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DFB-Pokal, 2. Hauptrunde

„Hauptsache gewonnen”

SC Freiburg - 1. FC Saarbrücken 2:0 (1:0)

Text und Fotos von Martin Kochem

16.10.2009   Zu diesem Bundesligaduell des momentan Letzten gegen den Vorletzten verloren sich trotz freien Eintritts gerade einmal 178 Zuschauer im Freiburger Möslestadion, was natürlich nicht zuletzt an der Anstoßzeit von 15 Uhr an einem Werktag lag. SCF-Trainer Günter Rommel musste im Vergleich zur vorangegangenen Partie in Bad Neuenahr wieder zahlreiche Umstellungen vornehmen und auch die Gäste aus dem Saarland reisten praktisch mit dem letzten Aufgebot an.

Trotz dieser vermeintlich widrigen Voraussetzungen entwickelte sich nicht zuletzt aufgrund unsicher stehender Viererabwehrketten auf beiden Seiten von Beginn an ein relativ munteres Spielchen, in welchem die Breisgauerinnen eindeutig besser aus den Startblöcken kamen und bereits nach 7 Minuten das erste Pflichtspieltor seit 367 Minuten bejubeln konnten. Nach einer Unachtsamkeit in der Saarbrücker Vierkette bekam Martina Moser den Ball an der Strafraumgrenze durchgesteckt und schob die Kugel an der anstelle von Babs Legrand das Tor hütenden Christina Ehl vorbei ins untere linke Eck.

Julia Leykauf vs. Selina Nowak

Packender Zweikampf zwischen Julia Leykauf (FCS, links) und Selina Nowak (SCF, rechts)

Dies war im Übrigen im fünften Pflichtspiel bereits das vierte Gegentor der Gäste innerhalb der ersten 10 Minuten !!! Doch die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten, denn bereits im Gegenzug vergab Selina Dambier nur knapp und kurz darauf scheiterte Kapitänin Christina Arend nach guter Vorarbeit von Cynthia Uwak mit einem zu schwachen Schuss aus 20 Metern an SCF-Torfrau Marisa Brunner (9.).

Die Schweizer Nationaltorfrau sollte wiederum nur zwei Minuten später erneut im Blickpunkt des Geschehens stehen, als Schiedsrichterin Christine Beck nach einem vermeintlichen(?) Foulspiel von Julia Zirnstein an Dambier sofort auf Strafstoß entschied. Trotz ihres Fehlschusses in der ersten Bundesligapartie gegen Potsdam übernahm Juliana Edwards erneut die Verantwortung, um abermals Nerven zu zeigen - ihren diesmal kraftlos und unplatziert in die Tormitte abgegebenen Roller konnte Brunner jedenfalls ohne größeren Probleme entschärfen.

Juliana Edwards

Juliana Edwards verschoss in dieser Saison bereits ihren zweiten Elfmeter, während Martina Moser (rechts) eiskalt "ihr" Tor erzielen konnte - im Hintergrund beobachtet Julia Leykauf den Zweikampf

Abermals im Gegenzug marschierte Anja Maike Hegenauer über halbrechts auf und davon, doch deren von Ehl lediglich abgeklatschten Ball setzte Moser im Nachschuss weit drüber. Doch der SC blieb in einer zerfahrenen sowie durch zahlreiche Fehlpässe gekennzeichneten Partie weiter am Drücker. Nachdem Juliane Maier einen direkten Freistoß aus 18 Metern nur knapp über das FCS-Gehäuse gejagt hatte (16.), verzog die am langen Pfosten lauernde Hegenauer nach einer weiten Rechtsflanke von Maier nur denkbar knapp (20.).

Marisa Brunner

SC-Torfrau Marisa Brunner konnte den schwach geschossenen Elfmeter von Juliana Edwards nahezu mühelos parieren und konnte ihren Kasten auch über 90 Minuten sauber halten


Martina Moser

Martina Moser erzielt hier die frühe Freiburger Führung und beendet damit eine Flaute von 367 torlosen Pflichtspielminuten des SC Freiburg

In der 26. Minute lief dann die ins Team zurückgekehrte Kerstin Boschert nach Stellungsfehler von Vetterlein allein auf das Gästetor zu, doch Ehl parierte reaktionsschnell. In der 36. Minute ließ der FCS so etwas wie Spielkultur aufblitzen, als der Ball nach schönem Direktspiel über Dambier und Uwak zu Arend gelangte, die jedoch mit ihrem Schuss aus 20 Metern nur den rechten Außenpfosten traf. Zwar nahm die optische Überlegenheit der Blau-Schwarzen von der Saar in den darauffolgenden Minuten zu, mehr als drei wirkungslos verpuffende Eckbälle sprang dabei jedoch nicht heraus.

