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DFB-Pokal Finale

Saarbrücken hält es lange spannend

1. FC Saarbrücken - 1. FFC Frankfurt 1:5 (1:1)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Nora Kruse

19.04.2008   Das Pokalfinale 2008 bot Kampf, Klasse, schöne Tore, über weite Strecken ansehnlichen Kombinations- fußball, eine gute Stimmung im Stadion, jedenfalls, soweit man es übers Fernsehen mitbe- kommen konnte. Minuspunkte waren eine verbesserungs- würdige Schiedsrichterleistung und teilweise der Fernsehkommentator, dem man anmerkte, dass er noch nie ein Spiel des 1. FC Saarbrücken gesehen hat. Insgesamt überwiegt das Positive aber bei weitem, nicht zuletzt, weil die Spielerinnen des 1. FC Saarbrücken das Kunststück fertig brachten, eine Halbzeit lang die Partie offen und spannend zu halten, was sicher nicht viele dem Erstliga- aufsteiger zugetraut hatten.

Das erste Tor des Spiels fiel gleich nach 70 Sekunden. Conny Pohlers stieg beim ersten Frankfurter Eckstoß am höchsten und köpfte den Ball an die Latte. Von dort sprang er zu Kerstin Garefrekes, die das Leder mit der Hacke erwischen und in Richtung Tor befördern konnte. Saarbrückens zur Winterpause neuverpflichtete Amerikanerin Natalie Budge stand im langen Eck, traf den Ball aber erst hinter der Linie, wie die Fernsehaufzeichnungen deutlich zeigten. Das Schiedsrichter- gespann um Daniela Schneider aus Limbach entschied jedoch auf Weiterspielen. Erste Fehlent- scheidung, kann passieren.

Birgit Prinz und Sabine Blank

Birgit Prinz (links), hier gegen Sabine Blank, kam heute nicht ganz so zum Zuge wie sonst häufig. Für ein Tor und einen Assist reichte es aber trotzdem!

Die jungen Saarbrücker Spielerinnen, es war die Rede von einem Altersdurchschnitt von 19 Jahren, waren von Trainerfuchs Guido Mey in zwei Viererketten angeordnet worden, um so einen Abwehrriegel gegen den schier übermächtigen Frankfurter Sturm zu bilden. Ganz vorne sollte Lisa Schwab für Gefahr sorgen, unterstützt von Dzenifer Marozsan hinter ihr. Das Spiel machen sollte dann Nadine Keßler aus der vorderen Viererkette heraus. Doch den ersten Akzent auf Saarbrücker Seite setzten andere: Nach einem ersten, von Frankfurt abgewehrten Angriff kam der Ball zu Nadine Kraus, links in der hinteren Viererkette eingesetzt, und die bewies ihre Offensivqualitäten mit einem wunderbaren Diagonalpass zu Budge, die den rechten Flügel beackerte. Budge nahm den Ball direkt aus kurzer Entfernung, und es stand 1:0 für den Underdog.

Fanblock 1. FC Saarbrücken

Mit vielen Plakaten feierten über 1000 Fans aus Saarbrücken die erste Pokalteilnahme ihrer Frauen. Doch das Berliner Olympiastadion wirkt zu Anfang des Frauenendspiels immer noch ziemlich leer...

Der Treffer machte den Saarbrückerinnen Mut, und mit der Führung im Rücken spielten sie weiter nach vorne. Schwab nahm der Frankfurter Innenverteidigerin Gina Lewandoski den Ball ab, ging aufs Tor, doch Lewandowski lief hinterher und machte ihren Fehler wieder wett, indem sie Schwab noch einholen und abdrängen konnte. Natürlich stürmte aber auch Frankfurt, und in der 10. Minute drang Birgit Prinz mit Ball in der Strafraum, wo sie von Saarbrückens Innenverteidigern Josephine Henning von den Beinen geholt wurde. Dies ist eine Szene, die ich aus der Schiedsrichterkritik herausnehmen möchte. Auch in der Zeitlupe ist es nicht sicher zu entscheiden. Prinz läuft, Henning hinter ihr, beide straucheln. Nach einigen Schritten trifft das Bein von Henning das Bein von Prinz, und verursacht den Fall, so sehe ich es jedenfalls, aber darüber mag man streiten können.

