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DFB-Pokalfinale

FCR Duisburg krönt Saison

FCR 2001 Duisburg - FF USV Jena 1:0 (0:0)

Text und Bilder von Tom Schlimme

16.05.2010   Der FCR 2001 Duisburg ist alter und neuer DFB-Pokalsieger und krönt damit seine gute Saison neben der Champions League Qualifikation auch mit einem Titel. In einem nicht ganz hochklassigen Finale gewannen die Duisburgerinnen gegen den FF USV Jena mit 1:0. Ein Sieg, der um ein, zwei Tore zu niedrig ausgefallen ist.

Gewonnen hatte vor dem Spiel schon einmal der Frauenfußball in Deutschland. Die Entscheidung, das gemeinsame Pokalfinale in Berlin mit den Männern aufzugeben, hat sich als goldrichtig herausgestellt. Während in Berlin beim Anpfiff der Frauenfinalspiele meist nur ca. 2000 Leute im riesigen Stadion waren, sorgte in Köln eine Rekordkulisse von, wie im Laufe der zweiten Halbzeit unter großem Jubel bekannt gegeben wurde, 26.282 Zuschauern von Anfang an für Stimmung und eine einem Finalspiel würdige Atmosphäre.

Zuschauer

26.282 Zuschauer - und alle waren allein wegen der Frauen gekommen! Die Stimmung im Stadion war mit der tristen Atmosphäre beim Frauenfinale in Berlin vor einem Jahr überhaupt nicht zu vergleichen

Das Spiel selber litt dann etwas darunter, dass die Gegner nicht auf Augenhöhe standen. Dies muss man einfach konstatieren, ohne dadurch das Team von Jena, das eine ordentliche Leistung bot, irgendwie herab würdigen zu wollen. Der Vizemeister und Pokalverteidiger Duisburg mit vielen Nationalspielerinnen auf der einen Seite stand einem Team aus Jena gegenüber, welches gerade seine zweite Saison in der ersten Liga auf dem achten Platz abgeschlossen hat. So ist dann auch die defensive Taktik, die Trainerin Heidi Vater ihrem Team verordnet hatte, nur allzu verständlich und legitim, auch wenn dadurch eine Einseitigkeit im Spiel aufkam, die der Qualität der Begegnung nicht gut tat.

Duisburg legte los wie die Feuerwehr und kam schon in den ersten fünf Minuten zu drei guten Chancen. Erst setze sich Simone Laudehr links durch, scheiterte aber an Jana Burmeister im Tor von Jena. Dann flankte Jennifer Oster von rechts gefährlich, doch keine Mitspielerin erwischte den Ball. Nur eine Minute später kam wieder Oster, die sich auf ihrer rechten Seite nicht nur in der Anfangsphase oft durchsetzte, zu einer weiteren guten Flanke, Alexandra Popp kam zum Schuss, doch Burmeister wehrte ganz knapp am Pfosten vorbei noch zur Ecke ab. Diese brachte dann die nächste Gelegenheit für Duisburg, diesmal war Burmeister schon geschlagen, doch hinter ihr stand noch Kathleen Radtke und konnte klären.

Chance Inka Grings
Chance Inka Grings
Chance Inka Grings
Chance Inka Grings

Diese Szene war typisch für das ganze Spiel: Inka Grings kommt gegen Julia Arnold zu einem wuchtigen Kopfball, doch Jenas Keeperin Jana Burmeister erwischt den Ball mit einer Hand so gerade eben und kann ihn an die Latte lenken

Nach zehn Minuten hatte Jena dann den ersten großen Ansturm überstanden, auch wenn das Spiel weiter einseitig blieb. In der 14. Minute war dann Jena sogar erstmals im FCR-Strafraum, Annike Krahn hatte eigentlich schon gegen Sylvia Arnold geklärt, doch diese eroberte sich den Ball zurück, gab ihn weiter zu ihrer Sturmpartnerin Genoveva Anonma, doch Linda Bresonik ging rechtzeitig dazwischen, bevor überhaupt ernsthafte Gefahr aufkommen konnte. Anonma und Sylvia Arnold waren vorne meist allein auf weiter Flur, ihre Mitspielerinnen rückten, wenn der Ball überhaupt einmal vorne bei den Spitzen


FCR Duisburg Pokalsieger

Da war es geschafft: DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg und FCR-Kapitänin Inka Grings stemmen gemeinsam den 11 Kilogramm schweren Pokal in die Höhe

war, zu wenig nach, so dass die beiden technisch durchaus starken Jenaer Stürmerinnen gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Duisburger Abwehrspielerinnen hoffnungslos unterlegen waren.