Auch zu Beginn der zweiten Spielhälfte offenbarte der Bundesligaaufsteiger unübersehbare Anlaufschwierigkeiten und der FCS konnte sich bei seiner talentierten Nachwuchstorfrau bedanken, nicht hoffnungslos in Rückstand zu geraten. So parierte die 19-jährige innerhalb von nur sechs Minuten gleich drei Mal bravourös, indem diese gegen die alleine vor ihr auftauchenden Eberhardt (49.) bzw. Maier (52.) klärte und sich auch von einem Hegenauer-Schuss nicht überwinden ließ (55.).

Nach gut einer Stunde sendeten die Gäste dann auch mal wieder ein Lebenszeichen ab, doch scheiterten sowohl Uwak aus 12 Metern an Torfrau Brunner (58.) als auch Maike Trach mit einem 30m-Heber über das Tor (61.) nur knapp. Nach Freistoß von Maier hätte die völlig frei am langen Pfosten lauernde Boschert eigentlich das 2:0 machen müssen, doch ging deren Kopfball nur um Zentimeter am Pfosten vorbei (65.). Dieses sollte den nach wie vor ohne die verletzte sowie schmerzlich vermisste Susi Hartel antretenden Breisgauerinnen jedoch kurz darauf doch gelingen.

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SC-Torfrau Marisa Brunner pflückt hier eine Flanke vor Cynthia Uwak sicher herunter, sodass Julia Zirnstein und Anja Hegenauer nicht eingreifen müssen - Laura Vetterlein (Nr. 21) dreht unverrichteter Dinge ab

Konnte Ehl im ersten Versuch gegen Annika Eberhardt per Reflex noch glänzend reagieren, war diese bei deren Nachschuss auf Zuspiel von Moser letztendlich chancenlos - 2:0 (67.). Zwar gab sich der FCS trotz dieses sich irgendwie abzeichnenden zweiten Gegentors nicht auf, doch traf einerseits Christina Arend nach feinem Zuspiel von Dambier den Ball nicht richtig (77.) und verzog Dambier andererseits nach Zuspiel von Meredith Teague aus halbrechter Position nur denkbar knapp (79.). Die größte Möglichkeit des gesamten Spiels versemmelte jedoch die kurz zuvor eingewechselte Nicole Schmitt, die das Kunststück fertigbrachte, die Kugel aus 4 Metern am leeren Tor vorbeizuschieben (86.). So scheiterte das Team von FCS-Coach Stephan Fröhlich letzten Endes mal wieder an der allseits bekannten Abschlussschwäche, während sich die Freunde von SC-Übungsleiter Rommel nach Schlusspfiff auf die Zahlen und Fakten beschränkte:

„Wichtig für uns war allein, das Spiel zu gewinnen und nicht immer nur Komplimente zu bekommen. Wir hatten heute in den entscheidenden Momenten das notwendige Glück und haben unsere Chancen verwertet. Nach dem Elfmeter waren wir etwas verunsichert, aber das ist in unserer Situation normal. Insgesamt haben wir heute spielerisch keine Glanzleistung geboten, auch viele Fehler gemacht, aber über das kämpferische Element das Spiel entschieden.”


Selina Dambier

Selina Dambier holte für ihr Team zwar einen Elfmeter heraus, konnte jedoch auch nicht verhindern, dass beim 1.FCS am Ende vorne wieder die "Null" stand....

Für sein Gegenüber Stephan Fröhlich war der verschossene Elfmeter noch nicht einmal der Knackpunkt im Spiel, sondern er machte die Niederlage an der verschlafenen Anfangsphase fest:
„Der SC war die ersten 20 Minuten besser, unsere Viererkette hat gespielt wie ein Hühnerhaufen. Mit fortschreitender Spieldauer haben wir uns dann ins Spiel gearbeitet, und im Mittelfeld dominiert. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein optisches Übergewicht, wir hatten zwei, drei gute Chancen, unser Gegner war aber bei Kontern immer gefährlich. In Anbetracht der Anfangsphase geht das 2:0 aber in Ordnung. Wir freuen uns aber auf die Revanche in 10 Tagen und können uns nunmehr voll auf den Abstiegskampf in der Bundesliga konzentrieren.”

Stephan Fröhlich und Sebastian Rytzmann

Über die wieder einmal verpennte Anfangsphase sowie die schlechte Chancenverwertung machten FCS-Coach Stephan Fröhlich (links) sowie sein "Co" Sebastian Rytzmann sich so ihre eigene Gedanken...

SC Freiburg:
Brunner - Nowak, Stein, Boschert, Zirnstein - Haag (90. Julevic), Moser, Hegenauer (84. Kuffner), Maier, Krüger - Eberhardt

1. FC Saarbrücken:
Ehl - L. Vetterlein (84. Colissi), Schinkel, Edwards, Teague (83. Scherer) - Karnbach, Trach, Leykauf, Arend - Uwak (84. N. Schmitt), Dambier

Tore:
1:0 Moser (7.)
2:0 Eberhardt (67.)

Gelbe Karten: Zirnstein

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 178 (bei freiem Eintritt !)


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