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DFB-Pokal, Halbfinale

Fußballfest in Köln

TuS Köln rrh. - 1. FC Saarbrücken 0:2 (0:1)

Text und Bilder von Tom Schlimme

24.3.2008   Hammer, einfach Hammer. Nach dem „Mistwetter” der vergangenen Tage hätte man beim Aufeinandertreffen des Tabellenfünften der 2. Bundesliga Süd mit dem Zehnten der 1. Liga ein unansehnliches Kampfspiel im Schneeregen befürchten müssen. Doch am Ostersonntag schien die Sonne, und das Halbfinale geriet zum hammerguten Fußballfest.

Hammer, die Stimmung im Stadion. Ca. 2800 Zuschauer insgesamt, also sogar mehr als im mit 2500 Zuschauern allerdings ausverkauften Münchner Stadion in Aschheim, in dem am Ostermontag das zweite Halbfinale ausgetragen wird, übertönten sämtliche Lautsprecher. 750 Fans aus Saabrücken legten los wie die Feuerwehr und das heimische Publikum hielt bald kräftig dagegen.

Fanblock 1. FC Saarbrücken

Laut, bunt, ein Fahnenmeer: der Fanblock des 1. FC Saarbrücken glänzte mit Gesang und guter Laune

Fanblock Tus Köln rrh.

Sonst meist zwischen 150 und 250 Personen, heute gut 2000: auch die Fans des TuS Köln rrh. heizten mächtig ein!

„Es war so laut, dass die Spielerinnen meine Anweisungen gar nicht hören konnten!”, erklärte Kölns Trainerin Doreen Meier in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Nicht alle Sprechchöre der wohl männerfußballgeprägten Fans passten zur gepflegteren Atmosphäre des Frauenfußballs, aber im Großen und Ganzen blieb es fair, und die Stimmung war einfach nur gut.

Schiedsrichterin Monique Klauß

„Ohne Schiri hättet ihr keine Chance!”, skandierten die Kölner Fans. Schiedsrichterin Monique Klauß pfiff öfter Foul gegen Köln, wenn z.B. Nadine Keßler wieder einmal gefoult wurde, wie hier von Teresa Hella, und brachte so viele im Stadion gegen sich auf. Doch ihre Pfiffe waren fast immer berechtigt, und Klauß versagte Saarbrücken auch die Anerkennung eines Tores, das so mancher Schiri gegeben hätte, so dass man ganz bestimmt keine Parteilichkeit unterstellen kann.

Hammer auch etliche spielerische Leistungen auf dem Rasen. Allen voran Saarbrückens Spielmacherin Nadine Keßler, beste Spielerin auf dem Platz. Keßler war an fast allen guten Saarbrücker Szenen beteiligt, glänzte als Ballverteilerin mit klugen Pässen, schoss beide Tore des Spiels und eroberte auch noch so manchen Ball im Mittelfeld.

So bereits in der zweiten Minute gegen die in dieser Szene unglücklich aussehende Teresa Tüllmann, der Keßler den Ball kurz vor dem Kölner Strafraum einfach abnahm, mit Ball aufs Tor ging, die hinzueilende Vanessa Wurth stehen ließ und Keeperin Corinna Ernst mit einem platzierten Schuss ins lange Eck keine Chance ließ.

Diese frühe Führung ließ die Lautstärke des Saarbrücker Fanblocks noch um einige Dezibel steigen, und klar „Wir fahren nach Berlin!”. Doch die Saarbrückerinnen auf dem Platz rechtfertigten diese Begeisterung in den folgenden Minuten durch mitreißenden Angriffsfußball. In der 5. Minute konnte Christiane Braun, eine der besten Kölnerinnen, Lisa Schwab nicht halten ohne zu foulen. Freistoß, Kopfball Keßler, schon wieder zappelte der Ball im Kölner Tornetz. Doch Schiedsrichtern Monique Klauß hatte ein Saarbrücker Foul gesehen und gab den Treffer nicht.

In der 9. Minute schickte Keßler wieder Schwab auf die Reise, diese traf mit einem wuchtigen Schuss über Keeperin Ernst hinweg aber nur die Latte des Kölner Tores. 15. Minute, Superpass Keßler auf rechts zu Dzenifer


Dzenifer Marozsan

„Wenn der drin gewesen wäre, hätte keiner mehr rätseln müssen, was das nächste Tor des Monats wird!” meinte Saarbrückens Trainer Guido Mey später zu dieser Szene: Dzenifer Marozsan nahm einen Eckstoß volley mit einem Seitfallzieher und donnerte den Ball an die Latte. Marozsan wird genau einen Tag vor dem Pokalfinale ihren 16. Geburtstag feiern können!

Marozsan, die könnte es vielleicht selber machen, gibt aber in die Mitte zu Schwab, und in einer gemeinsamen Aktion blocken Vanessa Wurth und Sarah Kramer den Ball noch ab. Das waren nur die herausragendsten Szenen aus dem Angriffswirbel der Saarbrückerinnen in dieser Anfangsphase, allerdings auch begünstigt durch zahlreiche Fehlpässe der Kölnerinnen schon in der eigenen Hälfte.

