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DFB-Pokal, 2. Runde

Herford gerät ins Schwimmen

SG Essen-Schönebeck - Herforder SV 4:1 (1:1)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

19.10.2008

Die SG Essen-Schönebeck steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Ruhrpöttlerinnen besiegten im Duell der personell geschwächten Bundesligisten den Herforder SV mit 4:1. Beide Mannschaften mussten auf ihre jeweiligen Spielmacherinnen verzichten, was der Qualität der Partie von Beginn an anzumerken war.

Essens Melanie Hoffmann, die vor drei Wochen in der Bundesliga gegen Herford drei Tore geschossen hatte, musste mit Rückenproblemen pausieren, auf Herforder Seite wurde die an einem Bänderriss leidende Kerstin Nolte schmerzlich vermisst. „Ich habe selten einen so leeren Spielberichtsbogen gesehen“, so das Fazit von Herfords Trainer Björn Kenter beim Betrachten der Aufstellungen. Neben ihm auf der Bank saßen gerade vier Ersatzspielerinnen, sein Gegenüber Ralf Agolli musste gar mit dreien auskommen.

Ein Tor vorbereitet, eines selbst erzielt: Neuzugang Daniela Löwenberg ist in Essen eine feste Größe geworden.

Dabei begannen die Gäste, die die letzte Partie gegen die SGS zu Hause mit 0:4 verloren hatten, mit wesentlich mehr Einsatz als vor drei Wochen. „Die erste Halbzeit war gar nicht so schlecht“, bilanzierte Kenter, dem jedoch bei der Abwehrleistung seiner Mannschaft das ein oder andere Mal der Atem stockte. In der Defensivabteilung fehlten dem Bundesligaaufsteiger mit Claudia Bujna und Susanne Werner zwei Stammkräfte, deren Ausfälle nicht zu kompensieren waren. Am besten wussten dies Stefanie Weichelt und Daniela Löwenberg auszunutzen, die über die rechte Seite immer wieder Wege und Freiräume fanden. „Uns hat die Kreativität gefehlt“, bemängelte Agolli jedoch. Denn auch wenn die Abwehr der Herforderinnen teilweise regelrecht ins Schwimmen geriet, wie Kenter selbstkritisch einräumte, konnten die Gastgeberinnen dies nicht ausnutzen. Zu festgefahren waren die Versuche über die rechte Seite, bei denen zumeist der entscheidende Pass nicht ankam, zu einfallslos die vielen langen Bälle, die keinen Abnehmer fanden.


Wenn Stefanie Weichelt (l.) antrat, hatte der Herforder SV um Fiona Rolfs alle Mühe zu folgen.

Da das Spiel nach vorne der Herforderinnen jedoch ein wenig besser funktionierte als die Abwehrarbeit, konnten die Gäste immer wieder Entlastungsangriffe starten. In der 32. Minute war einer dieser Angriffe erfolgreich. Nach Flanke von Yvonne Hansmeier verwandelte Marie Pollmann zum 0:1 – das erste Tor der U20-Nationalspielerin in der laufenden Saison. Die Freude der Gäste hielt jedoch nicht lange. Nur drei Minuten später erzielte Sandra Deilmann den Ausgleich, die Vorarbeit leistete Daniela Löwenberg – wieder war es die rechte Seite, über die die Essenerinnen die Freiräume gefunden hatten.

Mit dem 1:1 ging es in die Halbzeitpause. Während Kenter mit dem Spiel bis dato nicht unzufrieden war, wurde Agolli in der Kabine nach eigenen Angaben etwas lauter. Die Ansprache bei seinen Spielerinnen muss angekommen sein, die SGS gewann in der zweiten Hälfte mehr und mehr die Oberhand. Insbesondere Susanne Kasperczyk drehte auf und nahm das Heft in die Hand, wofür ihr Trainer nur das Prädikat „überragend“ fand. Ein eigener Treffer sollte Kasperczyk nicht gelingen, doch die Mittelfeldspielerin fiel durch Zweikampfstärke, Ballsicherheit und das intelligente Verteilen der Bälle auf – alles Eigenschaften, die man auf Herforder Seite zunehmend vermisste.

Ausgelassener Jubel: der Betreuerstab der SGS feiert Yougster Sofia Nati

60 bis 70 Minuten habe seine Mannschaft mithalten können, so Kenter, dann sei Essen spielbestimmend gewesen. „Wir konnten die Bälle nicht halten und sind


dadurch viele Wege umsonst gelaufen.“ Das Genick wurde seiner Mannschaft schließlich mit einen Doppelschlag binnen einer Minute gebrochen. Zunächst erzielte Carina Chojnacki per Freistoß in der 77. Minute das 2:1, dann legte die erst 15-jährige Sofia Nati mit einem Heber nach. Im HSV-Spiel fehlte es danach an Bewegung, die Spielerinnen rückten nicht nach, die Zuspiele waren zu ungenau. Daher war es Löwenberg, die den Schlusspunkt setzen konnte und in der 88. Minute noch das 4:1 für die Gastgeberinnen erzielte.

Ein schönes Spiel hätten die Zuschauer bestimmt nicht gesehen, so Agolli, „aber wir sind eine Runde weiter – das zählt.“ Und auch wenn jede Niederlage schmerzt, hat das Ausscheiden im Pokal für Herford zumindest den Vorteil, sich nun allein auf die Bundesliga und den Klassenerhalt konzentrieren zu können. Die Verletztenliste umfasst derzeit vier Stammspielerinnen, Claudia Bujna wird mit Kreuzbandriss gar mehrere Monate ausfallen.

Statistik

Essen
Weiß, Himmighofen, Kasperczyk, Chojnacki, Löwenberg, Duhme, Weber, Mpalaskas, Deilmann (80. Dörpinghaus), Weichelt, Hamann (66. Nati)

Herford
Speckmann, Schlottmann, Stegemann, Schulte, Lühr, Hansmeier, Lenz, Mittendorf, Hölscher, Pollmann, Rolfs

Tore
0:1 Pollmann (32.)
1:1 Deilmann (35.)
2:1 Chojnacki (77.)
3:1 Nati (78.)
4:1 Löwenberg (88.)

Gelb
Hölscher, Schlottmann

Schiedsrichterin
Marina Wozniak (Herne)

Zuschauer: 342

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