. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



DFB-Pokal, Finale

Frankfurt holt sich den Pokal

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 2:1 (1:1)

Text von Tom Schlimme

28.03.2011   Mit einem knappen, aber verdienten 2:1-Erfolg im Pokalfinale gegen den alten Rivalen 1. FFC Turbine Potsdam krönte der 1. FFC Frankfurt eine nach den Durchängern der vergangenen beiden Jahren insgesamt wieder sehr erfreulich verlaufene Saison. Das Finalspiel war spannend, teilweise dramatisch, auf höchsten kämpferischen Niveau, und etliche strittige Szenen lieferten eine Menge Diskussionsstoff. Wer noch zweifelte, dass Frauenfußball interessant sein kann, dürfte durch dieses Spiel eines besseren belehrt worden sein!

Die 20.000 vor Ort und die gut drei Millionen Fernsehzuschauer dürfen als gute Kulisse für ein Vereinsfußballspiel bezeichnet werden, so sah es jedenfalls auch DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Die Entscheidung, ob das Pokalfinale auch weiterhin in Köln statt finden wird, sei aber noch nicht getroffen, die falle erst in den Gremien des DFB und dabei komme es auch darauf an, ob die organisatorischen Rahmenbedingungen dauerhaft zu stemmen seien, erklärte Ratzeburg.

Zuschauerkulisse

Eine imposante Zuschauerkulisse von der ersten Minute an, nicht wie in Berlin als Anhängsel des Männerfinales erlebt beginnend mit einem kläglichen Häuflein, bewies, dass die Entscheidung für ein eigenes Finale der Frauen richtig war

Bild: Tom Schlimme

Von der ersten Minute an war zu spüren, dass es um sehr viel ging. Beide Teams gingen sehr intensiv in die Zweikämpfe, beide Teams gingen ein sehr hohes Tempo. Zu spüren war auch, wie gut sich beide Mannschaften kennen, jeder wusste, wie er den Aufbau des Gegners stören kann, keines von beiden Teams konnte einigermaßen ungestört das eigene Spiel aufziehen. So haperte es etwas am Spielfluss, doch trotzdem sollte es im Laufe des Spiels eine Fülle von Strafraumszenen auf beiden Seiten geben.

Melanie Behringer gegen Jennifer Zietz

Melanie Behringer (mitte) und Jennifer Zietz (rechts) lieferten sich meist im Mittelfeld intensive Zweikämpfe. Links Turbine-Abwehrspielerin Josephine Henning, die ebenfalls viele Zweikämpfe bestritt

Bild: Tom Schlimme

Ein Übergewicht hatten dabei allerdings die Frankfurterinnen, die das Spiel nach einer Weile vermehrt in die Potsdamer Hälfte verlagern konnten. In der 15. Minute ließ Frankfurts Jungnationalspielerin Dzsenifer Marozsan eine Gegenspielerin rechts aussteigen, passte präzise in den Rücken der Abwehr, doch Svenja Huth wurde im Zentrum noch abgeblockt. Der Ball blieb aber heiß, kam zurück in den Strafraum, wurde wieder abgewehrt. Doch immer noch konnte sich Potsdam nicht befreien, Frankfurts rechte Außenverteidigerin Alexandra Krieger kam zur Flanke auf die am Elfmeterpunkt umringt von drei Potsdamerinnen stehende Huth - eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen. Doch Inka Weseley verpasste den Ball, Huth nutzte die ihr verbleibenden Millisekunden, um sich vor dem Zugriff der Gegenspielerinnen die freie linke Ecke des Potsdamer Tores auszusuchen und mit links souverän einzuschießen.

Svenja Huth gegen Bianca Schmidt

Svenja Huth, hier verfolgt von Bianca Schmidt, erzielte die Führung für Frankfurt

Bild: Sandra Kunschke

Die Turbinen wurden sofort offensiver. In der 19. Minute konnte Lira Bajramaj nur knapp von Meike Weber gestoppt werden. Es sollte nicht die einzige starke Szene der Frankfurter Linksverteidigerin bleiben. Bajramaj sollte heute etwas unter ihren Möglichkeiten bleiben. Stärkste Potsdamer Angreiferin in diesem Spiel war die Japanerin Yuki Nagasato, die sich wenig später steil angespielt einen schnellen Ball noch holte und in die Mitte passte. Krieger wehrte ab, doch plötzlich war Bajramaj, schön mit Hackentrick freigespielt von Anja Mittag, frei durch, konnte sich aber nicht gegen die gut reagierende Frankfurter Nationalkeeperin Nadine Angerer durchsetzen.

