DFB-Pokal 2009, FinaleAbschied aus Berlin mit Rekordsieg1. FFC Turbine Potsdam - FCR 2001 Duisburg 0:7 (0:5) | ||
Text und Bilder von Tom Schlimme 31.05.2009 Mit 7:0 ist noch keines der bisherigen Frauenfinale im DFB-Pokal beendet worden. Spielerinnen, Verantwortliche und Fans des FCR Duisburgs können sich nun nicht nur über den zweiten Titel in diesem Jahr freuen, sondern auch in dem Bewußtsein feiern, einen historischen Schlusspunkt gesetzt zu haben. Dabei erschien es vor dem Spiel, als sei ein knappes Ergebnis zu erwarten. Man konnte zwar von vielen Toren ausgehen, zumal beide Trainer eine offensive Ausrichtung ihres Teams angekündigt hatten. Zuletzt hatte Potsdam in Duisburg in der Liga einen 3:0 Auswärtssieg eingefahren, Duisburg kam dafür mit dem Selbstvertrauen aus dem UEFA-Cup nach Berlin, beide Teams wurden im Vorfeld häufig als die „spielstärksten der Liga” bezeichnet (wobei mir nicht gefällt, dass hier offensichtlich die Bayern vergessen werden). Ein Ausgang der Partie war also vor dem Spiel kaum abzuschätzen. Dass es dann aber so krass werden würde und die vielen Tore nur auf einer Seite fallen würden, überraschte alle, auch die Duisburgerinnen. ![]() Beide haben eine sehr gute Rückrunde gespielt, doch heute war der Erfolg nur einer beschieden: die Duisburgerin Femke Maes (links) und die Potsdamerin Babett Peter Das Spiel begann sehr ausgeglichen, Duisburg hatte zu Beginn leichte Vorteile, doch Turbinenkeeperin Desiree Schumann entschärfte aufmerksam im Herauslaufen eine Chance für Inka Grings, die nach Steilpass in den Strafraum vor ihr auftauchte. Dann konnte Schumann einen Schuss von Femke Maes nur abklatschen, doch Grings kam nicht an den Abpraller heran. Beide Mannschaften setzten sich durch frühes Stören gegenseitig unter Druck, das Spiel wirkte zu Beginn ziemlich zerfahren, beiden Teams war auch eine gewisse Nervosität anzumerken. Etwa nach einer Viertelstunde wurden dann aber die Turbinen stärker. Potsdams norwegische Nationalspielerin Leni Larsen Kaurin flankte von rechts, Duisburgs Abwehrchefin Annike Krahn legte eine Flugkopfballeinlage hin, verfehlte aber das Leder, das dann durch den leeren Strafraum ins Aus ging. Hätte „Torbine” Anja Mittag hier nur ein kleines Stück weiter vorne gestanden und diesen Ball erreicht... Eine Minute später dann eine krasse Abseitsfehlentscheidung gegen Larsen Kaurin, die im Moment der Ballabgabe zwei Meter hinter einer Duisburgerin war, wie die Fernsehbilder belegen. Doch eine Fehlentscheidung auf der anderen Seite sorgte noch in der selben Minute für Gleichstand auch auf auf diesem Feld: Keeperin Schumann nahm einen Ball auf, den Babett Peter ihr bedrängt von Grings gerade noch zuspitzeln konnte - normalerweise ein Rückpass. Doch insgesamt machte das Schiedsrichergespann um Martina Storch-Schäfer kaum Fehler und entschied knifflige Situationen richtig, die spielentscheidend hätten sein können, wie die folgende: ![]() Dieser Kopfball von Babett Peter ging nur an den Pfosten, von wo er die Torlinie entlang zum zweiten Pfosten sprang. Haarscharf nur waren hier die Turbinen vom Führungstreffer entfernt! In der 18. Minute brachte Anja Mittag einen Freistoß hoch in den Duisburger Strafraum, wo Babett Peter am höchsten stieg und das Leder mit Wucht auf´s Tor köpfte. Der Ball prallte vom linken Pfosten entlang der Torlinie bis zum rechten Pfosten und sprang von dort in die Arme von Keeperin Kathrin Längert. Die Schiedsrichterinnen entschieden auf Weiterspielen und lagen damit richtig: in der Zeitlupe ist gut zu sehen, dass der Ball die Torlinie nie in vollem Umfang überschritt, auch wenn er zwischendurch schon mehr im Tor als außerhalb war. Eine haarscharfe Entscheidung und eine echte Leistung, das im Spiel richtig gesehen zu haben! |
