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DFB-Pokal, Viertelfinale

Löwinnen verspeisen Geißbock-Elf

1. FC Köln - FCR 2001 Duisburg 0:4 (0:1)

Text von Marion Kehren

07.02.2010   Zugegeben, mit Ruhm hat sich die Mannschaft des FCR in der Viertelfinalbegegnung gegen die Frauen vom 1. FC Köln nun wahrlich nicht bekleckert; dennoch reichte eine durchschnittliche Leistung aus, um sich für das Halbfinale zu qualifizieren. „In der ersten Halbzeit haben wir nach dem ersten Tor zu nachlässig gespielt”, ärgerte sich Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Doch lediglich ansatzweise konnten die Kölnerinnen dem amtierenden DFB-Pokal und UEFA-Cup Sieger Paroli bieten.

Aufgrund schlechter Platzverhältnisse war die Nachholpartie im DFB-Pokal vom Heimstadion ins Kölner Südstadion verlegt worden. Aber das tat dem ganzen keinen Abbruch und so fanden, trotz widriger Wetterbedingungen, 1.028 Zuschauer den Weg ins Ausweichquartier.

Hennes VIII

Kölns Maskottchen „Hennes VIII” schien bereits vor dem Spiel nichts Gutes zu ahnen, gegen Ende wurde er förmlich von den Löwinnen verspeist :-)

Bild: Marion Kehren

Der zuletzt arg gebeutelte 1. FC Köln konnte sich freuen; denn bis auf drei Spielerinnen war der Kader wieder vollständig vertreten. Selbst Charline Hartmann (Ermüdungsbruch) meldete sich pünktlich zu dieser Partie gegen ihre ehemaligen Kolleginnen wieder fit.

Das Spiel begann auf beiden Seiten relativ zurückhaltend und dümpelte vor sich hin. Nach einem Abseitstor von Inka Grings hatte Femke Maes in der 8. Minute die bis dato größte Chance, als sie aus kürzester Distanz aufs gegnerische Tor zielte und dabei Torhüterin Kathrin Wojtasik traf. Die Keeperin konnte den Ball noch zur Ecke klären. Der anschließende Eckstoß landete mitten im Strafraum in einem Gewirr von zehn oder mehr Spielerinnen. Weder schaffte Köln den Befreiungsschlag noch Duisburg das Tor... bis die Kugel vor den Füßen von Nationalspielerin Annike Krahn landete. Diese machte kurzen Prozess und zimmerte den Ball zur 0:1 Führung ins linke untere Eck.

Bilgin Defterli vs. Linda Bresonik

Kölns Stürmerin Bilgin Defterli scheiterte spätestens an der guten Duisburger Abwehr, hier mit Linda Bresonik, die auch den Luftkampf für sich entscheidet

Bild: Katrin Müller

Köln, mit gleich fünf Ex-Duisburgerinnen in ihren Reihen, ließ sich nicht beirren. Doch hatten die Spielerinnen merklich Probleme, sich gegen den namhaften Gegner durchzusetzen. So war für Kölns Stürmerin Bilgin Defterli spätestens an der gegnerischen Abwehr Schluss. Überhaupt konnte sich die Führende in der Torschützenliste der 2. Bundesliga-Süd nicht richtig in Szene setzen, zu oft war sie im Angriff auf sich alleine gestellt.

Bilgin Defterli

Bilgin Defterli hatte am heutigen Tage kaum Unterstützung ihrer Mannschaft und war stehts alleine auf weiter Flur

Bild: Katrin Müller


Femke Maes vs. Romina Frommont und Yvonne Zielinski

Selbst zwei Kölnerinnen (Romina Frommont, Yvonne Zielinski) konnten den „Belgien-Express” nicht aufhalten - Femke Maes war am heutigen Tage kaum zu stoppen

Bild: Sandra Kunschke

Die Löwinnen mühten sich redlich und hatten in der 1. Halbzeit eine Vielzahl von Tormöglichkeiten, die durch die hervorragende Kölner Abwehr und durch Torhüterin Kathrin Wojtasik vereitelt oder durch die eigene Unkonzentriertheit zunichte gemacht wurden. In der 35. Minute entwickelte der FC den bis dato besten Angriff, als Nicole Bender aus knapp 25 Metern knapp am gegnerischen Tor vorbei zielte. Es war wie ein Weckruf; denn danach verstärkten die Domstädterinnen ihre Angriffsbemühungen, aber weder Charline Hartmann noch Yvonne Zielinski konnten diese erfolgreich abschließen.