Dann aber auch eine Riesenchance für Frankfurt, ein verunglückter Rückpass von Viola Odebrecht wurde zur Steilvorlage für Birgit Prinz, die spielte die herauslaufende Potsdamer Keeperin Anna Sarholz aus, doch Josephine Henning klärte noch vor der Linie. So ging es hin und her. Angerer musste gegen Mittag herauslaufen, diese zog durch, Angerer hatte den Ball sicher, blieb verletzt liegen, konnte dann aber weiter spielen. Zauberkunstücke gab es auch zu sehen, so als Marozsan an der Eckfahne aus schier unmöglicher Position den Ball zwischen zwei Potsdamerinnen durchzauberte. Das


strittige Szene

Diese Szene sorgte nach dem Spiel für Diskussionen: Frankfurts Keeperin Nadine Angerer verpasst, behindert von Babett Peter, den von Jennifer Zietz herein gebrachten Freistoß, der Ball geht ins Tor, der Treffer wurde aber wegen Torwartbehinderung im Fünfmeterraum nicht gegeben. Wenn man sieht, wo der Ellenbogen von Babett Peter ist, versteht man die Entscheidung der Schiedsrichterin. Interessanterweise sagte Nadine Angerer später, ihrer Meinung nach sei es ein reguläres Tor gewesen, während Babett Peter nach Sicht der Fernsehbilder erklärte, es sei richtig gewesen, dass die Schiedsrichterin abgepfiffen habe - also beide sagten nach dem Spiel zum eigenen Nachteil aus! Von dieser Fairness kann sich der Männerfußball mehr als eine Scheibe abschneiden!

Bild: Jan Kuppert

Leder kam dann zu Huth, die flankte vors Tor, und Kerstin Garefrekes verfehlte per Kopf nur knapp. Dann wieder Angerer, diesmal mit etwas verunglückter Faustabwehr, doch der Kopfball von Bajramaj landete dann genau in den Armen der Frankfurter Keeperin.

Dzsenifer Marozsan

Dzsenifer Marozsan spielte sich einige Male auch aus einer deutlichen Überzahl heraus und bot einen beeindruckenden Auftritt

Bild: Sandra Kunschke

Ein Tor für Potsdam lag nun in der Luft, und es sollte auch fallen. Melanie Behringer, heute zentral vor der Abwehr eingesetzt, zeigte in diesem Spiel große Stärken im Abfangen der gegnerischen Angriffe, aber wie so häufig in Frankfurt auch Schwächen im Abspiel. So unterlief ihr ein Fehlpass auf Odebrecht, die reagierte sofort mit Steilpass auf Nagasato, und die setzte sich in starker Einzelaktion gegen Weber durch und erzielte mit präzisem Schuss ins lange Eck den verdienten Ausgleich. Sofort wurde aber Frankfurt wieder stärker, und hätte in zwei Szenen noch vor dem Seitenwechsel den alten Abstand wieder herstellen können.

Yuki Nagasato gegen Meike Weber, Tor

Meike Weber (rechts) machte ein Riesenspiel, doch auch sie konnte diesen Schuss von Yuki Nagasato nicht verhindern: Ausgleich für Turbine Potsdam!

Bild: Tom Schlimme

Erst spielte Birgit Prinz einen Ball genau in den Lauf von Marozsan, die versuchte, das Leder unter Sarholz hindurch ins Tor zu bugsieren, doch Sarholz parierte prächtig. Sekunden vor dem Pausenpfiff zirkelte Behringer einen Freistoß genau auf den Kopf der aufgerückten Innenverteidigerin Gina Lewandowski, die setzte sich im Kopfballduell gegen Weseley durch, traf aber nur die Latte des Potsdamer Tores.

Was den Frankfurterinnen kurz vor dem Seitenwechsel nicht mehr gelang, gelang ihnen aber bald danach. Kaum auf dem Platz, startete Prinz von der Mittellinie aus einen Angriff, spielte steil auf Marozsan. Die verlor den Ball, doch Wesely sprang er unglücklich vom Fuß, genau in den Lauf der nach vorne durchsprintenden Prinz. Die nun im vollem Lauf mit Ball am Fuß aufs Tor, eine typische Prinz-Szene, unwiderstehlich ist das Wort dafür. Sarholz widerstand für einen Moment, wehrte den Ball gerade so noch ab, aber genau auf die heran eilende Garefrekes, und nun war es passiert, 2:1 für Frankfurt. Auch wenn Sarholz reklamierte, den Ball von Garefrekes noch vor der Linie erwischt zu haben, Fernsehbilder und Fotos widerlegen sie da klar.

