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DFB-Pokal, Halbfinale

Bresonik macht den Unterschied

FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 1:0 (0:0)

Text von Marion Kehren
Bilder von Katrin Müller

04.04.2010   Bei regnerischem Wetter und schwer bespielbarem Boden setze sich in einem wahren Pokalfight auf höchster Ebene schlussendlich der Titelverteidiger FCR 2001 Duisburg gegen den Ligakonkurrenten und letztjährigen Finalgegner aus Potsdam durch und zieht somit erneut ins Pokalfinale ein.

Im vorweg genommenen Endspiel musste Turbine Potsdam dabei in ihrer Anfangsformation auf Spielmacherin Lira Bajramaj verzichten, die sich Mitte der Woche im Training am Knie verletzt hatte. Duisburg hingegen musste weiterhin den Ausfall der, an der an der Ferse verletzten, Marina Hegering und der angeschlagenen Anne van Bonn kompensieren. Von der ersten Minute an beinhaltete die Partie was sich alle erhofft hatten: Spannung, Schnelligkeit und einen offen Schlagabtausch. Die Löwinnen kamen vor mehr als 1.800 Zuschauern besser ins Spiel. Nach knapp fünf Minuten hatte Inka Grings die Führung auf dem Fuß, hämmerte aber den Ball aus knapp 18 Metern an den linken Torpfosten. Fünf Minuten später konnte sich Turbines Torhüterin Felix Sarholz das erste Mal beweisen, als sie einen brandgefährlichen Kopfball von Grings abfangen konnte.

josephine henning vs inka grings

Inka Grings immer gut bewacht, hier durch Josephine Henning, kam nur selten zu gefährlichen Torschüssen.

Nach knapp einer viertel Stunde kamen die Gäste aus Potsdam besser ins Spiel und kamen zu ihrer ersten Torchance durch Anja Mittag. Zwei Minuten später bewies nun auch Uschi Holl im Tor der Löwinnen ihre guten Reflexe, als sie einen von Coco Schröder geschossenen Freistoß unter Kontrolle bringen konnte. Danach verlagerte sich das schnelle Spiel mehr und mehr ins Mittelfeld. Die Partie war an Spannung und Zweikämpfen kaum zu überbieten, beide Mannschaften begegneten sich auf Augenhöhe. Große Aufregung gab es Mitte der ersten Halbzeit, als Alexandra Popp das Knie von Nadine Keßler in den Rippen zu spüren bekam. Der befürchtete Rippenbruch bestätigte sich Gott sei Dank nicht, und so konnte die Spielerin nach einer mehrminütigen Behandlung hinter der Torauslinie wieder ins Spielgeschehen eingreifen.

Nadine Kessler vs Simone Laudehr

Das Spiel war von vielen Zweikämpfen im Mittelfeld geprägt, wie zum Beispiel hier zwischen Nadine Keßler und Simone Laudehr.

Mit Start in die zweite Halbzeit wechselte Bernd Schröder seine Spielmacherin Lira Bajramaj ein, aber die erhoffte Wendung blieb aus. Die Partie ging so weiter wie sie aufgehört hatte. „In der Pause habe ich den Mädels gesagt sie müssten weiter dran bleiben.“ In der 54. Minute nutzte Anja Mittag einen krassen Abwehrfehler von Nationalmannschaftskollegin Annike Krahn aus, doch der gefühlvolle Heber landete knapp über dem Tor. Kurz danach hatte auf der anderen Seite Annemieke Kiesel den Führungstreffer auf dem Fuß, als diese einen zugesprochenen Freistoß aus 20 Metern verwandeln wollte.

Babette Peter vs Annemieke Kiesel

Die Abwehr von Turbine Potsdam rund um die Chefin Babett Peter hatte die Duisburgerinnen, hier Annemieke Kiesel, meist gut im Griff.

Aber wieder war die junge Turbine-Torhüterin zu Stelle. „Mir war klar, dass das Spiel nur durch einen Fehler des Gegners entschieden werden würde“, so Löwinnen-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg später auf der Pressekonferenz.



Matchwinnerin Linda Bresonik (ganz unten) wurde von ihren Teamkollgeinnen vor Freude fast erdrückt. - Aber Vorsicht: das eigentliche Finale in Köln am 15.05.2010 kommt erst noch :-)

Felix Sarholz

Felix Sarholz bekam heute den Vorzug vor ihrer Teamgefährtin Desiree Schumann, da sie nach Aussage von Trainer Bernd Schröder "beim Frühstück besser aus der Wäsche geschaut hatte"

In der 58. Minute kochten die Gemüter der FCR Fans fast über, als Publikumsliebling Alexandra Popp zum wiederholten Male schwer gefoult wurde und wieder behandelt werden musste. Aber Schiedsrichterin Christine Beck beließ es auch dieses Male bei einer Ermahnung und Viola Odebrecht hatte Glück nicht den gelben Karton zu sehen. Überhaupt war die Unparteiische mehr als sparsam mit den bunten Karten und versuchte nach Möglichkeit den Spielfluss nicht zu unterbrechen, was allerdings bei den Fans beider Vereine auf Unmut stieß.