Annike Krahn vs. Bilgin Defterli

Wird „Auf-Allen-Vieren-Krabbeln” im Frauenfußball jetzt olympisch? – Oder ist es doch die Kennzeichnung eines eher durchwachsenden Spieles? Hier Annike Krahn zusammen mit Bilgin Defterli

Bild: Marion Kehren

Nach der Halbzeit zeigte sich das gleiche Bild. Der FCR tat sich weiter recht schwer und Köln mühte sich redlich. Einen besonders guten Tag schien heute Femke Maes erwischt zu haben. Die flinke Belgierin ackerte und rackerte und krönte ihre Leistung mit dem 0:2 in der 64. Minute, als sie sich eine undurchsichtige Situation zu eigen machte und den Ball aus knapp 18 Metern im gegnerischen Tor unterbrachte. Die größte Chance zum Anschlusstreffer hatte im Gegenzug Hartmann auf dem Kopf, als diese ungehindert vor dem Tor von Uschi Holl auftauchte, ihr aber den Ball direkt in die Arme köpfte.

Mit einer kleinen Umstrukturierung und der Einwechslung des japanischen Wintereinkaufes Kozue Ando erhöhte Duisburg nun merklich den Druck und Köln hatte sichtlich Probleme das Tempo mitzugehen. So klingelte es in der 74. Minute ein weiteres Mal im Netz der Domstädterinnen. Nach einer schulbuchmäßigen Hereingabe von Jennifer Oster über rechts vollendete Grings volley zum 0:3.

Die Partie schien zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, auch wenn Patricia Hannebeck noch einmal eine gute Möglichkeit zur Ergebniskorrektur hatte. Aber fünf Minuten vor Schluss bereitete Ando den mitgereisten Duisburger Fans noch eine besondere Freude als diese, nach schöner Vorarbeit von Oster, per Kopf zum 0:4 Endstand traf und somit in ihrem ersten Pflichtspiel für Duisburg ihr erstes Tor schoss.

Kozue Ando

Der japanische Neueinkauf in Reihen der Duisburgerinnen Kozue Ando krönte ihren ersten Einsatz direkt mit einem Tor

Bild: Sandra Kunschke


So bilanzierte die FCR- Trainerin auch nach der Partie: „Nach der Pause war unser Spiel wieder besser. Köln konnte unser Tempo nicht mehr mitgehen und so bekamen wir auch die Räume, um die weiteren Tore zu erzielen. Ich freue mich, dass wir nun im Halbfinale sind, das war unser Ziel und das haben wir nun geschafft.”

Simone Laudehr gegen Charline Hartmann

Kampf zweier Ex-Kolleginnen: Simone Laudehr gegen Charline Hartmann

Bild: Katrin Müller

Kölns Trainer Klaus Schmischke zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft ganz zufrieden. „Duisburg war der erwartet starke Gegner, auch wenn der Sieg um mindestens ein Tor zu hoch ausfällt. Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft und nicht aufgegeben.”

DFB-Pokal

Der neue DFB-Pokal wird erstmals in Köln vergeben werden. Der - sicher nur ganz kleine - Traum des Zweitligisten 1. FC Köln, dabei selber im Endspiel zu stehen, ist allerdings vorbei

Bild: Katrin Müller



1. FC Köln:
Wojtasik – Frommont, Kasperczyk, Bender, Lenz, Renner, Hanebeck, Defterli (74. Tekkal), Hartmann, Fuss, Zielinski

FCR 2001 Duisburg:
Holl – van Bonn (51. Prießen), Hauer (60. Hegering), Oster, Kiesel (71. Ando), Grings, Bresonik. Laudehr, Krahn, Maes, Popp

Tore:
0:1 Krahn (10.)
0:2 Maes (64.)
0:3 Grings (74.)
0:4 Ando (85.)

Gelbe Karten: Kasperczyk, Bender, Hartmann

Schiedsrichterin: Dr. Hussein Riem (Bad Harzburg)
mit Marija Kurtes und Swinde Wiederhold

Zuschauer: 1.028



Weitere Bilder von Katrin Müller unter:
www.kapixblog.net


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