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DFB-Pokal, Achtelfinale

Klassenunterschied

1. FFC Frankfurt - SC Freiburg 6:0 (3:0)

Text von Tom Schlimme

16.11.2009   Für den punktlos am Ende der Bundesligatabelle stehenden SC Freiburg gab es auch im Achtelfinale des DFB-Pokals nichts zu gewinnen. Beim siebenmaligen Pokalsieger 1. FFC Frankfurt setzte es eine 6:0-Niederlage, die bei besserer Chancenverwertung der Frankfurterinnen auch höher hätte ausfallen können. So kann und muss sich der Sportclub nun auf den Kampf um den Klassenerhalt in der Liga konzentrieren, während die Frankfurterinnen sich mit einem Erfolgserlebnis im Rücken auf das Spitzenspiel in Potsdam am kommenden Sonntag vorbereiten können.

Dabei begann Freiburg die ersten Minuten gar nicht mal schlecht, Susi Hartel, die in ihrer Jugend beim FFC gespielt hat, überlief in der sechsten Minute Tina Wunderlich, ließ sich dann aber von der erfahrenen Verteidigerin doch noch einmal stellen, so dass sie im Strafraum nicht zum Schuss kam. Zuvor war auch Frankfurt durch die sehr agile Conny Pohlers bereits zu einer Torgelegenheit gekommen, doch Pohlers kam dann im Liegen nur noch mit der Hand an den Ball, das „Tor” zählte nicht. So blieb das Spiel eine Viertelstunde lang einigermaßen ausgeglichen, wenn auch mit den erwarteten Vorteilen für Frankfurt.

Conny Pohlers vs- Laura Benkarth und Myriam Krüger

„Die Hand Gottes”: Conny Pohlers, in ihrer Zeit in Potsdam von den Fans dort oft als „Fußballgott” gefeiert, boxte den Ball im Liegen mit schnellem Reflex mit der Hand über die Linie - klar dass das Tor nicht zählte. Doch Pohlers deutete hier schon an, wie torgefährlich sie schon wieder geworden ist

Bild: ViolA

Doch in der 14. Minute spielte sich das Frankfurter Nachwuchstalent Svenja Huth durch eine Traube von mehreren Freiburgerinnen hindurch, bediente Pohlers, und die vollendete diesmal mit dem Fuß zur 1:0-Führung für Frankfurt. Nur eine Minute später war es dann Birgit Prinz, die sich auf dem linken Flügel durchsetzte und von der Torauslinie nach innen passte, wo Kerstin Garefrekes zum 2:0 erhöhen konnte.

Damit war die Entscheidung praktisch schon gefallen, denn das Spiel wurde extrem einseitig. „Nach dem frühen Gegentor sind bei meiner Mannschaft alle Dämme gebrochen, danach war nur noch fröhliches Scheibenschießen angesagt. Ich bin enttäuscht, dass das Team nach dem Rückstand keinen Widerstand mehr geleistet hat, sondern auseinandergefallen ist,” kommentierte Freiburgs Trainer Günter Rommel in der Pressekonferenz nach dem Spiel das Geschehen.

 Svenja Huth

Svenja Huth machte erneut ein gutes Spiel und bereitete den Frankfurter Führungstreffer vor

Bild: ViolA

In den nächsten Minuten kamen die engagiert weiter stürmenden Frankfurterinnen zu weiteren Chancen durch Pohlers, die sich erneut durch die Freiburger Abwehr spielte und zum Schuss kam, aber knapp das Tor verpasste. Einen Schuss von Karolin Thomas konnte Freiburgs junge Ersatzkeeperin Laura Benkarth, die für die verletzte Schweizer Nationaltorhüterin Marisa Brunner im Kasten stand, mit etwas Mühe entschärfen. Benkarth hielt übrigens zwar nicht jeden Ball gleich fest, zeigte aber gute Reflexe und war an allen sechs Toren schuldlos.

Laura Benkarth vs. Birgit Prinz

Die 17-jährige Freiburger Ersatzkeeperin Laura Benkarth wirft sich hier erfolgreich Birgit Prinz entgegen. Benkarth hielt auf dem nassen Boden - wenn auch nicht immer sicher - einige gefährliche Bälle

Bild: Peter Henkel


Conny Pohlers vs. Valeria Kleiner und Kerstin Boschert

Conny Pohlers schloss nach ihrer langen Verletzungspause nahtlos an alte Stärke an und erzielte drei der sechs Tore. Hier versucht Freiburgs Innenverteidigerinnen Valeria Kleiner Pohlers zu bremsen, Kerstin Boschert schaut zu. Beide Teams trugen Trauerflor zum Gedenken an Nationaltorwart Robert Enke und den langjährigen SC-Freiburg-Präsidenten Achim Stocker, die beide in der Woche vor dem Spiel verstorben sind

Bild: Peter Henkel

Das 3:0 fiel dann in der 23. Minute nach einem der schönsten Spielzüge des Spiels: die wiedergenesene Alexandra Krieger, heute auf der rechten Verteidigerposition eingesetzt, brachte Garefrekes auf dem rechten Flügel zum Zuge, die gab den Ball nach innen, Pohlers nahm das Leder an, drehte sich elegant und spielte Prinz an, die dann locker das Tor erzielen konnte.

