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DFB-Pokal, Achtelfinale

Wolfsburg fegt über die Bayern ins Viertelfinale

FC Bayern München – VfL Wolfsburg 1:3 (1:1)

Text und Bilder von Sascha Pfeiler

15.11.2009   So mancher Fan des FC Bayern München wird die vergangenen fünf Tage sicher gerne aus dem Kalender streichen wollen. Zuerst das bittere Aus in der neu gegründeten Women´s Champions League gegen Montpellier am Mittwoch und jetzt auch noch das Ende im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg. Martina Müller traf im Aschheimer Sportpark gleich 3-mal ins Tor der Bayern und öffnete damit für ihre Mannschaft die Türe in die Runde der letzten Acht.

Wolfsburg gegen Bayern? Da war doch was - denn schon vor wenigen Wochen, um genau zu sein am 6. Spieltag der laufenden Saison, konnten die Wölfinnen die Bayern mit 4:0 bezwingen. Auch damals hatte Martina Müller mit ihren zwei Toren einen entscheidenden Anteil am souveränen Sieg. Bayern-Trainer Günther Wörle warnte deshalb seine Spielerinnen vor der Pokalbegegnung vor der Wolfsburger Ausnahmestürmerin. Wörle vor dem Spiel: „Voraussetzung für einen Erfolg am Sonntag ist, dass wir Martina Müller und Selina Wagner in den Griff bekommen und ausschalten können.” Das gelang nur selten, wie der Blick auf die Torschützen zeigt.

Schweigeminute für Robert Enke

Wie auf den anderen Plätzen, wurde auch in München in einer Schweigeminute des verstorbenen Robert Enke gedacht

München mit zwei Änderungen in der Aufstellung im Vergleich zum Spiel gegen Montpellier. Ulrike Schmetz stand für Kathrin Längert zwischen den Pfosten und Stefanie Mirlach ersetzte die verletzte Vanessa Bürki (Innenbandriss im linken Sprunkgelenk).

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann setzte auf ein starkes 5er-Mittelfeld mit Martina Müller als einziger Stürmerin. So sollte das kontrollierte Aufbauspiel der Bayern über Spielmacherin Julia Simic schon im Ansatz zerstört werden. Das Konzept ging komplett auf, denn die Münchnerinnen kamen über den gesamten Spielverlauf kaum zu zwingenden Chancen. Aber eins nach dem anderen:

Sandra De Pol vs. Martina Müller

Hier kann Sandra De Pol den Ball vor Martina Müller wegköpfen

In der 15. Minute setzte sich Martina Müller leicht abseitsverdächtig zum ersten Mal gegen die Bayernabwehr durch und vollstreckte eiskalt zum 0:1 - keine Chance für Torfrau Ulrike Schmetz. Bayern München sichtlich geschockt vom Rückstand, bemühte sich eine halbe Stunde lang, ohne zündende Idee, um den Ausgleich. Die kräfteraubenden 120 Minuten in der Champions League vergangenen Mittwoch steckten den Spielerinnen wohl noch in den Knochen. Nur so ist die auffällig hohe Fehlpassquote der Vizemeisterinnen zu erklären. Günther Wörle schickte bereits nach 35 Minuten die Ersatzspielerinnen Isabell Bachor und Annika Doppler zum Aufwärmen. Seine Mannschaft verstand das Zeichen, denn zum psychologisch günstigsten Zeitpunkt kurz vor der Pause schlugen die Bayern zu. Stefanie Mirlach kam an der Strafraumgrenze, nach langer


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Riesengroßer Jubel bei den Wolfsburgerinnen nach dem 1:2 durch Martina Müller - ahnten die Spielerinnen da schon, dass sie über den Vizemeister ins Viertelfinale des DFB-Pokals einziehen würden?

Flanke quer über das Feld von Katharina Baunach, an den Ball und lupfte über die Wolfsburger Torfrau Nadine Richter zum Ausgleich.