Lattentreffer Lisa Schwab Lattentreffer Lisa Schwab

Der Lattentreffer von Lisa Schwab (Nr. 19) in der 9. Spielminute

Doch nach etwa 20 Minuten bekamen die Kölnerinnen ihre Nerven besser in den Griff, wie ihre Trainerin Meier in der Pressekonferenz feststellte, und begannen selbst mit eigenen Angriffen. In der 21. Minute gab Braun einen Freistoß gut platziert auf die zu dieser Zeit einzige Kölner Spitze Meike Petry. Die spielte sich rechts durch, gab den Ball von der Torauslinie zurück, doch Saarbrückens Keeperin Romina Holz ging dazwischen und fing den Pass ab.

In den nächsten Minuten wurde Köln mutiger, und unter Druck machten auch die Saarbrücker Abwehrspielerinnen Fehler, allerdings nicht so gravierend, dass echte Torchancen dabei herausgesprungen wären. So blieb es bei einem harmlosen Schuss von Nicole Bender von der Strafraumgrenze aus, den Holz locker hielt. Auf der anderen Seite konnte Schwab einen Freistoß aus bester Position, mittig direkt am Strafraum, nur deutlich über dem Tor unterbringen. Saarbrücken blieb überlegen, doch Köln stand jetzt besser und ließ nicht mehr viel Durchkommen zu.

Nina Windmüller und Meike Petry

Zwei Kölnerinnen, über die viele Angriffe ihres Teams liefen: Nina Windmüller (vorne) und Meike Petry

36. Minute, Kölns Nina Windmüller setzt sich durch, Saarbrückens Spielerinnen reklamieren Foul, doch Klauß läßt weiterspielen, Windmüller weiter zu Petri, Holz rettet in höchster Not. Doch zwei Minuten später knallt der Ball zum zweiten Mal an die Latte des Kölner Tores, diesmal getreten von Marozsan, die einen Eckstoß von Selina Wagner waagerecht in der Luft liegend direkt nimmt. Zu Marozsans Leistung insgesamt kann ich angesichts ihrer Jugend nur sagen: Hammer!

Es gab weitere Torchancen bis zur Pause, doch es blieb beim knappen 1:0. Hochverdient für Saarbrücken sicherlich, doch letztlich war es eine spannende erste Halbzeit geworden, und noch schien alles


möglich. Bis zur 49. Minute blieb das auch so, dann grätschte Keßler im Strafraum in einen hart hereingegebenen Freistoß, und der Ball zappelte zum 0:2 im Netz. Das war natürlich die Vorentscheidung, auch wenn das Kölner Publikum eher lauter zu werden schien als vorher. „Wir sind Tussen, und ihr nicht!”, in Richtung der Saarbrücker Fans hört man auch nicht alle Tage, zumal nicht von Männern!

Köln wurde zwar jetzt deutlich offensiver, man gewann auch mehr Zweikämpfe als vorher, doch insgesamt blieb Saarbrücken überlegen und hatte auch weiter die besseren Torgelegenheiten.Es blieb spannend bis zum Schluss, weil man jederzeit das Gefühl hatte, auch den Kölnerinnen könne doch noch ein Treffer gelingen, doch am Ende sind dann doch keine großen Kölner Chancen mehr zu verzeichnen gewesen. Die letzte Chance des Spiels hatte noch einmal Saarbrücken, die gerade erst eingewechselte Natalie Budge spitzelte Keeperin Ernst den Ball weg, schoss, Tüllmann blockte ab, der Ball flog im Bogen und schien fast auf der Torlinie in er Luft zu stehen, bevor Ernst zugriff und die Situation bereinigte.

Meike Petry und Romina Holz Meike Petry und Romina Holz

Hier vereitelt Saarbrückens Keeperin Romina Holz eine Chance von Meike Petry

Saarbrückens Trainer Guido Mey hob später hervor, der Frauenfußball habe hier zeigen können, dass er sein Image der „Schönspielerei” ablegen könne und sich Zweikampfhärte und Atlethik genauso verbessert hätten wie Spielwitz und Technik. „Leute, die heute dagewesen sind, haben gesehen, wie stark der Frauenfußball inzwischen ist!” erklärte Mey, und seine Kölner Kollegin Doreen Meier hob hervor: „Köln ist eine fußballverrückte Stadt, es wäre toll, wenn sich der Frauenfußball hier besser etablieren könnte!” Ein erster Schritt hierzu ist getan durch dieses von Kölns Manager Manuel Azrak übrigens hervorragend organisierte Pokal-Halbfinale.

TuS Köln rrh.

Ernst - Kramer, Wurth, Tüllmann, Braun - Hella, Bender (67. Frettlöh), Stein, Koch (60. Kirst), Windmüller, Petry

1. FC Saarbrücken

Holz - Arend, Hinsberger, Henning, Kaiser (46. Kraus) - Blank, Karnbach (67. Meyer), Wagner, Marozsan (90. Budge), Keßler, Schwab

Tore:
0:1 Keßler (2.)
0:2 Keßler (49.)

Gelbe Karte: Hella

Schiedsrichterin: Monique Klauß (Mülheim)

Zuschauer: 2800


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