. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



DFB-Pokal, Achtelfinale

Bayern befreit sich meisterlich

SC 07 Bad Neuenahr - FC Bayern München 2:5 (0:3)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

09.11.2008

Der FC Bayern München steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Der Bundesliga-Tabellenführer siegte beim SC 07 Bad Neuenahr mit 5:2, musste jedoch ein paar Schrecksekunden verdauen. Und dabei hatte Bayern-Trainer Günther Wörle seine Spielerinnen in der Halbzeitpause gewarnt. Gewarnt, dass man auch eine 3:0-Führung verspielen kann, wie die Männer von Bayer Leverkusen es gestern gezeigt hatten. Doch so richtig zugehört hatten die Münchenerinnen in der Kabine scheinbar nicht.

Bis zum Pausenpfiff war es eine recht souveräne Vorstellung des FC Bayern, die in einer deutlichen 3:0-Führung endete. Die Gastgeberinnen begannen zwar engagiert, schließlich hatte Trainer Deniz Bakir einen „Pokalfight, wie es sich gehört“ verlangt und seinen Spielerinnen mit auf den Weg gegeben, „zu Null in die Kabine zu kommen“. Doch wirklich gefährlich waren die Vorstöße der Kurstädterinnen nicht, und nach 26 Minuten gingen die Köpfe deutlich nach unten. Sandra de Pols Freistoß verwandelte Nina Aigner zum 0:1. Direkt im Anschluss hatte Lydia Neumann nach Flanke von Isabell Bachor die Chance zum Ausgleich, doch Münchens Torhüterin Ulrike Schmetz war zur Stelle. Mit dieser ungenutzten Möglichkeit bekam das Spiel des SC einen Knacks, und genau in dieser Phase legte München nach.

Nicht zu stoppen. Gegen Melanie Behringer (Mitte) war die SC-Abwehr um Laura Störzel (l.) und Jana Sebastian zumeist machtlos.

Die Gäste machten, wie schon in der vergangenen Woche beim Herforder SV, viele Fehler mit langen Bällen, denen es an Präzision mangelte. Umso besser war der FCB im schnellen Passspiel. Die Bälle wurden nicht lange gehalten, sondern laufen gelassen. Und so war es ein flott vorgetragener Angriff über Melanie Behringer, den Julia Simic in der 34. Minute zum 0:2 abschloss. Als dann noch vor der Halbzeit durch ein Eigentor von Anne-Kathrin Westphal das 0:3 fiel, schien es, als nehme alles einen gewohnten Lauf und die Gastgeberinnen seien geschlagen.

Heute gegen Bad Neuenahr erfolgreich, in zwei Wochen schon mit der U20 in Chile auf Torejagd: Julia Simic.


"Wir singen humba, humba, humba..." Bianca Rech (l.) feiert mit sich, der Mannschaft und dem Publikum den Einzug in die nächste Runde.

Der Beginn der zweiten Halbzeit unterstrich dies zunächst, denn der FCB begann druckvoll und erspielte sich Chancen am laufenden Band. Zwei davon mündeten sogar noch in Tore – Schiedsrichterin Marija Kurtes ließ diese wegen Abseits jedoch nicht gelten. Von Bad Neuenahrs Harmlosigkeit in den ersten Minuten der zweiten Hälfte scheinbar geblendet, schaltete München mindestens zwei Gänge zurück und wurde immer fahrlässiger. So in der 76. Minute, als Katharina Baunach im eigenen Strafraum zu unachtsam war und den Ball verstolperte. Bachor schaltete am schnellsten und spielte zu Neumann, die auf 1:3 verkürzte. Wirklicher Jubel wollte unter den sehr schweigsamen Fans des SC nach diesem geschenkten Tor nicht aufkommen, zu groß schien der Rückstand auf die Münchenerinnen.

Doch dass der Schein manchmal trügt, musste auch Wörle erleben. „Nach dieser ersten Halbzeit darf das nicht passieren“, so der Trainer, der fassungslos auch noch das 2:3 durch Bachor hinnehmen musste. „Da habe ich schon Muffensausen bekommen“. Seine Spielerinnen hatten sich durch Unachtsamkeiten und dem Versuch, das Ergebnis über die Zeit zu schleppen, selbst in diese Situation gebracht und Bad Neuenahr gestärkt. „Nach dem 2:3 haben wir Feuer gefangen“, freute sich Bakir. Lange brannte es jedoch nicht, denn es war die Klasse der Gäste, sich aus dem geschaufelten Loch auch wieder herauszuholen.

Bayern verfiel weder in Nervosität, noch war der Schock des zweiten Tors der Gastgeberinnen von Dauer. Stattdessen erkannte der Tabellenführer die Situation und legte merklich zu. Behringer und Aigner nahmen das Heft in die Hand – schon fünf Minuten nach dem Anschlusstreffer fiel die Entscheidung zugunsten des FCB. Nach Vorarbeit von Nicole Banecki auf der linken Seite erzielte Behringer das 2:4. Bad Neuenahr war geschlagen, die Gegenwehr in den folgenden Minuten fast auf dem Nullpunkt.

In der 86. Minute setzte sich Behringer auf der linken Seite durch, Torhüterin Ursula Holl, die an vielen Stellen eine weit höhere Führung der Gäste verhinderte, konzentrierte sich allein auf ihre Nationalmannschafts-Kollegin. Die in der Mitte mitgelaufene Aigner beachtete scheinbar gar keiner, völlig frei stand sie im Strafraum, als der Querpass von Behringer sie erreichte. Das Tor war frei – kein Problem für die Österreicherin.

„Es ist ein verdienter Sieg für Bayern“, musste Bakir anerkennen. Die Moral seiner Mannschaft sei zwar intakt, wie


die zweite Halbzeit bewiesen hätte, doch sei sein Team nicht so ausgeglichen besetzt, wie der Gegner. „Da werden Kleinigkeiten natürlich sofort bestraft.“

Ratlosigkeit bei Torhüterin Uschi Holl - dabei war sie vermutlich die beste SC-Spielerin an diesem Tag.

Statistik

Bad Neuenahr
Holl, Störzel, Goeßling, Fols, Sternitzke (64. Graf), Bartke (57. Arabaci), Neumann, Westphal, Bachor, Stümper (86. Sebastian), Hagmann.

München
Schmetz, Wörle, Baunach, Simic (67. Würmseer), Behringer, Paukner, Islacker (75. Roth), Aigner, S. Banecki (57. N. Banecki), de Pol, Rech.

Tore
0:1 Aigner (26.)
0:2 Simic (34.)
0:3 Westphal (41./ET)
1:3 Neumann (75.)
2:3 Bachor (77.)
2:4 Behringer (82.)
2:5 Aigner (86.)

Gelb
Wörle, Westphal

Schiedsrichterin
Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 510

Mehr Bilder vom Spiel

Zur Pokal-Seite

Zur FanSoccer-Startseite