So gab es echte Chancen nur vor dem Tor von Jena. In der 18. senkte sich ein Kopfball von Bresonik gefährlich auf das Tor, in der 25. klärte Radtke in höchster Not mit dem Kopf bei einer Flanke von der linken FCR-Seite, die ansonsten zwei freie Duisburger Stürmerinnen erreicht hätte. Dann verunglückte eine Kopfballabwehr von Marlyse Ngo Ndoumbouk etwas, indem sie im Strafraum in die Nähe des Elfmeterpunkts köpfte, wo Femke Maes an den Ball kam und sofort abzog, aber Jana Burmeister, die, wie später viele sagten, das Spiel ihres Lebens machte, vereitelte auch diese eigentlich 100%ige Chance.

Tor Annike Krahn
Tor Annike Krahn
Tor Annike Krahn
Tor Annike Krahn

Das Tor des Tages: Alexandra Popp flankt von links, Annike Krahn verwandelt mit dem Kopf

So auch in der 38. Minute, als Burmeister eine Kopfballgranate von Inka Grings aus kürzester Entfernung irgendwie noch mit einer Hand erwischte und an die Latte lenkte. Als Burmeister dann in der 45. Minute noch mal gegen Grings parierte, war klar, dass es torlos in die Pause gehen würde nach einer Halbzeit, in der Duisburg eigentlich mindestens drei Tore hätte schießen müssen.

Das erlösende 1:0 fiel dann nach sechs Minuten in der zweiten Halbzeit. Nach einem Freistoß kam Popp zum Flanken, und Abwehrspielerin Krahn, die sich beim Standard nach vorne geschlichen hatte, gelang, was ihren Stürmerinnen heute nicht gelingen sollte, sie bekam den Kopf so perfekt an den Ball, dass selbst Burmeister ohne jede Chance war. Das Tor hätte dem gesamten Spiel gut tun können, aber Jena blieb bei der defensiven Grundeinstellung, wurde nur minimal offensiver.

Genoveva Anonma

Wenn eine der beiden Jeaner Stürmerinnen, hier ist es Genoveva Anonma, einmal am Ball war, waren meist gleich drei Duisburgerinnen in der Nähe

So blieb die Partie so einseitig, dass trotz des knappen Spielstandes die ganz große Spannung ausblieb. Die Frage war eher, ob Duisburg noch weitere Tore gelingen würden, als das man Jena den Ausgleich zutrauen konnte. Dazu waren die wenigen Jenaer Angriffe einfach zu


ungefährlich. Meist endete es mit schwachen Schüsschen von Anonma, die die fast beschäftigungslose Ursula Holl vor keine Probleme stellen konnten, oder Anna Höfer, die zweimal die Gelegenheit zum Fernschuss hatte, zielte deutlich über das Duisburger Tor.

Die Duisburgerinnen dagegen brachten es fertig, in den letzten Minuten noch eine gute Handvoll hochkarätiger Chancen zu versemmeln. Zweimal noch gingen Bälle an die Latte des Jenaer Tores, einmal durch Grings nach schöner Vorarbeit von Laudehr, dann lenkte Burmeister einen Schuss von Maes sensationell noch an die Latte, um wenig später gegen Grings aus drei Metern handballtorwartmäßig zu parieren. Burmeister zeigte sich auch im Herauslaufen stark, holte der eingewechselten Kozue Ando den Ball klasse vom Fuß und hielt bis zum Schluss einfach alles, was auf ihr Tor kam.

Jana Burmeister hält
Jana Burmeister hält
Jana Burmeister hält

Jana Burmeister hält und hält und hält: oben gegen Kozue Ando, Bild mitte Fußabwehr gegen Inka Grings, unten auch bei hohen Bällen sicher

Dass solch knappe Ergebnisse immer eine wacklige Sache sind, zeigte dann die Nachspielzeit, in der Jena noch zwei Eckbälle herausholte, die nicht ungefährlich ausgeführt wurden. Doch es hätte den Spielverlauf völlig auf den Kopf gestellt, wenn Jena hier noch der Ausgleich gelungen wäre, und es blieb dann auch nach 90+3 Minuten beim knappen Duisburger Sieg.

Chance Jena

Dieser Eckball kurz vor Schluss brachte noch einmal Gefahr für das Duisburger Tor. In dieser Sekunde hätte der Spielverlauf auf den Kopf gestellt werden können!

FCR 2001 Duisburg:
Holl - Wensing, Bresonik, Krahn, Popp - Oster (63. Knaak), Kiesel (57. Ando), Hegering, Laudehr - Maes, Grings

FF USV Jena:
Burmeister - Höfer, J. Arnold, Radtke, Milde - Ngo Ndoumbouk, Utes, Hartmann, Seiler (69. Schmutzler) - S. Arnold, Anonma

Tore:
1:0 Krahn (51.)

Gelbe Karten: Ando / Ngo Ndoumbouk, Höfer, Radtke

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg)
mit Inka Müller und Miriam Dietz

Zuschauer: 26.282


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