Letztlich eine Entscheidung ohne Folgen, denn Saarbrückens Keeperin Romina Holz ahnte die Ecke und hielt den von Renate Lingor fest und halbhoch in die linke Tormitte geschossenen Ball. Dem Spiel tat es nur gut, es blieb weiter offen, ausgeglichen und spannend mit Angriffsbemühungen auf beiden Seiten. Doch in der 21. Minute war es dann soweit: schöne Kombination auf Frankfurter Seite, Karolin Thomas zu Birgit Prinz, die ließ präzise abtropfen auf Petra Wimbersky, die damit freigespielt allein vor der herauslaufenden Holz auftauchen konnte und Holz mit einem Lupfer überwand. Die Saarbrücker Spielerinnen wirkten von nun an leicht verunsichert und agierten deutlich vorsichtiger als vorher. Dies führte dazu, dass Frankfurt


Conny Pohlers, Vicky Hinsberger und Josephine Henning

Drei, die oft im Mittelpunkt dieses Spiels standen: die zweifache Torschützin Conny Pohlersmit den beiden Saarbrücker Innenverteidigerinnen Josephine Henning (links) und Vicky Hinsberger

sich im doppelten Abwehrriegel immer wieder fest lief, während auf der anderen Seite auch nicht mehr viel passierte.

Das Spiel war im allgemeinen von beiden Seiten zwar kämpferisch, aber doch fair geführt. Nicht so jedoch in der 36. Minute, als Saarbrückens zweite Innenverteidigerin Vicky Hinsberger Birgit Prinz mit beiden Beinen ansprang und heftig umsäbelte. Schiedsrichterin Schneider beließ es bei einer deutlichen Ermahnung, in meinen Augen eine klare Fehlentscheidung, hier wäre eine gelbe Karte fällig gewesen. Kurz vor dem Pausenpfiff dann noch mal eine Riesengelegenheit für Frankfurt. Eckball Lingor, wieder auf den Kopf von Pohlers, wieder rettete Budge auf der Linie, diesmal mit dem Kopf, und diesmal auch wirklich auf und nicht hinter der Linie. Man hörte es knallen, als sei der Ball gegen den Pfosten geprallt, in dem Moment hätte ich nicht an der Stelle von Budge stehen mögen! So ging es mit dem 1:1 in die Kabinen.

1. FC Saarbrücken Frauenfußball

Diese Elf standen für den 1. FC Saarbrücken in der Anfangsformation des Pokalfinales 2008:
Oben von links: Natalie Budge, Nadine Keßler, Sabine Blank, Sarah Karnbach, Josephine Henning, Lisa Schwab. Unten von links: Selina Wagner, Vicky Hinsberger, Romina Holz, Dzenifer Marozsan, Nadine Kraus

Nicht unerwähnt bleiben kann dann ein Kuriosum, das man auch nicht so häufig erlebt. Trainer Guido Mey, von der Reporterin in Erwartung einer positiven Antwort ob der guten Leistung seines Teams in Halbzeit eins befragt, präsentierte sich stinksauer. Einige Spielerinnen wüßten anscheinend nicht, um was es ginge, er sei mit dem Spielstand zufrieden, nicht aber mit dem Spiel seiner Mannschaft. Sprachs, und verschwand in Richtung Kabine, den Eindruck erweckend, Mey würde sein Team nun ordentlich zusammenfalten. Hinterher hieß es dann aber, es sei gar nicht so schlimm gewesen, Mey habe nur einzelnen Spielerinnen Tipps für ihre jeweiligen Positionen gegeben.

Nadine Keßler

Saarbrückens Kapitänin und Spielmacherin Nadine Keßler testete vor kurzem neue Schuhe und holte sich dabei heftige Blasen an beiden Füßen. Derart gehandicapt konnte sie heute weniger Akzente setzen als sonst

Laut soll es dagegen in der Frankfurter Kabine gewesen sein, wo Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks seinen Spielerinnen nach eigenem Bekunden noch mal ordentlich Dampf machte, weil er mit der ersten Halbzeit gar nicht zufrieden gewesen war. Entsprechend kamen die Frankfurterinnen dann auch aus der Kabine, legten gleich ordentlich los und erzielten drei Tore in der ersten Viertelstunde nach der Pause. Erst köpfte Pohlers einen Eckstoß von Lingor mit Wucht und unhaltbar in die Maschen, dann setzte sich Pohlers rechts durch, gab nach innen in Tornähe zu Wimbersky, die zurück zu Garefrekes, und die erzielte mit einem wunderschönen Schlenzer aus ca. 15m in den Winkel das 1:3. Auch das 1:4 war das Produkt gefälligen und schnellen Kombinationsspiels, fast wie beim Handball um den Strafraum herum, dann kam der Ball zu Garefrekes, die setzte sich im Zweikampf durch, zurück zu Lingor, die weiter zu Pohlers, und die brauchte wenige Meter vor dem Tor nur den Fuß hinzuhalten.