Tor Birgit Prinz

Birgit Prinz mit ihrem Schuss zum 3:0, Stephanie Wendlinger kann nicht mehr eingreifen

Bild: Peter Henkel

Freiburg verteidigte durchaus engagiert, so warf sich Stephanie Wendlinger in höchster Not in einen gefährlich ankommenden Schuss und Abwehrchefin Kerstin Boschert hielt die Abwehr in der Mitte leidlich zusammen. Frankfurt ließ es dann auch etwas ruhiger angehen, und so blieb es beim 3:0 bis zur Pause.

Susanne Hartel vs. Tina Wunderlich

Die Ex-Frankfurterin Susanne Hartel (links) war als Spitze beim SC Freiburg fast auf sich allein gestellt, sorgte aber immerhin für etwas Gefahr und hatte in der zweiten Halbzeit dann auch einen Lattentreffer zu verzeichnen. Meist war sie aber, wie hier, von Tina Wunderlich oder den anderen Frankfurter Abwehrspielerinnen ausgeschaltet

Bild: Tom Schlimme

In der zweiten Halbzeit jedoch drehte vor allem Kerstin Garefrekes auf dem rechten Flügel noch einmal richtig auf. Kurz nachdem Sandra Smisek nur den Pfosten getroffen hatte, spielte sich Garefrekes grandios vor das Freiburger Tor, zog dabei die Gegenspielerinnen auf sich, hätte wohl auch selbst verwandeln können, bewies jedoch das Auge für die noch besser postierte Mitspielerin, in diesem Fall Pohlers, die das 4:0 markieren konnte.

Conny Pohlers

Conny Pohlers (links mit der 6) stand immer da, wo eine Torjägerin stehen muss. Hier markiert sie das 4:0 für Frankfurt. Doch die Vorarbeit hatte Kerstin Garefrekes geleistet, die den Ball von rechts hereingegeben hatte

Bild: ViolA

In der 60. Minute kam auch Freiburg mal zu einem Lattentreffer, als die eingewechselte Tatjana Hummel den Ball im Frankfurter Aufbauspiel eroberte und Hartel einsetzte, die mit viel Wucht abzog und einfach nur Pech hatte, dass der Ball nur die Latte traf. Tatjana Hummel war es dann auch, die in der 78. Minute die zweite und letzte Chance für Freiburg in diesem Spiel einleitete: Wieder eroberte sie im Mittelfeld den Ball, spielte sich auf der rechten Seite in den Strafraum, flankte flach in den Fünfmeterraum, aber Isabella Schmid verpasste knapp, das wäre fast ein Tor gewesen!


Dies hätte jedoch nichts daran geändert, dass Frankfurt haushoch überlegen war, zu diesem Zeitpunkt auch schon 5:0 führte, nachdem Pohlers wieder nach Vorarbeit von Garefrekes, die auf dem rechten Flügel machen konnte, was sie wollte, ihr drittes Tor in diesem Spiel erzielt hatte. Gegen Ende war es dann eher ein Trainingsspiel, in dem die für Pohlers eingewechselte Laura Del Rio Garcia nach Vorarbeit der ebenfalls eingewechselten Petra Wimbersky das 6:0 erzielt hatte. Es gab noch einige Frankfurter Chancen, der Platz reicht nicht, sie alle aufzuzählen.

Lattenknaller

Hier rettete die Latte für Freiburg. Der Schuss kam von Sandra Smisek, Kerstin Garefrekes und Laura Benkarth verfolgen gespannt den Weg des Balles

Bild: ViolA

Frankfurts Trainer Sven Kahlert war dann auch „von der ersten bis zur letzten Minute” mit der Spielweise seiner Mannschaft zufrieden, mit dem Ergebnis sowieso. Gefragt nach der Aufstellung für das Spiel in Potsdam erklärte Kahlert, dass er in der Offensive jetzt wieder sehr viele Alternativen habe, er werde in der Woche beobachten, wie die Spielerinnen drauf sind, und dann erst sehr kurzfristig seine Entscheidungen bekannt geben. Auf jeden Fall fahre man nach Potsdam, um nach den beiden Heimniederlagen gegen München und Duisburg nun auch mal wieder gegen einen starken Gegner zu gewinnen.

Kim Kulig

Nationalspielerin Kim Kulig hatte die Gelegenheit des für sie spielfreien Wochenendes genutzt und sich das Pokalspiel zwischen den beiden Bundesligisten angesehen. Ob sie das Spiel wohl so einseitig erwartet hat?

Bild: Tom Schlimme



1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, T. Wunderlich, Günther, Thunebro - Garefrekes, Thomas, Smisek, Huth (65. Wimbersky) - Prinz (60. Weber), Pohlers (68. Del Rio Garcia)

SC Freiburg:
Benkarth - Wendlinger, Boschert, Kleiner, Faißt - Krüger (46. T. Hummel), Schmid, Maier, Hegenauer (70. Larissa Hummel) - Moser, Hartel (64. Amann)

Tore:
1:0 Pohlers (14.)
2:0 Garefrekes (16.)
3:0 Prinz (23.)
4:0 Pohlers (54.)
5:0 Pohlers (63.)
6:0 Del Rio Garcia (83.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Angelika Söder (Schwarzenbruck)
mit Annette Raith und Franziska Haider

Zuschauer: 720


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