Bianca Schmidt  gegen Meike Weber

Bianca Schmidt, hier gegen Meike Weber, gehörte mit einer Klasseleistung defensiv wie offensiv zu den besten Potsdamerinnen

Bild: Tom Schlimme

Nur wenig später Hackentrick von Marozsan auf Prinz, Sarholz war diesmal aber schnell draußen und blockte ab. Dann wieder ein schneller Konter von Potsdam, wunderbar gespielt von Nagasato und Bajramaj, doch der finale Pass auf Bajramaj kam dann nicht genau genug. Wenig später dann die meistdiskutierte Szene des Spiels: Ein von Jennifer Zietz getretener Freistoß landete im Frankfurter Tor, ohne dass eine Spielerin ihn berührt zu haben schien. Fehler von Nadine Angerer? Einen Moment ertönte aus den Stadionlautsprechern das Tor-Jingle, es heißt, die Schiedsrichterin habe zur Mittellinie gezeigt, doch dann wurde auf Freistoß für Frankfurt entschieden. Fernsehbilder und Fotos zeigen schließlich den Ellenbogen von Babett Peter am Hals der Keeperin, das kann, ja muss man abpfeifen, zumal im


Fünfmeterraum, und so tat es die insgesamt sehr gute Christina Jaworek.

Im weiteren Verlauf fehlten den Spielerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam nun aber die Mittel, um die nun vorsichtiger agierenden Frankfurtinnen entscheidend in Bedrängnis zu bringen. Im Gegenteil, Frankfurt kam, davon zweimal durch die eingewechselte Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers, noch zu einigen Gelegenheiten. Bezeichnend für die Potsdamer Verunsicherung ein Freistoß von Anja Mittag, aus aussichtsreicher Position seitlich am Strafraum getreten, ging der Ball hoch über die am Strafraum wartenden Spielerinnen ins Niemandsland.

So feierte am Ende Frankfurt den achten Pokalsieg. Es war das erste Mal, dass Frankfurt in einem Pokalfinale gegen Potsdam gewinnen konnte nach drei Niederlagen, inzwischen aber auch schon die zweite Pokalfinalniederlage für Potsdam nach diesen drei Siegen, unvergessen das 0:7 gegen Duisburg vor zwei Jahren. Diesmal war es nicht so einseitig gewesen, sondern ein spannendes Spiel absolut auf Augenhöhe. In meinen Augen hat sich der Standort Köln für das Pokalfinale der Frauen sehr gut bewährt, und hört und liest man, was die Spielerinnen dazu äußern, scheinen diese es genauso zu sehen.

Pokalübergabe

Frankfurts Kapitänin Nadine Angerer nimmt den Pokal aus der Hand von Bundespräsident Christian Wulff entgegen und präsentiert ihn gleich ihrem Team

Bild: Sandra Kunschke

So bestätigte auch Turbine-Kapitänin Jennifer Zietz nach dem Spiel, dass ihr die Atmosphäre und das Stadion gut gefallen habe und es ihrem Team Spaß gemacht habe, hier zu spielen, obwohl sie als Potsdamerinnen natürlich früher auch gerne nach Berlin gefahren seien. Frankfurts Kapitänin Nadine Angerer, früher noch erklärte Gegnerin des eigenständigen Frauenfinales, sagte ebenfalls, sie habe sich belehren lassen, sie habe es sehr genossen, hier zu spielen. Es sei eine prima Stimmung gewesen, die Kölner würden den Fußball lieben, und sie sei dafür, dass das Finale dort bleibt.

Dzsenifer Marozsan

Dzsenifer Marozsan stand bereits einmal, damals gerade 16 Jahre alt geworden, mit Saarbrücken im Pokalfinale - und verlor gegen Frankfurt. Nun ist Marozsan 18, spielt seit zwei Jahren für den FFC und konnte am Ende des Tages stolz den Pokal in die Höhe recken

Bild: Sandra Kunschke

1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Lewandowski, Hingst, Weber (90. Thunebro) - Garefrekes, Smisek, Behringer (81. Landström), Huth (60. Pohlers) - Prinz, Marozsan

1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz - Weseley (62. M. Kerschowski), Peter, Henning - Schmidt, Odebrecht, Zietz, Kemme (46. I. Kerschowski) - Nagasato 81. Andonova), Mittag, Bajramaj

Tore:
1:0 Huth (15.)
1:1 Nagasato (42.)
2:1 Garefrekes (48.

Gelbe Karten: Weber / Mittag

Schiedsrichterin:Christina Jaworek (Rötsweiler) mit Marina Wozniak und Verena-Kordula Schultz

Zuschauer: 20.312


Zum DFB-Pokal

Zur FanSoccer-Startseite