Nach der Pause das gleiche Bild! Bayern bemüht aber Wolfsburg cleverer. In der 47. Spielminute mogelte sich Martina Müller durch die überraschte Münchener Hintermannschaft und lief alleine auf Ulrike Schmetz zu. Schmetz zögerte beim Herauslaufen und so konnte Müller zur erneuten Führung der Wolfsburger über die Torhüterin ins Tor lupfen. Der VfL übernahm nun das Spiel und tat genau das Richtige. Mit Ballbesitz wollte man die knappe Führung über die Zeit retten.

Isabell Bachor

Nach ihrer Verletzungspause stürmt Isabell Bachor nun wieder - erfreulicher Lichtblick für die ansonsten in den letzten Wochen arg gebeutelten Frauen des FC Bayern

Günther Wörle brachte in der 54. und 72. Minute Bachor und Doppler für Mandy Islacker und Nicole Banecki. So kam auch gleich wieder etwas Schwung ins Bayernspiel. Hervorzuheben ist die Leistung von Nina Aigner, die nach langer Verletzungszeit langsam zu alter Form findet. Die österreichische Nationalspielerin hatte alleine in der zweiten Hälfte drei gute Chancen auf den Ausgleich, doch blieb sie glücklos.

Zum Ende der 90 Minuten wurden die 365 Zuschauer im Sportpark Aschheim an das Rückspiel gegen Montpellier HSC erinnert. Wie auch schon am Mittwoch erkämpften sich die Bayernfrauen in der Schlußphase eine Chance nach der anderen und konnte den VfL regelrecht in der eigenen Hälfte einschnüren. Doch wieder waren die Wolfsburgerinnen die cleverere Elf.

Nina Aigner

Auch Nina Aigner ist wieder dabei und hätte mit etwas Glück das Spiel noch drehen können

Per Konter markierte Martina Müller den Schlußpunkt mit ihrem siebten Tor im laufenden Wettbewerb zum letztlich verdienten 1:3 Auswärtserfolg für die Niedersachsen. Müller nach dem Spiel: „Im Pokal gibt es keine Wiedergutmachung in der nächsten Woche. Wenn man verliert, ist man raus. Wir sind heute über den Kampf zum Sieg gekommen”.


Wolfburg zieht damit ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein und darf auf Losglück hoffen. Denn neben den Favoriten 1.FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und FCR 2001 Duisburg sind mit dem 1.FC Köln und FSV Gütersloh auch zwei Zweitligisten eine Runde weiter. Kurz vor Weihnachten am 20. Dezember wird die vierte Runde ausgetragen und damit das Fußballjahr 2009 beschlossen. Das Endspiel findet am 15. Mai 2010 erstmals „abgekoppelt” vom Männerfinale im Kölner RheinEnergie Stadion statt.

Für die Frauen des FC Bayern München hat sich der Tanz auf drei Hochzeiten innerhalb von nur fünf Tagen in eine „normale Bundesligasaison” verwandelt. Trainer Wörle nach dem Spiel: „Unser Substanzverlust nach fünf Spielen in nur 15 Tagen war einfach zu groß. Bis zur Winterpause müssen wir nun in der Liga punkten, um vorne dran zu bleiben.”

Martina Müller

Martina Müller nach dem Spiel im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen




FC Bayern München:
Schmetz - Baunach, Rech, Wenninger, de Pol, T.Wörle, Aigner, Mirlach, Simic, Islacker (54. Bachor), N.Banecki (72. Doppler)

VfL Wolfsburg:
Richter - Brendel (69. Chandraratne / 88. Marxkord), Ende (58. Tetzlaff), Smith, Wilkens, Wagner, Bunte, Bock, Nokso-Koivisto, Müller, Omilade

Tore:
0:1 Müller (15.)
1:1 Mirlach (44.)
1:2 Müller (47.)
1:3 Müller (90.)

Gelbe Karten: Rech

Schiedsrichterin:Katrin Rafalski (Bad Zwesten)

Zuschauer: 365



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www.girlsplay.de


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