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DFB-Pokal, 2. Hauptrunde

Bayern beendet FFC-Serie

FC Bayern München - 1. FFC Frankfurt 1:0 (0:0)

Text von Cathrin Ruppert
Bilder von Karin Dorsch und ViolA

20.10.2008   Der Tag versprach Großes. Entweder siegen die Bayern-Frauen auch im dritten Spiel gegen den FFC oder die Hessinnen finden zurück auf die Erfolgsspur, besiegen den aktuellen Bundesliga-Tabellenführer und fahren womöglich zum elften Mal in Folge zum Finale nach Berlin. Entsprechend motiviert waren beide Teams als sie auf den Platz einliefen und um kurz nach 11 Uhr das Spiel von Schiedsrichterin Moiken Reichert angepfiffen wurde.

Die erste Hälfte begann ausgeglichen. Bereits in der 2. Minute durchbrach Nina Aigner die Frankfurter Abwehr und lief allein auf Stefanie Ullrich im Frankfurter Tor zu. Der Ball wurde jedoch etwas zu weit von Aigner aufgelegt und so konnte Ullrich im Strafraum zur Ecke klären. Man konnte nicht genau erkennen, ob wirklich der Ball oder aber Aigners Lauf gestoppt wurde, jedenfalls vereitelte die Frankfurter Torfrau damit sicherlich einen gefährlichen Angriff. (Im Fernsehen später sah es sehr nach einem elfmeterwürdigen Foul aus!). Kurz darauf kam dann die Gegenaktion der Frankfurterinnen. Nach einem Pass von Birgit Prinz auf Petra Wimbersky schoss diese direkt aufs Tor, die Bayern Abwehr konnte aber klären und der Nachschuss von Meike Weber ging knapp über das Tor von Ulrike Schmetz. Auf bayrischer Seite war es in der 10. Minute wiederum Aigner, die mit ihrem Schuss das Tor nur knapp verfehlte.

Nina Aigner am Ball

Nina Aigner, hier am Ball zwischen Kerstin Garefrekes, Meike Weber und Sarah Schatton, sorgte gleich in der Anfangsphase für große Gefahr vor dem Frankfurter Tor

Bild: Karin Dorsch

Darauf folgten einige gute, aber vergebene Chancen des FFC. Nach einer Ecke von Sandra Smisek köpfte Sarah Schatton, eigentlich der zweiten Mannschaft des FFC zugehörig, aber aufgrund der Frankfurter Verletzungsmisere dabei und zuletzt im UEFA-Cup dreimal erfolgreich, knapp über das Tor von Ulrike Schmetz. Diese konnte kurz darauf einen Ball, der wiederum von Schatton kam, nicht halten, er glitt ihr durch die Hände frei vor die Füße von Kerstin Garefrekes, die ihn jedoch nur an den Pfosten befördern konnte. In dieser Phase, zwischen der 15. und 30. Minute, spielte vor allem Frankfurt, die Bayern kamen nicht richtig ins Spiel und verloren viele Bälle. Auch wurden viele Angriffschancen der Bayern durch Abseits abgepfiffen, welches oft nachvollziehbar, teilweise aber auch sehr strittig war. Die letzten 15 Minuten waren dann wieder ausgeglichener und zum Pausenpfiff konnte man sagen, dass beide Teams gute Chancen hatten, die nicht genutzt wurden, dass Frankfurt insgesamt aber leicht überlegen wirkte. Sollte sich das Halbfinale vom letzt jährigen DFB-Pokal wiederholen, bei dem die Partie eigentlich auch sehr ausgeglichen war, dann aber doch deutlich 4:0 von Frankfurt gewonnen wurde?