Die Spielerinnen des FCR Duisburg holten den DFB-Pokal 2009 - und das gleich noch mit neuem Torrekord! | |
In dieser besten Viertelstunde des Potsdamer Teams verlagerte sich das Spiel ziemlich einseitig in Richtung Duisburger Strafraum, richtig gute Torgelegenheiten außer der genannten entstanden daraus aber nicht. Dann jedoch in der 28. Minute fiel etwas gegen den Spielverlauf der erste Duisburger Treffer:
Die Duisburger Führung: Simone Laudehr, steil angespielt von Annemieke Kiesel, kam von links zu einer hohen Flanke (Bild oben), Babett Peter (mittlere Bilder mit der Nr. 4) versuchte den Ball wegzuköpfen, verschätzte sich aber und verpasste, so dass die freistehende Lira Bajramaj (Nr. 23) ihn mit einem Klasseschuss direkt nehmen und ins Tor befördern konnte Von diesem Moment an war Duisburg wieder etwas stärker, wobei die Partie aber noch völlig offen war. Eine verunglückte Flanke von Mittag brachte Gefahr für das Duisburger Tor, konnte aber von Keeperin Längert noch mit einer Hand über die Latte befördert werden. Letztlich fehlte bei Potsdam die Effektivität, die bei Duisburg vorhanden war:
Kurioserweise war es Lira Bajramaj, die nächste Saison nach Potsdam wechseln wird, die das erste Duisburger Tor selbst schoss und das zweite in dieser Szene vorbereitete. Mit gutem Auge sah sie, dass ihr der Weg zum Tor durch Potsdamer Spielerinnen versperrt war und legte den Ball nach hinten in den Lauf der heraneilenden Annemieke Kiesel (nicht im Bild) auf. Gegen deren Schuss war Potsdams Keeperin Desiree Schumann dann machtlos |
Noch immer blieb das Spiel offen und Potsdam gefährlich, Mittag setzte sich im Strafraum durch, ließ Krahn aussteigen und schoss aus halber Drehung, doch über das Tor. Bis zum Halbzeitpfiff waren eigentlich beide Abwehrreihen recht stabil geblieben, doch Duisburg hatte aus zwei guten Chancen zwei Tore gemacht. Nach der Pause ging es dann gleich so weiter:
Femke Maes (nicht im Bild) konnte bedrängt von zwei Gegenspielerinnen den Ball klasse abschirmen und zur erneut heranlaufenden Annemieke Kiesel (Nr 8) weitergeben, die ließ Jennifer Zietz (Nr.14) neben sich stehen und traf zum jetzt doch vorentscheidenden 3:0 Gegen eine zusammenbrechende Potsdamer Mannschaft folgten noch zwei schnelle Tore: Erst setzte sich Grings gegen zwei Gegenspielerinnen durch, ihr Schuss wurde von Schumann nur zu Maes abgeklatscht, die ihs leere Tor einschob, dann tankte sich Grings an der Strafraumgrenze durch die Potsdamer Abwehr und spitzelte den Ball mit einem wunderschönen Schuss ins Eck. Das Spiel war längst entschieden, es ging noch darum, ob der alte Torrekord in einem Pokalfinale der Frauen, aufgestellt von Duisburg gegen den FSV Frankfurt (6:2) geknackt werden würde, und ob Potsdam wenigstens ein Ehrentreffer gelingen würde. Die Chance zum Potsdamer Tor hatte die eingewechselte Jessica Wich in der 68. Minute, doch nach hoher Flanke von rechts nahm sie den Ball völlig freistehend gut an, zielte aber deutlich am Tor vorbei. So ein Ding muss eigentlich drin sein! Es folgte ein heftiger Gewitterregen, die Spielerinnen und Schiedsrichterinnen ließen sich aber bewundernswerterweise kaum beeindrucken. Ganz zum Schluss erst fielen dann die letzten beiden Tore. Inka Grings, schön von der eingewechselten Jennifer Oster angespielt, zum 6:0 und Alexandra Popp mit einem Kopfball in der 90. Minute aus kurzer Entfernung, das war dann auch der neue Torrekord (höchster Sieg) im Berliner Pokalfinale. Schade, dass nicht mehr Zuschauer live vor Ort das gute Spiel und die schönen Tore gesehen haben! Um es noch mal klar zu sagen, das Spiel war nicht so einseitig, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Doch mehr Meinung und Stellungnahmen zum Abschied von Berlin im zweiten Teil, Stimmen zum Spiel.
1. FFC Turbine Potsdam:
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