt haben. Nächste Woche ist wieder Ligaalltag, und da müssen wir uns beweisen.“
Letzteres unterstrich Ketelaer auch für seine Mannschaft: „Wir können uns jetzt einen Tag freuen, aber morgen beginnt die Vorbereitung auf das schwere Auswärtsspiel am nächsten Sonntag in Bad Neuenahr. Ansonsten bin ich absolut zufrieden; wir haben das umgesetzt, was wir im Training erarbeitet haben. Ich habe viel von dem gesehen, was ich von meinem Team fordere, und vor allem Spielerinnen wie Gülhiye und Jackie, die eher in der zweiten Reihe stehen, möchte ich heute loben.“ Abschließend wünschte er seinem Herforder Kollegen viel Erfolg für die weitere Saison und sich selbst und seinem Team ein gutes Los für das in gut vier Wochen stattfindende DFB-Pokal-Viertelfinale (03./04.12.). Auf dieses wird er jedoch noch etwas warten müssen, da Zeitpunkt und Ort der Auslosung erst im Lauf dieser Woche bekannt gegeben werden.
Stenogramm:
FCR 2001 Duisburg:
Kämper - Wensing, Krahn (57. Himmighofen), Neboli, Hogewoning - Bresonik (50. Weichelt), Oster, B. Müller, Cengiz - Laudehr (36. Groenen), Popp
Herforder SV:
Abt - Schaaf, Dünker, Lenz, Drewitz (70. Bujna) Gröbner, Voss (60. Hansmeier), Wermelt, Harbert (28. Urbas) - Ronzetti, Laue
Tore (Assists):
1:0 Laudehr (8., (Popp))
2:0, 3:0 Popp (18. (Cengiz), 21. (Wensing))
4:0 Müller (27. (Oster))
5:0 Bresonik (41. (Groenen))
6:0 Cengiz (47. (Bresonik))
7:0, 8:0, 9:0, 10:0 Popp (53. (Groenen), 56. (Müller), 67. (Groenen), 74. (Cengiz))
Gelbe Karten:
- / -
Schiedsrichterin:
Kathrin Heimann (Gladbeck) mit Caroline Telahr und Nadine Matthes
Zuschauer:
834
Weitere Fotos unter www.girlsplay.de
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