Birgit Prinz

Birgit Prinz, die angeschlagen ins Spiel ging, blieb heute ohne Torerfolg, zeigte sich aber später im Fernsehinterview als äußerst faire Verliererin

Bild: Karin Dorsch

Bayern nahm einen Wechsel zur Halbzeit vor, Sylvie Banecki, die in dem bisherigen Spiel leider viele Chancen und Bälle vergab, machte Platz für Julia Simic. Die brachte deutlich mehr Schwung in die Partie und sorgte später noch für einige gute Szenen. Davor hatte Frankfurt jedoch eine gute Chance zur Führung. Nach einem Eckball von Smisek köpft Bartusiak Richtung Tor, Prinz korrigiert nochmals mit dem Kopf und hob den Ball damit knapp übers Tor. In der 51. Minute erreichte Nicole Banecki dann ein sehr guter Pass von Bianca Rech, sie setzte sich gegen die Frankfurter Abwehr durch und lief frei auf das Tor von Ullrich zu. Die konnte nichts mehr dagegen tun und so schoss Banecki schön in das rechte untere Eck des Frankfurter Tores. Damit führten die Gastgeberinnen mit 1:0 gegen den FFC.

Die Torschützin konnte es nach dem Spiel noch gar nicht glauben, dass sie das entscheidende Tor geschossen hat. „Ich schieße, dann guck´ ich und dann ist der Ball im Tor“, sagte sie danach und das, obwohl sie sich selbst gar nicht als die typische Goalgetterin sieht. „Aber ich weiß nicht, jetzt hab ich halt schon ziemlich oft getroffen.


Melanie Behringer auf und davon

Der FC Bayern, hier in der Person von Melanie Behringer, vorneweg, und die Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt (v.l. Tina Wunderlich, Karolin Thomas und Tina Plessen) rennen hinterher, so sieht die Situation im Frauenfußball plötzlich aus!

Bild: Karin Dorsch

Danach denke ich mir immer: Hä? Das war bestimmt abseits oder so, da kann gar kein Tor gewesen sein. Und dann warte ich immer bis ich mich freue, ich weiß nicht…“ Freudestrahlend lässt sie den Satz offen, aber klar ist, dass das Tor in dieser Szene sicherlich kein Abseits, sondern die Entscheidung für den Achtelfinaleinzug der Bayern-Frauen in den DFB-Pokal war.

Nach diesem Führungstreffer erwarteten alle den großen Konter vom großen FFC, doch die Spielerinnen wirkten wie gelähmt. Stattdessen kamen die Bayern noch zu einigen guten Chancen, eine davon von der bereits erwähnten Simic, die im Nachschuss zum Freistoß von Melanie Behringer in der 68. Minute das Tor nur knapp verfehlte. In der 74. Minute kamen dann aber die Hessinnen wieder ins Spiel und jetzt hieß es für die Bayernfans zittern. Bartusiak stand allein vor dem bayrischen Tor, scheiterte aber an der glänzend reagierenden Schmetz.

Petra Wimbersky beim Freistoß

Freistoß Petra Wimbersky, Ivana Rudelic, Melanie Behringer und Julia Simic achten auf ihre Gesundheit...

Bild: Karin Dorsch

Auch darauffolgende Chancen durch Schatton, die einen Weitschuss knapp über das Tor schoss, oder der eingewechselten Svenja Huth konnten nicht genutzt werden und da Frankfurt jetzt auf den Ausgleich drängte und sich sehr offensiv orientierte, kamen wiederum die Münchnerinnen im Konter beinahe noch zum 2:0. Die erste Chance dazu hatte Ivana Rudelic in der 79. Minute, die im Duell mit Ullrich zu lange zögerte und somit die Entscheidung hinauszögerte. Auch Behringer konnte in der Nachspielzeit ihr gewünschtes Tor nicht machen, als sie der Frankfurter Abwehr enteilte und schließlich an Ullrich scheiterte. Auf die Frage, was da los war, antwortete sie schmunzelnd, fast schon ein bisschen entschuldigend: „Ich weiß nicht. Ich glaub, ich hab den Ball schon drin gesehen. Das fehlt mir halt im Moment noch so, mal ein Tor schießen. Heute war der Tag, wo ichs mir echt vorgenommen hab, aber es hat eben nicht geklappt.“