Alexandra Pop

Alexandra Popp musste in diesem Spiel viel einstecken und wurde damit zum Sinnbild der guten kämpferischen Leistung der Löwinnen.

Linda Bresonik war es schließlich, die das muntere Auf und Ab in der 63. Minute unterbrach. Nach Zuspiel von Grings fasste sich Bresonik ein Herz, rannte kaltschnäuzig quer über den Platz, lies sich weder von Zietz noch anderen Spielerinnen aus der Ruhe bringen und versenkte den, mit links geschossenen, Ball aus knapp 20 Metern ins Netz der Potsdamerinnen.

Linda Bresonik vs Jennifer Zietz

Linda Bresonik war auf ihrem Weg zum Tor von niemandem aufzuhalten, auch nicht von Potsdams Kapitänin Jennifer Zietz

Von nun an beherrschten die Löwinnen die Partie und die Brandenburgerinnen mussten die Schlagzahl erhöhen, wollten sie noch den Ausgleich erzielen. Aber Potsdam war heute selbst sein eigener Gegner und konnte keine Akzente setzen. Duisburg verteidigte gekonnt die Führung, während den Gästen die Zeit davon lief.

Corinna Schröder vs Eunice Beckmann

Die einwechselte Eunice Bechmann (Torschützin beim Bundesligaduell der beiden Vereine vor eineinhalb Wochen) hier im Laufduell gegen die Ex- Duisburgerin Corinna Schröder.

In der 84. Minute versuchte es Schröder noch einmal mit einem Schuss aus dem Rückraum, doch auch dieser brachte nicht den gewünschten Erfolg.


Die letzten Minuten dieser spannenden Partie waren schließlich mehr durch taktische Tricks geprägt als durch spielerische Szenen.

Besonders spielfreudig zeigte sich wieder einmal die junge Luisa Wensing, die ein enormes läuferisches Pensum vollbrachte. Die Löwinnen brachten den Sieg über die Zeit und Potsdam kann sich nun bereits auf nächste Woche freuen, wenn die beiden Teams wieder aufeinander treffen, dann allerdings im Champions League Halbfinale. Die Zuschauer wird es freuen, denn Spiele dieser beiden Teams sind immer schnell und mit einer speziellen Mischung Brisanz behaftet.

Kozue Ando vs Viola Odebrecht

Kozue Ando, eine von zwei Japanerinnen auf dem Platz, hier gegen Viola Odebrecht, wirkte heute etwas müde und wurde deshalb in der zweiten Halbzeit von Martina Voss- Tecklenburg ausgewechselt.

Turbine Coach Bernd Schröder zeigte sich als fairer Verlierer in dieser Partie. „Gratulation an Duisburg! Wir haben es einfach nicht fertig gebracht ein Tor zu schießen, was lange bei uns nicht vorgekommen ist. Dieses Mal war Duisburg wesentlich besser aufgestellt, besonders im Mittelfeld. Die Willensstärke, die ich von meiner Mannschaft erwartet hatte, lag dieses Mal eindeutig beim Gegner. Diese Einstellung hätte ich mir von meiner Mannschaft gewünscht.“, so ein gefasster Coach.

Martina Voss-Tecklenburg schien sichtlich erleichtert. „Wir waren heute das aktivere Team, allerdings war Potsdam bei Standardsituationen wesentlich gefährlicher als wir. Als es nach 28 Minuten immer noch kein Tor gab hatte ich schon so meine Bedenken; denn wir wollten ein frühes Tor. Es war ein spannendes Spiel mit viel Aktion, aber wenig Torraumszenen. Aber wir wollten nach Köln und das haben wir heute nun auch geschafft“, so die Trainerin weiter. Ein besonderes Lob sprach die Trainerin allerdings noch Alexandra Popp aus, die trotz diverser Blessuren nicht ausgewechselt werden wollte und so ihren großartigen Charakter und ihre Willenstärke zum Ausdruck brachte”

Im Vordergrund sitzt eine enttäuschte Josephine Henning während dahinter die gesamte Duisburger Mannschaft "Viva Colonia" grölt.

FCR 2001 Duisburg:
Holl – Wensing, Oster (69. Beckmann; 90.+3 Kayikci), Kiesel, Grings, Bresonik, Laudehr, Krahn, Maes, Popp, Ando (69. Ioannidou)

1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz – Peter, Henning, Zietz, Odebrecht, Nagasato (64. Wich), Schröder (86. Draws), Schmidt, Kemme (46. Bajramaj), Keßler, Mittag

Tore:
1:0 Bresonik (63.)

Gelbe Karten: Zietz

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt) mit Christina Jaworek und Nathalie Eisenhardt

Zuschauer: 1.899


Weitere Bilder von Katrin Müller unter:
www.kapixblog.net


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