Saarbrücken war nun fast nur noch mit Abwehren beschäftigt und kräftemäßig auch am Ende. Doch eine Riesenchance hatte die Saarländerinnen dann doch noch, als Alexandra Krieger einen Ball direkt vor dem Frankfurter Tor nicht entschlossen genug wegschlug und Selina Wagner plötzlich aus 4 Metern zum Schuss kam. Doch Keeperin Silke Rottenberg reagierte glänzend und verhinderte den fast sicheren Treffer. Unmittelbar danach kam es zur unschönsten Szene des Spiels, auf den abprallenden Ball stürmten Renate Lingor und Lisa Schwab zu, Lingor war einen Tick schneller am Ball und wurde von der ebenfalls mit großer Geschwindigkeit herankommenden Schwab dermaßen am Bein erwischt, dass sie mit großer Wucht auf die Schulter stürzte und sich erheblich verletzte. Erst hieß es Schlüsselbeinbruch, im Sportstudio wurde dann später nach genauerer Untersuchung die Diagnose Schultereckgelenk- sprengung bekannt gegeben. „Dauert genau so lange”, lachte Lingor mit Galgenhumor in die Kamera. Die Operation soll nächste Woche sein, ich wünsche Renate Lingor gute Besserung!
Übrigens zeigte Schiri Schneider, die zuvor Henning für ein Allerweltsfoul gelb gegeben hatte, Schwab für dieses Foul keine Karte!

Sarah Karnbach und Petra Wimbersky

Petra Wimbersky, hier verfolgt von Sarah Karnbach, erzielte den wichtigen Ausgleichstreffer durch einen coolen Lupfer über die Torfrau

Den wieder positiven Schlusspunkt setzte Birgit Prinz, die sich mit Ball in den Strafraum kämpfte und schoss. Holz konnte ihren Schuss zwar abblocken, doch die eingewechselte Sandra Smisek kam zum Nachschuss auf das leere Tor, Henning köpfte den Ball noch weg, doch Prinz bekam ihn, umspielte Holz und zwei Abwehrspielerinnen und markierte den 1:5 Endstand. Wenig später donnerte dann die für Lingor gekommene Meike Weber den Ball noch aus gut 20m mit Karacho an die Latte. Das Ergebnis ist so aber auch schon eher zu hoch ausgefallen und spiegelt die gute Leistung, die Saarbrücken über weite Strecken bot, zuwenig wieder. Allerdings war das, was der 1. FFC Frankfurt in der zweiten Halbzeit zu bieten hatte, auch wirklich aller Ehren wert und das Kompliment, das Trainer Tritschoks seinem Team später dafür machte, sicher berechtigt.

1. FFC Frankfurt Pokalsieger 2008

Die Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt konnten sich über den siebten Pokalsieg bei der zehnten Pokalteilnahme in Folge freuen. Tina Wunderlich (zweite von rechts, unten) spielte dabei alle 10 Spiele komplett durch!

1. FC Saarbrücken
Holz - Kraus (72. Meyer), Hinsberger (68. Leykauf), Henning, Blank - Karnbach, Budge, Wagner, Kessler, Marozsan, Schwab (75. Arend)

1. FFC Frankfurt
Rottenberg - Kliehm, Lewandowski, T. Wunderlich, Krieger - Thomas, Lingor (71. Weber), Garefrekes, Prinz, Wimbersky (71. Smisek), Pohlers

Tore:
1:0 Budge (4.)
1:1 Wimbersky (22.)
1:2 Pohlers (50.)
1:3 Garefrekes (54.)
1:4 Pohlers (59.)
1:5 Prinz (75.)

Gelbe Karten: Henning

Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach)

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