Nach dem Abpfiff brachen die Münchnerinnen in Jubel aus, das gesamte Team stürmte auf den Platz, gefolgt von einigen Pressevertretern, die alle Interviews mit Nicole Banecki, der Spielerin, die den FFC aus dem Turnier schoss, wollten. Die Frankfurterinnen saßen geknickt am Boden, aber es kam trotzdem zu fairen Gesten und Glückwünschen zwischen allen Spielerinnen, beispielsweise von Silke Rottenberg, die das Spiel von der Tribüne aus verfolgte und Melanie Behringer, die beide in der Nationalmannschaft einige Zeit lang zusammen spielten. Birgit Prinz erkannte sehr fair an, dass Bayern besser war und sie selbst ein Weiterkommen so nicht verdient hätten. Außerdem, so sagte sie, hätten sie ja auch kein Abo auf den DFB-Pokal. Trotzdem täte es verdammt weh, „so dumm zu verlieren“, analysierte Frankfurts Kapitän Tina Wunderlich, denn die Chancen zum Ausgleich waren ja mehrmals da.

Chance für Sarah Schatton

Knapp wie hier war es öfter: Sarah Schatton und Ulrike Schmetz schauen einem Ball hinterher, der das Tor des FC Bayern verfehlt

Bild: ViolA

Die Frauen des FC Bayern zeigten jedenfalls ein weiteres Mal, dass der FFC nicht unschlagbar ist und so antwortete Nicole Banecki auf die Frage, ob das jetzt eine Wachablösung


für den FFC war, selbstbewusst mit: „Ja…“ Dass der FCB jetzt die neue Nummer eins im Frauenfußball sei, wollte sie jedoch nicht bestätigen, „Ich weiß es nicht. Bis jetzt ist es halt gut gelaufen und Frankfurt ist ja auch ein sehr gutes Team und die haben halt zur Zeit Pech, ich weiß auch nicht, was mit denen gerade los ist. Wir sind zur Zeit eben richtig gut drauf.“ Um den FFC als Nummer Eins abzulösen, fehlen natürlich auch noch die vielen großen Erfolge, die die Hessinnen in den letzten Jahren erreicht haben.

Sicherlich haben dieses Spiel und ein Blick auf den derzeitigen Stand der Bundesligatabelle aber dazu beigetragen, dass der FFC nicht mehr unangefochten die Nummer Eins im Frauenfußball ist und das Leistungsniveau der Bundesliga langsam näher zusammenrückt. Ein Sieg ist, wie der FCB in den letzten Spielen eindrucksvoll gezeigt hat, gegen den FFC nicht mehr unmöglich und vielleicht ist es genau das, was der Frauenfußball in Deutschland braucht: Eine spannende, enge und leistungsähnliche Liga.

Kopfball Kerstin Garefrekes

Auch Kerstin Garefrekes, hier beim Kopfball, ist nach ihrer Schulterverletzung noch nicht wieder voll fit. V.l.: Sarah Schatton, Nina Aigner, Garefrekes, Corinna Paukner, Saskia Bartusiak

Bild: Karin Dorsch

Der FFC will sich nun ganz auf die Bundesliga, die ja bei weitem noch nicht entschieden ist, und den UEFA-Cup konzentrieren, wo sie im Viertelfinale auf den FCR 2001 Duisburg treffen werden.
Für das kommende Achtelfinale im DFB-Pokal sind den „Münchnerinnen“ Nicole Banecki und Melanie Behringer die Gegner eigentlich egal, Hauptsache es geht nach Berlin ins Finale und Behringer fügt schmunzelnd hinzu: „Aber Duisburg braucht nicht grad kommen.“

Jubel nach dem Spiel

Die Spielerinnen des FC Bayern konnten es nach dem Spiel kaum fassen. Das Tor zum Pokalfinale in Berlin ist nun ganz weit auf!

Bild: ViolA

FC Bayern München:
Schmetz - Rech, de Pol, Paukner, Baunach - Mirlach, Wörle, Behringer, Aigner - N. Bancki (75. Rudelic), S. Banecki (46. Simic)

1. FFC Frankfurt:
Ullrich - Bartusiak, Thomas, T. Wunderlich, Plessen - Weber (76. Huth), Garefrekes, Prinz, Wimbersky, Smisek, Schatton

Tor:
1:0 N. Banecki (51.)

Gelbe Karten: Rech (80.), Wimbersky (85.), de Pol (90.)

Schiedsrichterin: : Moiken Reichert (Worms)

Zuschauer: 750


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